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Im Westen nichts Neues

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Fragwürdige Entscheidungen

Im Westen nichts Neues Kritik

Im Westen nichts Neues Kritik
7 Kommentare - 02.11.2022 von DrStrange
In dieser Userkritik verrät euch DrStrange, wie gut "Im Westen nichts Neues" ist.
Im Westen nichts Neues

Bewertung: 2.5 / 5

ACHTUNG SPOILER !

Ich muss hier erstmal voraussetzen, das ich weder den Roman, noch die Verfilmung aus den 30er Jahren kenne. Mir ist nur die amerikanisch/britische TV-Verfilmung aus dem Jahr 1979 geläufig.

Trailer zu Im Westen nichts Neues

Wenn man mal die positiven Punkte vorweg nimmt, dann ist der Film gerade für eine deutsche Produktion enorm opulent inszeniert. Hier wird in beeindruckenden Kamerafahrten und mit brachialer Härte, der Schrecken und zumindest zum Teil die Sinnlosigkeit des Krieges vor Augen geführt. Dem einen oder anderen zartbesaiteten Gemüt wird der Film hier sicher auf die Magengrube schlagen.

Auch die Darstellerriege weiß eigentlich im Großen und Ganzen sowohl zu überzeugen, aber auch in ihren Rollen zu glänzen. Also durchaus eine Entwarnung, wer hier entnervende Beiträge der letzten deutschen Schauspielergeneration aka Schweiger, Bleibtreu und Konsorten befürchtet.

Im Vorfeld gab es zu dieser Neuverfilmung eine Kontroverse, das der Schluß des Films den Titel ad absurdum führt. Kurz gesagt - ja, das tut er. Da man hier das Ende des Films auf den 11.November und daher das Ende des Krieges legt, das eigentliche Ende aber im Oktober 1918 spielt und hier Bäumer nur durch einen Zufall stirbt, was eben für die Nachricht der Heeresführung auch Sinn ergibt, da das Schicksal eines einzelnen Soldaten keine Bedeutung hat, bei der Masse an Verlusten im ersten Weltkrieg. Die Neuverfilmung lässt aber nun am Ende eine komplette Schlacht ausbrechen, welche bis zur letzten Minute vor dem Waffenstillstand andauert und hier kann man wohl kaum von "Im Westen nichts Neues" mehr sprechen.

Eine weitere Änderung zur Vorlage ist hier das Einfügen neuer Schauplätze und Szenen. Zum einen hat man immer wieder einen Schwenk in Richtung General Friedrich, welcher über das Leben als Soldat sinniert, während er genußvoll dem Wein und gebratenen Täubchen fröhnt. Ich habe hier keinerlei Mehrwert in diesem Handlungsstrang erkannt, außer das Friedrich, am Ende seiner einzigen Existenz beraubt und selbstverliebt wie er ist, kurz vor Waffenstillstand in einem Anflug von entfremdeten Größenwahnsinn, die letzten Soldaten und zusammengeräuberten Rekruten, nochmals an die Front schickt. Somit ist die einzige Berechtigung der Szenen, das neue fragwürdige Ende des Films.

Zum anderen haben wir die Verhandlungen zwischen Matthias Erzberger und der französischen Delegation incl. Marschall Foch. Hier sehe ich zumindest in Daniel Brühl und seiner Darstellung einen gekonnten Mehrwert. Grundsätzlich gilt aber auch hier... eigentlich nur eingefügt damit das neue Ende des Films eine Berechtigung hat. Interessant ist hier aber auf jeden Fall die Darstellung der Franzosen, welche so gar nicht gut und insbesondere wesentlich schlechter wegkommen als die Deutschen. Ob das in unserem Nachbarland wirklich gut ankommen wird, wage ich zu bezweifeln und denke man wird sich hier eher auf die Füße getreten fühlen.

Für all diese Neuerungen mussten aber leider einige entscheidende Handlungsstränge und Personen wegfallen bzw. abgeändert werden.
Zwar bekommt man kurz den "Dorflehrer" Kantorek geliefert, incl. einem moralischen Appell an die zukünftigen Soldaten, aber das eigentliche Gespräch zwischen Bäumer und seinen Gefährten wird komplett weggelassen. Entsprechend fehlt dann auch gegen Ende des Films eine weitere Szene mit Kantorek, welche aber für das Ende mitentscheidend ist.

Auch die komplette Ausbildungszeit wird hier einfach übergangen und damit eben die Figur des Ausbilders Himmelstoß. Dadurch folgt, das es natürlich auch keinen Besuch von Kaiser Wilhelm gibt, der dem hasenfüßigen Himmelstoß einen Orden anheften kann, was für Bäumer eben wie ein Faustschlag ins Gesicht wirkt.

Die Szene mit Bäumer und dem französischen Soldaten in einem Bombenkrater wurde zwar beibehalten, aber wirkt sie hier eher wie eine Nebensächlichkeit. In der Verfilmung von 1979 hat diese ganze Szenerie zum einen wesentlich mehr Luft und Länge, zum anderen auch einen ganz anderen Stellenwert an Eindringlichkeit, gerade wenn der gesichtlose Feind nun nicht mehr anonym und weltfremd wirkt. Auch hier... Chance leider vertan. Hätten sie in der Neuverfilmung dann ebenfalls auch gleich weglassen können.

Desweiteren wurden auch die Eltern von Bäumer und seine Schwester ausgelassen und die kurzweilige Liasion mit einer Französin zwischen den Fronten ist ebenfalls weggefallen. Hier kann man darüber streiten, ob dies einen bedeutenden Mehrwert für die Handlung bietet, aber ich hatte zumindest in der vorherigen Verfilmung durchaus den Eindruch das dem so wäre.

Was aber auf jeden Fall entscheidend in dieser Neuauflage fehlt und wenn dann nur am Ende des Films in einigen Textzeilen eine Erwähnung findet, ist die Tatsache das Bäumer und seine Kameraden, während des ganzen Films nur immer und immer wieder um die gleichen 100 Meter Frontverlauf kämpfen. Den Figuren ist dies natürlich bewußt und führt im weiteren Verlauf auch zur entscheidenden Wahrnehmung ob der Sinnlosigkeit dieses Krieges und der zunehmenden Entromantisierung des glorreichen Kampfes für das Vaterland. Das sehe ich dann doch als derben Schnitzer in der Entscheidung innerhalb des Drehbuchs.

Fazit:
Einen hohen visuellen Schauwert kann man dem Film nicht absprechen und am Ende muss jeder selbst bei Interesse entscheiden, zu welcher Version er greifen will. Mal abgesehen von der offensichtlich besten Wahl, nämlich mal zum Buch zu greifen, würde ich jederzeit der Verfilmung von 1979 den Vorzug geben, das diese wohl am nächsten an den Roman kommt und trotzdem in seinen ebenfalls harten und realistischen Bildern, mit Sicherheit nicht weniger Immersion bietet als die Neuauflage.

Bewertung: 5 von 10 Punkten

Im Westen nichts Neues Bewertung
Bewertung des Films
510

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7 Kommentare
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downset666 : : Moviejones-Fan
04.11.2022 21:06 Uhr
0
Dabei seit: 27.04.16 | Posts: 373 | Reviews: 0 | Hüte: 4

Das sind auch genau meine Kritikpunkte. Visuell und von der schauspielerischen Leistungen her top aber inhaltlich fehlt mir dann doch zuviel, was meiner Meinung nach wichtig für die kernsussage des Films gewesen wäre.

Es liegt in der Natur des Menschen sich selbst zu zerstören...

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PaulLeger : : Moviejones-Fan
02.11.2022 14:29 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 1.698 | Reviews: 12 | Hüte: 189

Ja, da haben wir Vieles recht ähnlich empfunden. wink

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DrStrange : : Moviejones-Fan
02.11.2022 12:07 Uhr
0
Dabei seit: 07.05.12 | Posts: 2.488 | Reviews: 33 | Hüte: 82

@luhp92:

Das klingt ja fast 1:1 wie bei PaulLeger. Schade :-/
Muss mir den Film auch noch ansehen.

Habe ich mir nun auch mal durchgelesen. Ja, da sind eindeutig Parallelen zu erkennen. Ich gebe dem Film trotzdem "noch" 5 von 10.

"The Wheel weaves as the Wheel wills"

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DrStrange : : Moviejones-Fan
02.11.2022 12:00 Uhr
0
Dabei seit: 07.05.12 | Posts: 2.488 | Reviews: 33 | Hüte: 82

@MobyDick:

Danke dir für den Hut ! Den 30er Film werde ich nochmal nachholen, aber eben auch mit Sicherheit nicht gleich die nächsten Tage.

Das Ende der Neuauflage ist grundsätzlich natürlich erstmal ein Ende. Auch muss sich eine Adaption eines Romans sicherlich nicht sklavisch an die Vorlage halten. Aber hier sehe ich das eigentliche Ende und den dazugehörigen Titel als beinahe maßgeblich für die Quintessenz der Erzählung. Das es eben ein Stellungskrieg um ein paar wenige hundert Meter war, bei dem Millionen von Soldaten ums Leben gekommen sind und das Einzelschicksal nicht weiter erwähnenswert ist bei solch einem Ausmaß des Schreckens. Der Film zeigt zwar durchaus mit beinahe holzhammermäßigen Bildern all die detaillierten Grausamkeiten, verpasst es für mich aber, den eigentlichen Kern zu beleuchten bzw. ins richtige Licht zu rücken.

Der Film an sich funktioniert natürlich auch auf seine Weise für sich. Das will ich ihm nicht wegnehmen.

Was aber anscheinend nicht wirklich in diesem Film funktioniert, vor allem auch anscheinend, weil der Film ja so wie du und auch andere schreiben, eben doch Partei (wenn nicht schon für ein Land) zumindest gegen ein anderes Land zu ergreifen scheint. Und da wird es dann irgendwie wieder haarig:

Wo hört der Antikriegsfilm auf und wo fängt die (subtile?) Propaganda an?

Der Film wandelt hier schon recht gewagt auf schmalem Grad, aber ich habe hier keine Pro-Deutschland Propaganda erkennen können. Eher das Gegenteil. Aber die Franzosen werden halt ebenfalls in ein eher gedämpftes Licht gerückt.

Solltest du irgendwann vor der Qual der Wahl stehen, auch speziell an dich... sieh dir den Film von 1979 an, sofern er dir nicht bekannt ist.

"The Wheel weaves as the Wheel wills"

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
02.11.2022 11:49 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 15.796 | Reviews: 169 | Hüte: 562

Das klingt ja fast 1:1 wie bei PaulLeger. Schade :-/
Muss mir den Film auch noch ansehen.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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MobyDick : : Moviejones-Fan
02.11.2022 11:21 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 7.029 | Reviews: 213 | Hüte: 558

Hmm, hmm Hut erstmal

Einen Punkt hätte ich aber, der mir nicht nur bei deinem Review auffällt: Das Ende, das den Titel komplett ad absurdum führt wird ja überall kritisert und der Mehrwert der Änderungen angezweifelt.

Ohne den Film jetzt gesehen zu haben, habe gerade auch eine enorm lange Liste, die ich nicht abgearbeitet kriege, daher werde ich mir den Film wohl sparen, aber ich habe es immer so wahrgenommen, dass eine Verfilmung sich eben nicht sklavisch an ein Buch halten muss, sondern als Film per se funktionieren sollte. Dabei wird sehr häufig die Bedeutung des Titels aufgebrochen und einfach entweder nicht verstanden in diversen Verfilmungen oder es wird den Filmemachern im Sinne eines besseren Seherlebnisses auch recht egal gewesen sein. Beispiele lassen sich da massig finden, angefangen bei einem Zack Snyder, der in jeder noch so linken Vorlage irgendwas rechtsreaktionäres finden kann, aber geht auch deutlich weiter zB bei Der Name der Rose, wo ja genau die Essenz des Titels im vielgelobten Film mit Connery geradezu pervertiert und ins Gegenteil verkehrt wird.

Insofern, wenn der Film als solches funktioniert, bin ich schon geneigt mittlerweile, das wohlwollend zu ignorieren.

Was aber anscheinend nicht wirklich in diesem Film funktioniert, vor allem auch anscheinend, weil der Film ja so wie du und auch andere schreiben, eben doch Partei (wenn nicht schon für ein Land) zumindest gegen ein anderes Land zu ergreifen scheint. Und da wird es dann irgendwie wieder haarig:

Wo hört der Antikriegsfilm auf und wo fängt die (subtile?) Propaganda an?

Ungeachtet dessen, wie gesagt hat jetzt nichts per se nur mit deinem Review zu tun, aber ich dachte ich kann diese Gedanken genauso gut hierhin klatschen und dann meine Fresse haltend abrücken wink

(BTW den 1930er Film kann ich ganz klar empfehlen...)

Dünyayi Kurtaran Adam
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DrStrange : : Moviejones-Fan
02.11.2022 10:42 Uhr
3
Dabei seit: 07.05.12 | Posts: 2.488 | Reviews: 33 | Hüte: 82

Jetzt ist es doch mehr geworden, als ich eigentlich vor hatte zu diesem Film zu schreiben. Naja, dann gibt es halt mal ein Gratis-Review.

"The Wheel weaves as the Wheel wills"

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