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Kleine schmutzige Briefe

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Userkritik von Raven13

Kleine schmutzige Briefe Kritik

Kleine schmutzige Briefe Kritik
1 Kommentar - 08.04.2024 von Raven13
In dieser Userkritik verrät euch Raven13, wie gut "Kleine schmutzige Briefe" ist.

Bewertung: 4.5 / 5

Letzte Woche habe ich mir "Kleine schmutzige Briefe" im Kino angesehen, direkt von "Godzilla x. Kong", welchen ich nur schaute, weil es sich gerade so angeboten hat. "Kleine schmutzige Briefe" jedenfalls war mein Highlight das Tages und dürfte auch eines der Highlights des Jahres für mich bleiben.

Meine Kritik ist spoilerfrei, nur in den ersten beiden folgenden Absätzen gehe ich kurz auf die Ausgangshandlung ein.

Es sind die 1920er-Jahre in England. Roose Gooding (Jessie Buckley) ist eine gebürtige Irin, die nach England ausgewandert ist und nun in Littlehampton wohnt, zusammen mit ihrem Lebenspartner und ihrer jungen Tochter. Roose ist in ihrer Nachbarschaft nicht sonderlich beliebt, und wenn doch, dann nur heimlich, denn sie nimmt kein Blatt vor den Mund, sagt was sie denkt und bedient sich auch gerne einer sehr vulgären und direkten Sprache. Ihre lockere und freche Art ist es, die uns "moderne" Zuschauer zum Lachen bringt, doch in den 1920er Jahren ist dies für die meisten Menschen alles andere als witzig, denn zu dieser Zeit gehörte es sich nicht für eine Frau, so zu sprechen.

Eines Tages bekommt Roose´s fromme und streng gläubige Nachbarin Edith Swan Briefe, in denen sie auf vulgäre und unflätige Weise beleidigt wird. Zu Beginn der Handlung des Films bekommt sie bereits ihren fünfzehnten oder sechzehtnen Brief (an die genaue Anzahl kann ich mich nicht mehr erinnern). Ediths Vater glaubt fest daran, dass die Briefe von Roose kommen, denn sie passen von der Ausdrucksweise her perfekt in das Profil von Roose. Also klagt Edith ihre Nachbarin Roose offiziell bei der Polizei an. Die Ermittlungen und der Prozess sind in dem kleinen Örtchen DAS Gesprächsthema Nummer 1. Roose allerdings beteuert ihre Unschuld und hat sich vorgenommen, diese zu beweisen, während die Polizei fest an ihre Schuld glaubt und es nicht für nötig hält, handfeste Beweise zu suchen. Doch dann bekommt Roose unerwartete Unterstützung...

"Kleine schmutzige Briefe" ist ein Film, der auf jeder Ebene zu überzeugen weiß. Die Handlung ist interessant, spannend und abwechslungsreich und kann von Anfang bis Ende unterhalten wie auch zum Nachdenken anregen und ließ mich mit Roose mitfiebern. Ich konnte mit ihrer Situation richtig gut mitfühlen, so gut wurde die Handlung inszeniert.

Auch schauspielerisch ist der Film toll besetzt, von den beiden Hauptrollen bis hin zu jeder Nebenrolle. Aber nicht nur die Besetzung ist klasse, auch die schauspielerischen Leistungen sind auf sehr hohem Niveau. Alle Charaktere wirken wie mitten aus dem Leben gegriffen und ich kaufe den Darstellern all ihre Rollen ab. Jessie Buckley jedoch sticht von allen am meisten heraus. Ihr Charakter Roose hat Witz und Charme und ist, trotz ihrer vulgären und direkten Aussprache, eine echte Sympathieträgerin, und das vor allem auch dank Jessie Buckleys großartigem Schauspiel.

Das Setting der 1920er Jahre in dem kleinen Küstenstädtchen Littlehampton ist klasse und wurde sehr gut eingefangen und versprüht den Charme und auch die Abscheu dieser Zeit und des Landes. Die Kulissen und die Produktionsausstattung sind ebenfalls gut gelungen, wobei ich die Authentizität nicht beurteilen kann, da ich kein Historiker bin. Es "wirkt" aber alles sehr authentisch.

Auch die Musikuntermalung ist wirklich extrem gut gelungen und weiß immer, mit den Gefühlen des Zuschauers zu spielen. Ein um´s andere Mal hatte ich dank der Musik eine Gänsehaut.

Der Film erzeugt viel mehr Gefühle als nur Freude und Erheiterung. So erzeugte der Film bei mir zudem viel Mitgefühl und Einfühlsamkeit, dazu auch ein gesteigertes Maß am Gerechtigkeits-Gefühl und an Wut auf bestimmte Gepflogenheiten dieser Zeit, welche gerade auch Frauen zum Nachteil gereicht haben und worunter eine so "moderne" Frau wie Roose leidet. Jedoch erzeugt es auch viel Freude, zu sehen, dass Roose sich nicht unterkriegen lässt und immer wie das blühende Leben selbst wirkt. Für sie ist das wichtigste ihre kleine Tochter, und für ihr Wohlbefinden tut sie alles, was vielen anderen von ihren Nachbarn und Anklägern völlig egal ist.

Wer Historienfilme dieser Zeit und Dramen, Krimis wie auch Komödien mag, wird hier sicher auf seine Kosten kommen. Der Film ist sehr lebensbejahend und erzeugt viele Gefühle, sowohl negative wie auch positive, wobei letztere absolut überwiegen. Der Film wird als Komödie betitelt, doch auch hier finde ich diese Einordnung nicht so wirklich passend. Die Einordnung erinnert mich an "The Banshees of Inisherin", der ebenfalls oftmals als Komödie bezeichnet wird, aber keinesfalls eine ist. Die Komik, die hier im Film vorkommt, ist reine Situationskomik und definitiv keine Komik um der Komik oder des Lachens Willen. Ja, man kann oft lachen, und es wurde im Kino oft gelacht, doch im Herzen ist der Film dann doch eher ein Krimi-Drama, und dazu eines, welches auf einer wahren Begebenheit beruht, was die Handlung noch interessanter macht.

Bisher einer der besten Filme des Jahres für mich, und ich kann es kaum erwarten, ihn erneut im Heimkino zu schauen. Selbst fünf Tage nach der Sichtung muss ich immer noch oft an den Film und dessen Handlung denken.

Bewertung: 9/10 Punkte

Wiederschauwert: Hoch

Nachhaltiger Eindruck: Hoch

Emotionale Tiefe: Hoch (Freude, Heiterkeit, Humor, Wut, Mitgefühl, Einfühlsamkeit)

Kleine schmutzige Briefe Bewertung
Bewertung des Films
910

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1 Kommentar
MJ-Pat
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Raven13 : : Desert Ranger
08.04.2024 20:24 Uhr | Editiert am 08.04.2024 - 22:54 Uhr
0
Dabei seit: 13.02.16 | Posts: 7.290 | Reviews: 110 | Hüte: 654

Ein wirklich toller Film, der leider unter dem allgemeinen Radar fliegt, dabei ist es ein äußerst gelungener Film.

Meine Kritik ist spoilerfrei. Zu Beginn gehe ich kurz auf die Rahmenhandlung ein, doch ich verrate nichts, was die Handlung oder wichtige Erteignisse spoilert.

Ein Zauberer kommt nie zu spät. Ebenso wenig zu früh. Er trifft genau dann ein, wenn er es beabsichtigt.

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