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Nope

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The Spielberg gaze (of horror)

Nope Kritik

Nope Kritik
14 Kommentare - 01.01.2023 von MB80
In dieser Userkritik verrät euch MB80, wie gut "Nope" ist.
Nope

In einem kargen Tal in Kalifornien betreibt die Haywood Familie ihre kleine Ranch, „Haywood Hollywood Horses“ trainiert Pferde für Filmproduktionen, und das wohl seit Generationen. Eines Tages geschieht das undenkbare, der Vater Otis Sr. wird vor den Augen seines Sohnes Otis Jr. („OJ“, Daniel Kaluuya) von einer vom Himmel fallenden Münze tödlich getroffen. Der mysteriöse Vorfall wird auf ein Flugzeug geschoben und nicht weiterverfolgt, aber einige Monate später kämpft OJ darum, die Ranch finanziell über Wasser zu halten. Mit den Gigs bei Filmproduktionen läuft es nicht gut, und weder der sozial eher scheue OJ noch seine sehr extrovertierte Schwester Emerald („Em“, Keke Palmer) kriegen das Business wirklich wieder auf die Beine. So schlecht steht es um die Ranch, dass OJ sich gezwungen sieht, einige seiner Pferde an die nahe Western-Attraktion „Jupiter`s Claim“ zu verkaufen. Aber eines Nachts sieht OJ dann etwas, was ihm eine Idee zu schnellem Geld und Ruhm gibt. Leider hat er dabei vergessen, dass er in einem Jordan Peele Film ist, und nicht alles das ist, was es auf den ersten Blick zu sein scheint.

Misdirect

Trailer zu Nope

Es ist wahrscheinlich keine Übertreibung, dass Peele zu einem den vielversprechendsten Regisseuren der aktuellen Zeit gehört. Er hat erst drei Filme im Petto, und trotzdem steht schon mehr als deutlich „Written/Directed by Jordan Peele“ darauf, als wären sie von Tarantino. Er ist quasi sein eigner Brandname geworden, von dem man packende Horrorfilme mit gesellschaftlichem Kommentar in cleveren Metaphern erwartet. Und bei seinem dritten Film nutzt er diese gewonnene Narrenfreiheit, um die Erwartungen zu unterwandern. Nope funktioniert, typisch, auf mehreren Ebenen, aber Peele führt uns auch ein wenig in die Irre. Das charmante dabei allerdings: der Film funktioniert, wenn man will, als ganz einfacher Blockbuster mit hohem Spannungs- und Unterhaltungspotenzial. Vordergründig haben wir hier einen Western/SciFi/Horror Hybriden, der dann aber (mehr dazu später) eben auch als Kommentar zu genau diesen Genres dient die, nicht umsonst, typischerweise nicht mit Schauwerten geizen. Einen Teil seiner Spannung zieht der Film dabei aber auch aus ein paar falschen Fährten, zunächst einmal scheint es, als würde Peele uns mit dem Kommentar zum namenlosen Schwarzen Jockey wieder einmal in die Thematik von Get out lenken. Das ist aber gar nicht das Kernthema des Filmes, der tatsächlich zweimal das Genre wechselt, ohne dabei ins Schwitzen zu geraten.

Spektakel

Das eigentliche Kernthema des Filmes wird uns allerdings gleich am Anfang vor die Nase gehalten. Wer einen Bibelvers als Intro verwendet, dem könnte man Ambitionen unterstellen, und so arbeitet sich Peele auch hart am Thema des Spektakels und unserem problematischen Umgang damit ab. Dass er das ganze einfach einmal in einen scheinbaren Blockbuster packt, nimmt man als Freund des Subversiven natürlich gerne mit. In diesem Kontext machen auch die Flashbacks zu der gescheiterten Show mit dem Affen „Gordy“ nicht nur Sinn, sondern sind auch essenziell. Die Schlüsselszene, die sich des Themas annimmt, ist dann wohl auch die, in der Ricky "Jupe" Park (Steven Yeun), der Besitzer von „Jupiter’s Claim“ und ehemaliger Kinderstar aus genannter Show, den Vorfall beschreibt, durch den diese dann abgesetzt wurde. Er beschreibt den Vorfall nicht aus der Eigenperspektive, sondern benutzt einen SNL Scatch zu dem Vorfall, um ihn zu beschreiben. Hier schnappt Peele geschickt gleich zwei Bälle in der Luft auf: zum einen eben, wie wir ein Trauma verklären. Zum anderen, wie wir auch aus Tragödien wieder Schauwerte machen (vielleicht sind beide Punkte auch verzahnt…). „Jupe“ wird hier zum zentralen Charakter, weil er auch noch die völlig falschen Schlüsse aus dem Erlebten gezogen zu haben scheint, nämlich dass er in der Lage ist, ähnliche Situationen zu kontrollieren. Und um diesen Punkt mit seiner Kritik am Spektakel noch zu unterstreichen, greift Peele nochmal in die Trickkiste. Der ganze Film hat mehr als eine Anspielung oder Referenz zu zwei von Spielbergs wichtigsten Filmen, Der weiße Hai und Unheimliche Begegnung der dritten Art. Eines der Stilmittel bei Spielberg ist wohl sein berühmtes „Spielberg Face“, wenn seine Charaktere zu etwas, naja, spektakulärem hochblicken. Das tun die Charaktere in Nope auch, aber hier ist es eher der blanke Schrecken, den man in den Gesichtern bald sieht.

Exploitation

Was machen wir mit etwas spektakulärem? Na, am besten Geld draus. Nahtlos knüpft sich das Thema der Ausbeutung im Film an das Spektakel an. Der genannte „Jupe“ ist hier gleich zweimal präsent, auch vor allem spielt der Haupthandlungsstrang in diese Richtung. Was auch immer da in den Wolken ist, OJ und Em wollen es. Abgelichtet und/oder irgendwie zum zur Schau stellen, am besten gleich bei Oprah. In einer weiteren Schlüsselszene, die allerdings (bewusst) ganz klein gehalten wird, thematisiert das der Charakter Angel sogar direkt und spricht an, dass man doch hier wohl hoffentlich etwas Höheres anstrebt oder verfolgt. Das wird dann natürlich gleich unter den Teppich fallen gelassen, denn am Ende geht es eben nur um den Ruhm. Und dementsprechend hat das Ende auch eine bittersüße Note, wenn das Monster dann endlich abgebildet wird, aber eben auch dadurch getötet und geschändet wird .

Medien

Nope ist wahrscheinlich auch der beste Blockbuster für die TicToc Generation. Überall Kameras, bereit dann doch den einen interessanten Moment zu erwischen. „What’s the matter? Don’t you want to be on TV?” fragt der fliegende TMZ Reporter, dessen Hirnwindungen sich nur um Aufnahmen zu drehen scheinen. In seinem bescheuerten silbernen Anzug sieht er aus wie ein personifizierter Spiegel der Mediengesellschaft, und ist gleichzeitig der ultimative Trigger für das gejagte Tier, wie in einer Szene am Anfang etabliert . Dass sich das „UFO“ in einer wörtlichen „Cloud“ versteckt und wie ein Auge aussieht, gibt natürlich Ambivalenz/Metapher Bonuspunkte.

The perfect shot

Dass die Bilder sich bei den Themen des Filmes einreihen, sollte jetzt nicht wundern. Peele greift hier tatsächlich auf seinen ersten Film Get out zurück. Hier wurde das Blitzlicht der Handykamera ja zur Metapher, dass man die Bilderkonstruktion der „Weißen“ Gesellschaft durchbrechen musste. Nope geht aber einen anderen Weg, hier geht es eher um die Besessenheit, die perfekte Aufnahme zu machen. Der Kameramann Antlers Holst (großartig: Michael Wincott) spielt hier die zentrale Rolle, und sein Charakter geht dann auch den entsprechenden Weg (das ist allerdings auch der einzige Teil, wo ich dem Film so etwas wie Plumpheit unterstellen würde).
Weniger thematisch als eher technisch möchte ich hier übrigens nochmal hervorheben, wie fantastisch der Film vom Sounddesign und der Inszenierung gemacht ist. Peele hat fraglos Spielberg studiert, und nutzt ambivalenten Sound und die „Stille vor dem Sturm“ um effektiv Spannung zu generieren. Diverse Sequenzen (die Kamerafahrt zu „Gordy“) zeigen ebenfalls, dass er weiß, dass es oft effektiver ist, weniger zu zeigen, und echter Horror sich eben aus der eigenen Fantasie ergibt.

Nope

Jetzt habe ich gar nicht über die Charaktere usw. geschrieben. Ist auch fein, diese funktionieren im Zusammenspiel gut, und Peele hat sich auch seinen typischen schwarzen Humor beibehalten (die angeblich erste „fist bomb“ endet mit einer echten Explosion, um mal eine böse Stelle zu nennen). Aber vielleicht spreche ich einfach nochmal den seltsamen Verweigerungstitel des Filmes an. 100% einordnen lässt sich dieser nicht (mein Take…), aber man sollte ihn sich bei seiner Erwartungshaltung durchaus zu Herzen nehmen. Nope ist nicht so (als Blockbuster aber gerade so) straight forward wie die beiden Titel davor. Nicht das, was man vielleicht sieht oder erwartet. Und für mich hat der Film auch stark davon profitiert, ihn ein zweites Mal zu sehen. Das Ergebnis ist ausgesprochen vielschichtig, was man auch (Musikauswahl war bei Peele immer wichtig) an einem zentralen Musikstück ausmachen kann. „Sunglasses at night“ ist sowohl ein peppiger Song, deutet in genau der Szene, wo er spielt vielleicht auch einfach darauf hin, dass man das „UFO“ eben nicht direkt ansehen kann, und wird auch gerne interpretiert als ein Song über jemanden, der sich gerne besonders „Tough“ gibt. Unterhaltung und Ambivalenz, das kann er, der Peele.

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14 Kommentare
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MobyDick : : Moviejones-Fan
07.01.2023 22:17 Uhr
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Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 7.108 | Reviews: 216 | Hüte: 561

MB80

Nee, kann man nicht

Doch, kann man sehr wohl, weil die Handlung GENAU das tatsächlich bei genauerer Betrachtung hergibt, muss man aber nicht -)

Dünyayi Kurtaran Adam
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MB80 : : Cheddar Goblin
07.01.2023 16:51 Uhr
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Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 2.596 | Reviews: 44 | Hüte: 238

MobyDick:

"Der Film hat durchaus mehr Nebenschauplätze als die Affenstory, zB wird das Thema des Dazugehörens aber gleichzeitig Ausgestoßenseins eben weil man unterschiedliche Hautfarben hat, durchaus sehr transparent transportiert, dadurch gehören diese Leute eben weder zu den Weißen, noch mehr zu ihrer eigenen Gruppierung und sind quasi isoliert."

Irgendwie werden hier gerade Themen und Schauplätze durcheinander geworfen glaube ich. Die Gordy Story ist zeitlich/räumlich versetzt, thematisch aber klar eingebunden (auch relevant für eine Schlüsselszene). Das was du am Ende ansprichst ist einer der von mir genannten "Misdirects", wir erwarten vom Peele mal wieder einen ähnlichen Kommentar, aber "nope". Verweigerungstitel.

"Aber während die sozialen Aspekte eben in den 1970er Filmen auch immer tatsächlich angesprochen wurden, überlässt Peele hier vieles der Interpretation und bleibt recht sperrig und eben nicht rund, weil eben vieles einfach nur "gesagt" wird."

Abgesehen davon, dass ich offensichtlich schon sagen würde vieles ist ausformuliert: Denkanstöße geben würde ich auch nicht als Kriterium für Minuspunkte nehmen.

"Zudem hat er ein großes Budget zur Verfügung, man kann hier also nicht wirklich von einem kleinen Film sprechen."

Hat doch auch niemand.

"Man könnte dieses UFO auch als Landsterben-Parabel a la Phantasm 2 interpretieren oder gar als Geschichte der Willkür der Oberen, oder eine Story über Polizeigewalt, und wer sich denen beugt und nicht mit erhobenem Haupt vor einem steht wird nicht geschädigt. Kann man alles so lesen"

Nee, kann man nicht, ausser du hältst das auch für ne valide Interpretation von ID4 z.B.^^ Seine Themen setzt der Film recht klar, ich bin eh etwas perplex wie selten bei den Kommentaren zum Film das Thema "Spektakel" aufgegriffen wurde, das wortwörtlich als Präambel vorm Film zitiert wird.

“...and the stronger the fear of boredom, the louder the music."

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MobyDick : : Moviejones-Fan
06.01.2023 16:42 Uhr
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Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 7.108 | Reviews: 216 | Hüte: 561

MB80 und luhp92

Ich mach es mal ein bißchen stenomäßig, da ich gerade ein bißchen auf dem Sprung bin, wollte aber auch noch was dazu sagen bevor es untergeht.

Der Film hat durchaus mehr Nebenschauplätze als die Affenstory, zB wird das Thema des Dazugehörens aber gleichzeitig Ausgestoßenseins eben weil man unterschiedliche Hautfarben hat, durchaus sehr transparent transportiert, dadurch gehören diese Leute eben weder zu den Weißen, noch mehr zu ihrer eigenen Gruppierung und sind quasi isoliert. Das spiegelt sich auch im Verhaltensmuster von diesem Kaaluya oder wie der heisst wieder. Dieser Handlungsstarng wird also einesfalls nur angedeutet und fallengelassen sondern wabert immer ein bißchen mit.

Die anderen Themen habt ihr ja auch schon agesprochen.

Die Inszenierung selbst ist sehr stark von Spielbergs Inszenierungsstil der 1970er beeinflusst, wobei das nicht wirklich der Spielberg Stil sondern einfach der 1970er Stil ist, da braucht man als Vergleich nur mal Glut des Südens, Weiße Hai, Gebrüder Löwenherz, Achterbahn etc schauen. Aber während die sozialen Aspekte eben in den 1970er Filmen auch immer tatsächlich angesprochen wurden, überlässt Peele hier vieles der Interpretation und bleibt recht sperrig und eben nicht rund, weil eben vieles einfach nur "gesagt" wird.

Zudem hat er ein großes Budget zur Verfügung, man kann hier also nicht wirklich von einem kleinen Film sprechen. Dass er dann aber einen auf Black Winding Refn machen muss - ganz ehrlich, eigetl besser, da er tatsächlich was zu sagen hat - ist nicht wirklich hilfreich, um den Film gut zu finden oder zu mögen.

Wie gesagt, das er es kann, weiß man, dass er er es schafft zu transportieren, weiß man nicht erst seit Get Out, vorher war er auch ziemlich gut - tw sogar besser - aber Nope verhaspelt sich in meinen Augen, will zuviel erzählen, was gerade in diesem Kontext nicht nötig wäre, und schafft es eben nicht alles in einem Runden zu vereinen.

Man könnte dieses UFO auch als Landsterben-Parabel a la Phantasm 2 interpretieren oder gar als Geschichte der Willkür der Oberen, oder eine Story über Polizeigewalt, und wer sich denen beugt und nicht mit erhobenem Haupt vor einem steht wird nicht geschädigt. Kann man alles so lesen

ist sicher auch so gewollt, aber macht das gleich einen guten Film, wenn der Film eben keinen guten Fluß hat, viel zu vieles einfach nur andeutet, um schlau zu sein, ohne es zu vertiefen, und noch intelligenter zu wirken als er tatsächlich ist? Nope

Dünyayi Kurtaran Adam
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
06.01.2023 16:13 Uhr
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Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 16.016 | Reviews: 171 | Hüte: 567

@MB80

"thematisch erreicht der Film sein Ziel" -> ja
"er sieht auch gut aus" -> schon, aber leblos, nicht lebendig
"ist spannend" -> nein, nur in Ausnahmen

Das ist in der Diskussion anscheinend nicht ganz klar geworden.

"Woher diese angebliche Sterilität kommen soll sehe ich auch nicht"

Ob es an den Animationen, den Filtern oder etwas anderem liegt, keine Ahnung, ich kann es selbst nicht genau ergründen. Ich kann nur beschreiben, wie ich den Film wahrgenomme habe.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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MB80 : : Cheddar Goblin
06.01.2023 13:44 Uhr
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Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 2.596 | Reviews: 44 | Hüte: 238

Luhp92:

"Und das ist auch die Ebene des Films, die ziemlich gut funktioniert.

Schauwerte, Action und Suspensemomente hat "Nope" jedoch zur Genüge zu bieten, dafür benötigt der Film kein größeres Budget, die 68 Mio. USD reichen schon aus."

Also thematisch erreicht der Film sein Ziel, und er sieht auch gut aus und ist spannend. Aber er scheitert dann daran, dass Peele das nicht "verkaufen" kann? I dont get it. Ich verstehs wirklich grad nicht. Woher diese angebliche Sterilität kommen soll sehe ich auch nicht, da würde ich direkt mal die Szene im Haus bei Nacht anführen, die ist ja jetzt inszenatorisch nicht blutleer (Ba-Dum... Tusch).

“...and the stronger the fear of boredom, the louder the music."

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
05.01.2023 16:57 Uhr | Editiert am 05.01.2023 - 16:59 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 16.016 | Reviews: 171 | Hüte: 567

@MB80

Natürlich möchte Peele das Spektakelkino und die Sensationsgier auch kommentieren. Wenn er nicht kommenteiren wollte, wäre es kein Peele-Film^^ Und das ist auch die Ebene des Films, die ziemlich gut funktioniert.

Schauwerte, Action und Suspensemomente hat "Nope" jedoch zur Genüge zu bieten, dafür benötigt der Film kein größeres Budget, die 68 Mio. USD reichen schon aus. Peele gelingt es nur nicht, das (Spielberg´sche) Spektakel zu verkaufen. Dass sich der Film diesem Spektakel durch einen sterilen Look o.Ä. bewusst verwehren möchte, viellecht. Kann ich aber nicht so recht glauben, wenn Kaluuya im Finale auf einem Pferd vor dem Wesen flüchtet und dazu eine John-Williams-artige Melodie eingespielt wird. Das hätte glatt ein neuer Indiana Jones sein können^^

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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MB80 : : Cheddar Goblin
04.01.2023 19:02 Uhr
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Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 2.596 | Reviews: 44 | Hüte: 238

Mobydick:

" Aber er geht diesmal wirklich sehr weit mit dem Prätentiösen und Andeuten und wird dadurch zu sehr zum Auteur denn Blockbusterkinoregisseur, aber genau das will er hier ja auch abliefern."

Irgendwie wirfst auch du dem Film hier vor, was er nicht (klar) sein will, ein Blockbuster. Nur weil Peele diese als Idee nimmt heißt ja nicht, dass er sich 1:1 an denen (oder deren Box Office) messen will.

"Das ist nicht organisch zusammengefügt."

Also der einzige wirkliche "Nebenschauplatz" ist ja die Gordy Storyline, und die ist ja fix in Handlung und Thema eingebaut. Das kann dem einen oder anderen zu sperrig sein, gut, aber dann sollte man auch vom Paten II z.B. die Finger lassen.

Den zweiten Absatz nehme ich mal als "Peele hat den interessanteren ET gedreht" mit ;)

“...and the stronger the fear of boredom, the louder the music."

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MB80 : : Cheddar Goblin
04.01.2023 18:53 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 2.596 | Reviews: 44 | Hüte: 238

Luhp92:

"Begeisterungsfähiges und beeindruckendes Spektakel ist ihm in meinen Augen gemessen an diesen Vorbildern aber nicht gelungen, es fehlt der Funke, der alles zum Leben erweckt. Große Bilder sind da, aber es bleibt weitestgehend steril. Für einen Horrorthriller zu elegisch erzählt und es ist auch kein Slowburner, der Schimpansen-Flashback war für mich das Effektivste, das sagt im Prinzip schon alles aus."

Das wäre genau der Punkt, wo ich dann sagen würde, die Kritiker sind dem Film auf den Leim gegangen. Er will ja nicht genauso spektakulär sein wie die Vorbilder, er nutzt sie um einen Kommentar zum Spektakel zu machen. Ich meine, gib Peele 100 Mio. mehr für Effekte oder so, aber dadurch wird der Film inhaltlich nicht anders/besser. Ich habe das Gefühl, du versuchst den hier in Kategorien zu packen, denen er sich eben verwehrt (Nope!). Ich habs ja erwähnt, der ist nicht umsonst ein Hybrid aus Genres, die gerne Schauwerte haben. Würde übrigens sagen, gerade aus Horrorebene funktioniert der oft extrem gut, da ist ja die ganze Sequenz am Haus, oder die Szene im "inneren des UFOs".

Das mit den Charakteren kann ich am ehesten nachvollziehen, aber auch die sind klar gezeichnet und haben eine tolle Dynamik.

“...and the stronger the fear of boredom, the louder the music."

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MobyDick : : Moviejones-Fan
04.01.2023 17:39 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 7.108 | Reviews: 216 | Hüte: 561

MB80

An der Vielschichtigkeit und auch dem Subkontext mangelt es dem Film in keinster Weise, das will ich ihm auch nicht absprechen in irgendeiner Form. Aber er geht diesmal wirklich sehr weit mit dem Prätentiösen und Andeuten und wird dadurch zu sehr zum Auteur denn Blockbusterkinoregisseur, aber genau das will er hier ja auch abliefern. Insofern passt es eben ganz gut, dass er Spielbergs Weißen Hai gepaart mit Unheimliche Begegnung als Quellen nennt. Aber wo es Spielberg eben doch gelang seine Geschichte konsequent und stimmig zu erzählen, und dabei immer noch ein Bild einer Nation als Zeitzeugnis zu zeigen, sind Peeles eingebrachten Nebenkriegsschauplätze eben teilweise wie Fremdkörper in seinem eigenen Film. Das ist nicht organisch zusammengefügt.

Um eben einen anderen Vergleich anzustreben: Als ET so erfolgreich wurde, gab es anscheinend tatsächlich sehr ausgereifte Ideen für eine Fortsetzungen mit bösen ETs, die irgendwie mit spitzen Zähnen und menschenfressend oder gar kannibalistisch veralagt daher gekommen wären. Wie man unschwer erkennen kann, wäre dieser Film deutlich ruppiger und düsterer geworden. Während dem Sichten der zweiten Hälfte von Nope musste ich immer wieder an diesen "Spielberg-Film" denken. Und das ist sicherlich nicht diue Intention von Peele gewesen wink

Insofern Nope, das konnte er schon besser: Mein Favourite ist Us tongue-out

Dünyayi Kurtaran Adam
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
04.01.2023 16:45 Uhr | Editiert am 04.01.2023 - 16:45 Uhr
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Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 16.016 | Reviews: 171 | Hüte: 567

@MB80

Peele wollte ja Spektakelkino drehen, als Hauptinspirationen nennt er "Jurassic Park" und "King Kong" (ferner "Umheimliche Begegnung der dritten Art"). Wie du habe hier außerdem noch Einiges von "Der weiße Hai" gesehen.

Begeisterungsfähiges und beeindruckendes Spektakel ist ihm in meinen Augen gemessen an diesen Vorbildern aber nicht gelungen, es fehlt der Funke, der alles zum Leben erweckt. Große Bilder sind da, aber es bleibt weitestgehend steril. Für einen Horrorthriller zu elegisch erzählt und es ist auch kein Slowburner, der Schimpansen-Flashback war für mich das Effektivste, das sagt im Prinzip schon alles aus. Darüberhinaus mangelt es an interessanten, mehrdimensionalen Charakteren, mit denen fängt der Film nichts an, außer dass sie eben das Wesen filmen wollen.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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MB80 : : Cheddar Goblin
04.01.2023 09:23 Uhr
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Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 2.596 | Reviews: 44 | Hüte: 238

MobyDick:

"...da du dir Gedanken gemacht hast zu einem Film, der es eigentlich nicht verdient.."

Der Witz ist ja, wenn man sich keine Gedanken macht, dann entgeht einem die Vielschichtigkeit tongue-out Aber wie geschrieben, mich hatte der Film nach dem Kinogang auch noch nicht ganz erreicht, ich fand es aber sehr "rewarding" dann viel dazu zu lesen. Bei zweiten mal hat es dann wirklich geklickt.

Wenn du mir schon ne Kritik widmest, muss ich wohl mal rüber schauen...

luhp92:

Inwiefern verhebt sich der Film denn? Verstehe ich gerade nicht ganz. Bei mir wäre der gerade wie gesagt auf Platz eins, von den anderen ist Us etwas spannender und schräger, dafür ist Get out so wunderbar pointiert.

“...and the stronger the fear of boredom, the louder the music."

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
03.01.2023 21:44 Uhr | Editiert am 03.01.2023 - 21:47 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 16.016 | Reviews: 171 | Hüte: 567

Saubere Analyse. Kann dem nur zustimmen, auch wenn ich finde, dass sich der Film deutlich an seinen Vorbildern verhebt.

"Us" halte ich für den gelungensten, hier kommt Peeles Handschrift, also Horror plus politischer Kommentar, am besten zur Geltung.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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MobyDick : : Moviejones-Fan
03.01.2023 16:08 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 7.108 | Reviews: 216 | Hüte: 561

Ich bin nicht so begeistert von dem Film, aber trotzdem kriegste einen Hut, da du dir Gedanken gemacht hast zu einem Film, der es eigentlich nicht verdient - als direkte Antwort habe ich mal Spielbergs "Besten" kritisiert wink

Dünyayi Kurtaran Adam
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MB80 : : Cheddar Goblin
01.01.2023 22:24 Uhr
3
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 2.596 | Reviews: 44 | Hüte: 238

Nicht sicher, ob das jetzt mein ambitioniertester Ramble oder meine beste Kritik bislang ist. Passt zum Film, der, ich hau jetzt einen raus, in meinen Augen Peeles bester ist. Gedanken dazu erwünscht, wie immer...

Ich kann übrigens den "Projektionen" Podcast vom Stiglegger, der sich speziell mit den drei Filmen vom Peele beschäftigt, wärmstens empfehlen.

“...and the stronger the fear of boredom, the louder the music."

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