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Prisoners

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Tolles US-Debüt von Villeneuve

Prisoners Kritik

Prisoners Kritik
0 Kommentare - 17.11.2013 von MatthewDiCaprio
In dieser Userkritik verrät euch MatthewDiCaprio, wie gut "Prisoners" ist.

Bewertung: 4 / 5

Warner Bros. hat jahrelang versucht, den Thriller "Prisoners" zu realisieren. Eigentlich sollten Christian Bale und Mark Wahlberg die beiden männlichen Hauptrollen übernehmen, und Bryan Singer sollte die Regie führen, doch diese Idee wurde schnell in den Mülleimer geworfen. Lange Zeit wurde auch Leonardo DiCaprio mit diesem Projekt verbunden, doch der verließ am Ende auch den Film. Dann wurden Hugh Jackman für die Hauptrolle und Antoine Fuqua als Regisseur ausgesucht, suchten aber auch schnell das Weite, bevor Jackman letztendlich doch Keller Dover porträtierte und das war eine gute Entscheidung. Denn "Prisoners" ist ein intensiver Thriller, der ein überzeugendes Portät zweier Familien zeichnet, die langsam, aber sicher zerbrechen. Der kanadische Filmregisseur Denis Villeneuve war vor "Prisoners" eigentlich ein unbeschriebenes Blatt in Hollywood. Erst als er für seinen Film "Incendies" eine Oscarnominierung bekam, wurde Hollywood auf ihn aufmerksam. Dieser Thriller ist sein US-Debüt und er ist mehr als nur gelungen, fast ein Meisterwerk. Villeneuves Inszenierung ist stilsicher und atemberaubend. Die Spannungskurve lässt er langsam ansteigen und lässt sich dabei viel Zeit, was die 158 Minuten Laufzeit zeigen. Doch obwohl der Thriller so lang ist, enthält er nur ganz wenige Längen. Villeneuve nutzt die gesamte Zeit, um die Geschichte zu entfalten. Jede Szene trägt etwas zum Plot bei, jede Aufnahme ist gleich wichtig. Auch die Art und Weise, wie er Gott in dem Film einsetzt, ist wirklich sehr gelungen. Drehbuchautor Aaron Guzikowski schrieb vor "Prisoners" einen anderen Thriller, nämlich "Contraband" mit Mark Wahlberg, der mir persönlich gut gefiel, denn schon in dem Film zeigte Guzikowski, dass er mit Twists gut umgehen kann. Für "Prisoners" holt er aber alles aus sich raus und bewirbt sich mit seinem Skript für weitere hochwertige Jobs. Obwohl das Drehbuch keine krachende Action besitzt, hinterlassen die ruhigen Szenen mehr Eindruck, als eine beliebige Actionszene. Die Charakterzeichnung ist hervorragend, nicht nur was Keller Dover angeht, sondern alle Elternteile und Detective Loki wurden überzeigend gezeichnet. Doch der Fokus liegt ganz klar auf Dover, auf dessen Psyche besonders eingegangen wird. Das Ergebnis ist, dass ein Mensch, vor allem ein Vater, in der Not zu jedem Mittel greift, auch wenn er auf dem Weg dabei die eigene Persönlichkeit verliert. Hugh Jackman verkörpert den guten Vater Keller Dover, der mit seiner Familie Thanksgiving bei seinem Freund Franklin feiert. Doch die Feierlaune verschwindet ganz schnell, denn seine und Franklins Tochter wurden entführt. Der einzige Anhaltspunkt, den alle Beteiligten haben, ist ein Wohnwagen mit seinem Besitzer, einem zurückgebliebenen Verdächtigen. Als die Polizei auch nicht weiterkommt und ihn gehen lässt, versucht er auf eigene Faust die Wahrheit zu entdecken. Hugh Jackman liefert wohl die zweitbeste Performance seiner Karriere ab, denn in "Les Miserables" war er doch etwas stärker. Dennoch ist seine Darstellung des verzweifelten Familienvaters unglaublich intensiv. Die Wandlung vom liebenswerten Vater zu einem Monster, der seine Seele auf dem Pfad, den er beschreitet, verliert, wird von Jackman sehr überzeugend dargestellt. Es gibt mehrere Szenen, die unter die Haut gehen. Trotz seiner Wandlung sympathisiert der Zuschauer immer noch mit Dover, denn man kann sich leicht mit ihm identifizieren. Jake Gyllenhaal spielt Detective Loki, der für die Ermittlungen zuständig ist. Doch so sehr er sich auch bemüht, Beweise zu finden, er landet immer einer Sackgasse und der Fall lässt ihn nicht mehr los. Jake Gyllenhaals Leistung ist ebenfalls beachtlich und er zeigt wieder einmal, was für ein guter Schauspieler in ihm steckt. Sein Charakter bleibt über die gesamte Laufzeit sehr geheimnisvoll und das verdankt man Gyllenhaal. Dennoch bleibt er auf dem Boden, indem er die ganze Zeit blinzelt, ein Tick, der ihn menschlicher macht. Paul Dano wirkt sehr überzeugend. Man wird bis zum Twist nicht aus seiner Figur schlau. Ebenfalls Melissa Leo, die wieder einmal eine gute Performance abliefert, aber wenige Szenen besitzt. Die restliche Besetzung ist ebenfalls gut. Maria Bello, Terrence Howard und Viola Davis als besorgte Eltern sind alle unterschiedlich und glaubwürdig. Und der (bisher) beste Thriller des Jahres ist: Prisoners, und das mit großem Abstand. Der Film ist ein intensives Kinoerlebnis, der tief in menschliche Abgründe blickt und einen auch Tage nach dem Anschauen verfolgen wird. Die Geschichte klingt auf dem ersten Blick ganz simpel. Zwei kleine Mädchen aus zwei verschiedenen Familien werden entführt, die Polizei findet nichts, Sackgasse. Krimi-Fans haben einen solchen Plot sicher schon ziemlich oft gesehen und manchmal sind diese Bücher vorhersehbar und besitzen keine Spannung. Prisoners ist da ganz anders gestrickt und beweist, dass man aus einer solchen Story sehr viel mehr rausholen kann. Die Spannung ist zu jeder Zeit zu spüren und die dichte Atmosphäre weiß zu gefallen. Man hat immer das Gefühl, dass der Film zu jedem Zeit die große Bombe loslässt. Roger Deakins, der bisher zehn Oscarnominierungen erhielt, leistet wieder einmal großartige Arbeit. Er liefert tolle, kalte Bilder ab, die perfekt die Geschichte widerspiegeln. Der Zuschaer spürt förmlich die Kälte, auch ein tolles Synonym zur Wandlung von Keller. Das Drehbuch ist sehr intelligent und zeigt, wie ein solcher Fall einen selbst verändern kann. Dabei kann insbesondere die Darstellung der Elternteile überzeugen. Jeder reagiert anders, jeder trauert auf eine andere Art und Weise. Da hätten wir Grace Dover, die sich mit Medikamenten vollpumpt, um so die Geschichte zu vergessen. Bei Franklin hat man das Gefühl, dass er zu keinem Zeitpunkt realisiert, dass seine Tochter entführt worden ist. Nancy steht in permanentem Schock. Keller Dover besitzt die krasseste Entwicklung. Anstatt auf die Ermittlungen zu warten, versucht er Alex selber zu verhören. Diese Szenen gehören zu den intensivsten, die ich in diesem Kinojahr gesehen habe. Einerseits denkt man sich, dass so etwas verboten ist. Doch man kann sich in Keller hineinversetzen und versteht seine Aktionen, der Film spielt mit der Moral, weshalb er auch so super ist. Doch es gibt kleinere Punkte, die mich im nachhinein gestört haben. Lokis Ermittlungsarbeit war etwas dürftig dargestellt. Er hätte auf dem Foto die Halskette sehen müssen, denn so etwas muss ins Auge eines Polizisten springen. Selbst das Publikum hat das bemerkt. Und die Art und Weise, wie er dann das Amulett bemerkt hat, war dann doch zu gestellt, aber anders hätte man es wohl nicht machen können. Das Ende hat mir auch nicht gefallen. Ich habe nichts gegen ein offenes Ende, bei Inception beispielsweise hat das großartig funktioniert. Doch hier wirkte es deplatziert. Es ist doch offensichtlich, dass Loki diese Geräusche gehört hat und versuchen wird, Keller zu retten. Wieso auch nicht die Rettung zeigen? Außerdem fand ichs unlogisch, dass Keller überhaupt noch gelebt hat. Mit der Wunde plus dem kalten Wetter hätte er doch eigentlich sterben müssen. Den Twist habe ich nicht kommen sehen, war aber zu erahnen, schockierte mich aber dennoch. Insgesamt gesehen ist Prisoners ein fantastischer Film, der zwar ruhig erzählt wird, aber dafür eine umso stärkere Wirkung auf den Zuschauer hat. Die Schauspieler, vor allem Jackman und Gyllenhaal, sind klasse.

Prisoners Bewertung
Bewertung des Films
810
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