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Ray

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Ray Kritik

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Ray Kritik
0 Kommentare - 25.02.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Ray" ist.

Bewertung: 3 / 5

Der vom Schicksal gebeutelte Ray Charles Robinson (Jamie Foxx) führt kein einfaches Leben. Ohne Vater wächst er zusammen mit seinem Bruder George (Terrone Bell) und seiner Mutter Aretha (Sharon Warren) in den Slums von Georgia auf. Im Alter von fünf Jahren stirbt sein Bruder und ein Jahr später erblindet Ray. Seine Mutter bringt ihm daraufhin bei, sich trotz seiner Behinderung nie von anderen herumschubsen zu lassen. Bald stirbt auch seine Mutter und Ray verlässt den Ort, um nach Seattle zu gehen, wo sich sein Leben bald komplett ändern wird.

Musikerbiographien. Sie zeichnen ein Leben im Konflikt. So sind Filme ja immer, so entsteht Spannung in Dramen und in so ziemlich allen Schriften der Welt. Ray ist das Leben eines Musikers. Natürlich eines Musikers, der im Sinne seiner Hautfarbe leider Gottes schon ein Politikum ist. Ein Musiker, der natürlich Talent hatte und ein Musiker, der einen steinigen Weg nach ganz oben hatte. Was man hier in Ray betrachten kann, ist eins zu eins, die Blaupause jedes dieser Filme. Mit marginalen Unterscheiden, aber klar ist, daß das Thema Sucht immer eine Rolle spielt. Egal in welcher Hinsicht. Ob Drogen, oder Sex ist ja völlig egal. Klar ist, daß man von ganz unten kommt und klar ist, daß man nach ganz oben gelangt, dort einige wirklich schicksalshafte Wendungen erlebt und dann ist das ganze Drama auch gegessen, denn man ist ja immer noch ein brillanter Musiker. Ray ist also ein Film, der in dem Sinne schon so eine Art Remake von Ein Stern geht auf (1937) darstellt. Wobei dieser natürlich die Parallele mit sich bringt und einen Musiker zeichnet, der untergeht, während der andere aufgeht. Ich würde an der Stelle aber frech behaupten, daß der Subtext damit dennoch der gleiche bleibt und die Frage, die all diese Filme – auch Ray – stellen, ist, ob es das Drama eigentlich wert war.

Nun kann man sagen, daß die Hautfarbe leider Gottes hier eine Rolle spielen muss, auch Ray schlägt sich in Armut durch die Welt, in einer Zeit, in der Rassentrennung noch an der Tagesordnung stand. Zu einem Schlüsselmoment wird dann ein abgesagter Auftritt von Ray Charles, bei einer Veranstaltung, wo dunkelhäutige Menschen, oder eben Schwarze keinen Zugang haben. Da erweist sich Ray Charles als Figur nach langer Zeit der Behauptung, man könne das System nicht ändern, als eine wahre Führungsfigur für die Gleichberechtigung. Und darstellt man eben auch fest, daß so ziemlich alles in jedem Moment tatsächlich Politik ist. Unterdessen lässt der Film seine Hauptfigur aber in weiten Teilen durchaus zum Dämonen werden. Vom anfänglichen Träumer, bis hin zum Tyrannen und emotionalen Ausbeuter. Vor allem in seinen Beziehungen zu mehreren Damen gleichzeitig, zeigt sich, daß Ray Charles als Person eben auch Fehler hat. Wie wir alle, so denke ich. Nun kann man die Frage in den Raum werfen, ob man deshalb auch ein wenig anders auf diese Taten blickt, weil Ray Charles eben Ray Charles war. Aber ja, die gleiche Frage könnte man ja eigentlich bei jedem anderen Film auch stellen. Und so erzählt Regisseur Taylor Hackford relativ routiniert eine Geschichte, in einer durchaus spannenden Epoche, die auch die amerikanische Gesellschaft unweigerlich dekonstruieren wird.

Klar ist aber auch, daß das Schauspiel, daß der brillante Jamie Foxx hier an den Tag legt, durchaus beachtenswert ist. Es sind ganz eigene, vielleicht auch etwas seltsame Manierismen, die Ray Charles durch seine Darstellung auszeichnen. Unterdessen sorgt die Ansammlung von Klischees eines Musikerlebens hier durchaus für den ein oder anderen Seufzer, weil man natürlich sofort erahnt – und damit auch immer richtig liegt – was als Nächstes passieren wird. Klar, eine Biographie ist selten besonders spannend, wenn man sie nach Wikipedia-Einträgen strukturiert. Also insofern ist vielleicht auch jeder selbst Schuld, der an der Stelle, etwas anderes erwartet. Nun kann man sagen, daß Hackford schon gut daran tat, seinen Film nicht chronologisch zu erzählen. Immer wieder gibt es Einschübe und visionenhafte Blicke in die Vergangenheit. Damit möchte man sich von konventionellen Erzählungen abtrennen und gleichzeitig die Vergangenheit mit der Gegenwart koppeln. Es ist schon ganz nützlich, um die psychologische Komponente hinter Ray zu erläutern. Und gleichzeitig steckt hier auch eine Ehrlichkeit drin, die immer wieder die Frage aufwirft, ob das Leben, daß zwangsweise zunächst geführt wurde und das in einem kolossalen Triumph mündet, das alles wert ist. Der American Dream wird zwar in solchen Fällen nie komplett dekonstruiert, aber es ist zumindest mal eine Perspektive, mit der man Debatten eröffnen kann.

Die liberale Ideologie, nach welcher wir alle Freunde sein können und jeder auch echt nett ist, wird hier konterkariert. Ray dekonstruiert die Figur als Geschäftsmann, zeichnet auf, daß man für einen solchen Erfolg auch über Leichen gehen muss. Und gleichzeitig ist es so, daß man eben dabei auch sein eigenes Leben auf der Strecke lässt. Denn dem Druck hält ja ebenso keiner Stand. Aber die Idee dahinter ist grundsätzlich nicht neu, auch wenn die Musik natürlich für den Laien durchaus gut klingt und im Subtext auch einige Ideen mitschwingen, die sie über gewöhnliche Pop-Musik erhebt.

Keine neuen Erkenntnisse über die Wichtigkeit eines Ray Charles erlebt man in Ray. Vielleicht ist das ein gänzlich falscher Ansatz und wenngleich die Musik hier auch unterhält, so ist der Film als reines Produkt auch eben nur ein weiterer Film dieser Art. Mit Bravour gespielt, doch inhaltlich keineswegs neu oder bahnbrechend oder unerwartet und unkonventionell.

Ray Bewertung
Bewertung des Films
610

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