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Stand by Me - Das Geheimnis eines Sommers

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Stand by Me - Das Geheimnis eines Sommers Kritik

Stand by Me - Das Geheimnis eines Sommers Kritik

Stand by Me - Das Geheimnis eines Sommers Kritik
0 Kommentare - 15.01.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Stand by Me - Das Geheimnis eines Sommers" ist.

Bewertung: 4 / 5

Die Vier Freunde Gordie (Wil Wheaton), Chris (River Phoenix), Teddy (Corey Feldman) und Vern (Jerry O’Connell) beschließen eines Tages ihren vermissten Mitschüler Ray Brower zu suchen, als Vern davon erfahren hat, daß dieser beim Beerenpflücken von einem Zug erfasst wurde. Mit wenig Geld machen sich die Kinder auf den Weg, die Leiche zu finden, und stolpern dabei von einem Abenteuer in das Nächste.

Stephen King ist als Autor ein maschinelles, strukturiertes Dauer-Phänomen, daß sich zwischen Qualität und Quantität mal mehr mal weniger unterscheiden lässt. Ein großer Geschichtenerzähler ist er alle mal und so verwundert es auch nicht, daß viele seiner Werke nicht nur ihren Weg auf die große Leinwand fanden, sondern sich gleichzeitig auch großer Beliebtheit innerhalb der Filmwelt freuen. Etwas, was Kings Werke so gerne und so häufig ausmacht ist, daß er von Menschen erzählt, die tatsächliche Substanz zu sich haben. Gerade wenn es dabei um Kinder/Jugendliche geht, schafft es King seine Figuren lebhaft und authentisch wirken zu lassen, weil er auf Charaktere setzt, die man einfach mögen muss. Denn schließlich sind die Figuren oft Außenseiter, schrill und verstecken ihre wahre Sehnsucht hinter einem einstudierten Lächeln und einigen Frotzeleien untereinander. So kommen auch unweigerlich Vergleiche zu dem Losers-Club aus Es (2017) und Es Kapitel 2 (2019) auf.

Doch es wäre vermutlich nicht genug, daß die Figuren einfach nur Außenseiter sind, die sich die ein oder andere Beleidigung an den Kopf knallen. Darum geht es nicht. Es geht darum, was dahinter steckt. Besonders deutlich zeigt sich das in der Figur Teddy Duchchamp, die hier fabelhaft von Corey Feldman zum Leben erweckt wurde. Die Figur ist eigentlich nicht zu greifen, weil sie einerseits mit ihren Freunden weniger freundlich umspringt, als man es vielleicht erwartet und gleichzeitig einen weichen Kern hinter dem Sarkasmus und der vermeintlichen intellektuellen Ader versteckt. In Teilen wirkt sie dabei sogar völlig verstört, wenn es zur Auseinandersetzung zwischen den Freunden kommt. Doch auch die anderen Figuren und die Schauspieler dahinter schaffen es diesen Film, der ja ohnehin primär durch die Charakterinteraktionen, als die eigentliche Handlung lebt, so glaubhaft wirken zu lassen. Denn die Figuren scheinen eine echte Freundschaft zu haben, die sich eben nicht nur auf stereotype Filmfreundschaften beschränkt. Solche Dinge kann Stephen King tatsächlich auch gut schreiben, während Rob Reiner sie perfekt in Szene setzt.

Überdies ist die sprichwörtliche Heldenreise hier auch als konsequente Odyssee einzelner Figuren zu verstehen, die sich mit der Tatsache abfinden müssen, daß eben nicht alles beim Alten bleibt. Leben werden auseinander gezerrt, ohne daß es dafür aus kindlicher Sicht vielleicht einen ersichtlichen Grund gäbe. Freundschaften gehen zugrunde. Die Abenteuer, die man erlebt, haben indessen zwar eine große Bedeutung, doch jeder Einzelne hat die Aufgabe damit umzugehen, ohne daß sie einander erklären müssten oder helfen könnten. Der Film schafft es viele Themen, wie kindliches Explorationsverhalten, grausame Väter, das Leben als Außenseiter und vieles mehr unter einen Hut zu bringen, ohne dabei zu überfrachtet zu wirken und seine eigene Laufzeit von etwas mehr als achtzig Minuten zu kurz wirken zu lassen.

Denn im Film werden sehr viele verschiedene Themen untergebracht. So spielt neben den genannten Beispielen, auch eine subtile Sozialkritik eine nicht unwesentliche Rolle für das Auseinandergehen dieser Freundschaft. So kann es sich die Figur von Gordie leisten vom kargen Landleben, daß er so hasst und gleichzeitig liebt wegzukommen, weil er eben die nötigen Schulnoten dazu hat. Natürlich spielt im heutigen Amerika noch mehr als bloße Können, die finanzielle Situation der eigenen Familie eine Rolle. Denn auch die Schattenseiten werden hier skizziert, indem es Chris aufgrund seiner familiären Situation und den sogenannten Kriminellen in den eigenen Reihen, eben nicht möglich ist, das gleiche Leben zu führen wie Gordie. Natürlich spielt auch die Bildung der Familie und somit des Kindes eine nicht unwesentliche Rolle in der sozialen Auswertung. Dabei nimmt der Film ähnliche Muster, wie John Hughes The Breakfast Club (1985) ein. Zudem kann man auch in Teddy viel mehr finden, als einen eindimensional wirkenden Unsympathling. So ist seine Figur exzentrisch und scheint teilweise auch vermutliche Mobbing-Erfahrungen auf andere zu projizieren. Und vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum die Figuren nach diesen Abenteuern in der Vergangenheit nicht mehr vieles zusammenhält. Schließlich sind sie im Kern so verschieden.

Natürlich wäre ein solche Geschichte von King, nichts ohne den stereotypen Mobber, der die Helden drangsaliert. In der eher semi-coolen Figur des Ace, die hier wunderbar von Kiefer Sutherland zum Leben erweckt wird, findet die Gruppe einen sadistischen Taugenichts, der eben auch das schnelle Geld im Fund der Leiche sieht, von der er gehört hat. Auch die Etablierung solcher Pseudo-Coolen-Spitznamen wie King ist etwas albern. Auf der anderen Seite schafft der Film es eben diese Freundschaft zwischen den Figuren perfekt zu zeichnen. Denn auch die Schauspieler wirken hier, als wären sie tatsächlich Freunde gewesen, weil sie die fast nach Improvisation wirkenden Dialoge so glaubhaft transportieren, Geschichten austauschen, die so absurd wirken und einfach natürlich wirken. Gerade wenn es darum geht, Lagerfeuergeschichten auszutauschen und vielleicht einen Kuchenwettbewerb zu visualisieren, aber auch über Sex zu reden, zeigt sich, daß King seinen jungen Figuren zwar durchaus stereotype, juvenile Charakteristika gibt, diese aber eben nur Teil der Persönlichkeit sind und nicht die reine Persönlichkeit.

Wie man es schafft, in nicht einmal eineinhalb Stunden so viel zu erzählen, ohne dabei zu langweilen oder zu überfrachten ist erstaunlich. Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers ist ein sympathischer Film, über sympathische Figuren, die sich letztlich auf eine Reise begeben, deren Ziel vielleicht zur größten Nebensache der Geschichte wird. Doch nicht wie in anderen Werken, schafft es dieser Film durch großartige Charakterarbeit und einem Gespür für ruhige Momente eben mehr zu sein als seine eigene Geschichte und den Fokus auf das Beisammensein zu legen, ohne daß es irgendeinem peinlichen Konservatismus unterläge.

Stand by Me - Das Geheimnis eines Sommers Bewertung
Bewertung des Films
810

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