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The Bikeriders

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The Bikeriders Kritik

The Bikeriders Kritik

The Bikeriders Kritik
0 Kommentare - 20.06.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "The Bikeriders" ist.
The Bikeriders

Bewertung: 3.5 / 5

Kathy (Jodie Comer) ist eine willensstarke, junge Frau, die sich in ein Mitglied der Motorradgang Vandals verliebt. Der knallharte Biker Benny (Austin Butler) heiratet die junge Frau und zusammen mit ihrer Gruppe und deren durchsetzungsfähigem Anführer Johnny (Tom Hardy) leben sie so vor sich hin. Doch im Laufe der Jahre versucht Kathy ihren Mann zu zähmen und ihn mehr zu ihr hin, als zu der Gruppe zu bringen. Als dann doch ein erbitterter Bandenkrieg die Gruppe erschüttert, geraten Kathy und Benny zwischen die Fronten.

Das Subkulturen-Kino beherrschte eigentlich die späten 1970er Jahre und vielleicht noch etwas die 1980er. Es war eine Zeit des Aufruhrs, in welcher sich gerade Junge Menschen Anti-Establishment-Gruppierungen verbunden fühlten und daher die große Revolution in einer Gruppe suchten, die ihre Interessen vertraten. Nun, Abkapselungen der 68er-Bewegung vermutlich und klar ist, daß nicht jede Gruppe auch einer guten Sache dienlich ist, insofern brauch man das kaum aufzudröseln aus moralischer Sicht. Doch dann ist da dieser Film, The Bikeriders heißt er und er irritiert. Nicht, weil es seltsam wäre einen guten Film mit guten Schauspielern zu sehen. Doch abgesehen von Sons of Anarchy (2008 bis 2014) scheinen die Tage des Biker-Genres doch eher vorbei zu sein. Einzelehe Ausflüge wie Easy Rider (1969) oder der viel zu unbekannte Harley Davidson & The Marlboro Man (1991) bleiben Kult und das Thema Biker-Gangs doch eher eine nischige Subkultur. Nun könnte das, was so nischig im Konzept scheint, aber auf oberflächlicher Ebene deutlich an Reiz gewinnen. Zumindest für die Zuschauerschaft, die noch an das Startum in Hollywood glaubt und ebenso glaubt, daß Schauspieler wie Tom Hardy, Austin Butler, Jodie Comer, Michael Shannon oder auch Norman Reedus Gründe seien, für die man ins Kino gehen könnte. Nun, ich persönlich kann einen gewissen Faible, gerade für Comer und Hardy nicht abstreiten und dennoch würde ich behaupten, daß jenes Werk nicht frei von Fehlern ist.

Trailer zu The Bikeriders

Es liegt nämlich in der Natur der Sache, daß The Bikriders, unabhängig davon, daß er natürlich ein Film ist, wie viele andere, auch einer ist, den man schnell durchschauen kann. Wo liegen Konflikte? Wo liegen diese, die den Film drehen und wenden? Und wie wird er ausgehen? Nun, betrachtet man das, was man über Filme weiß, dann gibt es auch nur eine einzige Möglichkeit, wie dieser Film ausgehen kann. Das dürfte allen Beteiligten, wie auch allen Zuschauern schnell klar sein. Gleichwohl ist das Werk von Regisseur Jeff Nichols damit keineswegs unspannend oder wenig unterhaltsam. Und in letzterem liegt tatsächlich eine große Irritation, wenn man sich den Film mal anhand des Marketings vorstellt und dann in Tatsächlichkeit anschaut. Denn in Wahrheit ist es ein urkomischer, sehr unterhaltsamer Film, weil Nichols die Absurdität jener Subkultur, deren Regeln, Normen und Werte offenlegt, aber man als Unbeteiligter gar nicht anders kann, als darin auch etwas Seltsames und Fremdes zu sehen. Der Film ist damit wesentlich witziger, als man das jemals erwarten konnte, was nicht zuletzt auch wieder an dieser herrlich naiven und zugleich später abgeklärten Performance von Jodie Comer liegt. Die Dame kann einfach nicht schlecht, was Free Guy (2021) und The Last Duel (2021) schon eindrucksvoll belegten. Auf anderer Seite ist Austin Butler als blutjunger Idealist herrlich. Selbst wenn er äußerlich etwas bubenhaft wirkt, reift er in dieser Transformation zum Mann. Und bei Tom Hardy kann man sagen, daß es ihm guttut mal wieder eine herrlich dreckige Rolle mit einem guten Skript zu verkörpern.

In Sachen Cast macht diesem Ensemble-Werk so schnell kein anderes etwas vor und das ist einer der Gründe, warum diese tollen Dialoge so gut funktionierten. Überdies ist natürlich ein Ritt in diese Subkultur nicht einfach hinzunehmen. Als Zuschauer kann man dann auch mal die Frage in den Raum werfen, was Nichols eigentlich sagen möchte? Und wenn man sich dann mal entscheiden hat, dem zu folgen, so wird klar, daß die Aussage dahinter nicht so einfach zu verifizieren ist. Denn wenn Ideologien durch sympathische oder charismatische Figuren getragen wird, dann haben die meisten Menschen sicherlich Probleme das eine vom anderen zu trennen und das eine mit dem anderen zu erklären. So ist natürlich das gesamte Treiben von Anführer Johnny äußerst fragwürdig. Es geht um Machtexzesse und das In-den-Tag-Hineinleben. Diese Machtkonstruktionen, die Nichols hier zeichnet, zeigen auf, daß zum einen jeder in dieser Welt ersetzbar ist, sofern er die Zeichen der Zeit verkennt. Das heißt also in seiner Radikalität nicht weit genug geht oder nicht besonnen genug handelt. Zum anderen zeigt das aber auch, daß das System dahinter deutlich wichtiger ist, als einzelne Individuen. Das hat ja etwas Modernes und etwas, wonach sich scheinbar viele sehnen. Nämlich klare Haltungen, klare, einfache Regeln und etwas, an das man glauben kann. Zwar deutet The Bikeriders die Ideologie hinter der Gewalt und dem „Herumfahren“ meist nur an, doch es ist klar, daß es für viele auch mehr ist, als bloßes rumfahren und dazugehören. In diesem Sinne versteht sich auch ein Johnny als Seelenfänger gescheiterter Existenzen. Blöd wird es eben nur dann, wenn es, wenn einem Individuum die eigenen Vorteile wichtiger sind, als die der Masse. In dieser Hinsicht ist The Bikeriders regelrecht ambivalent, auch im Auftreten gegenüber dem Zuschauer. Denn man verachtet und verehrt die Figuren zugleich. Zumindest die meisten davon.

Tatsächlich ist Johnny auch anhand seiner Entwicklung als nicht wandelbarer Ideologe zu erkennen und mit einer gefestigten Meinung tritt er Strömungen gegenüber. Das macht in angreifbar, aber irgendwo auch ehrlich und sympathisch bis zu einem gewissen Grat. Unterdessen verbindet der Film unterschwellige Liebesdreiecke und den Machtkampf um Bennys Seele miteinander. Hier sind es vor allem Kathy und Johnny, die zu feilschen versuchen. Diese Dynamik ist deshalb spannend, weil die Figuren alle dadurch an Komplexität gewinnen und mehrdimensional agieren müssen. So etwa Kathy, die in Johnny verliebt ist, aber ein geregeltes Leben möchte und gleichzeitig weiß, daß sie sich ja eben wegen dieses nicht vorhandenen normalen Leben in Johnny verliebt hat. Ähnliche Strukturen lassen sich auch bei den beiden anderen erkennen.

Originell und erschreckend witzig ist The Bikeriders ein recht ungewöhnlicher Film dieser Tage. Alle drei Hauptdarsteller sorgen für großartige Leistungen, während sich der Film dennoch in gewohnte Bahnen entwickeln wird. Das macht aber nichts, weil dieser Ritt in die Subkultur durchaus große Freude und Anspannung serviert, ohne, daß eines dieser Dinge zu kurz käme.

The Bikeriders Bewertung
Bewertung des Films
710

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