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The Wild Bunch - Sie kannten kein Gesetz

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The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz Kritik

The Wild Bunch - Sie kannten kein Gesetz Kritik

The Wild Bunch - Sie kannten kein Gesetz Kritik
0 Kommentare - 03.07.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "The Wild Bunch - Sie kannten kein Gesetz" ist.

Bewertung: 3 / 5

Eine kleine Bande unter dem Verbrecher Pike Bishop (William Holden) hält sich mit kleineren Diebstählen über Wasser. Doch bei einem Überfall geraten sie in einen Hinterhalt durch seinen alten Weggefährten Deke Thornton (Robert Ryan), kann die Gruppe nur knapp entkommen. In Mexiko angekommen, werden sie vom brutalen General Mapache (Emilio Fernández) beauftragt einen Zug mit Waffen zu überfallen. Der Coup gelingt, doch die Gruppe wird von Mapache verraten. Daraufhin plant Bishop mit seinen Männern einen Angriff auf die Garnison von Mapache.

Ein leerer, weißer Raum. Auf dem Boden ein Farbeimer und zwei Wesen, die vor ihm stehen. Nie gab es ein vorher und plötzlich nimmt einer von ihnen den Farbeimer in die Hand und wirft ihn gegen die weiße Wand. Nun kann der andere es nachmachen. In den Augen der einen, ein ziemlich banaler Vorgang und in den Augen der anderen weltbewegend. Perspektivisch bedeutend, wie unbedeutend ist diese kleine Analogie wichtig, um gewisse Filmdiskurse zu verstehen und nachzuvollziehen. In vielen Debatten um große Filme, wird auf oberflächlicher Ebene dann über Bilder gesprochen, die nach der Henne-und-Ei-Debatte hochgehalten werden. Doch in etwas der erste zu sein, befähigt einen auch nicht dazu, in etwas großartig zu sein, geschweige denn, daß man es auch wäre. Diese Art von Kritik, stößt vor allem bei Menschen auf taube Ohren, die in ihrer Kindheit mit gewissen Dingen in Berührung kamen. Klassische Beispiele für Filme mit fehlender Innovation und Substanz, die aber in Kreisen der Nostalgie-Fanatiker hochgehalten werden sind Halloween – Die Nacht des Grauens (1978) und Terminator 2 – Tag der Abrechnung (1991) und auch The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz ist so ein Film, der in amerikanischen zumindest das Gefühl erweckt, dort als große Innovation gehandelt zu werden. Je nachdem, wen man fragt selbstverständlich.

Um es mal ganz deutlich zu sagen, innovativ ist The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz vor dem Hinblick auf den Italo-Western um Sergio Leone oder Sergio Corbucci sicherlich auch nicht mehr. Da wären wir wieder bei Henne und Ei. Was hier passiert ist, daß man eine Gruppe a-moralischer Männer hat, die durch einen gewissen Verhaltens-Kodex aneinander gebunden werden und es ist vermutlich das einzige, was noch von Bedeutung ist. Zumindest, für die Meisten. Denn Sam Peckinpah zeichnet nicht nur das große Thema des Nachkriegs-Kinos um Solidarität und Freundschaft, sondern auch die Kehrseite der Medaille, einen Abtrünnigen und ein paar Gedanken dahinter. Ein von Moral befreites Land, daß Freund und Feind, wie Jäger und Gejagte austauscht, wie junge Eltern die Windel ihres Wunders. Es ist klar, was Peckinpah damit sagen will und es ist auch nicht unwahr, daß die menschliche Gier nach Profit und Macht so ein wenig die Menschlichkeit nimmt. Wobei an natürlich ewig philosophieren könnte, wo Menschlichkeit beginnt und wo sie aufhört. Im Prinzip ist das auch menschlich, ist mir schon klar. Nein, aber was man eigentlich damit verschachtelt sieht, ist eine undurchsichtige Welt. Ein stetiger Wandel und das Individuum in dauerhafter Anpassung an die neue Welt. Natürlich kommt es da unweigerlich zu Reibereien und natürlich müssen da auch viele auf der Strecke bleiben. Das Originelle an diesem Werk ist, daß er klare New Hollywood-Themen aufgreift, aber die Gruppierungen und Metaphern dahinter vielleicht auf ungewöhnliche Ebenen verfrachtet. Es sind nicht einzelne Individuen, es ist eine Gruppe.

Damit zeichnet Peckinpah aber nicht nur den menschlichen Überlebenstrieb, indem er eben einen Generationenkonflikt zwischen Alt und Jung zentralisiert. Nein in The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz geht es eben auch darum, daß vom Mythos des Cowboys, der vor allem von John Wayne geprägt wurde, nicht mehr sehr viel übrig bleibt. Kein strahlender Held, der die weiße Frau vor dem bösen Indianer retten will, die einfach die Frechheit besaßen, ihr eigenes Land zurückzufordern. Nein, diese Gruppe besteht aus Mördern, aus Vergewaltigern, aus Brandstiftern, aus Dieben und so weiter und so fort. Alle getrieben vom Reichtum. Manche mit einer Art Ehrenkodex und manche suchen einfach nur „den Kick“. Auch hier zeichnet der Film ganz unterschiedliche Motivationen, die sicherlich auch wieder starken Einfluss auf das Kino nahmen. Aber ja, die Sympathien will der Film vor allem bei den Figuren suchen, deren Moral halbwegs den gesellschaftlichen Konventionen entspricht. Und dann merkt man vor allem an, daß diejenigen, die einfach nur Sachen machen, um ihre Zeit zu vertreiben, auch keinerlei Ahnung haben, was sie letzten Endes mit dem ökonomischen Aufstieg anfangen sollen. Sie gehen zu Huren und haben ein paar süße Stunden im siebten Himmel. Auch wenn das natürlich irgendwo anti-christlich anmutet. Aber ja, hier geht es für einige auch nur um Macht, um der Macht Willens.

Interessant ist zudem, daß The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz unmittelbar systemisch wird, wenn er eben Freund gegen Freund aufstellt. Die Eisenbahngesellschaft bietet Deke Thornton in seiner Not einen Handel an, der ihn gegen seinen einstigen Freund ausspielt. Er soll ihn jagen, dann wäre er frei. Und da die Freundschaft, der beiden am Ende des Tages dann doch nicht so eng ist, macht er das dann eben auch. Es ist im Prinzip das, was Systemkritiker schon Jahrzehnten bemängeln und analysiert haben. Ein Staat, oder besser gesagt ein kapitalistisch geprägter Staat spielt das Individuum gegeneinander aus. Sie sollen sich bekriegen und solange bekämpfen, bis eigentlich keiner von beiden mehr übrig ist. Das zumindest wäre der Idealfall und wenn man dann daraufhin dieses Finale betrachtet, dann kann man sehen, daß dem tatsächlich auch so ist. The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz mündet in einer Gewaltorgie, die eben keineswegs verherrlichend, sondern bittere Erkenntnis ist. Somit handelt es sich hierbei auch um einen melancholisch, pessimistischen Blick.

Die Ideen hinter The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz sind groß und systemisch gedacht. Allerdings fällt auf, daß vieles davon im Kino bereits etabliert war und später gar noch besser gemacht wurde. Im Prinzip kommt das gesamte Treiben filmisch auch mal zum Erliegen, was den Eindruck erweckt, daß neben der Härte und diesen verlorenen Männern, vor allem die leere regiert.

The Wild Bunch - Sie kannten kein Gesetz Bewertung
Bewertung des Films
610

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