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Tiger & Dragon

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Tiger & Dragon Kritik

Tiger & Dragon Kritik

Tiger & Dragon Kritik
0 Kommentare - 14.06.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Tiger & Dragon" ist.

Bewertung: 4.5 / 5

Im alten China will der gediente Schwertkämpfer Li Mu Bai (Chow Yun-Fat) sein restliches Leben in Ruhe fristen. Dafür übergibt er Kämpfer sein Schwert an seine Weggefährtin Yu Shu Lien (Michelle Yeoh), welche es dem ehrenwerten Sir Te (Sihung Lung) überbringen soll. Doch eines Abends wird das Schwert von einer maskierten und geheimnisvollen Person gestohlen und so muss Li Mu Bai aus seinem selbstgewählten Ruhestand zurückkehren, um das bedeutende Erbstück wiederzuerlangen.

Auf den ersten Blick ist Ang Lees Tiger & Dragon eine Geschichte, wie sie klischierter nicht sein könnte. Es geht um asiatische Folklore, die mit Traditionen von Meistern und einem Verständnis von Ehre ausgetragen wird. Da geht es um große Themen. Es geht um die Beziehung zwischen Heimat und Individuum. Es geht um Vergangenheit. Es geht um Erhalt. Es geht um den Untergang einer Zivilisation und es geht um Liebe. Etwa zur Mitte der Geschichte gerät das gesamte Konstrukt so ein wenig ins Wanken. Denn während nach und nach erklärt wird, in welchem seelischen Zustand sich die Figuren befinden, scheint gerade die Erklärung einer nicht verblassten Liebe aus der Vergangenheit etwas merkwürdig. Da gibt es ein Kennenlernen zwischen Yu Jiao Long und Luo Xiao Hu, deren Geschichte nicht unbedingt viel zum eigentlichen Film beizutragen hat. Da wird dann erklärt, wie sehr man sich doch liebte und auch noch immer liebe, aber zu einer wirklich befriedigenden Erfahrung und Auflösung dieser Geschichte kommt es, gerade auch im Hinblick auf die übergeordnete Geschichte nicht. Sie will sich einfach nicht so recht fügen.

Und auch wenn sich dieser kleine Makel nicht so ganz lösen lässt, bietet Tiger & Dragon abseits bester Unterhaltung, auch wahrlich große Themen, die er mit Bravour meistert. Da wäre zum einen die traditionellen Sichtweisen und Plätze, die das Individuum im Verlauf eines Lebens einnehmen müssen. Besonders deutlich, wird das an der direkten Gegenüberstellung der Hauptfiguren, welche im Lauf der Geschichte natürlich aufeinandertreffen. So ist gerade der von Chow Yun-Fat verkörperte Protagonist davon geplagt, Ruhe zu finden. Ein müder Krieger, der sich so sehr danach sehnt, daß Kämpfen aufzugeben. Auch das mag natürlich irgendwo ein gängiges Klischee sein und gewisse Stereotypen erfüllen. Auf der anderen Seite, ist das aber auch bezeichnend, weil sich hier eine stark pazifistische Haltung Ang Lees herauskristallisiert. So ist das Individuum überfordert, mit dem für ihn vorgesehenen Platz in dieser Gesellschaft, wird aber auch durch die äußere Erwartungshaltung immer wieder dort hineingedrängt. Das zeigt sich besonders darin, daß etwa Charaktere in Kampfkünsten unterrichtet werden sollen. An der Stelle bleibt natürlich auch so ein wenig die Frage, warum man sich dem irgendwo fügt. Doch gleichzeitig wird auch klar, daß das Vermächtnis nicht ganz zu verschmähen ist.

Doch die Erwartungen an Menschen machen dort keinen Halt. Und so sind es vor allem die Frauen, die gerade auch im Jahr 1779 und oft heute noch darin gedrängt werden, sich patriarchalen Strukturen zu beugen. Als Gegenstück zu diesem Konzept erhebt sich die Figur der Yu Jiao Long, deren Verlangen nach Freiheit und Selbstbestimmung, im Kontrast zu der eher konservativen-Wertehaltung von Yu Xiu Lian steht. Da geht es dann um die Verantwortung und es geht darum, den vorgesehenen Platz wieder einzunehmen. Gleichsam ist da der Versuch, sich von diesen Ideen zu befreien. Das feministische Kino fand ja lange vor Ang Lee seinen Weg auf die Leinwände. Man denke da an Die Ehe der Maria Braun (1979) von Fassbinder, oder auch an Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung (1977), wenn es im Mainstream angesiedelt sein soll. Doch in den 2000er Jahren und gerade auch im historischen Kontext, in welchem der Film spielt, eine Emanzipierung des weiblichen Geschlechts zu erwarten, daß war eher ein Novum. Gleichsam steht der Film auch nicht in der Tradition moderner Filme, die Feminismus als Geschlechter-Wechsel verstehen und zudem noch eine Reduzierung des Werkes auf moderne politische Ströme bevorzugen.

Das inszenatorische Knowhow von Ang Lee zeigt sich in diesem Werk ganz besonders. So sind es die ruhigen und sanft realistischen Bilder der Umwelt, die durch die Kamera perfekt eingefangen werden. Dazu ein stil- und klangvoller Soundtrack von Tan Dun, die das Werk auch in sich stimmig gestalten. So wirkt die Welt hier kontrastreich, aber auch märchenhaft schön. Besonders im Hinblick darauf, daß Lee mit Absicht einen verklärenden Blick auf die Welt Chinas warf, um dem Zuschauer einen märchenhaften Standpunkt zu vermitteln, gelingt das Unterfangen in jedem Moment. Ganz besonders loben, muss man hier auch die Actionsequenzen, die den Film ja letztlich irgendwo auch berühmt machten. Dabei ist es besonders spannend, daß gerade die Animeesken Sequenzen aus Kämpfen hier keinesfalls überdreht wirken. So laufen Figuren über Dächer, springen Meter um Meter und begegnen sich in Zeitlupen mitten in der Luft. Gerade drohte das Gesamtgefüge zu brechen, wenn es um die Glaubwürdigkeit im Hinblick auf eine eher geerdete Geschichte und Grundmotivation geht. Doch das Gefühl bleibt bestehen und macht den Film auch in dieser Hinsicht meisterhaft. Auch die Martial-Arts-Szenen sind vom gesamten Team perfekt umgesetzt und vervollständigen das Bild. Gleichsam werden Kämpfe hier ebenso als Tänze inszeniert. Da steckt dann der Kontrast aus Gewalt und Schönheit mit drin, der somit auch ein Paradoxon erfüllt. Denn schließlich liegen Gewalt und Schönheit hier so nahe beieinander, daß es sehr leicht für das ein oder andere Kopfzerbrechen sorgen kann.

Die Geschichte in sich ist eher Dialogarm, dennoch erzählstark. Da Lee hier zumeist tatsächlich Taten sprechen lässt, wirkt auch das gesamte Schauspiel kraftvoller, als es gesprochene Worte vermögen. So ist der gesamte Cast Chow Yun-fat, Michelle Yeoh, Zhang Ziyi und Chang Chen gut gewählt, wenngleich sie sich zugunsten der Regie stark zurückhalten müssen. Gerade aber das Zusammenspiel von Yun-fat und Yeoh wirkt im Gesamtkonzept sehr stark, weil es große Gefühle widerspiegelt, ohne diese in Worte fassen zu müssen. Da werden Blicke ausgetauscht, mürrische Gesichter gestreut und irgendwie liegt dort ganz viel Wahrheit. Wenngleich das natürlich auch kitschig, pathetisch anmuten mag, so ist es dennoch ehrlich vom Film gemeint und dadurch kraftvoll in Szene gesetzt.

Fast mühelos schafft Ang Lee mit Tiger & Dragon einen Film, der sich wie ein Tanz anfühlt. Er verzichtet auf die Zurschaustellung großer Gefühle und ersetzt diese, durch starke, für sich stehende Bilder. Auch wenn die ein oder andere Szene eine Länge aufweist, entsteht gegen Ende ein philosophisches und faszinierendes Werk, dessen Bilder die Zeit überdauert haben und dessen Geschichte mehr ist, als nur verfilmte Bilder.

Tiger & Dragon Bewertung
Bewertung des Films
910

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