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Tucker

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Tucker Kritik

Tucker Kritik

Tucker Kritik
0 Kommentare - 16.01.2023 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Tucker" ist.

Bewertung: 3.5 / 5

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs scheinen die Türen für alles offen und so träumt auch der amerikanische Unternehmer Preston Tucker (Jeff Bridges) davon, das beste Auto der Welt zu bauen. Um seine Träume zu erfüllen, beginnt er ein Konzept zu entwickeln und wird dennoch immer wieder von anderen Großindustriellen sabotiert. So hetzen Sie ihm sogar die Steuerfahndung auf den Hals und er muss sich vor Gericht stellen.

Hin und wieder gibt es Werke der Filmwelt, zu denen es absolut nichts zu sagen gibt, nach deren Sichtung man händeringend nach den richtigen Worten sucht, um den Zustand und das Gefühl zu beschreiben, daß man während und nach dem Schauen des Films hatte. Tucker ist ein solcher Film. Nicht, weil er so vergessenswert wäre, sondern weil er vielleicht aus einer Zeit stammt, die mit großartigen Filmen und Produkten übersättigt war, sodass der Film vielleicht das gleiche Schicksal erlitt, wie es auch die namensgebende Persönlichkeit hinter dem Werk tat. Nun wirkt Tucker zumeist auch recht intim und routiniert, was verwundert, wenn man sich die vorherigen Werke eines Francis Ford Coppolas anschaut. Über die Epen Der Pate (1972) und Der Pate – Teil II (1974), bis hin zu seinem Kriegsgemälde Apocalypse Now (1979) sind die wirkungsvollsten Werke, eigentlich immer die, mit den ganz großen Ambitionen gewesen. Dabei ist ein Preston Thomas Tucker sicherlich keine unbedeutende Persönlichkeit und dennoch zeigt der Film relativ klischiert das Leben dieses Unternehmers. Dabei lassen sich auch ganz gut die üblichen Themen von einem Coppola erkennen, sodass es durchaus Sinn ergibt, daß dieser Film so entstanden ist. Vom Rise-and-Fall, über die Familie, bis hin zu den moralisch ambivalenten Persönlichkeiten, ist all das gegeben, was man eben so kennt.

Dabei ist dieser Film dann vielleicht auch relativ spannend, weil die Person, um die es hier geht, nicht unerheblich für das heutige Fahrgefühl in Autos ist. Von Sicherheitsgurten über Scheibenbremsen integriert Tucker mit seinen Mitarbeitern das, was man heute in so ziemlich jedem Auto als Standard ansehen würde. Nun könnte man natürlich argumentieren, daß das Abfilmen von historischen Begebenheiten jetzt nicht unbedingt etwas ist, was einen Bedarf hat. Schließlich ist ein Film keine Dokumentation. Auf der anderen Seite erzählt Coppola seine Biographie mit so viel Stil und Wut auf zu überkommende Hürden, daß das hier als Mahnmal dient. Schließlich wird der Charakter dann immer wieder mit größeren Unternehmern konfrontiert, die ihre Vormachtstellung in Gefahr sehen, sollte Tucker seine Autos tatsächlich in Produktion bringen. Also ist Preston Tucker hier auch natürlich in bester Manier ein David, der gegen Goliath antritt. Gerade wie dieser Mann von allen Seiten bekämpft wurde, ist schon sehr beeindruckend und lässt sich natürlich inhaltlich auch gut auf unsere jetzige Zeit übertragen. Wobei der Film auch gut daran tut, die Hauptfigur nicht zu einem unfehlbaren Helden zu machen. Denn tatsächlich sind die Arbeitsmethoden, die Tucker anwendet, um seine Ziele zu erreichen auch nicht immer so lupenrein, wie es vielleicht zunächst klingen mag.

Insgesamt wirkt Preston Tucker immer so ein wenig, wie die Automobilfabrikanten-Variante eines Ed Woods. Interessant ist dieser Vergleich aber nicht nur, weil Martin Landau in beiden Werken mitwirkte, sondern weil Tucker immer wieder versucht, seinen scheinbar unmöglichen Traum zu verwirklichen. Gerade wenn die Produktion seiner Autos nicht so funktioniert, wie sie eigentlich sollten, ist diese Figur voller Optimismus und darin gut, sich rhetorisch aus jeder Situation herauszureden. Das sieht man dann besonders eindrucksvoll, wenn Tucker versucht, seinen Wagen vor einer Ansammlung von Menschen vorzustellen. Da wird dann bis zur allerletzten Sekunde noch an dem völlig desolaten Wagen getüftelt, der eigentlich im Begriff ist, in sich zusammenzubrechen. Trotzdem gelingt es dieser Figur, die Anleger zu überzeugen, sodass sie sein Produkt kaufen wollen. Und dieser Umstand ist gleich auf mehreren Ebenen interessant. Zum einen natürlich, weil Jeff Bridges seine Figur mit so viel Charme füllt und er tatsächlich diese Verkäufermentalität verinnerlicht hat. Auf der anderen Seite ist es aber auch bezeichnend für eine Industrie, den Kunden gefügig zu machen, beziehungsweise, bezeichnend für den Kunden, daß er sich gefügig machen lässt. Daß dies letzten Endes in einer Katastrophe münden muss, ist natürlich abzusehen. Ohnehin ist das Werk tatsächlich auch nicht so überraschend. Doch Unternehmer werden sich sicherlich in diesem Film bestätigt wissen, zumal man ja die Schuld auch nicht gänzlich von den Käufern nehmen kann. Daß das Werk dabei eben kaum Wendungen oder unvorhersehbares bietet, ist indes keine Kritik, weil der Film dabei auch einfach ein sehr gutes Pacing behält und die Zeit sehr schnell vergeht.

Und dann kommt sie wieder, die Moral. Für etwaige Betrugsvorwürfe und Steuerhinterziehung wird das Tucker dann vor Gericht gestellt. Es ist eine Farce und es soll auch eine Farce sein. Nicht indessen, daß da keine Fehler passiert sind, sondern indessen, daß Tucker nie eine faire Verhandlung erhalten wird und seine Innovationen für die Menschheit wesentlich wichtiger sind, als dieser Betrug. Hier sympathisiert der Zuschauer wieder mit dem Verbrechen, weil der Staat, der das Verbrechen zur Anklage bringen will, noch verbrecherischer ist. Gleichsam ist es aber auch die Rhetorik, die hier viel ausmacht. Und so nutzt Tucker seine Stärken dazu, daß Volk von sich zu überzeugen. Das ist dann mitunter auch recht amüsant, weil man es stellenweise gar nicht glauben kann.

In der Vita eines Francis Ford Coppola wirkt Tucker erstmal recht klein. Und auch ist die Geschichte relativ überschaubar. Dennoch ist der Film auch ein typisches Werk des Italoamerikaners, daß sich vor allem durch den Charme von seinem Hauptdarsteller Jeff Bridges schon recht frisch anfühlt. Manche Dinge sind so unglaublich, daß es immer wieder erstaunt, daß sie wahr sind. Und damit überzeugt der Film, der noch dazu relativ kurzweilig ist.

Tucker Bewertung
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