Mit dem Kinostart von Gladiator 2 knüpft Regisseur Ridley Scott an die Faszination an, die das Gladiatoren-Subgenre schon lange auf das Publikum ausübt. Der Gladiatorenfilm ist dabei eine Unterkategorie des sogenannten Peplum-Films (häufiger als Sandalenfilm bezeichnet), welcher Abenteuer und historische Dramen im antiken Setting inszeniert. Dieses Subgenre kam erstmals durch Riccardo Fredas Spartaco (1952) ins Rollen, in dem der Sklave Spartacus als Gladiator ausgebildet wird. In den folgenden Jahren entstanden etliche Gladiatorenfilme. Sogar weibliche Gladiatoren tauchten in Filmen wie Le Gladiatrici (1963) und The Arena (1973) auf.
Hier sind sieben spannende Fakten über das Genre und seine historischen Hintergründe:
1. Gab es das wirklich? Ja. Gladiatorenkämpfe fanden in der römischen Antike statt, und zwar hauptsächlich zwischen dem 3. Jahrhundert v. Chr. und dem frühen 5. Jahrhundert n. Chr. Dabei waren die bekanntesten Arenen das Kolosseum in Rom und das Amphitheater in Capua. Historiker gehen davon aus, dass im Laufe der Jahrhunderte mehrere Zehntausend Gladiatoren in den Arenen der römischen Welt ihr Leben verloren haben. Obwohl einige Kämpfe nicht immer tödlich endeten, zahlten unzählige Sklaven und Kriegsgefangene letztendlich mit ihrem Leben für die Unterhaltung des römischen Volkes.
2. Daumen nach unten = Todesurteil? Der populäre Mythos des "Daumen nach oben für Gnade" und "Daumen nach unten für Tod" wurde durch moderne Interpretationen und Filme wie Gladiator (2000) verstärkt. Die Produzenten wählten diese Darstellung, da sie dem heutigen Publikum klar und intuitiv erschien, auch wenn sie historisch nicht bestätigt ist. In der Antike wurde der Ausdruck pollice verso (mit gedrehtem Daumen) verwendet, doch wie genau dieser "gedrehte Daumen“ aussah, ist heute unklar.
3. Ging es immer um Leben oder Tod? In der römischen Antike wurden Gladiatoren, besonders die gut ausgebildeten und erfahrenen, oft als wertvolle Investitionen betrachtet – schließlich kostete ihre Ausbildung Geld. Um den Tod von gut trainierten Kämpfern zu vermeiden, endeten viele Kämpfe ohne tödlichen Ausgang. Manchmal konnte das Publikum oder ein Sponsor des Kampfes über das Schicksal eines besiegten Gladiators entscheiden. Todesurteile wurden eher bei Verbrechern, untrainierten Kriegsgefangenen oder verurteilten Sklaven vollzogen, die keine professionelle Gladiatorenausbildung durchlaufen hatten.
4. Apropos gefährlich: In Gladiator erlitt Hauptdarsteller Russell Crowe zahlreiche Verletzungen – von Knochenbrüchen bis hin zu einer zwei Jahre anhaltenden Taubheit im Zeigefinger. Auch das Pferd, das Crowe in der Anfangsszene ritt, scheute, wodurch Crowe echte Wunden davontrug. Vielleicht wirkte seine Darstellung deshalb so authentisch?
5. Nachdem das Peplum-Genre in den 1960ern einen Höhepunkt erreicht hatte, wurde es erst durch Ridley Scotts Gladiator im Jahr 2000 wiederbelebt. Mit einem Oscar als Bester Film setzte er neue Maßstäbe. Was ihn so großartig macht, lest ihr in unserer Retrokritik.
6. Nach Gladiator gab es einige antike Projekte, die versuchten, von dessen Erfolg zu profitieren. The Arena (2001) war ein Remake mit weiblichen Gladiatorinnen, Pompeii (2014) und Ben Hur (2016) setzten auf spektakuläre Effekte und historische Themen, konnten jedoch weder an den Kinokassen noch bei Kritikern großen Erfolg verzeichnen. Ein Beweis dafür, dass nicht jeder antike Film den Nerv des Publikums trifft.
7. Erfolgreiche Ausnahme, eine Serie: Spartacus (2010-2013) brachte das Gladiatoren-Genre erfolgreich ins Fernsehen und machte brutale, visuell ansprechende Kampfszenen zum Markenzeichen. Die Serie erreichte eine breite Fangemeinde. Damit bleibt Gladiator bislang also DER Gladiatorenfilm der Neuzeit.
Ob Gladiator 2 ähnlich kolossal wird, werden wir ganz bald erfahren. Spätestens Mittwoch erfahrt ihr, wie wir den Film bewerten!
