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Bronson

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Bronson Kritik

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Bronson Kritik
0 Kommentare - 30.07.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Bronson" ist.

Bewertung: 2.5 / 5

Bereits in jungen Jahren ist, steht der Rebell Michael Peterson (Tom Hardy) im Konflikt mit dem Gesetz. Nach einem schief gelaufenen Raub wird er für sieben Jahre ins Gefängnis gesteckt. Nach seiner Freilassung beginnt er eine Kariere als Straßenboxer und nennt sich zu Ehren der Hollywoodikone in Charles Bronson um. Nach einem weiteren Überfall kommt er wieder ins Gefängnis und wieder immer wieder verlegt, weil die Behörden nicht wissen, wie sie mit ihm umgehen sollen.

Eigentlich gab Nicolas Winding Refn in der Vorbereitungsphase zu dem Film bekannt, daß er das Drehbuch nicht für besonders gut halte und es, auch um ein Verständnis für die Figur zu bekommen, umschreiben ließe. Diese Arbeit scheint sich aber allerdings keinesfalls gelohnt zu haben und so wirkt dieser Film über weite Strecken wie eine zynische Satire auf das Leben und den fehlenden Respekt vor der Menschheit. Normalerweise sind moralische Figuren ja wirklich nichts, was das Kino nicht schon zur Genüge hervorgebracht hätte und die Moral als solche wird ja auch gerne nach dem Ableben des New Hollywoods-Kinos immer wieder in den Vordergrund gerückt. Meistens dann in Form von Re- oder Sozialisierung. Grundsätzlich wäre also nichts gegen einen Anarchisten im Fokus einzuwenden. Doch Bronson ist nicht wirklich greifbar als Figur, weil es die gesamte Zeit über so wirkt, als mache er Dinge nur, um Dinge zu tun. Da entstehen dann leicht Zweifel am Gesundheitszustand der Figur, die ja auch vom Film bewusst gestreut werden. Aber eine Verbindung zum Charakter bleibt über die gesamte Laufzeit bloße Behauptung. Man kann nicht mitfühlen mit dem, was die Figur tut und wie sie sich entscheidet, daher ist einem das Schicksal der Figur auch völlig egal.

Zu Beginn gelingt es Winding Refn, die für ihn so typische überstilisierte optische Ästhetik, als Teil seines Filmes zu vermarkten. Da gibt es seltsame Kamerawinkel. Da gibt es skurrile Schnitte. Komische Rückblenden und alles um den Charakter zu etablieren. Der Unterschied liegt nämlich darin, daß der Film seine Figur etabliert, nicht aber erklären möchte. Da wird dann aus dem Leben berichtet und insbesondere aus der Kindheit, in welcher Schulhofschlägereien und Bedrohungen bereits zum Alltag gehörten. Da bauen sich also echte Männer auf. Männer, die nur durch blanke Gewalt, Rohheit und den immer wehrenden Trieb sich zu messen definiert werden. Auch das wäre grundsätzlich nicht zu moralisieren, wenn dahinter etwas steckte, eine systemische Analyse über den Zustand jener Welt und den Gedanken, daß Resozialisierung im Gefängnis vielleicht nicht so zündet, wie man sich das vorstellt. Allerdings fehlt dieser Ansatz in diesem Film komplett und es soll auch gar nicht darum gehen. Es ist insofern eher ein versteckter Rise and Fall-Film, indem es nie so richtig zur Sache geht. Dutzende Dinge passieren, die Figur erklärt ihren Trieb damit, daß sie nicht vergessen werden und quasi als besondere Person in die Geschichte eingehen will. Daher auch die Anlehnung an Charles Bronson und im Besonderen dessen Rolle in Ein Mann sieht rot (1974). Das Konzept erinnert damit so ein wenig an den Ausgang von Scream 4 (2011), doch ohne die Meta-Spielerei.

Wenn es etwas gibt, daß diesen Film dann primär von anderen abhebt, dann ist es vor allem Tom Hardy, der eine Figur verkörpert, die vollkommen in ihrem Wahn verloren geht. Es liegt also nicht an Hardy, daß das Gezeigte nicht aufgehen will. Denn tatsächlich bekommt der Zuschauer erst zu spät im Film tatsächlich triftige Gründe für das Handeln der Figur geliefert. Doch wenn Hardy auf den Plan tritt, dann bleibt er unberechenbar. Es ist so ein wenig eine Hardcore-Variante von seinem Auftritt in Legend (2015), in welchem Hardy ebenfalls durch die Darstellung eines total unberechenbaren Mannes punktete. Hier muss sich aber zu keinem Zeitpunkt zurücknehmen und die Leinwand gehört dann ihm. Im Mittelpunkt stehen Brutalität, exzentrische Ergüsse und der pure Narzissmus. Das macht es dem Zuschauer wirklich sehr schwer. Auf der anderen Seite macht das Werk damit auch mehr als nur klar, in welches Segment es gepackt werden soll. Nur bleibt dabei der Mehrwert komplett auf der Strecke. Denn um zu verstehen, daß böse Dinge böse sind, muss man keinen Film schauen. Diese Art der Moralpredigt bekommt man maximal in Lehranstalten und da sollten sie auch bleiben. Das heißt im Umkehrschluß aber auch, daß der eigentliche Mut und die Wagnis des Werkes gar nicht vorhanden sind.

Den wirklich künstlerischsten Ansatz verfrachtet Winding Refn dann in eine Meta-Ebene um einen Pantomimen-Bronson, der vor ein Publikum gestellt wird und diesem all seine Taten erläutert. Das ist insofern spannend, als daß es natürlich Fragen aufwirft. Nämlich darüber, welchen Nutzen diese Bühne letztlich hat. Es gibt da mehrere Deutungsmöglichkeiten. Zum einen wäre es natürlich ein klarer Verweis auf den Umstand eines Dramas, indem man sich befindet. Zum anderen sind es die Taten, die ihr von Bronson erklärt werden und im Anschluß daran direkt vom Publikum gewertet werden. Wohin der Film dann damit will, liegt letztlich im Ermessen von Brock Norman Brock und Winding Refn. Der persönliche Eindruck bleibt aber in jedem Fall und demnach wäre das eigentlich nur ein weiterer Trick der Autoren, um eine möglichst ungreifbare und nicht zu deutende Person zu skizzieren.

Natürlich muss man Winding Refn schon dafür loben, daß er eine Biografie auf die Beine gestellt hat, die ziemlich anders daherkommt. So sind die erzählerischen Kniffe, die er zu Teilen anwendet auch durchaus unterhaltsam und man kann den Film deshalb schlicht und ergreifend auch weniger fassen. Auf der anderen Seite leidet der Film auch unter einem zu gekünstelten, vermeintlichen Stilbruch. Ebenso hinterlässt der Film den Eindruck, ab der zweiten Hälfte deutlich an Fahrt zu verlieren. Alles Wichtige und überhaupt alles, was passiert, scheint sich nur im ersten Teil des Films abzuspielen. Da gibt es keine weitere Entwicklung, nichts, was den Charakter und sein Leben noch weiter erklären würde, nur Gewalt, Wut und vor allem ein nicht zu überhörendes Organ. Immer wieder rezitiert der Film dabei Kubricks Opus Magnum Uhrwerk Orange (1971), ohne auch nur annähernd an die Größe, Tiefgründigkeit, inszenatorische Kraft und oder interessante Charakterstudie heranzukommen, die dieses Werk ausmachen.

Pseudoschockierend geht Bronson weder in den Magen, noch in den Verstand. Natürlich ist sein Hauptdarsteller gut und einige Ideen der Regie funktionieren. Doch die großen Vorbilder werden nie erreicht und erzählt wird nur Erwartbares, während die eigentliche Spannung nach der ersten Hälfte gewaltig abbaut. Dafür sind vor allem das Drehbuch, aber auch das pseudo-unkonventionell und gewollt tiefgründige hier verantwortlich.

Bronson Bewertung
Bewertung des Films
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