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Ein Urgestein des Kinos über alte und neue Projekte

Sir Ridley Scott im Deadline-Interview: Kubrick rief ihn wegen "Alien" an

Sir Ridley Scott im Deadline-Interview: Kubrick rief ihn wegen "Alien" an
4 Kommentare - Sa, 25.11.2023 von A. Seifferth
Sir Ridley Scott ist ein Meister der Genres und speziell im Science-Fiction- und Historien-Bereich hat er einige Meilensteine des Kinos abgeliefert. Im Zuge der Veröffentlichung von "Napoleon" hat er mit Deadline geplaudert.

Alien, Blade Runner, Thelma & Louise, Gladiator, Black Hawk Down, Der Marsianer: Wie nur wenige andere Regisseure steht Sir Ridley Scott für glanzvolles, zuweilen sogar intellektuelles, Hollywood-Kino. Ganz klar wäre die Filmgeschichte ohne seine unterschiedlichen Genre-Schwergewichte ein gutes Stück ärmer. Doch nur weil der Regisseur zahlreiche Lobpreisungen für seine Filme erhalten hat, scheint das seinen Willen zur Kreation monumentaler Filmerlebnisse noch lange nicht zu bändigen, denn gerade im Alter scheint es der 85-jährige Brite wissen zu wollen.

Aktuell läuft mit Napoleon das neueste Werk von dieser Größe im Kino und trotz manch verhaltener Kritik ist er sicher, dass Joaquin Phoenix die perfekte Wahl für den Kaiser der Franzosen darstellt. Besonderes sein Äußeres hätte ihm imponiert, da äußerlich große Ähnlichkeiten mit dem Strategen und Feldherren bestehen würden.

Die beiden Hollywood-Schwergewichte verbindet natürlich auch eine gewisse Vertrautheit, denn schließlich war Phoenix bereits im angesprochenen Gladiator aus dem Jahr 2000 als intriganter Adliger Marcus Aurelius Commodus Antoninus Augustus zu sehen. Für Scott gelangte er auch deshalb wieder auf dessen Radar, nachdem er seine Performance in Joker zu Gesicht bekommen hatte.

Zwar habe ihn die Gewalt des Films abgestoßen, da sie seiner Meinung nach zu tendenziös und verherrlichend ausgefallen sei [ein Umstand, der schwer nachzuvollziehen ist, aber darum soll es hier nicht gehen], doch letztlich bleibe Phoenix im Kopf und man könne mit ihm einen Film auch im Hinblick auf das Marketing stemmen. In diesen Worten zeigt sich sogleich, dass Scott ein verkappter Kunstkopf ist, sondern er auch stets die Spielregeln der Filmwelt im Blick hat und reflektiert.

Dennoch gab es auch in seiner Karriere Momente, bei denen er vor Verzückung erstarrte. Einer jener Augenblicke in seinem Leben, war die Begebenheit, bei der ihm niemand Geringeres als Stanley Kubrick höchstpersönlich voller Begeisterung für sein 1979 erschienenes Sci-Fi-Meisterwerk Alien mit Sigourney Weaver in der Hauptrolle gratulierte. Bekanntlich war Kubrick aber auch ein Analyst und so war ihm daran gelegen, die Wahrheit zum Dreh der berühmt-berüchtigten "Chestburster"-Szene zu erfahren, die ihn ungeheuer erschaudern und erschrecken ließ.

Scott ging geschmeichelt darauf ein und erklärte dem Visionären, dass es eine aus Fiberglas gefertigte Brust gewesen sei. Diese habe man an einen Tisch geschraubt und ihr ein T-Shirt übergezogen habe. John Hurt lag unter dem Kunsttorso, sodass der Eindruck eines Körpers aufrechterhalten werden konnte. Allmählich ließ man die Attrappe dann in Richtung der künstlichen Brust schnalzen, sodass das "Unheimliche Wesen aus einer fremden Welt" hervorbrach. Mittels unbemerkt eingebauter Hochdruckpumpen konnte man den in die Szene und den ungefähren Ablauf eingeweihten Cast trotzdem schocken, denn der rechnete lediglich mit ein paar Blutspritzern und nicht mit einer Fontäne der roten Körperflüssigkeit. (Mehr dazu via ScreenRant.com)

Diese Verbindung hat Scott in der Folge wohl auch geholfen, damit er Blade Runner für die engstirnigen Studiobosse zurechtgebogen bekam. Bekanntlich missfiel damals das als zu kryptisch und pessimistisch wahrgenommene Originalende, bei dem Harrison Fords Deckard mit dem leisen Zweifel seiner eigenen potenziellen Künstlichkeit in Form eines auf dem Boden vorgefundenen Origami-Einhorns konfrontiert wird. Das nachgeschobene, unrühmliche Ende, mit der Fahrt gen Sonnenuntergang, zeigt Aufnahmen aus The Shining.

Die Bosse hatten darauf bestanden, dass ein finaler Shot in einem Bergpanorama habe gezeigt werden sollen, um Hoffnung zu signalisieren. Scott fand diese Idee zwar unendlich lächerlich, doch er wusste, dass Kubrick in luftiger Höhe derartiges Rohmaterial im Zuge des Drehs von The Shining vorzuweisen hatte. Ein Anruf bei dem 1999 verstorbenen Künstler genügte und bereits am nächsten Tag standen dem Briten satte 70 Stunden an Aufnahmen zur Verfügung, um Blade Runner mit dem unrühmlichen Ende zu versehen, das bis 1991 als kanonisch galt.

Dieses Science-Fiction-Epos, das erst durch die kongeniale Musik von Vangelis zu vibrierender Lebendigkeit gelangte, sei die strapaziöseste Erfahrung von Scotts gesamten Karriere gewesen. Er habe alles gegeben, damit Blade Runner ein monumentales Werk werde und dabei hätten ihm letztlich seine Erfahrungen als Werbefilmer geholfen.

Scotts beiden Anekdoten sind wohl kein Zufall, immerhin weiß man, dass auch Kubrick einst an einem monumentalen Werk über Napoleon arbeitete.

So viel zur Vergangenheit und Gegenwart von Ridley Scotts Karriere, doch was bringt die Zukunft? Nun, Gladiator 2 will fertiggestellt werden und wir hoffen darauf, dass es ein Zeichen dafür ist, dass Sandalenstoffe noch lange nicht zum alten Eisen Hollywoods gehören und dass damit eine kleine Renaissance eingeläutet wird. Zunächst müssen aber Paul Mescal, Denzel Washington und Co. beweisen, dass sie dem Original das Wasser reichen können.

Mescals Talent als Darsteller jüngeren Semesters sei ihm durch die Serie Normal People ins Auge gestochen. Passenderweise habe er es damals für den Dreh von Gladiator 2 auf genau diese Altersklasse für die Figur des Lucius Verus II. abgesehen, weshalb das Casting wohl als intuitive Fügung angesehen werden kann.

Über Denzel Washingtons Figur erzählte der Filmemacher, dass diese sich von einem nordafrikanischen Sklaven zu einem ehrbaren, freien Mann mit Interesse an blutigen Gladiatorenkämpfen gemausert habe. Dieses Grundinteresse entstamme seiner eigenen Vergangenheit als gefesselter Kämpfer, die ihm zu seinem Status verholfen habe. Als er auf die Funktion dieser Figur zu sprechen kommt, spricht Scott auch die durchaus eigene Moral an, denn Washingtons Performance könne besser verstanden werden, wenn man in seiner Figur eine Art altertümlichen Rennstallbesitzer sehe.

Für Scott lag die Rückkehr zu diesem Stoff im Übrigen schon deshalb nahe, weil er ähnlich wie bei dem von Apple produzierten Napoleon-Film die ökonomischen Vorzeichen als günstig ansieht, um den Film angemessen zu bewerben. Über zwanzig Jahre seien eine passende Zeitspanne, um eine weitere Geschichte in diesem Setting in den Kinosälen dieser Welt erstrahlen und toben zu lassen.

Denkt ihr, dass dieses Unterfangen glücken wird oder seid ihr dem Fortsetzungswahn von Hollywood überdrüssig und würdet lieber ein ganz anderes Spätwerk von Scott sehen wollen?

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4 Kommentare
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MJ-AndreSeifferth : : Moviejones-Fan
24.11.2023 10:23 Uhr
0
Dabei seit: 05.01.22 | Posts: 161 | Reviews: 0 | Hüte: 9

@Rotwang

Deine Argusaugen haben tatsächlich meinen gedanklichen Fehler erspähen können. Jetzt sollte es aber passen. embarassedtongue-out

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Rotwang : : Moviejones-Fan
24.11.2023 07:36 Uhr
0
Dabei seit: 11.06.20 | Posts: 874 | Reviews: 0 | Hüte: 26

Es muss doch ChestbuRster und nicht Chestbuster heißen!

@TiiN
Ja gute Liste, Gladiator schaue ich nicht mehr so gern wie früher, der ist mir zu steril in Rom, Marsianer hatte mich überascht, weil ich Scott eigentlich nichts mehr zugetraut hatte und den fand ich dann richtig gut.

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TiiN : : Goldkerlchen 2019
23.11.2023 19:39 Uhr
0
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 8.899 | Reviews: 172 | Hüte: 584

Weil Ridley Scott relativ viele Filme macht, ist ihm auch öfters was daneben gegangen bzw. nicht ganz so gut gelungen. Aber er hat seit den 1970er Jahren in jedem Jahrzehnt mindestens einen richtig starken bzw. sehr anerkannten Film abgeliefert:

  • Alien (1979)
  • Blade Runner (1982)
  • Thelma & Louise (1991) - für mich etwas underrated
  • Gladiator (2000)
  • Black Hawk Down (2001)
  • Der Marsianer (2015)

Für mich persönlich ebenfalls noch sehr stark:

  • Der Mann, der niemals lebte (2008)
  • Prometheus (2012)

Mal sehen ob ihm in den 2020er Jahren nochmal so ein Brett gelingt.


MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
23.11.2023 18:46 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 17.246 | Reviews: 179 | Hüte: 629

Schöne Anekdoten! Als aufstrebender Jungregisseur so ein anerkenndens und interessiertes Lob von einer Regiegröße wie Kubrick zu erhalten, ist etwas sehr Besonderes, davon dürfte wohl jeder träumen.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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