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Schloss aus Glas

Prädikat: besonders wertvoll

Schloss aus Glas Kritik

0 Kommentar(e) - 10.09.2017 von FBW - Hierbei handelt es sich um eine Kritik der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW).
Filmkritik

Schloss aus Glas Bewertung: 4/5

Als Kind hat Jeannette Walls nie länger als ein paar Wochen am selben Fleck gewohnt. Die Mutter war Künstlerin, der Vater hat nie einen Job lange behalten können, da Spiel- und Alkoholsucht das verhindert haben. Für Jeannette und ihre Geschwister ein Leben ohne Sicherheit. Aber auch ein großes Abenteuer. Denn mit ihrem Vater verband sie ein festes inneres Band. Stundenlang planten Jeannette und ihr Vater gemeinsam irgendwann ein Schloss aus Glas zu bauen. Nun ist Jeannette erwachsen. Sie ist Journalistin, mit einem Finanzanalysten verheiratet und sehnt sich nach Ruhe, Beständigkeit und Ordnung. Ihre Kindheit und Familie scheint sie hinter sich gelassen zu haben. Doch letzten Endes kann sie nicht verhindern, immer ein Teil von ihr zu sein...

Schloss aus Glas von Destin Daniel Cretton ist die Verfilmung des gleichnamigen autobiografischen Romans von Jeannette Walls. Dass die Geschichte der Frau, die zwischen Liebe zu ihrer Familie und dem Wunsch nach einem anderen Leben hin- und hergerissen ist, so sehr berührt, ist auch dem fantastischen Ensemble zu verdanken.

Woody Harrelson erscheint als Idealbesetzung für Jeannettes Vater: Auf der einen Seite ein Held, der gebildet, kreativ und großherzig ist. Auf der anderen Seite ein Abhängiger, dem es aufgrund seiner eigenen psychischen Probleme nicht gelingt, die Rolle als Vater und Versorger der Familie überzeugend auszufüllen. Auch Naomi Watts überzeugt als freigeistige Mutter, die ihr eigenes Bedürfnis nach Unabhängigkeit vor die Bedürfnisse ihrer Familie stellt und es nicht schafft, sich gegen ihren Mann zu stellen, wenn dieser einmal wieder einen Job verliert oder mit dem Gesetz in Konflikt gerät.

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Der Film zeigt ungeschönt und offen die Ambivalenz der Elternfiguren, ohne sie zu verdammen. Denn schließlich ist der Film aus der Perspektive der Tochter erzählt, die Brie Larson mit einer eindrücklichen Mischung aus anerzogener Härte und hinter der Fassade aufblitzender Verletzlichkeit spielt. Auch der Rest des Ensembles, allen voran die Kinderdarsteller, spielt überzeugend, Ausstattung, Kostüm und Maske sind authentisch und die Kamera bleibt mit ihren starken Bildern immer ganz nah bei den Figuren. Nebenbei gelingt dem Film, durch die unstete Lebensweise der Familie, auch eine realistisch anmutende Milieustudie der amerikanischen unteren Arbeiterschicht.

Schloss aus Glas ist ein bewegendes und stark gespieltes Drama, an dessen Ende die Versöhnung zwischen Tochter und ihrem Vater steht. Und die Erkenntnis, dass Schlösser aus Glas nicht zwingend gebaut werden müssen. Manchmal reicht es aus, von ihnen zu träumen.

Prädikat: besonders wertvoll

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung



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Schloss aus Glas Bewertung
Bewertung des Films
810
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