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Sully

Heros Hanks

Sully Kritik

1 Kommentar(e) - 30.11.2016 von Moviejones
Filmkritik

Sully Bewertung: 3.5/5

Clint Eastwood inszeniert mit gewohnt sicherer Hand ein Heldenepos, das den Amerikanern, speziell den New Yorkern gewidmet ist, die nach 9/11 verstänlicherweise bei jedem tieffliegenden Flugzeug eine erneute Katastrophe vermuten. So wie es 2009 glücklicherweise nicht dazu kam, so ist auch Sully keine Katastrophe und ein auf weiter Strecke überzeugend gespieltes Stück Zeitgeschichte. Teils unaufgeregt in mehrfachen Wiederholungen erfährt der Zuschauer eine Menge über den dramatischen Moment, Captain Chesley B. Sullenberger und die anschließende Untersuchung. In gewisser Weise ein Film fürs Herz in einer Welt, in der so viel schiefgeht.

Sully Kritik

Am 15. Januar 2009 geriet der US-Airways-Flug 1549 kurz nach dem Start vom Flughafen LaGuardia (New York) in einen Vogelschwarm, der beide Triebwerke des Airbus zerfetzte. An Bord Kapitän Chesley "Sully" Sullenberger (Tom Hanks) und der Erste Offizier Jeffrey Skiles (Aaron Eckhart), die Crew sowie 150 Passagiere. Unfähig, die rettenden Ausweichrouten auf andere Flughäfen ansteuern zu können, entschied sich Sully innerhalb eines Augenblicks dafür, das Flugzeug im Hudson wassern zu lassen. Die Notwasserung gelang und alle Menschen wurden gerettet, was als "Wunder vom Hudson" in die Geschichtsbücher einging. Doch wo Passagiere und die Öffentlichkeit Sully umgehend als Helden feierten, hinterfragten Flugexperten die sachkundige Entscheidung des Piloten...

Sully ist nach American Sniper aus dem Jahr 2014 der neue Film von Schauspiel- und Regielegende Clint Eastwood und so bedacht wie jener im reifen Alter wirkt, so sachlich-kühl ist der Inszenierungsstil dieses realen Dramas. Wir erleben in 96 Minuten mehrfach die tragischen Sekunden aus dem Jahr 2009, die sowohl aus Sicht der Cockpitbesatzung, der Passagiere und Crew sowie New Yorker wiederholt werden. Wir erfahren, wie umsichtig Sullenberger als Pilot mit mehr als 40-jähriger Flugerfahrung agiert und wie ihn die nachfolgenden Stunden aus dem Gleichgewicht bringen, einerseits durch die sympathische, aber überbordende Ehrerweisung Wildfremder, andererseits durch die sich anschließende Untersuchung durch das National Transportation Safety Board.

So sinnvoll und wichtig es in einem solchen Film ist, die Beinahe-Katastrophe zu zeigen, so führt bedauerlicherweise gerade die mehrfache Wiederholung zu einem gewissen Abnutzungseffekt. Unbestreitbar waren die Situation und Landung dramatisch, aber mitunter kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass um diese wenigen Minuten noch mehr Drama gelegt wird, um am Ende einen Film entstehen zu lassen, was dann aber mehr oder weniger verpufft. Wie schon in Flight sind es dann insbesondere die Szenen vor dem Untersuchungsausschuss, die Spannung erzeugen, wo doch eigentlich von Vorneherein alles klar ist. Doch im Gegensatz zu Robert Zemeckis' Drama aus dem Jahr 2012 wird Sully nicht vom Thron geholt, auf den er von anderen gehoben wurde.

Tom Hanks spielt in gekonnt souveräner Art und könnte der Zwillingsbruder des echten Sully sein. Überhaupt ist die Besetzung mit sicherer Hand gewählt, mit Darstellern wie Aaron Eckhart, Laura Linney, Holt McCallany oder Anna Gunn in den Nebenrollen. Eastwood legt dabei so viel Wert auf seinen Protagonisten, dass bis auf die mehrfach repetierte Absturzsequenz kaum Zeit für die wirkliche Emotionalisierung des Zuschauers bleibt. Und so professionell Darsteller und Regisseur agieren, so professionell wirkt Sully - fast zu professionell möchte man meinen und Zeit für Abwegiges wie einen echten Soundtrack bleibt dann nicht. Dieser unaufgeregte, bei allen gezeigten Emotionen emotionslose Inszenierungsstil kann bei einigen Zuschauern gut funktionieren (beim Blick in die glücklichen Augen der Überlebenden), reißt den anderen aber aufgrund der teils arg kappenden Schnitte regelrecht aus der Empfindung. Von seiner stärksten Seite zeigt sich Sully dann, wenn in Plädoyers abseits der Absturzsequenzen souverän und vor allem menschlich argumentiert wird.

Es sind diese Sullys, die wir uns wünschen an der Seite zu haben oder vielleicht sogar selbst zu sein, die in Schreckmomenten und sich anbahnenden Katastrophen einen kühlen Kopf bewahren und das Schlimmste abwenden. Sully ist eine Hommage auf einen modernen Helden, realitätsnah und bewusst temporeduziert, denn hochgetunte Superheldenepen junger Regisseure gibt es heutzutage wahrlich genug. Für Nichtamerikaner stellenweise doch zu pathetisch, so dass der Film in Übersee vermutlich ein paar Herzen mehr wärmt als hier. Schlussendlich ein überraschend unspektakulärer Film, der mit einem tollen Tom Hanks überzeugt, aber auch nicht ganz emotional packt.



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Sully Bewertung
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710
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1 Kommentar - Moviejones distanziert sich von Userbeiträgen.
eli4s
Moviejones-Fan
Geschlecht | 30.11.2016 | 12:16 Uhr30.11.2016 | Kontakt
Jonesi

Der Film reizt mich irgendwie so gar nicht. Story ist bekannt. Ähnliche Katastrophenszenarien hat man auch schon gesehen. Der Film wird technisch einwandfrei sein und der gute Pilot freut sich sicher über diese Anerkennung, aber irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, anderweitig sehr interessant wird.