10 Cloverfield Lane

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10 Cloverfield Lane Kritik

10 Cloverfield Lane Kritik
0 Kommentare - 06.02.2018 von Silencio
In dieser Userkritik verrät euch Silencio, wie gut "10 Cloverfield Lane" ist.
10 Cloverfield Lane

Bewertung: 3.5 / 5

Nach einer Trennung will die junge Michelle nur noch weg. Sie packt also ihre sieben Sachen, setzt sich in ihr Auto und haut ab. Doch natürlich kommt alles anders als geplant und ihr fährt jemand ins Auto. Als sie wieder erwacht, ist sie in einem Bunker an ein Rohr gekettet. Howard, Erbauer des Bunkers, eröffnet ihr, dass man sich im Krieg befinde, Russkis oder Marsianer, das weiß keiner so genau. Jedenfalls ist es draußen nicht sicher, denn die Luft ist mit einem tödlichen Kampfstoff verpestet. Es ist also von äußerster Wichtigkeit, dass man im Bunker bleibt. Zwar wird die Geschichte soweit von Emmett, dem dritten Bewohner des Bunkers, bestätigt, aber Michelle will sich mit ihrer Situation nicht so ganz abfinden. Und überhaupt, irgendwas scheint mit Howard nicht ganz richtig zu sein...

Trailer zu 10 Cloverfield Lane

Überraschungssequel, die erste! Mit „10 Cloverfield Lane“ präsentiert Produzent JJ Abrams acht Jahre nach dem ersten Film und ohne das ihn wirklich noch jemand erwartet hat den zweiten Teil der „Cloverfield“-Reihe. Ursprünglich als Spec Script mit dem Titel „The Cellar“ entwickelt, sollen JJ Abrams und Konsorten während der Produktion die „spirituellen Ähnlichkeiten“ zum 2008 gestarteten „Cloverfield“ aufgefallen sein. Hauptdarstellerin Mary Elizabeth Winstead soll zwar von den thematischen Ähnlichkeiten gewusst haben, dass „Valencia“, so der Arbeitstitel, aber ein Teil der „Cloverfield“-Reihe sei, hat man auch ihr erst einige Tage vor Erscheinen des ersten Trailers mitgeteilt. Damit dürfte wohl vorerst eine Höhepunkt der Abramsschen Geheimniskrämerei erreicht worden sein...

Wo die Ähnlichkeiten zum Namensvetter allerdings liegen sollen, dürfte sich wohl nur dem fantasievollsten Zuschauer erschließen. Die körnige DVR-Optik des „geistigen“ Vorgängers weicht einem Hochglanzlook, der sich vor der teureren Konkurrenz nicht verstecken braucht, auf Handkamera wird bis kurz vor Schluss weitestgehend verzichtet und selbst wenn sie dann mal für ein paar Einstellungen benutzt wird, bleibt die Kamera kontrolliert und hat vor allem nichts mit der Found Footage-Ästhetik des 2008er-Films gemein. Einzig John Goodmans Charakter und dessen Bezug zur aktuellen politischen Lage könnte man, wohlwollend, mit der 2008 noch aktuellen 9/11-Thematik in Verbindung bringen. Goodman spielt einen Prepper, also jemanden, der auf einen eventuellen Terroranschlag, Atomkrieg oder was auch immer vorbereitet ist, und die im Nachklapp zum 11. September sich immer größerer Beliebtheit erfreuten. Der „Atombunker im Garten“ ist aber ein Bild, das seit den 1950ern kulturell verankert ist. Hieraus eine Franchiseverbindung zu konstruieren, scheint eher erzwungen. Das ist jedoch nicht schlimmes, denn das macht es ungleich einfacher, „10 Cloverfield Lane“ unabhängig vom ersten Teil zu bewerten.

„10 Cloverfield Lane“ ist ein klaustrophobischer Film, der sein limitiertes Setting bis zur Schmerzgrenze ausreizt. Regisseur Dan Trachtenberg gibt sich größte Mühe, den Bunker dem Zuschauer geographisch nahezubringen. Räumliche Verhältnisse und Gegenstände werden geschickt in Position gebracht, um genau dann ins Spiel gebracht zu werden, wenn der Film es braucht. Drehbuchautoren Campbell, Stuecken und Chazelle schreiben hier ein Lehrstück an Planting und Pay Off, das einem Respekt abverlangt. Und auch die Charaktere werden reduziert und elegant gezeichnet, an dieser Front gibt es nichts zu meckern. Das Autorenteam und Regisseur Trachtenberg schaffen es, den Film mit nur drei Charakteren interessant und spannend über seine 100 minütige Laufzeit zu katapultieren.

Dabei gebührt aber nicht nur ihnen das Lob, denn auch die Besetzung ist gut aufgelegt. Allen voran steht John Goodman, dessen Howard für den halbwegs geübten Zuschauer wenig Überraschungen bieten dürfte, der aber jederzeit zu explodieren droht und eine wirklich beängstigende Figur abgibt. Selbst in seinen wenigen sympathischen Szenen schwingt immer etwas bedrohliches mit. Aber auch Mary Elizabeth Winstead weiß als Überlebenskünstlerin zu überzeugen. Sobald sie ihren ernsten Gesichtsausdruck auflegt, wartet man eigentlich nur noch darauf, dass sie bald massiv Ärsche tritt, denn der Kampfgeist steht ihr ins Gesicht geschrieben. Abgerundet wird der Cast von John Gallagher, dessen Emmett zwar ein bisschen untergeht, der aber gut den Spielball zwischen Michelle und Howard macht.

Das klingt ja alles nach ziemlich gut, aber... aber dann kommen die wahrlich behämmerten letzten zehn Minuten, die quasi in einen anderen Film gehören. Dabei ist der Twist selber nicht mal so schlimm, aber „10 Cloverfield Lane“ wechselt mal eben das Genre in Richtung Actionfilm. Was als tighter Thriller angefangen hat, geht absolut atonal zu Ende. Das gibt leider ordentlich Abzüge, kann das vorangegangene jedoch nicht zerstören.

10 Cloverfield Lane Bewertung
Bewertung des Films
710
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