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25 km/h

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25 km/h Kritik

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25 km/h Kritik
2 Kommentare - 11.03.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "25 km/h" ist.
25 km/h

Bewertung: 3.5 / 5

Als der Vater der Brüder Christian (Lard Eidinger) und Georg (Bjarne Mädel) verstirbt, sehen sich die beiden das erste Mal seit 30 Jahren wieder. Die Luft ist sehr stickig, bis sich die beiden nach dem Leichenschmaus betrinken und kurzerhand eine Mofa-Tour durch ganz Deutschland unternehmen wollen. Auf ihrer Reise treffen sie allerhand seltsame Menschen und versuchen einander wieder näherzukommen.

Eindringlich und groß bebildert bewegt sich 25 km/h auf ziemlich gewohnten Straßen. Wir kennen das alle: Eine Familie, die entzweit ist. Ein Teil, der sich dafür entscheidet, fortzugehen und das Glück in der Großstadt zu suchen. Und der andere, der im Geburtsort bleibt und sich mit den Problemen des Familienkollektivs befasst. Anschließend sorgt ein Unglück dafür, daß die Charaktere wieder aufeinander treffen und ihre Beziehung zueinander aufarbeiten müssen. Innovation sieht wahrlich anders aus. Und so sind es eben auch Roadmovie-Elemente, wie das Treffen der unterschiedlichsten, schrillsten Persönlichkeiten, ein Konflikt zwischen den Hauptfiguren und endlose Landschaften voller Leere, die gleichsam aber auch das Fernweh suggerieren. Dabei kommt es mitunter auch dazu, daß der Film sich für viel mehr hält, als er im Endeffekt ist. Das bedeutungsschwangere an der Beziehung der Figuren untereinander ist aber sichtlich mit der ein oder anderen Prise Klischee portioniert worden. Über diesen Umstand kann auch nicht die wirklich gute Filmmusik hinwegtäuschen.

Trailer zu 25 km/h

Denn diese ist tatsächlich recht ruhig, stilvoll und mit einem ganz klaren Verweis auf die Richtung Country bestückt, während die Figuren dem Nichts entgegenfahren. Dabei lassen sie vermeintlich den Zufall über ihr Ziel entscheiden und versuchen in einer Form von Eigentherapie zum einen herauszufinden, wer sie sind und dabei gleichzeitig ihre Beziehung wiederherzustellen. So verpackt Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg in seiner Geschichte über die klassische Midlifecrisis vor allem Existenzfragen, die sich vermutlich jeder Mensch irgendwann stellt. Dabei ist das symbolische Davonlaufen vor Verantwortung natürlich ein cleverer Schachzug, um auch den Selbstfindungstrip durch etwaige Situationen, die einen gefestigten Geist erfordern, zu bestücken. Klar mag das simpel anmuten, dennoch ist diese Wiederherstellung einer funktionierenden Beziehung unter Brüdern in weiten Teilen clever geschrieben. Denn zum einen hat sie gar nicht den Anspruch besonders innovativ zu sein und lässt den Zuschauer eben genau an dem teilhaben, was er sehen möchte. So sind es ferne Orte, voller Leben, die sich natürlich auch im Drang nach Reisen im Urlaub in vielen Menschen ausdrücken. Dabei gelingt es dem Film aber gleichzeitig das surreale in einer Form von Realitätsflucht in diesem Kontext zu zeigen.

Dabei hätte das gesamte Szenario aber durchaus etwas mehr Mut wagen können. Schließlich ist die Ergründung des Lebens auch gleichzeitig gepaart mit dem sexuell ausprägendem Trieb während der Adoleszenz. Und die Momente dafür sind hier auch gegeben. So trifft das Brudergespann im Verlauf ihrer Reise auf zwei Damen. Dabei wirken aber gerade die Sexszenen zwischen den Figuren mehr als nur dürftig. Mehr wäre hier sicherlich drin gewesen. So wäre auch der symbolische Drang sich in einer kurzweiligen Liaison zu verlieren, um so vielleicht auch das eigentliche Trauma des Verlustes in Teilen aufzuarbeiten, durchaus deutlicher geworden. Denn klar ist auch, daß die beiden Figuren auch durch eine hervorstechende Melancholie getrieben werden. So sehnen Sie sich nach etwas, und scheinen erst lernen zu müssen, was genau es ist. Klar ist die Antwort auf diese Fragen, auch im Hinblick auf das schwierige Verarbeiten in einer Trauerphase, durchaus konventionell gehalten, allerdings lässt der Film gegen Ende genügend Spielraum für die Figuren, um etwaige Situationen auch in Zukunft der Deutung zu überlassen.

Hinzu kommt, daß das eindringliche Porträt über verpasste Chancen auch mit purem Optimismus in die Ferne blickt. Das kann man nun so sehen, oder so. Allerdings ist dieser Kontrast im Hinblick auf die Ausgangslage durchaus bemerkenswert optimistisch und entlässt den Zuschauer gegen Ende mit einem hoffnungsvollen Gefühl. Dabei sind es vor allem aber die beiden Hauptdarsteller, die dem gesamten ihren Stempel aufdrücken. So etwas Bjarne Mädel, der spätestens seit Stromberg bewiesen hat, dass er tragikomische Figuren glaubhaft verkörpern kann. So ist sein Georg vor allem von Enttäuschung und dem Verlust geplagt. Dieses Zusammenspiel der Gefühle wird im Zusammenspiel mit Lars Eidinger großartig in Szene gesetzt. Zwar ist auch dieses Konstrukt sehr klischeebeladen und unzählige Werke wie Der Richter – Recht oder Ehre (2014) haben sich daran schon abgearbeitet, allerdings funktioniert es nicht zuletzt auch dank der tollen Chemie der Hauptdarsteller.

Und gerade weil das Roadmovie sich zu weiten Teilen in wechselnden Schauplätzen bewegt, ist auch die episodenhafte Erzählung stimmig geworden. Dabei gibt sich immer wieder große Schauspielerinnen und Schauspieler die Klinke in die Hand, und wirken dabei so unaufgezwungen und organisch in den Film implementiert. Gleichzeitig baut der Film immer auf dem Vorangegangenen auf, entwickelt seine Figuren konsequent von Episode zu Episode weiter, sodass auch die Wirkung einzelner Szenen, wie etwa ein Fußballspiel, im Gedächtnis verweilt.

Auch wenn in 25km/h trotz großer Reise, wenig wirklich neue Eindrücke hinterlässt, so ist das Drama um entzweite Brüder eindrucksvoll und intensiv gespielt. So baut das Drehbuch konsequent die kaputte Beziehung der Brüder wieder auf, während starke Bilder und eindringlich gespielte Momente der Hauptdarsteller vom Film clever eingefangen werden.

25 km/h Bewertung
Bewertung des Films
710

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2 Kommentare
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ProfessorX : : Moviejones-Fan
12.03.2022 17:04 Uhr
0
Dabei seit: 17.05.14 | Posts: 722 | Reviews: 283 | Hüte: 28

@downset66

Im Prinzip sind solche Filme natürlich in ihrem Kern nicht besonders tiefschürfend. Grundsätzlich aber sympathisch, weil es so ruhig und unaufgregt daherkommt ^^

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downset666 : : Moviejones-Fan
12.03.2022 11:28 Uhr
0
Dabei seit: 27.04.16 | Posts: 324 | Reviews: 0 | Hüte: 4

Ich fand den Film ganz nett. Musste ein paar mal schmunzeln und bjarne mädel geht irgendwie immer. Schöne Kritik, ich habe jetzt beim schauen auch keine tiefe Charakterstudie erwartet. Ich habe bekommen, was ich erwartet hab.

Es liegt in der Natur des Menschen sich selbst zu zerstören...

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