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Ali

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Ali Kritik

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Ali Kritik
0 Kommentare - 27.05.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Ali" ist.

Bewertung: 3 / 5

Im Jahr 1964 wird Cassius Clay (Will Smith) Weltmeister im Schwergewicht und zu einem gefeierten Superstar. Vom exzessiven Auftritten in Medien, über Affären, bis hin zu weiteren großartigen Boxkämpfen wird aus Clay ein Superstar. Nachdem er zum Islam konvertiert, kämpft er unter einem neuen Namen: Muhammed Ali und weigert sich unter anderem am Vietnamkrieg teilzunehmen. Anschließend verliert er seine Boxlizenz und den Großteil seines Vermögens.

Michael Manns Porträt über den Boxer Muhammed Ali ist ein sehr seltsames Werk. Man kommt nicht selten in Verlegenheit all diese Ideen und Konzepte, die sich so oder so ähnlich vielleicht im Leben der tatsächlichen Persona Muhammed Ali abgespielt haben mögen, zu kennen. Da wären die persönlichen Eskapaden auf dem Höhepunkt, die Verletzlichkeit, die Nahestehenden im Konflikt mit dem Protagonisten und all diese Dinge, die auch schon Werke wie Rocky (1974), Wie ein wilder Stier (1980), Million Dollar Baby (2004) oder The Fighter (2010) ausmachten. Gut, zugegebenermaßen ist die Hälfte der Beispiele erst nach Ali entstanden und so könnte man argumentieren, daß dieser Film nicht zwingend im Fahrwasser anderer Filme entstanden ist. Und dennoch wird man das Gefühl nicht los, all diese Dinge, die Ali im Kern auszeichnen, schon gesehen zu haben. Doch dann wiederum ist der Film von Michael Mann auch einer, der zu überraschen weiß. Denn wenn man dem Film Glauben schenken darf, war Ali auch eine Person, die sich im religiösen Eifer, im Hinblick auf die Bürgerrechtsbewegung auch als extrem gläubig erwiesen hat.

Nun mag der Glaube als solcher sicherlich nichts Schlimmes sein, doch hin und wieder schimmern auch in der Person um Muhammed Ali ein gewisser Antiintellektualismus und zudem auch ein sehr verqueres Weltbild, wenn es zu Teilen um Radikalisierung oder die Wahrnehmung der Frau innerhalb der Gesellschaft geht. Der Film porträtiert die Figur dann auch als ambivalent, weil sich Ali all den schönen Dingen, die sein Aufstieg mit sich bringt, gerne hingibt. Und dennoch ist die Figur dann auch tatsächlich recht ungreifbar, weil er zum einen nicht besonders sympathisch oder intelligent daherkommt und zum anderen aber auch nicht transportiert wird, was für Ali auf dem Spiel steht. So hört man immer wieder davon, daß seine große Zeit sich eventuelle dem Ende zuneigt, und er ob bestimmter öffentlicher Aussagen vielleicht nicht mehr ganz im Rampenlicht stehen kann, doch das Problem hierbei ist einfach, daß der Film viel zu viel erzählt und das Motto „Show, dont tell“ eben nicht verinnerlicht hat. Das ist auch besonders tragisch im Hinblick darauf, daß Ali eigentlich auch die einzige Figur ist, die eine gewisse Tiefe zu sich haben will. Denn der Film behandelt alle Personen im Leben um Muhammed Ali eher stiefmütterlich, während er Alis Werdegang mit narzisstischem Gehabe abtut.

Tragisch ist das vor allem deshalb, weil sich die Bürgerrechtsbewegung um Malcolm X auch eine weitere spannende Person hervorbrachte, die historisch betrachtet im Vergleich zu Martin Luther King eben durchaus schwieriger zu deuten war. Dabei wirkt Cassius Clay eben zu weiten Teilen wie jemand, der sich abermals von höheren Instanzen einspannend lässt.

So ist eigentlich alles im Leben von Ali wesentlich spannender, als das wofür er eigentlich berühmt wurde. Nicht zuletzt deshalb, weil auch der Zeitpunkt seines Triumphs im Hinblick auf historische Ereignisse sicherlich nicht unspannend waren. Ob Vietnamkrieg, Bürgerrechtsbewegung, der Kalte Krieg und all diese Dinge, die in dieser turbulenten Zeit vonstattengingen, Ali ist immer mitten drin. Und während sich Ali in den Kampf wirft, und dabei tatsächlich von einem intensitätslosen Boxkampf in den Nächsten gerät, ist es erneut schade, daß eben Subplots um den Drogenabhängigen Drew Bundini Brown, der hier von Jamie Foxx verkörpert wird, viel zu kurz kommen. Denn gerade, wenn es um die Verbindung zu den ihm nahestehenden Menschen geht, versagt der Film komplett. Dann wiederum entpuppt sich Ali als Sympathling, wenn er den Kriegsdienst verweigert. Gut gewählt ist außerdem, daß Mann sich hier nur auf ein paar Jahre im Leben von Cassius Clay gestürzt hat, und somit eben viele, langweiligere und doch so Biographietypische Elemente ausspart.

Doch dadurch, daß der Film so viele Eckpunkte hat und in der Handlung immer wieder springt, wirkt das gesamte Werk viel zu unstimmig, als daß man es wirklich als Ganzes mögen könnte. Ob Frauenprobleme, Macht, Politik, Freunde, Religion und all diese Themen, die Muhammed Alis sicherlich beschäftigten, ist der Film indes zu weit gedacht und zu wenig durchdacht. Unterdessen mag Will Smith schauspielerisch moderat sein, allerdings fehlt es ihm hier auch an etwas an Humor oder Selbstreflexion, was vermutlich der Person selbst geschuldet ist und eben nicht Smith als Hauptdarsteller.

Inmitten einer unruhigen Zeit setzt Michael Manns Ali an, ist aber dafür zu simpel gedacht. Schauspielerisch reißt Smith kein Bein aus und auch die ein oder andere Geschichte kommt zu kurz. Die Person wird gut dekonstruiert und in manchen Momenten wird sie sehr sympathisch. Gängige Muster tauchen auf, werden aber durch den Blick auf eine bestimmte Zeit umgelenkt und stark inszeniert.

Ali Bewertung
Bewertung des Films
610

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