Moviejones.de ist ein kostenloses Angebot, welches sich durch Werbung refinanziert. Adblocker minimieren die Einnahmen monatlich um 40%. Wenn du möchtest, dass wir auch in Zukunft unsere Redakteure bezahlen können, deaktiviere bitte deinen Adblocker.

Du willst dennoch keine Werbung oder diese deutlich minimieren?

Hier mehr erfahren
Moviejones finanziert sich nur über Werbung
Möchtest du MJ helfen, deaktivere bitte deinen Adblocker. Falls du dennoch weniger Werbung sehen willst und das sogar kostenlos, erfährst du hier mehr.

Bedevilled - Zeit der Vergeltung

Kritik Details Trailer Galerie News
Wenn nicht mal Frauen einander helfen

Bedevilled - Zeit der Vergeltung Kritik

Bedevilled - Zeit der Vergeltung Kritik
3 Kommentare - 20.06.2018 von MobyDick
In dieser Userkritik verrät euch MobyDick, wie gut "Bedevilled - Zeit der Vergeltung" ist.

Bewertung: 4.5 / 5

Die Grundprämisse des Films Bedevilled ist denkbar alltäglich: Eine Frau wird Zeugin, wie eine andere Frau mißhandelt wird, weigert sich aber, der Polizei bei ihren Ermittlungen großartig zu helfen, da sie einerseits nicht in etwas hineingezogen werden möchte (so weit so schlecht), und andererseits sich wahrscheinlich auch für so viel besser hält, dass ihr so etwas niemals geschehen könnte, es also auch nicht ihr Problem ist (so weit so schlechter). Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände, verliert sie ihren Job und entscheidet sich, auf ihrer Geburtsinsel ihre beste Kindheitsfreundin zu besuchen und etwas auszuspannen. Die Insel ist mittlerweile ziemlich verlassen, es leben nur noch eine Handvoll Menschen auf ihr, die meisten sind ziemlich alt, sowie die Kindheitsfreundin und ihre Familie. Und eben diese Freundin wird dort wie eine kleine Sklavin gehalten und ständig missbraucht und -handelt. Diese Freundin bitte nun also unsere "Heldin" (Protagonistin würde es wohl eher treffen) eindrücklich um Hilfe und äußert dabei auch einen ziemlich schrecklichen Verdacht, doch unsere Protaginistin kümmert sich wieder einmal nicht um die Belange einer gepeinigten Frau, denn es ist ja nicht ihr eigenes Problem, und es wird ja alles nicht ganz so schlimm sein. Dass der Freundin nun auch die letzte Fluchtmöglichkeit genommen wird, ist im Prinzip der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, und die ganze Situation eskaliert äußerst blutig eines schönen sonnigen Tages bei einer Kartoffelernte, die man sicherlich auch als symbolisch genauso gewollt ansehen kann.

Bevor ich jetzt den Film weiter bespreche, sollte ich für die werten Leser hier mal wahrscheinlich einen kleinen Exkurs zum Thema Südkoreanischer Film von mir geben - ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Dieser Ansatz ist meines Erachtens daher wichtig, da mein Eindruck hier schon der ist, dass zu gefühlt 85% nur Mainstreamblockbusterfans sich hier tummeln (was nicht negativ gemeint ist) und daher erst mal befremdet sein könntet von einer Besprechung eines asiatischen Filmes. Mit dem Film Shiri begann 1999 eine Zeitenwende im südkoreanischen Kino: Es wurden Blockbuster produziert, die sich durchaus mit Hollywoodblockbustern messen konnten, sowohl filmtechnisch, inszenatorisch, schauspielerisch, als auch inhaltlich. Ich zähle Shiri bis heute zu den besten Filmen von Michael Bay, ohne dass der Film von ihm wäre. Und trotzdem zählt er zu den schlechtetsten Filmen dieser Zeit aus Südkorea. Spätestens mit Joint Security Area (ein Who-Dunnit-Krimi über einen Zwischenfall an der Nord-Süd-koreanischen Grenze, wo man sich mit zunehmender Dauer gar nicht mehr sicher sein konnte, ob der Film nun aus süd- oder Nordkorea kommt) etablierte sich Süd-Korea sich aber auch als sehr intelligentes Filmland, das sowohl Kunst auch Kommerz wunderbar vereinen konnte. Urplötzlich fand eine Kreativitätsexplosion in Südkorea statt, wie sie komischerweise in vielen Ländern passiert, die gerade eine Militärdiktatur hinter sich gebracht haben (man denke dabei nur an Spanien, aber das ist eine andere mindestens genauso spannende Geschichte). Regisseure wie Park Chan Wook, Kim Ki-Duk (übrigens bis heute der einzige Regisseur, der in einem Jahr für zwei verschiedene Filme den Hauptpreis der Filmfestspiele in Berlin und Venedig gewinnen konnte!), Kim Jee-Won, Bong Joon Ho schossen wie Pilze aus dem Boden, und viele von ihnen lieferten einen einzigen wirklichen bombastischen Beitrag, nur um dann für immer wieder von der Bildfläche zu verschwinden. Urplötzlich wurden uralte Genres neu belebt und zwar auch immer mit neuen Blickwinkeln versehen: Rachethriller, Sozialdramen, Geschlechterkriege, Heroic Bloodshed, Kriegsfilme. Und alles fühlte sich neu und frisch an. Gerade das Genre des Rachethrillers wurde in Südkorea neu definiert und eigentlich auch final besprochen. Hier wurden wegweisende Entwicklungen durchgeführt wie soziale Ungerechtigkeit, Cybermobbing, sexuelle Unterdrückung etc. Und alles wie schon gesagt, auf sehr intelligente Art und Weise, teilweise für den heutigen Zuschauer auch etwas langweilig anmutend, denn was die meisten dieser Filme eint, ist die Tatsache, dass sich die Filme wirklich eine Stunde Zeit nahmen, um die Figuren zu etablieren, sie einem näher zu bringen, die Fallhöhe auszuloten, nur um dann in der zweiten Stunde wirklich die Hölle über die Figuren ausbrechen zu lassen. Na ja, mittlerweile ist es ruhiger um Südkorea als Filmland geworden, dennoch ab und an kommt immer noch ein Hammer aus jenem Land. Ende des Exkurses.

Bedevilled kommt 2009 heraus, als diese kreative Explosion Südkoreas so langsam am Abebben ist, dennoch ein Highlight dem nächsten zu folgen scheint. In gediegenen Bildern wird einem erstmal das ländliche Leben demonstriert, die Freundin ist immer nett und zuvorkommend, aber es gibt eine unausgesprochene unheilvolle Athmosphäre, die man erst mal nicht greifen kann, was einen aber umso mehr beunruhigt. Es ist umso verstörender als man erfährt, was alles mit dieser Frau geschieht, und dass sie trotz allem so nett und zuvorkommend ist. Und dann entblättert sich das gesamte Bild nach und nach: Es ist durchaus Gang und Gäbe in dieser Gesellschaft, dass eine Frau unterdrückt wird, vor allem auch von den älteren Frauen dieser Gesellschaft, und zwar auch deshalb, da diese Frauen früher genauso unterdrückt wurden, sie es also alle nicht anders kennen, und sich jetzt im Alter einfach zurück lehnen können. "Die Junge Frau muss ja nur das durchmachen, was wir auch durchgemacht machen, ist ja nur normal." Doch Vorsicht: Das Täter-Opfer-Rollenbild wird hier nicht vollends aus den Angeln gehoben, sondern nur stimmig erweitert! Die Männer bekommen auch alle ihr Fett weg. Und die Protagonistin? Tja, auch das ist eine äußerst stimmige Erweiterung auf den modernen Menschen heutzutage, der aus mehreren Gründen den Blick abwendet und sich selber in die Tasche lügt, dass er davon ja nicht betroffen ist.

Insofern ist Bedevilled sowohl eine Abrechnung mit archaischen Gesellschaftsformen, die es heutzutage immer noch überall auf der Welt noch gibt, sowie mit den verlogenen modernen. Denn schließlich läuft es darauf hinaus, dass wenn man eine Katastrophe verhindern will, man etwas dagegen tun muss.

Gleichzeitig - und das dürfte eigentlich der wichtigste Grund für viele der Leser hier sein, dass man den Film überhaupt schaut - ist der Film, wenn er dann abgeht, so irre spannend wie sonstwas, und auch wenn es nicht stimmt, kann ich durchaus verstehen, warum der Film vom deutschen Verleih als Horrorfilm vermarktet wurde.

Bedevilled ist ein fatalistischer Psychothriller vom Feinsten, der gerade in der heutigen Zeit aktueller ist als je zuvor, der auch noch neben der ganzen Inszenierung sogar noch die Chuzpe hat, die Geschichte seiner Protagonistin zufriedenstellend zu beenden.

Bedevilled - Zeit der Vergeltung Bewertung
Bewertung des Films
910
DVD & Blu-ray
AmazonAmazonAmazonAmazonAmazon

Weitere spannende Kritiken

Mission: Impossible Kritik

Userkritik von FlyingKerbecs

Poster Bild
Kritik vom 20.09.2018 von FlyingKerbecs - 27 Kommentare
So, ich hab nun zum ersten Mal den ersten MI gesehen und was soll ich sagen, ich bin enttäuscht. Vielleicht liegt es daran, dass ich erst 20 bin oder dass ich an den Stil (oder was auch immer) der heutigen Filme gewöhnt bin oder dass ich aufgrund der guten bis sehr guten letzten 3 Teile ex...
Kritik lesen »

Utøya 22. Juli Kritik

72 Minuten Echtzeit

Poster Bild
Kritik vom 19.09.2018 von CEl - 0 Kommentare
In Norwegen hat das Massaker an 69 Jugendlichen auf der Ferieninsel Utøya vom 22. Juli 2011 einen starken Eindruck hinterlassen, der bis heute traumatisch nachwirkt. Der norwegischen Regisseur Erik Poppe nahm dies zum Anlass, bereits wenige Jahre später einen Spielfilm über die dama...
Kritik lesen »
Mehr Kritiken
Horizont erweitern

Was denkst du?
3 Kommentare
Avatar
MobyDick : : Moviejones-Fan
21.06.2018 11:11 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 2.938 | Reviews: 27 | Hüte: 156

Freut mich, dir Asia-Experten auch was Überraschendes präsentieren zu können :-)

Zu der oben beschriebenen Zeit war das Südkoreanische Kino für mich das beste Kino weltweit, soweit ich es erfassen konnte, versteht sich.

Würde mich freuen, wenn du jetzt aber auch mal inhaltlich auf meine Kritiken eingehen würdest, anstatt die oberflächliche Titelauswahl zu kommentieren wink

Dünyayi Kurtaran Adam
Avatar
Musashi : : Moviejones-Fan
21.06.2018 04:01 Uhr
0
Dabei seit: 27.01.14 | Posts: 660 | Reviews: 0 | Hüte: 20

Ich bin grad totak schockiert, dass ich als großer Fan des Südkoreanischen Kinos (hab auch mal 3 Monate in Seoul gelebt,) noch nie was von dem Film gehört hab..frownfrownfrown

My feelings over your freedom!

Avatar
MobyDick : : Moviejones-Fan
20.06.2018 10:49 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 2.938 | Reviews: 27 | Hüte: 156

So, mal schauen, wer mir nun was "vorwirft" wink

Dünyayi Kurtaran Adam
Forum Neues Thema