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Blood Father

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Might be the best fucking day of your life...

Blood Father Kritik

Blood Father Kritik
4 Kommentare - 28.08.2018 von Silencio
In dieser Userkritik verrät euch Silencio, wie gut "Blood Father" ist.
Blood Father

Bewertung: 3.5 / 5

Die junge Ausreißerin Lydia hat sich auf den falschen Mann eingelassen, das merkt sie spätestens, als sie eine unschuldige Frau umbringen soll, um ihm ihre Liebe zu beweisen. Doch dabei will sie nicht mitmachen, es kommt zum Gerangel bei dem sich, wie in solchen Situationen üblich, ein Schuss löst, der ihren Freund Jonah scheinbar tödlich trifft. Dummerweise war Jonah Teil eines mexikanischen Drogenkartells, das nun auf der Suche nach Lydia ist. Da kann nur Lydias Vater helfen, der Ex-Knacki und Anonyme Alkoholiker John Link. Zusammen machen sich Lydia und John auf einen Road Trip, bei dem John sämtliche Bewährungsauflagen bricht und nebenher noch seine Tochter zum ersten Mal richtig kennenlernt...

Trailer zu Blood Father

Liest man die Inhaltsangabe, könnte man leicht auf den Gedanken kommen, dass es sich bei „Blood Father“ um einen Actionstreifen im Fahrwasser von „Taken“ handelt. Gerade mit Mel Gibson in der Hauptrolle, der nun nicht unbedingt für progressive Ansichten bekannt ist, könnte das Ergebnis, gelinde gesagt, problematisch werden. Nun, ganz so einfach kann man es sich mit „Blood Father“ allerdings nicht machen. Vielmehr erweckt der Film den Eindruck, als wollte man Gibson ein Comeback-Vehikel auf den Leib schneidern, das seine Skandale der letzten Jahre frontal angreift. Das beginnt schon in seiner ersten Szene: die Kamera fängt Gibson in einer Nahaufnahme ein, während wir den Eindruck kriegen, er wäre auf einer ihm zu Ehren stattfindenden Geburtstagsfeier. Doch im nächsten Satz stellt er sich denjenigen vor, die ihn noch nicht kennen, der Zuschauer merkt: hier stimmt irgendwas nicht. Und so fährt die Kamera langsam zurück, während Gibson/John von seinen Alkohol- und Drogeneskapaden erzählt, von seinen Gefängnisaufenthalten, bis wir erkennen: wir sind bei einem Treffen der Anonymen Alkoholiker.

In dieser Art geht es den Film über weiter, Gibsons Charakter wird immer wieder gezwungen, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Am Deutlichsten dürfte der Bezug zu Gibsons Privatleben wohl werden, wenn er sich seiner alten Vaterfigur, dem von Michael Parks gespielten Preacher, gegenübersieht, die in einem runtergekommenen, mit Nazi Devotionalien geschmückten Domizil lebt. Die Parallelen zu dem Verschwörungstheoretiker Hutton Gibson, von dem Mel seine erzkatholische Ader und die Vorliebe für Verschwörungstheorien geerbt hat, springen ins Auge. Da verwundert es nicht, wenn sich Gibson in seinem Comeback-Film seinem Vater nicht nur stellt, sondern sich dessen auch noch entledigt. Später darf Filmtochter Lydia dann noch Gibsons Glauben und Rassismus der Lächerlichkeit preisgeben, lauter hat wohl in letzter Zeit keiner in Hollywood um Vergebung gerufen...

Unter der Regie des Franzosen Jean-Francoise Richet entgeht „Blood Father“ auch der Gefahr, sich in simplen Pro-USA und Anti-Mexiko Eskapaden zu verlieren. Richet lässt uns auf das Laufband einer Supermarktkasse starren, über die Munitionspackung an Munitionspackung an Munitionspackung laufen. Diese kann die minderjährige Lydia auch problemlos kaufen, aber eine Schachtel Kippen? Sorry, Kleine, da muss die Kassiererin deinen Ausweis sehen. Mit trocken-lakonischem Humor zeichnet der Franzose ein Bild der USA, dass die unangenehmeren Untertöne der Geschichte verpuffen lässt. Richets Film lässt sich am Besten als ruhig und zurückhaltend beschreiben, im Vordergrund stehen weniger Feuergefechte und Thrills, die flotte Laufzeit von nichtmal ganz 90 Minuten konzentriert sich auf John und Lydia. Insofern stellt „Blood Father“ auch einen angenehmen Kontrast zu den ganzen „Taken“-Ablegern, in denen die Frau, meistens die Tochter, Mittel zum Zweck ist, um den Helden guten Gewissens möglichst viele gesichtslose Ausländer abknallen zu lassen. Erin Moriarty darf mit Lydia ausnahmsweise einen richtigen Charakter spielen, mit eigenen Problemen und einem ordentlichen Sinn für Humor. Dabei fällt vor allem auf, wie viel Chemie Gibson und Moriarty haben, man will ihnen Vater und Tochter um jeden Preis abnehmen.

Leider passt die Kameraarbeit nicht ganz zum entschleunigten Rest des Films. Richet und sein Kamermann Robert Gantz setzen auf Handkameraästhetik, was in den hektischeren Szenen durchaus Sinn ergibt, während das Wackeln der Kamera gerade in ruhigeren Szenen eher nervt. Das mag Konzept sein, darauf lässt Richets sonst relativ durchdachte Bildsprache zumindest schließen, stört den Gesamteindruck jedoch eher.

„Blood Father“ ist ein recht interessantes Kleinod, mit dem Mel Gibson einen kleinen Seelenstriptease hinlegt. Ein unaufgeregter kleiner Film, dem man eine Chance geben sollte

Blood Father Bewertung
Bewertung des Films
710
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4 Kommentare
MJ-Pat
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sid : : Alpha
30.08.2018 21:38 Uhr
0
Dabei seit: 01.10.12 | Posts: 1.256 | Reviews: 15 | Hüte: 30

Eine gut geschriebene und durchdachte Kritik, der ich häufig zustimme. Einige Parallelen zwischen Mel Gibson und dem Filmvater hätte ich gar nicht entdeckt, aber mindestens bei dem AA-Treffen konnte ich kaum anders, als an die Realität zu denken. Manches ist aus meiner Sicht vielleicht etwas überinterpretiert (und Glauben und Rassismus als Aneinanderreihung, was ich natürlich auch grad mache – schräg. Weiß schon, wie es gemeint ist ^^).
Vom Film selbst war ich etwas enttäuscht, ohne ihn richtig schlecht zu finden. Ich hatte vorher Get The Gringo gesehen und auch der Titel Blood Father hatte in mir die Hoffnung auf einen etwas fetzigeren Film geweckt. Den Anfang fand ich noch am besten. Seiner Filmtochter habe ich zwar das Alter gerade noch abgenommen, aber der Rest blieb etwas blass und eigentlich wirkte sie wie das behütete Töchterlein fast wie aus einem Internat, jedenfalls viel zu sauber. Die Chemie zwischen Gibson und Moriarty war ganz ordentlich, aber für mich hat zum Beispiel im ersten Taken zumindest die Vater-Tochter-Beziehung eher funktioniert (und auch vom Zug her fand ich Taken viel besser). Insgesamt hatte ich nach dem absurd-spaßig-spannenden Get The Gringo einfach schon wieder höhere Ansprüche. Würde Blood Father wahrscheinlich 3 von 5 Hüte geben.

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luhp92 : : BOTman Begins
30.08.2018 18:07 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 10.419 | Reviews: 142 | Hüte: 332

@MobyDick und Silencio

Man darf gespannt sein auf "Dragged Across Concrete", den neuen Film vom hochgelobten S. Craig Zahler ("Bone Tomahawk", "Brawl in Cell Block 99"), der kommenden Montag in Venedig uraufgeführt wird und in dem Mel Gibson die Hauptrolle spielt.

Zudem wird er als Hauptdarsteller in "Boss Level", dem nächsten Film von Joe Carnahan und Frank Grillo zu sehen sein.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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Silencio : : Moviejones-Fan
29.08.2018 13:25 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 876 | Reviews: 41 | Hüte: 68

@Moby:

Versteh ich, ich kann mir allerdings auf der anderen Seite nicht vorstellen, dass jemand mit einem Drehbuch an Mel Gibson herangetreten ist, das zufällig Parallelen zu seinem Privatleben aufweist (ich mein, das AA-Meeting ist seine erste Szene), Dinge aufgreift, für die er (zu Recht) kritisiert wurde und das in dem ganzen Produktionsprozess niemandem aufgefallen ist. Ich fand da eben auch relativ bezeichnend, dass er im Laufe des Films (während sich das Ganze mehr in Richtung "klassischer" Actionthriller bewegt) zu seinem typischen Look zurückfindet (eben ohne Bart). Und wie ein anderer bekannter Gibson-Charakter lebt Link in einem Wohnwagen. Das kann alles Zufall sein, aber Zufall, der diese Lesart eröffnet. Ich bin da durchaus offen für anderer Deutungen.

Zum Thema Gibson und "Darstellergefängnis" sind wir uns aber einig, der Mann hat es immer noch drauf und gehört mal wieder in einen richtigen, guten Film. Schade, dass ihn psychische Gesundheit und Umfeld dahin manövriert haben, wo er sich die letzten Jahre befand.

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MobyDick : : Moviejones-Fan
29.08.2018 12:48 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 3.161 | Reviews: 29 | Hüte: 182

Hmm, interessante Kritik, wobei ich jetzt nicht weiß, ob die Interpretation der Figur in Zusammenhang mit Gibsons Privatleben nicht doch zu viel Interpretation ist. Den Film habe ich einmal gesehen und für okay befunden, und eigentlich recht vergessenswert. Klar ist er solchen Vehikeln wie Taken deutlich überlegen, weil eben eine gewisse Ambivalenz gegeben ist und die Figuren deutlich ausgereifter, aber erstens ist das nun wirklich keine Kunst und zweitens wie gesagt, mich hat der Film eher mäßig unterhalten. Dass Gibson trotzdem nach wie vor ein enormes Charisma hat und eigentlich in deutlich höher budgetierten Filmen mitspielen sollte und müßte, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

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