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Chucky und seine Braut

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Chucky und seine Braut Kritik

Chucky und seine Braut Kritik

Chucky und seine Braut Kritik
0 Kommentare - 14.10.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Chucky und seine Braut" ist.

Bewertung: 3.5 / 5

Nach dem Tod von Chucky (Brad Dourif) belebt ihn seine einstige Liebe Tiffany (Jennifer Tilly) wieder. Doch nach einem kurzen Streit der beiden tötet Chucky sie und verfrachtet ihren Geist schließlich in eine Puppe. Zusammen versuchen sie mithilfe eines Amuletts nun in ihre menschliche Gestalt zurückzukehren. Auf ihrem Weg treffen sie auf die Jugendlichen Jade (Katherine Heigl) und Jesse (Nick Stabile), die Chucky und Tiffany unwissentlich mitnehmen. Auf ihrem Weg hinterlassen sie eine Spur von Leichen.

Welch Wechselbad da anmutet, wenn ein grotesker Fan im Zuge einer Voodoo-Wiederbelebung versucht, ihren Heiland zurück zu den Lebenden zu bringen und unterdessen eine Schneise der Zerstörung hinter sich lässt. Man ist entweder im komplett richtigen, oder im absolut falschen Film angekommen. Dieser Film kann nur die Gemüter spalten. Denn er ist nicht sonderlich kreativ, wenn man an die Geschichte denkt. Ohnehin kommt es einem so vor, als sei diese nur noch Mittel zum Zweck. Und während man sich gerne einredet, daß ein Horrorfilm oder ein Slasher auch keine Geschichte braucht, so kommt man nicht umher eine kleine Ermüdungserscheinung in dem Konzept der mordenden Puppe zu entdecken. Womit kann man noch schockieren, daß wäre so eine Frage, die bleibt. Und während sich der Film in dieser Hinsicht vielleicht nicht mehr weiterentwickelt hat, tauscht er alte Charaktere durch neue aus. Kein Andy Barcley, der eigentlich mehr Aufmerksamkeit innerhalb der Riege an Kontrahenten für Horrorgestalten verdient. Vielleicht liegt es nur daran, daß er keine Scream-Queen sein kann und dennoch glaubt man das nicht so ganz. Unterdessen behandelt der Film abermals die aus Chucky - Die Mörderpuppe (1988), Chucky 2 – Die Mörderpuppe ist wieder da (1990) und Chucky 3 (1991) bekannte Thematik der Wiederbelebung eines Mörders. Innovationen in dieser Hinsicht sehen wahrlich anders aus.

Und da ist es schon erstaunlich, daß man vergleichsweise sehr wenig davon hat. Denn während auch dieser vierte Chucky-Film abermals mit einer Laufzeit daherkommt, die knapp über 80 Minuten hinaus geht, fokussiert auch er sich trotz dessen nicht auf das, was am Film und am Genre des Slashers eigentlich interessiert. Und das sind eben die Kills, die im Zuge einer Ausführung durch Puppen allerlei Möglichkeiten bieten, um wirklich interessante, oder zumindest unterhaltsame Tötungen im Film zu zeigen. Nun bin ich normalerweise nicht für eine solch stumpfsinnige Form des Voyeurismus zu haben, aber da die Konzeption dieser Reihe ohnehin schon lange abseits der Realität verankert war und auch die Geschichte nicht gerade viele neue Wendungen erfährt, sollten zumindest die Morde hier ein wenig häufiger ins Zentrum der Geschichte rücken. Doch das passiert nicht wirklich und so bekommt man das Gefühl, daß von den insgesamt gut Zweidutzend Tötungen nicht wenige relativ routiniert ablaufen und es sich am Ende des Tages doch um weniger handelt, als es wirklich sind. Nun kann man keinen ganzen Film vollstopfen mit Tötung über Tötung, daran scheiterte ja auch schon Halloween Kills (2021), doch irgendwas am Pacing stimmt da nicht so ganz, daß man trotz der durchaus zahlreichen Kämpfe und Morde innerhalb der Geschichte, so wenig das Gefühl hat, daß da tatsächlich etwas passiert.

Klar erkennen lassen sich indessen die filmischen und realen Vorbilder, die sich Chucky und seine Braut nehmen. Denn während die Kombination aus mordenden, durchs Land streifenden Puppen natürlich an Bonnie und Clyde (1967) erinnert, versteht sich der Film natürlich in gewisser Weise auch als Hommage und Persiflage an Frankensteins Braut (1931), während das Zitieren hier sogar noch weiter geht. So lassen sich in einigen Szenen etwa die Klauen von Freddy Krueger aus Nightmare – Mörderische Träume (1984), Jason Voorhees Maske aus Und wieder ist Freitag der 13. (1982) oder auch die Kettensäge von Leatherface aus Blutgericht in Texas (1974) erkennen. Diese sind aber nie aufgesetzt oder willkürlich, um dem Film einen Stempel aufzudrücken, sondern so gezielt in Szene gesetzt, daß man sie als unglaublich plakativ empfinden müsste. Doch das passt zu dem Film und zu den Figuren und ist insofern extrem belustigend. Ohnehin ist Chucky als Figur nun wirklich an einem Punkt angelangt, an dem man sie nur noch als ikonische Horrorgestalt wahrnehmen kann. Ähnlich, wie es die genannten Vorbilder sind, hat Chucky einen ganz eigenen Charakter, der natürlich auch einen großen Reiz daraus zieht, daß er jetzt nicht unbedingt der Physis eines Jason Voorhees entspricht. Doch das ist auch nur gut so und während die Chucky-Filme nach und nach immer mehr erkennen, wie absurd teilweise das Genre des Horror-Slashers ist, macht man spätestens auch hier keinen Hehl mehr daraus und verliebt auf einer rein ironischen Meta-Ebene. Denn während die Konsumkritik zum größten Teil aus der Geschichte verschwunden ist, versucht der Film mit unglaublich grotesken Szenen zu schocken und vor allem zu provozieren.

Dieser Umstand funktioniert aber in dem Film. So erlebt der Zuschauer eine Sexszene zwischen zwei Puppen. Und Chucky und seine Braut ist definitiv einfach nur eine Provokation. Es kommt da wohl zu den seltsamsten und groteskesten Szenen der bisherigen Filme. Doch während etwa ein Film wie Saw IV (2007) durch pure Gewaltdarstellung und Folter zu punkten versucht, gelingt es dem Werk von Ronny Yu dadurch zu überzeugen, daß die gesamte Szenerie, das gesamte Franchise und dessen Mythologie noch nie eine reale Bedrohung ausmachte. Die Fiktion ist in diesem Film immer spürbar, während auch Humor und die Tatsache, daß man hier immerhin von Puppen redet, jedwede Bedrohung, beziehungsweise Härte aus der Szene nehmen. Daher funktioniert auch die Unterhaltung, weil der Film immer wieder ironisch mit der Drastik bricht. Unterdessen kann den Film auch, gerade weil etwa eine Jennifer Tilly und ein Brad Dourif so cartoonesk aufspielen, auch als eine Dekonstruktion der Ehe begreifen. Denn natürlich wünscht sich die sehr leicht bekleidete und nach wahrer Liebe suchende Tiffany nichts sehnlicher, als von ihrem Freund und Serienmörder Charles Lee Ray geehelicht zu werden. Dabei neigt das Werk vielleicht ab einem gewissen Punkt auch zu sehr dazu, die Frau als bloßes Opfer ihres Mannes zu begreifen, die alles, was sie tat, eigentlich nicht wollte. Und dennoch ist der Film dabei ein Bruch mit der Systemik hinter der Ehe und ihren konservativen Vorstellungen.

Man muss sich das mal vorstellen, denn Chucky und seine Braut ist ein Film, dessen Geschichte so an den Haaren herbeigezogen ist und vielleicht an der ein oder anderen Stelle etwas mit den vorherigen Teilen zu brechen scheint. Doch das ist völlig egal, weil der Film an den völlig richtigen Stellen maßlos übertreibt und an den Stellen, wo es wichtig wäre, nicht zu übertreiben, lässt er das aus. Unterdessen gelingt es den Machern mit den Highschoolschülern Jade und Jesse abermals ein gutes und sympathisches Gespann in die Hauptrollen zu packen. Nun ist dieses vielleicht sehr klischiert und an manchen Stellen, zeiht der Film dabei auch mehr Spannung aus einer Konstruktion, als aus einer wahrlich guten Geschichte. Doch sowohl Katherine Heigl, als auch Nick Stabile verkörpern ihre Rollen sehr glaubwürdig und sorgen durch ihren Charme abermals dafür, daß dem Zuschauer nicht egal ist, was mit ihnen passiert. Ein Umstand, den man Chucky-Schöpfer und Drehbuchautor der gesamten Reihe Don Macini hoch anrechnen muss. Denn wenn man dann wieder auf andere Slasher und viele Gore-Horrorfilme blickt, dann fällt auf, wie selten das doch der Fall ist.

Eine eher innovative Idee geht Chucky und seine Braut voraus. Für das Franchise typische Merkmale und Themen wurden zugunsten einer Weiterentwicklung der Kritik an sozialen Konstrukten entfernt. Und das ist gut so und bietet teils großartige Unterhaltung, weil auch der Film innerhalb der Inszenierung neue und sehr unterhaltende Wege geht. Die Schauspieler sind indessen unerwartet gut aufgelegt und fesseln den Zuschauer in das Geschehen hinein.

Chucky und seine Braut Bewertung
Bewertung des Films
710

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