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Der Herr der Ringe - Die Ringe der Macht

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Ein seelenloses zweites Zeitalter

Der Herr der Ringe - Die Ringe der Macht Review

Der Herr der Ringe - Die Ringe der Macht Review
0 Kommentare - 17.10.2022 von DrStrange
In dieser Userreview verrät euch DrStrange, wie gut "Der Herr der Ringe - Die Ringe der Macht" ist.
Der Herr der Ringe - Die Ringe der Macht

Bewertung: 2.5 / 5

KANN SPUREN VON SPOILER ENTHALTEN

Die teuerste Serie aller Zeiten. Quasi ein Spektakel, welches die Welt noch nicht gesehen hat. Trotzdem fällt "The Rings of Power" immer und immer wieder über seine eigenen Füße und beweist vor allem, das man Qualität am Ende doch nicht kaufen kann.

Trailer zu Der Herr der Ringe - Die Ringe der Macht

Natürlich sieht man die beinahe 500 Millionen Dollar, welche in die Staffel gelaufen sind, auch zu jedem Zeitpunkt und in jedem Bild. Das die Serie optisch ein echter Genuss ist, daran hat aber bei dem Budget wohl niemand mehr gezweifelt.

Auch der Score zur Serie, welcher von Bear McCreary komponiert wurde, ist außer Zweifel eine Meisterleistung und unterstreicht die gewaltigen Bilder noch zu jedem Zeitpunkt enorm. Mit McCreary kann man halt nicht viel falsch machen.

Im Vorfeld (naja, auch jetzt noch) gab es viel Gerangel über dunkelhäutige Elben, bartlose Zwerginnen und über Frisuren im Allgemeinen. Außerdem war sich der Standard-Tolkien-Purist im Vorfeld schon sicher, das Tolkien sicher im Grab rotiert, ob der vielen Änderungen und wie man hier die Lore mit Füßen tritt. Das meiste davon ist natürlich das übliche "gehate" welches in Zeiten von Social Media inzwischen wohl als "normal" anzusehen ist. War mir eigentlich von Anfang an alles ziemlich "wumpe", denn wie ich schon vor über einem Jahr orakelte, wird die Serie an der Qualität der Drehbücher stehen oder fallen. Genau hierbei fühle ich mich nun nach Sichtung der kompletten Staffel leider arg bestätigt.

Das erste Problem, woran die Drehbücher eben auch zu beissen haben, sind die Rechte welche Amazon vorliegen. Man kann nur auf Material vom Hobbit, Der Herr der Ringe Trilogie und deren Anhänge zurückgreifen. Die Rechte am Silmarillion hat man nicht. Also sprechen wir von ungefähr 200 Seiten Anhänge, plus was man sich an "Lore" noch aus dem HdR und Hobbit ziehen konnte, weil dort eben erwähnt. Das ist erschreckend wenig, wenn man bedenkt, das Amazon hier für fünf Staffeln geplant hat. Nur um mal den Vergleich anzusetzen... dem "Rad der Zeit" (die andere Amazon Fantasy-Serie) liegt für geplante 8 Staffeln, eine 11898 Seiten umfassende Buchreihe vor. Worauf will ich hier heraus ? Das man in den 8 Folgen bereits erkennt, das man nicht genug Material oder auch Ideen dafür parat hat. So ist das Tempo der Serie geradezu einschläfernd langsam. Das hat in diesem Fall auch nichts mehr mit "episch" zu tun, wie es in vielen Szenen Peter Jackson in seinen Filmen umsetzte. Hier wird nur übelst auf die Bremse gedrückt, um wirklich jede noch so unbedeutende Szenerie in die Länge zu ziehen, weil man um jeden Fetzen Inhalt kämpfen muss, um die Serie "aufzufüllen". So flaniert man dann gemächlich durch 3/4 der Staffel, ohne das sich hierbei der eigentliche Plot weiterbewegt. Stagnation und auf der Stelle treten, in enorm teuren Bildern, aber ohne nennenswerten Inhalt.

Nun gut, wäre jetzt nicht das Riesenproblem denn wie wir das z.B. aus umfangreichen Büchern kennen, kann man natürlich alternativ, wenn denn schon der Plot sich nicht weiterbewegt, wenigstens die Charaktere und deren Entwicklung voranbringen. Aber auch diese Baustelle, wird so ziemlich komplett an die Wand gefahren. Zum einen haben wir mit Galadriel eine (die) Hauptfigur der Serie, welche einem anmutet, als wäre der Charakter eben bereits komplett entwickelt. Die Figur lernt so rein gar nichts mehr dazu, wird aber dafür als unsympathische und garstige Überfigur eingebracht, zu der man keinerlei Bezug herstellen kann. Da wird der Höhlentroll im Alleingang weggesäbelt, jegliche diplomatischen Ansätze in Numenor mit Füßen getreten und grundsätzlich rechthaberisch auf seinen Standpunkt fixiert, so das am Ende "Hass" als einzige Leitmotivation übrigbleibt.

Überhaupt ist Motivation hier das große Schlüsselwort. Denn bis auf die wenig vernünftig eingeführten Charaktere wie z.B."Durin" und "Elrond", deren Freundschaft glaubwürdig und eben sympathisch skizziert wird, bleiben so ziemlich die meisten anderen Figuren einfach hohle Statisten, denen es an glaubwürdigen Emotionen fehlt, um überhaupt mit ihnen mitfiebern zu können. Wenn ich mich nicht in die Figuren hineinversetzen kann, weil mir nicht gezeigt wird, was die Figuren bewegt, was ihnen wichtig ist, was sie empfinden, wenn ihnen die Menschlichkeit fehlt, dann sind sie mir eben auch egal und ich kann als Mensch, der ich eben bin, nicht mitgerissen werden. All dies ist bei so ziemlich den meisten Charakteren in "The Rings of Power" nicht vorhanden und das, obwohl man ja wegen dem fehlenden Inhalt, so enorm die Zeit strecken musste. Es werden Charakterinteraktion und Motivation nur immer angedeutet, aber nie wirklich umgesetzt.

Natürlich gibt es ein paar Ausnahmen wie die erwähnten Durin und Elrond, aber auch Arondil, welcher eben als klassische Heldenfigur aus- und aufgebaut wurde. Er hat seine klaren Ziele und Motivationen, er weiß was richtig und was falsch ist und er bezieht auch Stellung.

Aber nochmal zurück zum Inhalt, aber nicht zu den umfangreich vorhanden Logikfragen und Sinnlosigkeiten, denn inzwischen dürfte klar sein das die Drehbücher einfach schlecht geschrieben sind. Zurück zum Aufhänger und der Story. Denn auch hier zeigt sich eine enorme Schwäche, wenn bis einschließlich der letzten Folge, jegliche Storytwists so offensichtlich geschrieben sind, das man sie bereits kilometerweit und über Folgen im vorweg erahnen konnte. Wie z.B. der vertauschte Schlüssel, das Halbrand eben Sauron ist, oder das die Hobbits einen Gandalf entdeckt haben. Es wirkt einfach plump erzählt und alles andere als gewitzt inszeniert. Die jeweiligen Hinweise werden einem eben mit dem ganzen Gartenzaun um die Ohren gepfeffert.

Erwähnenswert sind auch noch diese immer und immer wiederkehrenden achso pseudo-tiefsinningen Momente, welche einem die Serie als großes Epos verkaufen will, welche aber in einem Meer aus Bedeutungslosigkeit versinken. Da werden dann so Hochkaräter ausgepackt wie mein absoluter Lieblingsspruch "wie tief fällt ein Stein"... einfach ohne Worte. Man hätte halt so gerne das Niveau von Tolkien, aber kann es einfach nicht kopieren. Wo in den Jackson Filmen ein Aragorn noch ganz nebensächlich seinen Lederarbeiten nachgeht, wirkt das in der Szene komplett natürlich und gibt dem Bild ein enormes Gewicht. In "The Rings of Power" wird dann bedeutungsschwanger gen Horizont geblickt, oder alternativ wenn kein Horizont vorhanden, auch mal gegen eine Wand oder Säule, und es wirkt einfach nur sinnfrei und nutzlos. Einfach weil man wieder nur weiterhin damit Zeit schindet.

Die hinzugeführten und reingepressten Hobbits haben für die Serie auch keinen weiteren Mehrwert geboten, außer das der dazugehörige Handlungsstrang ebenfalls den Plot weiter ausgebremst hat. Das beinhaltet auch die absurd in die Länge gezogene Abschiedsszene in Folge 8, welche als Musterbeispiel für die ganze Staffel herhalten könnte. Den vom Himmel gefallenen Zauberer hätte man auch anders einbinden können, indem man ihn z.B. in Numenor landen lässt und dann einer Figur wie Eärien auch mehr Handlungsstrang gewährt, als nur Isildur zum Abschied winken.

Mit den Darstellern an sich will ich nicht zu harsch umspringen, denn so ziemlich jeder hat einen guten Eindruck hinterlassen und seinen Teil beigetragen. Je nachdem wieviel das Drehbuch eben parat gehalten hatte. Aber vor allem alles um und jeder der Zwerge wussten wirklich ungewöhnlich gut zu gefallen. Besonders Sophia Nomvete als Disa sollte man hier nochmals löblich erwähnen.

Abschließend also... "The Rings of Power" ist ein visuelles Machtwerk, quasi ein Titan im Serienformat. Nur eben ein humpelnder, einäugiger, taubstummer Titan mit nur einem Arm. Am Ende reichte halt auch all das Geld nicht aus, um die inhaltliche Qualität zu erreichen, welche mit den Bildern mithalten könnte.

Der Herr der Ringe - Die Ringe der Macht Bewertung
Bewertung des Films
510

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