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Die Entdeckung der Unendlichkeit

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Die Entdeckung der Unendlichkeit Kritik

Die Entdeckung der Unendlichkeit Kritik

Die Entdeckung der Unendlichkeit Kritik
0 Kommentare - 23.02.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Die Entdeckung der Unendlichkeit" ist.
Die Entdeckung der Unendlichkeit

Bewertung: 3 / 5

Der brillante Student Stephen Hawking (Eddie Redmayne) besucht die Cambridge University. Dort verliebt er sich in die Studentin Jane Wilde (Felicity Jones). Doch das soll nicht das Leben des theoretischen Physikers sein. Denn im Alter von einundzwanzig wird bei ihm die degenerative Nervenkrankheit ALS diagnostiziert. Die Ärzte geben ihm nur noch wenige Jahre, doch Hawking scheint eine Kämpfernatur zu sein und hat noch großes vor.

Es ist erstaunlich, daß ein Mensch, der durch sein Schaffen für die Menschheit in Erinnerung bleiben wird, der geniales geleistet hat oder irgendwas so Skurriles, daß es einfach nur ein Lebensweg ist, den man kennen sollte. Es ist erstaunlich, daß ein solches Leben verfilmt wird und es ist erstaunlich, daß man über dieses Leben und das geniale hinter der Figur eigentlich nichts erfährt. Sind wir nicht satt, ob all dieser halbgaren Oscar bait-Biographien, die keinen Bezug zur Gegenwart schaffen, die nichts erzählen, was man nicht irgendwo schon grob wusste und die auch keine Fragestellung aufmachen, oder die Gravitas des Schaffens herausstellen. Wenn nicht, dann ist man mit Die Entdeckung der Unendlichkeit bestens bedient. Es ist ein Film, der Stephen Hawking als genialen Kopf darstellt. Und mal ehrlich, daß würde auch niemand bezweifeln. Und es ist ein Film, der Hawking in einem stinknormalen familiären Leben zeichnet, wo er Streitereien mit seiner Frau auslebte, wo er sich zunächst verliebt, wo er Kinder bekommt und wo gezeigt wird, daß es mitunter extrem schwierig ist, an ALS erkrankt zu sein. Nun, diese Erkenntnis hätte man sicherlich auch ohne einen Film bekommen und da ist ja auffallend, daß die Beziehung zu Gott und das Rührselige im Leben immer wieder herausgestellt werden.

Trailer zu Die Entdeckung der Unendlichkeit

Die perfide Herangehensweise und das eigentlich ironische am Werk ist nämlich, daß Hawking – der nach meinem Wissensstand auch Atheist war – hier am laufenden Band mit Gott und Emotionen konfrontiert ist. Nun muss man sagen, ist das eben Kitsch der untersten Schublade, was vor allem ärgert, weil es manipulativ ist und deshalb funktioniert. Die Entdeckung der Unendlichkeit findet seinen Weg zu Gott und erklärt dem Zuschauer, daß das Leben nicht deshalb schwierig für Hawking war, weil er eventuell ein unzugängliches Genie war, sondern weil er behindert war. Das hat seine damalige Frau dazu gezwungen viele, als männlich angesehene Aufgabe in dieser Gesellschaft zu übernehmen und auch dafür gesorgt, daß sie sich natürlich nach Sex sehnt. Das zu bewerten ist eigentlich etwas, was man nicht möchte, weil es am wenigsten interessiert. In seinem Kern erinnert James Marshs Werk dabei vor allem an Mein linker Fuß (1989), der ebenso künstlerisch minderwertig war, aber durch grandioses Schauspiel aufgefallen ist. Denn das muss man sagen, liefert Eddie Redmayne in jedem Fall und er zeigt eben diese eigenartige Körperlichkeit, die das Leben so schwer macht grandios. Es ist auch nichts, was man sonst so abtun würde, als klassischen Kunst-Snobismus, weil ALS aufgrund seiner vereinnahmenden Wirkung einfach auch ansonsten schwer zu porträtieren ist.

Die Frage, die aber überbleibt, ist, warum dieser Film einen so schweren Fokus auf das Thema Beziehungen und Liebe legt. Klar ist das schwer, aber es ist eben nicht das, wofür man Hawking in erster Linie kennt und daher fast schon ein wenig stigmatisierend. Denn immerhin ist das Hauptproblem der gezeigten Beziehung zwischen Stephen und Jane ja nun mal seine Erkrankung. Natürlich ist das vielleicht auch zu sehr um fünf Ecken gedacht und natürlich bereitet der Verlust von Können und dem eigenen Körper auch Probleme, die man bewältigen lernen muss. Nicht umsonst gibt es ja Trauerphasen-Modelle in der Psychologie und Pädagogik. Außerdem spricht man da auch über eine deutlich andere Zeit: Das Problem, daß Die Entdeckung der Unendlichkeit dabei aber hat, ist, daß er sehr auf Hollywood getrimmt ist. Die Kernaussage ist quasi universell, indem man zeigt, daß man Trotz aller Hürden doch Erfolg haben kann, legitimiert man damit aber auch ein fehlerhaftes System. Die Tragik dessen versucht Marsh mit mehreren manipulativen Musikuntermalungen und seltsamen Filterentscheidungen zu untermauern. Unspannend ist das philosophieren über die Herkunft der Existenz zwar nicht, aber der Film wirkt eben in jedem Moment, wie das Pflichtprogramm für irgendwelche Menschen, die sich in der Schule oder Uni mit Hawking befassen. Aus welchen Gründen auch immer.

Überraschend ist da wenig und die Zeit, um Hawking herum, wirkt stattdessen auch eher belanglos. Als habe man keine anderen Probleme. Natürlich sorgt das auch dafür, daß der Film nie seinen Fokus von der Figur abwendet und somit nicht in ein Gesellschaftsdrama mündet. Die Frage ist aber, was man eigentlich dazu sagen soll. Der Film ist das Einmaleins des Oscar bait, ohne wirklich einen Schwerpunkt zu legen, der die Menschen zu interessieren hätte. Wichtige Persönlichkeit, ja. Wichtiges Thema vielleicht auch und vielleicht funktioniert der Film ja auch auf der Ebene, daß Behinderung hier so zentral ist und man trotz dieser Hürden etwas leisten kann. Doch wenn das eine wirklich vielschichtige Aussage sein soll, dann findet man diese ebenso auch in einem Marvel-Film. Insofern ja, es ist ein netter Film.

Es fällt schwer richtige und gute Worte zu Die Entdeckung der Unendlichkeit zu finden. In jedem Fall war Hawking eine interessante Person und in jedem Fall ist das hier großes Schauspiel. Aber dennoch verbleibt die Frage, ob da nicht noch mehr sein sollte, als ein abgefilmter Enzyklopädien-Eintrag. Der ist mit Bravour gespielt und auch ganz nett gemacht. Aber nie mehr.

Die Entdeckung der Unendlichkeit Bewertung
Bewertung des Films
610

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