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Dune - Teil 2

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Wie viele Liebesbriefe ans Filmemachen denn noch?!

Dune - Teil 2 Kritik

Dune - Teil 2 Kritik
4 Kommentare - 29.02.2024 von Manisch
In dieser Userkritik verrät euch Manisch, wie gut "Dune - Teil 2" ist.
Dune - Teil 2

Bewertung: 4.5 / 5

Irgendwie hatte ich immer meine Bedenken, dass Dune 2 WiRkLiCh kommt. Der erste Film war genial - aber durchaus keine leichte Kost und natürlich nicht billig. Deswegen war meine Sorge, dass die Zahlen am Ende einfach nicht stimmen und man die Notbremse zieht.
Aber hier sind wir nun. Nach Streik-bedingter Verspätung steht die Fortsetzung tatsächlich in den Regalen - und macht auf vielerlei Ebene dort Weiter, wo der Vorgänger aufgehört hat.

Nach ihrer Flucht in die Wüste müssen sich Paul Atreides und seine Mutter Lady Jessica erstmal "neu orientieren" und lernen dabei, mit den Fremen zu leben - und sie zu lieben.

Ich will gar nicht allzu sehr auf die einzelnen Figuren/Handlungsstänge eingehen, da das vermutlich andere in ihren Bewertungen schon tun und mein Fokus bei diesem Film ein bisschen ein anderer ist.

Aber speziell bei Paul ist dabei interessant, wie man merkt, dass er gerade zu Beginn noch seinen "angle" sucht, um die unterschiedlichen Gruppen innerhalb der Fremen zu seinen Gunsten zu lenken, und letztlich an den Harkonnen Rache nehmen zu können. Aber je mehr Möglichkeiten dazu er bekommt, desto weniger will er sie mit der Zeit. Zu groß wird seine eigene Identifikation mit dem Volk der Fremen und zu groß wird die Angst, diesen Leuten Leid anzutun.

Dabei entsteht ein Spannungsfeld zwischen Spiritualität und Aufklärung, Schicksal und Selbstbestimmtheit.

Dass Paul ein Messias sei, wurde letztlich, wie wir aus Teil 1 schon wissen, von den Bene Gesserit bewusst bei den Fremen propagiert. Extra Missionarinnen wurden entsandt, um dieses Gerücht festzusetzen. Und während diese Erzählung gerade bei den Stämmen im Süden des Wüstenplaneten gut ankommt, sie die Stämme im Norden kritischer. Hier fällt der schöne Satz, dass solche Prophezeiungen nur dazu dienen, Völker über Jahrtausende zu unterdrücken, also sie hinzuhalten, weil iiiirgendwann in Zukunft "irgendwas" passiert. Man muss nur daran glauben.

Dass es aber diese 2 Bevölkerungsgruppen gibt, von der eine diesen Trick sogar so klar durchschaut hat, schafft ein sehr interessantes Spannungsfeld, welches letztlich auch auf Paul abfärbt.

So weit erstmal dazu.
Was mich an Dune 2 aber viel mehr begeistert hat, ist das "Filmemachen" an sich. Es ist ein Leibesbrief an den modernen (Blockbuster) Film.

Das fängt bei den Kostümen an - wie schon in Teil 1. Egal, ob es die zerfetzte Kleidung der Fremen, die fancy Kleider der Bene Gesserit, oder die roboterhaften Rüstungen der Soldaten sind, alles wirkt irgendwie "organisch", so, dass es Sinn ergibt und echt ist - aber gleichzeitig fasziniert.

Kleines Detail dazu: Wenn von den Fremen jemand Tattoos im Gesicht hat, sind nicht knackscharf, sondern sehen verwaschen aus. Eben, als hätte man sie mit "analogen" Mitteln in einer Höhle tätowiert.

Es gibt mittlerweile ja schon eeeeeeiniges an Sci-Fi-Filmen und auch Videospielen. Da ist es schwer, Dinge zu erschaffen, bei denen man nicht direkt sagt "Oh das erinnert mich an XY" (meistens an Star Wars). Negativ-Beispiel dürfte hier Rebel Moon sein. Aber Dune schafft es immer wieder neue Bilder zu generieren, wo man das Gefühl hat "wow, das ist mal was Neues!"

Irgendwie besonders in Erinnerung geblieben sind für mich dabei die "schwebenden" Soldaten, die man auch schon aus Teil 1 kennt. Wenn die Leute von einem Flugzeug abgesetzt werden, oder einen Berg hoch schweben, dann wirkt es, wie im Weltall bei Schwerelosigkeit - ist aber auf einem Planeten.

Ganz, ganz großes Kino ist aber auch einfach die Kamera-Arbeit. Es gibt so, so viele großartige Kamera-Einstellungen in diesem Film. Das fängt mit einem im Hintergrund herabstürzenden Ornithoper an und endet mit fesselnden Kamera-Einstellungen, die einen selber auf dem Rücken eines Sandwurms reiten lassen, während dieser durch Dünen brettert und einem dabei Sand ins Gesicht fliegt. Und wenn man dann sieht, wie dieser Wurm auf einen Sandsturm zukriecht - ein geniales Bild.

Aber auch sein Spiel mit Licht und Farben ist genial. Fast jedes Mal, wenn der Film kurz an einem anderen Ort ist und dann zurück zur grellen Wüste von Arrakis springt, hat man dieses Gefühl von "Geblendet werden". Was anderswo manchmal nervt, ergibt hier absolut Sinn, weil es die Lebenswelt dieser Wüste vermittelt.

Ein Highlight für mich sind auch die Szenen auf Giedi Prime, der Heimatwelt der Harkonnen. Hier hat man sich überlegt, dass dieser Planet eine ganz besondere, "schwarze" Sonne hat, welche der Weilt die Farbe entzieht. Das Ganze wurde nicht einfach nur schwarz-weiß gefilmt bzw. ein Filter drüber gelegt, sondern es wurde infrarot gefilmt. Bei Interesse, googelt Infrarot (Portrait) Fotografie. Die Haut erscheint dadurch fast schon glasig-blass. Beeindruckend sind dabei Szenen, wo das Bild im Inneren von Gebäuden noch "bunt" ist, weil dort Kunstlicht scheint, aber jemand fließend nach draußen geht und dabei infrarot wird (beeindruckend insofern, da die "echten" Farben sich gar nicht so leicht rekonstruieren lassen, wenn man etwas infrarot gefilmt hat).

Und dann ist da noch der Sound.
Es gibt eine Szene, wo man quasi unter den Flügeln eines Ornithopters steht und die Kino-Lautsprecher bringen den Saal so zum vibrieren, dass es den Flügelschlag dieser Geräte perfekt vermittelt.

Man kann sicherlich auch viel zu der Musik von Hans Zimmer sagen, aber viel genialer sind die Stellen, an denen der Film keine Musik hat und ganz still ist.

Allen voran der finale Kampf, der in seiner "Intimität" fast an Metal Gear Solid 4 erinnert, (Video). Es ist praktisch der Gegenentwurf zum Kampf zwischen Obi-Wan und Anakin/Vader auf Mustafar. Jetzt kommt der Kniff: Während bei Star Wars ganz pompös Battle of Heroes im Hintergrund läuft, ist es bei Dune an dieser Stelle einfach still. Keine Musik, keine Explosionen. Nur Schritt-Geräusche und vor allem das Atmen der beiden Figuren. Diese Stille steigert die Spannung noch einmal enorm.

Lange Rede, kurzer Sinn:
Man kann sicherlich über die Story streiten. Manch einer mag vielleicht die spirituellen Aspekte nicht so. Diesen Film hätte man locker noch einmal in Dune 2.1 und 2.2 teilen können, um wirklich allem gerecht zu werden. Ich denke aber, das spricht eher FÜR den Film, als gegen ihn. Die einzelnen Gruppierungen und Story-Stränge sind allesamt SO interessant, dass man irgendwie gerne(!) mehr davon erfahren will. Vielleicht hätte man eine Serie draus machen müssen, dann wäre es locker das Game of Thrones der Sci-Fi-Welt. Die Hoffnung ruht ein wenig auf einem potenziellen, dritten Teil, um einem die "finale Tiefe" geben zu können.

Konkreter Minuspunkt ist für mich eigentlich nur der etwas zu schnelle, letzte Akt, wo ich das Gefühl hatte, nicht mehr ganz so gut nachvollziehen zu können, warum nun was passiert.

Aber unabhängig davon ist Dune 2, wie schon Teil 1, aus filmemacherischer Sicht ein absoluter Pflichtbesuch fürs Kino. Villeneuve kitzelt förmlich aus jeder Szene und jedem Element, ob Setbild, Sound oder Kamera-Technik, das Maximum bei raus, um ein wirklich immersives Film-Erlebnis zu schaffen.

Trailer zu Dune - Teil 2

Dune - Teil 2 Bewertung
Bewertung des Films
910

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4 Kommentare
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Manisch : : Moviejones-Fan
01.03.2024 09:14 Uhr
0
Dabei seit: 19.10.18 | Posts: 1.372 | Reviews: 27 | Hüte: 62

@Raven13

Ich glaube, was mich daran vielleicht auch ein bisschen rausgeworfen hat, ist, dass "Atombomben" so etwas aus unserer Zeit sind. Da ist man in diesem Film, der +10.000 Jahre in der Zukunft spielt, mit Weltraum-Hexen, blau leuchtenden Augen und Riesen-Würmern...und dann kommt da jemand mit ollen Atombomben an :´)

Wenn sie einen anderen Namen gehabt hätten, irgendwie...was weiß ich...Super-Masse-Bomben...ich glaube, dann wäre es für mich schon minimal besser gewesen.

Für mich persönlich hätten aber auch einfach die 10-20 Sandwürmer als Machtdemonstation gereicht, welche einmal durch die Armee pflügen und sie einfach dadurch dezimieren.

Aber wie gesagt, das ist jetzt nichts, was für mich den kompletten Film runterzieht.

AfD-Verbot (:

MJ-Pat
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Raven13 : : Desert Ranger
29.02.2024 16:30 Uhr
0
Dabei seit: 13.02.16 | Posts: 7.207 | Reviews: 105 | Hüte: 638

@ Manisch

Also das mit den drei Atomraketen war quasi ein "Schuss vor den Bug". Ich hab es als Ablenkungsmanöver verstanden, denn dieser Angriff hat die gesamte kaiserliche Armee auf der Rückseite dezimiert und den Rest völlig überrumpelt. Und ein direkter Angriff kam ja nicht in Frage, weil Paul den Kaiser ja lebend wollte. Zudem ist dieser Angriff auch eine reine Machtdemonstration gewesen, mit der niemand gerechnet hätte, was man ja allen Beteiligten um den Kaiser herum auch angesehen hat. Pure Angst.

Aber eines muss ich sagen: Dieser Angriff kam wie aus dem Nichts und hat auch mich völlig überrumpelt. So verdammt imposant und heftig und audiovisuell einfach nur großartig.

Was den inneren Konflikt angeht, so fand ich ihn eigentlich auch schon sehr gelungen und von Chalamet gut dargestellt.

Wovon ich gerne noch mehr gesehen hätte, wäre Jessica mit ihrer "Mission", den Glauben an Paul um jeden Preis zu stärken. Das hatte schon krankhafte Züge.

Ein Zauberer kommt nie zu spät. Ebenso wenig zu früh. Er trifft genau dann ein, wenn er es beabsichtigt.

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Manisch : : Moviejones-Fan
29.02.2024 16:01 Uhr
1
Dabei seit: 19.10.18 | Posts: 1.372 | Reviews: 27 | Hüte: 62

@Raven13

Oh, vielen Dank (:

Also zum letzten Akt muss ich sagen, es fehlte für mich auch gar nicht soooo viel. Vielleicht 2-3 Szenen. Deswegen ist der Abzug dafür auch gering.

Wo ich mir mehr Klärung gewünscht hätte:

Einerseits die Schlacht an sich. Da wurden 3 Atomraketen abgeschossen, aber irgendwie auf die Rückseite, anstatt direkt in die Menge. Vielleicht hab ich es aber auch überhört, was genau der Plan dahinter war (das Thema mit den Atomraketen hätte es für mich aber generell nicht so ganz gebraucht). Die Schlacht war aber auch vergleichsweise schnell vorbei.

Andererseits hätte für mich der innere Konflikt noch deutlicher werden können, der Paul zwischen seiner "Vision" und Chani bewegt.

Aber wie gesagt, es ist eigentlich echt nicht viel. Vielleicht gab es die Szenen auch und sie sind dann der Schere zum Opfer gefallen :´)

AfD-Verbot (:

MJ-Pat
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Raven13 : : Desert Ranger
29.02.2024 13:20 Uhr
0
Dabei seit: 13.02.16 | Posts: 7.207 | Reviews: 105 | Hüte: 638

@ Manisch

Großartige Kritik, der ich fast komplett zustimme.

Man spürt die Begeisterung in jeder deiner Ausführungen. Bei den Szenen, die du beschreibst, fühlte ich mich direkt wieder in den Kinosaal zurückversetzt.

Wirklich ganz, ganz großes Kino!

Das Ende des Films empfinde ich allerdings nicht als zu gehetzt. Für mich das perfekte Erzähltempo.

Ein Zauberer kommt nie zu spät. Ebenso wenig zu früh. Er trifft genau dann ein, wenn er es beabsichtigt.

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