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Green Room

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If the kids are united...

Green Room Kritik

Green Room Kritik
4 Kommentare - 11.04.2018 von Silencio
In dieser Userkritik verrät euch Silencio, wie gut "Green Room" ist.
Green Room

Bewertung: 4.5 / 5

Nachdem sich ihr letzter Gig als Pleite rausgestellt hat, die ihnen nicht mal die Heimreise finanzieren konnte, nimmt die Punkband The Aint Rights einen Auftritt im Hinterland von Portland an. Dort angekommen, müssen sie feststellen, dass sie in einem Neo Nazi-Laden gelandet sind. Nachdem sie den Dead Kennedys-Klassiker „Nazi Punks Fuck Off“ zum Besten gegeben haben, spielen sie ihr Set zu Ende, wollen abkassieren und möglichst fix verschwinden. Natürlich läuft es für The Aint Rights nicht so einfach, denn Bassist Pat wird zufällig Zeuge eines Mordes. Die Nazis setzen die Band zusammen mit der Skinheadbraut Amber daraufhin im Green Room, dem Warteraum im Backstagebereich, fest. Anführer Darcy soll entscheiden, was mit den Gefangenen passiert. Der will selbstverständlich keine Zeugen für die Vorgänge in seinem Clubhaus haben. Für die Aint Rights entbrennt ein gnadenloser Kampf ums Überleben...

Trailer zu Green Room

Vor ein paar Jahren erzählte Punkrockikone Henry Rollins, seines Zeichens Sänger der legendären Band Black Flag und Autor hinter „Get in the Van“, bei einem seiner zahllosen Spoken Word-Auftritte einmal die Anekdote, wie er beim Beladen des Bandvans einmal Zeuge wurde, wie jemand auf dem Parkplatz ihres Auftrittsortes abgestochen wurde. Ein paar Jahre später, im Jahr 1986 um genau zu sein, lösten Black Flag sich dann auf – zufällig im gleichen Jahr wie die Dead Kennedys, die den Zerfall der Punkszene beklagten. Was einst als Zufluchtsort für Freidenker und Nonkonformisten galt, wurde bald zur von Dogmen beherrschten Szene, in der man sich auf Konzerten lieber auf die Schnauze schlug. Und immer wieder mischten sich auch Naziskins unter die Konzertbesucher, angezogen von der martialischen Musik, aber wegen der Messages auf Streit aus und stets versucht, unter den anwesenden Kids neue Mitglieder zu rekrutieren. Es erscheint fast unmöglich, dass Saulnier bei der Arbeit an „Green Room“ diese Umstände nicht bekannt waren.

Saulnier zeichnet seine Protagonisten von der ersten Szene an als Underdogs: mit dem Van irgendwo in der Pampa gestrandet, bleibt dem von Anton Yelchin gespielten Pat nichts anderes übrig, als mit der Gitarristin Sam (Alia Shawkat) zum nächsten Skatepark zu fahren, um dort Benzin zu stehlen. Nach einem kurzen Interview für ein lokales Fanzine dürfen wir auch sogleich einem Auftritt beiwohnen, bei dem The Aint Rights vor wenig Publikum, das auch noch wenig beeindruckt ist, spielen müssen – und ganze 6,88 $ pro Nase verdienen. Sofort wird klar, die Band steht mit dem Rücken zur Wand, sie muss jeden Gig annehmen. Klar, man soll besser nicht mit den Veranstaltern über Politik diskutieren, warnt Vermittler Tad, aber was bleibt schon anderes übrig? Weiter auf dem Weg zurück nach Washington Benzin klauen? Man muss seine Ideale aber nicht ganz aufgeben, wenn man denn mutig ist. Und so spielen sie „Nazi Punks Fuck Off“ - dessen letzte Zeilen noch an Bedeutung gewinnen sollen. Doch zuerst passiert etwas interessantes: sobald die Band ihre eigenen Songs spielt, gewinnt sie die Zustimmung der versammelten Nazis. Wenn wir nur hart genug rocken, scheint die Message zu sein, können wir die Faschisten besiegen. Da ist es nur passend, wenn hinterher der Mikrofonständer von der sprich- zur wortwörtlichen Waffe gegen Neo Nazis wird...

Von nahezu der ersten Einstellung an herrschen in „Green Room“ die Grüntöne vor, zuerst draußen in der Natur, später dann in der Klaustrophobie des Backstageraums. Kontrastiert wird das Ganze durch den geschickten Einsatz von gedämpften Rottönen, die angenehm ins Auge gehen. Gerade eine wirklich böse Armwunde springt dem Zuschauer wegen des Rot/Grün-Kontrastes förmlich entgegen. Dabei achtet Regisseur Saulnier allerdings stets darauf, die teils drastische Gewalt nicht selbstzweckhaft einzusetzen. Die Kamera bleibt fast immer auf Abstand, Gewalt ist plötzlich und schockierend, selbst Selbstverteidigung hat auf den Zuschauer keine erleichternde Wirkung. Diesen Effekt macht Saulnier bereits relativ zeitig klar, wenn Jiu-Jitsu-Ass und Drummer Reece (Joe Cole) im Green Room einem Neo Nazi den Arm bricht, während sich an der Tür die Situation zuspitzt und Darcys Männer Pat angreifen. Gewalt und Gegengewalt sind von diesem Zeitpunkt untrennbar verbunden, dass der Arm genau zu dem Zeitpunkt bricht, an dem sich die angestaute Spannung entlädt, bildet dann das inszenatorische I-Tüpfelchen. Spätestens ab jetzt ist sicher, diese Nacht übersteht keiner unversehrt.

Und jetzt wird die Lektion, die Jello Biafra am Ende von „Nazi Punks Fuck Off“ rausschreit zur bitteren Realität und muss wörtlich verstanden werden: „Youll be the first to go/Unless you think!“ - du bist der erste, den es erwischt, wenn du nicht nachdenkst. So ist es auch hier, denn jedes verzweifelte Himmelfahrtskommando der Aint Rights wird damit quittiert, dass einer von ihnen sein Leben lassen muss. Erst wenn sie nicht mehr versuchen, die Nazis mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, ihren Kopf benutzen und die Gegebenheiten der Auftrittslocation zu ihrem Vorteil einsetzen, können sie die Schlacht zu ihrem Vorteil wenden.

Das Drehbuch, für das Saulnier sich zusätzlich noch verantwortlich zeichnet, zeigt zudem ziemlich geschickt, wie die Gruppendynamik der Neo Nazis funktioniert. Zuerst wird die Polizei hinters Licht geführt, denn wo das Gewaltmonopol des Staates versagt, können die Faschisten schalten und verwalten. Jugendlichen wird ein Zuhause gegeben, die sich mit ersten Gewalttaten ihre Sporen verdienen müssen, die sie fester in die Gruppe einbinden. So steht Anführer Darcy Banker eine treue Armee bereit, bei der jeder, der ans Aussteigen denkt, der nicht fest genug in der „Bruderschaft“ eingebunden ist, um sein Wohlergehen fürchten muss. Ausstieg ist nur mit Hilfe von außen möglich.

Für Anton Yelchin war dies leider der letzte Film, der zu seinen Lebzeiten erschienen ist. Viel zu früh gestorben, zeigt er in „Green Room“, dass eine große Karriere vor ihm gelegen hätte. Seinem Charakter werden unglaublich viele Emotionen abverlangt, die Yelchin alle mit Überzeugung spielt. Panik, Entsetzen, Schock, aber auch Bestimmtheit vermittelt er mit Körpersprache, Stimme und seinen Augen. Auf der anderen Seite steht Patrick Stewart als Nazichef Darcy, dessen markante Stimme („Make it so!“) mit ihrer großväterlichen Wärme effektiv eingesetzt wird, wenn Darcy den Wolf im Schafspelz gibt. Dass Stewart hier entgegen seines Images besetzt wurde, erhöht die Wirkung seines Charakters nur. Der Zuschauer weiß, dass Untergebene Stewart treu folgen, sei es als Raumschiffkapitän oder als Mutantenrechtsaktivist, nur will er es diesmal nicht. Zwischen beiden steht Imogen Poots als Skinheadbraut Sam, die die stoische Actionheldin gibt. Sie schafft es aber, die an ihrer Ideologie zweifelnde Sam für den Zuschauer sympathisch zu machen. Wenn sie sagt, sie würde bei den Nazis mitmachen, weil es da, wo sie herkommt, Probleme mit Ausländern gäbe, schwingt da eine ordentliche Note Scham mit, die ihren Konflikt plastisch werden lässt.

„Green Room“ ist ein spannungsgeladener und cleverer Film, dessen klaustrophobische Atmosphäre Regisseur Saulnier zu jemanden macht, den man in den kommenden Jahren beobachten muss.

Green Room Bewertung
Bewertung des Films
910
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4 Kommentare
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Silencio : : Moviejones-Fan
12.04.2018 12:07 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 778 | Reviews: 41 | Hüte: 60

@luhp:

Versteh ich vollkommen, sowas ist echt nicht für jeden. Spricht allerdings auch irgendwie für die Effektivität des Films.

Bei jeder anderen Herangehensweise wäre der Saulnier aber dem Thema irgendwie nicht gerecht geworden, denke ich.

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luhp92 : : BOTman Begins
11.04.2018 20:20 Uhr | Editiert am 11.04.2018 - 20:21 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 10.279 | Reviews: 138 | Hüte: 330

Einer der ganz wenigen Horror-/Terrorfilme, bei denen ich oft kurz davor stand, den Film abzubrechen. Diese Art der Gewaltdarstellung deckt sich nicht mit meinem Horrorgeschmack - zu gewalttätig, zu viel für meine Nerven.

Siehe auch "Kill List" von Ben Wheatley und das Regiedebut "Fremd in der Welt" von Saulnier-Schauspieler Macon Blair.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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Silencio : : Moviejones-Fan
11.04.2018 19:12 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 778 | Reviews: 41 | Hüte: 60

@eli4s:

"Mir war es tatsächlich fast zu viel im Kino und da ich den Film allerdings inhaltlich nicht so stark sehe, wie du, fand ich die ausufernde Gewalt einfach so schockierend und den Film im Zuge dessen einfach nur deprimierend"

Kann ich verstehen, im Kino wäre mir das unter Umständen auch zu viel gewesen. Der geht schon sehr schonungslos mit seinen Charakteren um. Das machte den aber auch so effektiv, da kann jedem wirklich alles passieren.

"Das ist nebenbei ein interessanter Punkt und eine interessante Perspektive. Ich hätte das nämlich andersrum gesehen. Dadurch, dass die Nazis die selbe Musik mögen, heißt das ja nicht, dass sie damit auch ihre Einstellung ändern oder eben inhaltlich zustimmen."

Dazu lädt der Film auch ein, wenn der Messerstecher sagt, er hätte seine Tat zum Song der Aint Rights begangen. Andererseits ist eine von Sams Lonely Island-Bands eben Slayer, die nen mexikanischen Sänger haben und von einem Juden produziert wurden. Ich kann mir schon vorstellen, dass der Messerstecher als Beispiel von "Er versteht es nicht" herhalten soll. Gerade weil "Nazi Punks Fuck Off" so eine wichtige Stellung im Film einnimmt, wo es ja genau darum geht.

Was ich an der Szene so interessant finde, ist, dass sie die Gewalt im Moshpit grundlegend anders inszeniert. Das ist in Zeitlupe, das ist stilisiert, fast schon ein bisschen andächtig. Genau das ist ja, was für viele in der Szene auch den Reiz des Pits ausmacht: man kann zusammen mal alles rauslassen, man braucht kein anderes Ventil mehr.

Das Thema der Grenzaufweichung ist momentan generell sehr heiß diskutiert. Gerade was die Metal Szene angeht, beobachte ich in den letzten Jahren, wie immer mehr "fragwürdige" Ansichten in die Szene geschmuggelt werden und da Anklang finden. Fand ich vor Jahren noch undenkbar, heute werden "Grauzone"-Bands abgefeiert, weil sie eben derbe Sachen sagen.

Gerade was du da über Begegnungen bei Konzerten sagst, ist eine ziemlich wahre Sache. Deswegen fand ich die "Sprich mit denen nur nicht über Politik"-Szene (genau wie die "Ich hatte halt Ärger mit Ausländern") so treffend: das hat man alles schon gesehen. Gerade in der Ecke, wo ich herkomme, gab es einige, die gelegentlich mal Lager gewechselt haben. Eben weil die Musikszenen so eng beeinander sind. Aber das ist von der rechten Seiten auch genau so gewollt, das kann man ja aktuell bei den Nipstern sehen.

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eli4s : : Moviejones-Fan
11.04.2018 18:29 Uhr
0
Dabei seit: 22.02.12 | Posts: 1.907 | Reviews: 29 | Hüte: 45

Ich stimme dir natürlich zu, dass man Saulnier aufgrund seiner ersten beiden Filme auf jeden Fall im Auge haben sollte. Inszenatorisch ist Green Room der pure Wahnsinn. Wie er diese Unmengen an Spannung aufbaut, ist außergewöhnlich. Mir war es tatsächlich fast zu viel im Kino und da ich den Film allerdings inhaltlich nicht so stark sehe, wie du, fand ich die ausufernde Gewalt einfach so schockierend und den Film im Zuge dessen einfach nur deprimierend. Und Patrick Stewart fand ich in seiner Rolle gar nicht überzeugend, seine Dialoge teilweise sehr gekünstelt (wobei ich dazu sagen muss, dass ich die deutsche Fassung gesehen habe).

"Doch zuerst passiert etwas interessantes: sobald die Band ihre eigenen Songs spielt, gewinnt sie die Zustimmung der versammelten Nazis. Wenn wir nur hart genug rocken, scheint die Message zu sein, können wir die Faschisten besiegen."

Das ist nebenbei ein interessanter Punkt und eine interessante Perspektive. Ich hätte das nämlich andersrum gesehen. Dadurch, dass die Nazis die selbe Musik mögen, heißt das ja nicht, dass sie damit auch ihre Einstellung ändern oder eben inhaltlich zustimmen.
Vielmehr sehe ich hier die Gefahr, dass die Szene korrumpiert und die Grenzen schwammig wird.

Ich bin selbst auch Sympathisant der Punk/Hardcore Szene, auch wenn ich jetzt nicht tief drin bin, wie andere die ich kenne. Da hatte ich auch mal mit Leuten Diskussionen über so ein Thema. dass es ja durchaus ein Problem ist, wenn man den Unterschied nicht mehr offensichtlich erkennen kann. Weil die mir auch gesagt haben, vom Sound her, vom Look kann man es teilweise kaum unterscheiden und dass es dann natürlich hin und wieder auch mal Krach gibt, wenn da da solche Leute auf den Shows auftauchen. Während dem Studium hatte ich sogar mal erwägt eine Arbeit über die Ästhetik dieser Szene(n) zu schreiben.
Gerade beim Hardcore, wo man dann vom Text oft eh nichts mehr versteht, habe ich da mal ein zwei Musikvideos verglichen, die von der politischen Einstellung her vollkommen auseinander gingen - wenn man es denn wusste - aber eben sonst zumindest für den Laien, kein Unterschied mehr erkennen ließen.

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