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Hautnah

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Hautnah Kritik

Hautnah Kritik

Hautnah Kritik
0 Kommentare - 04.09.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Hautnah" ist.

Bewertung: 3 / 5

Nach dem Ende ihrer letzten Beziehung sucht die ehemalige Stripperin Alice (Natalie Portman) in London die Möglichkeit, wieder klarzukommen. Doch dann lernt sie die attraktiven Schriftsteller Dan (Jude Law) kennen und stürzt erneut in eine Beziehung. Doch diese wird spätestens dann kompliziert, als Dan mit der Fotografin Anna (Julia Roberts) flirtet. Diese jedoch hat sich in Larry (Clive Owen) verliebt. Als Alice und Larry sich begegnen, sind sie ebenfalls voneinander angetan.

Mit einem fulminanten Anfang beginnt dieser Film über Sehnsüchte des menschlichen Daseins. Ein erfolgloser Autor trifft auf eine Stripperin, dann auf eine Fotografin und zu guter Letzt findet auch ein Arzt seinen Weg in die Geschichte. Hautnah ist ein Film über Beziehungsgeflechte, über wahre Liebe vielleicht, über die Erkenntnis der Unvollkommenheit sicherlich. Doch bei all diesen Fragen, die dieser Film so gekonnt aufmacht, lässt er die Frage nach der Relevanz dessen komplett auf der Strecke. Denn warum sind diese Beziehungsmuster und Konzepte so wichtig, für einen Film? In einer reinen Deutung kommt man von Beginn an eigentlich zum Schluß. Das Plädoyer dessen würde dann lauten, daß Menschen komplex sind, ihre Interessen wahren wollen und um keinen Kampf zu verlegen sind. Das zeigt der Film auch in einigen eindrucksvollen Szenen, in denen die Figuren auf das animalischte im gesamten Wesen reduziert werden. Doch während all dieser Probleme, die zum Wesen dazugehören, kann dieser Film auch nicht darüber hinwegtäuschen, daß seine Vortragsweise und seine letztliche Aussage niemanden überraschen dürfte. Den Themen der Beziehung und Liebespaare nahm sich auch Richard Linklater in seiner Before-Trilogie (1995-2013) wesentlich prägnanter an, als es dieser Film hier vermochte.

Und Mike Nichols inszeniert das ohnehin auch viel zu routiniert. Auf einen Konflikt folgt die Erklärung dessen, die Personen reden und die Inszenierung hält sich zurück. Das mag als bloßes Kunstwerk vielleicht noch überzeugen, ist aber als Film tatsächlich zu einfach. Wenn man ein Werk über Grautöne in Szene setzten möchte, dann sollte sich das aber vielleicht auch in der Inszenierung widerspiegeln, doch dessen wird Hautnah zu keinem Zeitpunkt gerecht. Man lernt die Figuren kennen, erlebt sie in ihrem Refugium und das scheint es auch gewesen zu sein. Manchmal launisch, manchmal auf einem Höhenflug und die animalische Metapher wird mehr als nur deutlich. Das ist vertanes Potenzial, wie es im Buche stehen würde. Auf der anderen Seite sind diese Schauspieler tatsächlich auch eine Augenweide. Man merkt ihnen den langsamen Verfall und die kontrastreiche Behandlung von Mitmenschen einfach an. Das ist gut konzipiert, weil es nicht nur ehrlich, aber vor allem viel über die Menschheit aussagt. Nicht jeder Mensch löst in uns die gleichen Gefühle aus und Situationen können von einem auf den anderen Moment in eine wahre Katastrophe kippen. Dabei scheint das Werk aber einen nicht unwesentlichen Anteil von Beziehungen komplett auszulassen. Denn während sich vor allem Anfang, Ende und die ein zwei Komponenten aus Liebenden für die Darstellung der Liebe in diesem Film verantwortlich zeichnen, fehlt der Blick von außen komplett. Das ist natürlich pure Absicht, dennoch ist die Beeinflussung von Außen, durch etwaige Nahestehende nicht unwesentlich für das Beziehungsverhalten und daher erheblich für dieses Werk.

Insgesamt verwundert der Film aber im positiven auf der darstellerischen Ebene. Natalie Portman, die vor allem in großen Blockbusterrollen wie in Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger (2002), aber auch Thor (2011) bestenfalls blass bleibt, funktioniert hier einwandfrei. Ihre Rolle ist so komplex und voller tatsächlicher menschlicher Aspekte, daß man ihr etwaige andere Auftritte fast verzeihen möchte. Sie ist impulsiv, wenn es darum geht, ihre eigenen Werte in den Vordergrund zu rücken. Gleichsam hat sie etwas sehr Dominantes, fast schon laszives, wenn sie vor einem gebrochenen Mann in einem Stripclub steht. Ebenso ist auch Clive Owens Charakter sehr komplex. Vom Dermatologen, der eigentlich alles haben könnte, was er wollte, wird er zum Besessenen, in einem Sex-Chat. Das nannte man wohl in den 2000er Jahren noch so und gerade auch diese Aspekte mit den aufkeimenden sozialen Medien präsentiert und deutet dieser Film schon gekonnt, wenn auch etwas überspitzt, voraus. Owen wurde hierfür auch zurecht für zahlreiche Filmpreise nominiert, denn die Wut, Angst und gleichzeitig diese Suche nach Dominanz, die er als betrogener Mann hier gibt, sie tatsächlich große Klasse. Unterdessen stehen Julia Roberts und Jude Law zwar tatsächlich ein wenig im Schatten der anderen, dennoch sind auch diese überzeugen. Gerade auch die Kälte, die Roberts’ Figur transportiert, ist wirklich großartig.

Schade ist nur, daß strikt bei dem Thema der Beziehungen bleibt. Dabei sind die Gegenüberstellungen und Welten, die die Figuren ausmachen, durchaus auch spannend und könnten sogar den Umstand der Liebe in diesen Kreisen nochmal verdeutlichen. Denn tatsächlich ist die Darstellung von Strippern, Schriftstellern, Fotografen und Ärzten durchaus etwas, was eine gesellschaftliche Tragweite haben könnte. Wenn die Figuren in ihrer Sehnsucht schon so gezeichnet werden, wie sie es eben werden, könnte der Film aber doch an anderer Stelle auch nochmal genau darauf eingehen, warum sich etwa ein Dermatologe in irgendwelchen Sexchat-Foren bewegt, warum ein Autor sich darauß einen Spaß macht, dort schreibende Menschen zu veralbern, warum er sich in eine Stripperin verliebt, warum eine Fotografin noch so interessant ist. Zumindest die künstlerischen Aspekte liegen dabei klar auf der Hand, weil man da wohl freigeistiger ist, doch da der Film ohnehin nur am Erklären ist, wäre es in dieser Hinsicht durchaus auch wichtig gewesen, das mehr zu vertiefen.

Auch wenn Hautnah oftmals sehr schwermütig daherkommt, bleibt die wahre Tragweite des Werkes aus. Viel eher werden Zustände erklärt, die man auch ohne Erklärung bereits wusste. Alles ist kompliziert. Warum es so kompliziert ist, bleibt aber aus und wie viel Einfluss die Umwelt hat, das scheint nicht zu interessieren. Natürlich ist das schauspielerisch schon gut gemacht und auch, weil die Figuren hochkomplex anmuten. Da kippen Momente von einem auf den anderen Moment und auch das Verhalten in ständig neuen Situationen schafft eine Ehrlichkeit, die man nur schätzen kann.

Hautnah Bewertung
Bewertung des Films
610

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