Inherent Vice - Natürliche Mängel Kritik - Autor: DrMovyBuff | Moviejones
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Inherent Vice - Natürliche Mängel

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F16.0: Akute Intoxikation

Inherent Vice - Natürliche Mängel Kritik

Inherent Vice - Natürliche Mängel Kritik
0 Kommentare - 12.01.2016 von DrMovyBuff
In dieser Userkritik verrät euch DrMovyBuff, wie gut "Inherent Vice - Natürliche Mängel" ist.
Inherent Vice - Natürliche Mängel

Bewertung: 3.5 / 5

Nach dem Kultfilm "Boogie Nights" und dem vielfach gefeierten Episodendrama "Magnolia" galt damals das Regie-Wunderkind Paul Thomas Anderson schon als nächster Stanley Kubrick. Als Fan von P.T.A ist man gewohnt lange auf ein neues Filmrelease zu warten. In der knapp zwanzigjährigen Karriere des kalifornischen Auteurs sind bisher "nur" sieben Filme entstanden, d.h. im Schnitt eine Geek-Wartezeit von ungefähr 2 Jahren und 10 1/2 Monaten. Doch nach der schrägen Liebeskömodie "Punch Drunk Love" und spätestens seit dem oscarprämierten Öl-Drama "There Will Be Blood" ist deutlich eine Abkehr P.T.As von seinem einstigen Publikum zu erkennen, sodass sich die gefühlte Wartezeit - fatalerweise - verlängert hat. Die Hoffnung auf ein Ende des verheißungsvollen Wartens liegt nun in dem Pharmazeutikum "Inherent Vice - Natürliche Mängel".

Das Hochkommen

Trailer zu Inherent Vice - Natürliche Mängel

Annähernd zwei Jahre nach dem kauzigen Sektenführer-Drama "The Master" nimmt sich P.T.A die Literaturverfilmung des wohl zugänglichsten Werkes "Natürliche Mangel" des postmodernen Buchautoren Thomas Pynchon aus dem Jahre 2009 vor, frei nach dem Credo: Wer keinerlei Drogen braucht, kann der überhaupt gesund sein? (Erhard Blanck). Die Motive Pynchons der metafiktionalen Selbstironie greift P.T.A. kongenial durch die gewählten intertextualitären Stilmittel und seiner starken audiovisuellen sowie collagen-artigen Sprache in der Inszenierung auf. Zwar weiß ein Jeder das Drogen etwas für diejenigen sind, die mit der Realität nicht zurechtkommen (Peter E. Schumacher), in "Inherent Vice - Natürliche Mängel" sind dies zugleich Triebfeder und Ursache für eine Suche, wobei es letztendlich unklar bleibt, ob das Gesuchte insgemein existiert bzw. nur eine Einbildung ist.

"Inherent Vice" spielt in einer fiktiven Kleinstadt der 1970iger Jahre. Privatdetektiv und Dauerkiffer Larry Doc Sportello (Joaquin Phoenix - "The Master", "Walk the Line", "Gladiator") wird von seiner Ex-Freundin, der lasziven Schönheit Shasta Fay Hepworth (Kathrine Waterson - "Michael Clayton", "Taking Woodstock", "Being Flynn") aufgesucht und bittet ihn um Hilfe ihren Liebhaber, den Milliardär Mickey Wolfmann (B-Movie-Veteran Eric Roberts - "The Dark Knight", "The Expendables", "Cable Guy") vor einer Entführung und Einweisung in eine Nervenheilanstalt durch seine noch Ehefrau zu bewahren.

Schon kurz nach dem Treffen erfährt Doc Sportello vom plötzlichen Verschwinden Wolfmanns und Shastas. An dieser Stelle erwacht der erste Hoffnungsschimmer des P.T.A-Fanboys. Das Gespür für groovige 70iger Musik hat P.T.A noch lange nicht verloren. Der Song Vitamin C der psychedelischen Krautrock-Band The Can wird exzellent für die Hook des Films benutzt. Die komplette Trackliste des "Inherent Vice" Soundtracks sind ein Must-Hear und gehören in jede gute Filmmusiksammlung. Darüber hinaus ist es die dritte Zusammenarbeit in Folge mit Radioheads Jonny Greenwood, der abermals für den bizarren additionellen Score verantwortlich ist. Der Soundtrack des Films ist so dominierend gut, dass er als ein weiterer Charakter des Films zu verstehen ist; wohlgemerkt fährt "Inherent Vice - Natürliche Mängel" eine Vielzahl an Charakteren auf.

Das Plateau

Der Hippie-Detektiv Doc erhält darauf noch weitere Aufträge, wobei die gesuchten Personen ebenfalls auf mysteriöser Weise unmerklich (Owen Wilson - "The Grand Budapest Hotel", "Die Hochzeit Crasher", "The Royal Tenenbaums" und Christopher Allen Nelson - "Kill Bill Vol.1 & 2, "Hostel") verschwinden. Im weitern Verlauf der konfusen Geschichte des Films, durchkreuzt immer wieder der griesgrämige Polizist Christian Bigfoot Bjornsen (Josh Brolin - "Sin City 2", "Oldboy", "Labor Day") die Ermittlungen Sportellos und macht ihm das Leben unnötig schwer. Die ambivalente Beziehung der beiden Charaktere Doc und Bigfoot sorgen für die amüsantesten Szenen des Films. Der ironische Humor dieser Hassliebe ist schlichtweg meisterlich gelungen und bringt die wahren Schauspielstärken eines Phoenix und Brolins zum Vorscheinen.

"Inherent Vice - Natürliche Mängel" will schlichtweg als eine kleine US-Kriminal-Satire der 70iger Jahre verstanden werden und nimmt die Post-Hippie sowie Charles-Manson-Kommunen Ära aufs Korn. Doc Sportello verwickelt sich bei seinen verschroben Ermittlungen, eher unbewusst und nebenbei in den Strudel eines Drogenkomplotts. Spätestens nach dem zweiten Drittel des eigenwilligen - semi-Marjiuana-verherrlichenden - Films, ist die Hoffnung des P.T.A Nerds verblast, denn "Inherent Vice - Natürliche Mängel" fühlt sich zu sehr nach einer David O. Russell Komödie ala "I Heart Fuckabees..." Pardon "I Heart Huckabees" an. Die Paradoxe Geschichte "Inherent Vice - Natürliche Mängel" springt auf die scheinbare Wirklichkeit über, die Darsteller spielen sich alle herrlich gegenseitig an die Wand. Der Soundtrack ist vergleichsweise genial wie seine Vorgänger "Boogie Nights", "Magnolia" und "Punch Druck Love". Kameramann Robert Elswit findet perfekt ausgeleuchtete Einstellungen für den Film und fügt jeden Darsteller erstklassig ins Dekor des 70iger Jahre Sets ein.

An und für sich startet der Film mit einem sehr interessanten Plot, verläuft sich jedoch leider in eine scheinbare Leere. Teilweise spickt P.T.A den Fortverlauf mit kleinen, witzigen Regieeinfällen. Bedauerlicherweise passen die genannten schönen Mosaikstücke dann doch irgendwie nicht recht zusammen und verbinden es nicht zu einem großartigen Ganzen. Hier kommen einfach zu viele Fragen auf. Ist das eventuell P.T.As Kalkül, um der Romanvorlage gerecht zu werden? Versucht P.T.A in einer Radioheadschen Fasson, sich zweckdienlich weiter von der real existierenden Filmwelt zu verabschieden? Will sich P.T.A eine neue Zuseherschaft formen? Radiohead schaffen das mustergültig mit jedem neuem CD-Release. Den Leadgitarristen der Band hat P.T.A unlängst an Bord; man wird erneut gespannt auf den nächsten Film warten müssen.

Das Herunterkommen

Auch wenn P.T.A mit seiner siebten Regiearbeit, eine Art "The Big Lebowski" auf Drogen (LOL), wie gewohnt ein erstklassiges Starensemble serviert. Von den Haupt- bis in die kleinsten Nebenrollen wurde so ziemlich alles was Rang und Namen hat besetzt. Der Schauspielcast spielt sich herrlich-schön die Seele aus den Leib. Doch bei all dem Lob, stimmt doch dann leider final nicht alles in diesem Filmchen. Wenn auch "Inherent Vice - Natürliche Mängel" den Geist seiner Romanvorlage gerecht einfängt und den absurden Verlauf des Plots ins Erhabene steigert, werden schließlich die letzten Paul Thomas Anderson Fanboys, -Nerds und -Geeks sich nolens (aut) volens mit diesem Krimi-Kiffer-Gebilde von ihrem Master abwenden. Nur noch wenige werden weiter auf ein Meisterwerk warten. P.T.A ist mit "Inherent Vice - Natürliche Mängel" gewiss kein außerordentlich spannender Film gelungen, denn er läuft regelrecht in die wirkliche Inhaltslosigkeit, jedoch erzeugen die skurrile Atmosphäre sowie der Cast an (verpeilten) Spinnern eine amüsante Satire. Paul Thomas Anderson und seine Crew gehen wie zuletzt ein gemeinsames Wagnis ein, quasi ein Joint Venture.

Fazit: Die grimmige Kriminalsatire "Inherent Vice - Natürliche Mängel" wird nie ein Klassiker werden (und will es höchstwahrscheinlich auch gar nicht). Mit gerademal 44 Jahren, hat P.T.A hoffentlich noch genügend Zeit, um in naher Zukunft wieder ein Meisterwerk abzuliefern.
Doch zunächst heißt es erstmal wieder Piff, Paff... Pause.

-Dr. Movy Buff-

(Dr. Movy Buffs Filmrezenionsseite: http://www.film-epikrise.blogspot.de)

Inherent Vice - Natürliche Mängel Bewertung
Bewertung des Films
710
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