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Interview mit einem Vampir

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Interview mit einem Vampir Kritik

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Interview mit einem Vampir Kritik
0 Kommentare - 31.01.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Interview mit einem Vampir" ist.

Bewertung: 2.5 / 5

Louis de Pointe du Lac (Brad Pitt) erzählt dem Reporter Daniel Molloy (Christian Slater) in einem Interview seine Lebensgeschichte als Vampir. Diese verschlägt sie in die 1790er Jahre, wo der Vampir Molloy vom Tod seiner geliebten Frau, aber auch seiner Begegnung mit dem Vampir Lestrat de Lioncour (Tom Cruise) berichtet.

Wenn ein kleines Mädchen einsam im Nebel auf einer Parkbank sitzt und auch die Nacht sich, um die gotischen Gemäuer dieser Welt legt, dann hat das schon Stil. Vampire finden sich dann wieder und natürlich gehen sie auf Blutjagd. Doch Ziele müssen sorgsam erwählt und auch mit der nötigen Ruhe umgesetzt werden. Interessant ist, daß der gesamte Film eine ziemliche Ruhe zu sich trägt, wenngleich das Szenario nach den Grundfragen des Seins und des Lebens schielt. So kommt es einem mitunter vor, als habe der Film einen sehr nüchternen Blick auf die Welt, indem er die Gegebenheiten, die die Hauptfiguren umgeben, einfach so stehen lässt. Wie sollte man das auch anders handhaben, schließlich redet man in diesem Fall von Unsterblichkeit und das herbeigesehnte Ende, wird nie kommen, weil es kein Ende für Wesen geben kann, die die Zeit überdauern. Gleichzeitig sind es die kleinen Ideen, die den Film so auszeichnen.

Doch erst einmal widmet sich der Film ganz seinem Skandal. Nun entstand Interview mit einem Vampir vielen Aussagen nach, zu einer Zeit, in welcher Hollywood äußerst homophob war und auch vermutlich weite Teile der westlichen Welt dahingehend einige Probleme hatten. Daher ist es bezeichnend, daß der Film seinen Fokus auf eine stark homoerotische Beziehung legt, die zwar nie ganz ausgesprochen wird, sehr wohl aber darin mündet. So ist du Lac über weite Strecken in einer Art Abhängigkeitsverhältnis zu de Lioncour, der ihn einst zu einem Vampir machte. Und erst richtig komplett wird das Drama, wenn das Paar ein kleines Mädchen umsorgen muss. Allerdings ist dieser Umstand bei weitem nicht genug und wenn man sich näher mit dem Film befasst, ist ebenfalls fraglich, warum er denn eigentlich einen relativ guten Ruf genießt. Denn einen Gefallen tut der Film der LGBTQ-Bewegung nicht, wenn man der Prämisse folgt. So bleibt der Charakter von Tom Cruise im Hinblick auf seine Beweggründe zutiefst unmenschlich und von wahrer Liebe kann eigentlich auch zu keinem Zeitpunkt die Rede sein.

Etwas anders ist da natürlich Louis de Pointe du Lac, der eben durch den Biss von de Lioncour in eine Welt geworfen wird, in der er eigentlich nichts zu suchen hat. Schließlich ist er der komplette Gegenentwurf zu de Lioncour, weil, er durch den Tod seiner eigenen Frau eigentlich jedweden Lebenswillen verloren hat und zugleich nun ebenfalls abhängig von Blut ist. Insofern zeichnet der Film ein typisches Bild eines einsamen Vampirs, der bedingt durch äußere Umstände in Melancholie versinkt und dann wiederum aber gezwungen ist zu leben. Dann schließlich wird das Trio durch die junge Claudia komplettiert, die hier von Kirsten Dunst verkörpert wird. Besonders ihre Rolle macht den Umstand des Leidens dieser Wesen nochmal überdeutlich, weil die Figur eben nicht altern kann und so die Ewigkeit im Körper eines Kindes verbringen muss. Eine ebenfalls sehr stereotype Charakterzeichnung, die sich unter anderem zuletzt auch in Eternals (2021) wiederfand.

Besonders interessant hingegen wird es dann, wenn de Lioncour seine Opfer in den wohlgenährten Aristokraten sucht, und sich daran weidet, ebenfalls ein Sklaventreiber zu sein. Denn schließlich ist er als Gutsherr zu jener Zeit auch im „Besitz“ von Menschen, deren Leben er in jedem Fall kontrolliert, obwohl er als Vampir sowieso über allen Dingen steht. Doch so interessant manche Aspekte auch scheinen mögen, umso offensichtlicher ist das Problem hierbei, daß der Film eine unglaublich langweilige Geschichte zeichnet. Denn tatsächlich sind die Probleme, die hier geschildert werden, auch ob der Tatsache, daß die Figuren unnahbar sind, eben zu weit weg von der Realität, als daß man mit den Akteuren irgendeine Verbindung aufbauen könnte.

Und gerade weil die Schauspieler ob ihrer Probleme und Charakterisierungen so unnahbar erscheinen, sind sie eben völlig verschenkt. So kann niemand wirklich nachfühlen, wie sich die Ewigkeit anfühlt und insofern ist die endlose Problematik keine, in welche sich der Zuschauer hineinversetzen kann. Klar mag das irgendwo philosophisch anmuten, gleichwohl bleibt aber auch zu klären, was denn jetzt eigentlich die zentrale Frage im Film sein soll und wenn man sie gefunden hat, ob sie irgendeinen Realitätsbezug oder eine Relevanz aufweist.

Nun sind Filme nicht daran gebunden die Realität zu zeigen, allerdings skizziert jeder Film das Leben und hat insofern gar keine andere Wahl als irgendeinen Bezug zur aktuellen Zeit zu finden. Insofern ist das Problem des Filmes eben, daß er weit weg von der Realität sein möchte, aber eigentlich genau dahin gehört, wodurch sich das gesamte Werk eben sehr unausgewogen anfühlt. Da gibt es vielleicht mit der Zeichnung einer reichen Gesellschaft durchaus einen Verweis auf aktuelle, kapitalistische Strukturen, doch ist das zu wenig, um wirklich zu überzeugen, denn selbst die schlichteste Dramen unserer Zeit, besitzen die Courage zu erkennen und erklären, daß Kapitalismus in dieser Form doof ist.

Tonal und inszenatorisch kann man Interview mit einem Vampir nichts anlasten, dafür macht Neil Jordan seinen Job zu gut. Darüber hinaus ist die Geschichte ziemlich klischeehaft, die Figuren zu unnahbar, in manchen Momenten zu melodramatisch und überdies, sind die Schauspieler verschenkt. Was nutzt einem subtiler Horror, wenn der Grusel so gar nicht zünden will und auch alles am Film irgendwie die Zeit nicht so ganz überdauern konnte. Was damals vielleicht gewagt war, holt heute nur noch ein müdes Gähnen hervor.

Interview mit einem Vampir Bewertung
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