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John Wick - Kapitel 3

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John Wick: Kapitel 3 Kritik

John Wick - Kapitel 3 Kritik

John Wick - Kapitel 3 Kritik
0 Kommentare - 03.02.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "John Wick - Kapitel 3" ist.
John Wick - Kapitel 3

Bewertung: 3 / 5

Nachdem John Wick (Keanu Reeves) einen einflussreichen Mafiaboss auf dem heiligen Boden des Continental Hotels ermordet, schließt ihn sein Freund und Hotelchef Winston (Ian McShane) aus der Killergemeinschaft aus. Dadurch werden ihm alle Rechte entzogen und er erhält nun eine Stunde, um zu fliehen und sich zu bewaffnen. Denn nun ist er Freiwild und ein Kopfgeld von Vierzehnmillionen Dollar wird auf ihn ausgesetzt. Wick beschließt, das Land zu verlassen. Unterdessen leitet die Richterin (Asia Kate Dillon) eine Untersuchung in Winstons Einrichtung und jagt mithilfe des Killers Zero (Mark Dacascos) den flüchtigen Wick.

Ab einem gewissen Punkt kann man niemandem mehr trauen. In einer Welt, in der Freundschaft ohnehin kaum etwas bedeutet und es nur ums Geschäft geht, wird das wohl überdeutlich. John Wick: Kapitel 3 setzt nahtlos an das Finale aus dem Vorgänger an und klärt damit die Frage auf, wie es mit John Wick als Person, die geächtet wurde, deren Leben eigentlich keinen, müden Penny mehr wert ist und deren Tod damit umso mehr, weitergeht. Nun, eine richtige Geschichte braucht man auch hier nicht erwarten. Es geht halt so ein wenig darum, daß John Wick überleben will und in diesem unübersichtbaren Konstrukt der sogenannten hohen Kammer vielleicht doch noch ein Schlupfloch findet, um seinen Tod noch einige Zeit hinauszuzögern. Damit ist die Bahn frei, für das, wodurch sich diese Reihe auszeichnet, nämlich gnadenlose Action, die an Brutalität zumindest für den amerikanischen Markt kaum noch zu überbieten ist. Leider kann man selbiges nicht insgesamt auf diesen Film anwenden. Denn was beim ersten Mal grandios war, beim zweiten zum Stil wird, ist hier doch, so muss man leider sagen, etwas in die Jahre gekommen. Das bedeutet, daß die endlosen Faustkämpfe und auch solche Schießereien, wie sie der Film zeigt, durchaus etwas an Zündstoff verlieren. Man ist eben einfach kein bisschen überrascht, was da noch folgen wird. Selbst die Bewegungsmuster und Kampfabläufe scheinen doch zumindest in einigen Momenten sehr erwartbar.

Greift man auf das Konstrukt zurück, so fügt sich dieser Film doch in seiner Metaphorik, seiner fortlaufenden, oder sich durch die Filme stark wandelnden sehr gut in das Konzept ein. Es geht sehr viel um Ehre und darum, die Ordnung in der Unterwelt zu erhalten. Als wäre das nicht schon absurd genug, lässt sich diese Wilder Westen-Mentalität natürlich wieder auf unsere Welt übertragen. Da geht es dann darum zu begreifen, daß auch wir, die wir wohl eher des Tags, also im Licht agieren, eigentlich Teil einer zutiefst abgebrühten Welt ist. Ich will an der Stelle gar nicht sagen, daß es a-moralisch wäre. Ich glaube, das ist nicht der Kern von John Wick: Kapitel 3. Doch eine gewisse Beobachtungsgabe liegt schon in dem Werk von Chad Stahelski. So muss man ja schon sagen, daß man sich als Zuschauer nach zwei Filmen durchaus an diese Welt gewöhnt. Man ist eben Mensch und es gibt nichts, was der Mensch so gut kann, wie überleben. Das heißt aber eben auch, daß man sich an neue Situationen doch mehr oder weniger schnell anpassen kann. Und diese Welt, die diese Mörder und vor allem Geschäftsleute da so sorgsam erhalten wollen, funktioniert eben auch nach einem paradoxen Ehrenkodex. Mord ist legitim, aber eben zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Es ist eine zutiefst gestörte und gleichsam faszinierende Gesellschaft, die diese und insbesondere auch dieser Film zeichnet. Da hat Mord etwas Bürokratisches, alles soll seinen geregelten Gang gehen. Fast wie im wahren Leben, wenn man sich nicht mehr wundert, daß man die tausendste Reportage über hungernde und sterbende Menschen in Afrika sieht, oder auch mal einem Obdachlosen begegnet, der eben etwas Geld braucht. Man wundert sich da nicht mehr. Und insofern entlarvt dieser Film vielleicht mehr noch, als zuvor.

Natürlich spielt auch hier wieder der Habitus eine nicht unwesentliche Rolle. Wenn es primär vor allem Männer sind, die irgendeine Form von Werten voneinander erwarten und auch selber an den Tag legen, dann ist natürlich klar, daß man seinem Gegenüber mit Respekt begegnet. Auch das hat etwas vom asiatischen Kino, indem vielleicht Respekt noch mal eine ganz andere Rolle spielt, als im westlichen Teil der Welt. Schließlich sagen das die Figuren auch zu John Wick, wenn sie ihm den Gar ausmachen. Sie wären riesige Fans. Das ist natürlich ironisch untermauert, weil der Film genau weiß, wie albern das in diesem Kontext wirkt. Doch da muss man sich die Frage stellen, ob das nicht nur daran liegt, daß es eben ein westlicher Film ist, oder komplett aus der Situation entsteht. Im Western zum Showdown, oder beim Schwertkampf, Mann gegen Mann, würde vielleicht heute jemand da stehen und sagen, er sei ein riesiger Fan. Doch hätte man das auch früher getan. Das ist so eine Frage, die dann aufkommt und wahrscheinlich ist, daß es irgendwie in einer ironisierten Zeit begründet liegt. Nicht umsonst sind Filme wie Thor: Tag der Entscheidung (2017) oder auch Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben (2023) so erfolgreich. Und das könnte sogar ein richtiges Problem sein, weil sich dieser Film, der eigentlich doch in einer nischigen Welt stattfindet und für ein eher erwachseneres Publikum gemacht, damit doch gleichsam einem Mainstream unterwirft. Albernheiten gab es schon ewig im Kino. Doch man muss auch nicht jede davon ausspielen.

Im Prinzip kann man sich auch in John Wick: Kapitel 3 über einiges beschweren. Die Story ist absoluter Murks, der Charakter John Wick entwickelt sich vom Jäger zum Gejagten, was verwundert, gab er doch in bester Manier noch zu verstehen, daß alle die ihn jagen wollen, doch ruhig kommen sollen. Auch die Moral, die die Figur begleitet hat, wird eigentlich ad absurdum geführt und so kann man natürlich fragen, was das soll. Ebenso verhält es sich mit dem ein oder anderen Auftritt von bestimmten Figuren. Doch wem Story und Inhalt nicht so wichtig sind, der wird im Falle von John Wick durchaus hin und wieder auch mit echten Glanzmomenten bedient. So etwa eine Actionsequenz mit Halle Berry, die absolut beeindruckend ist und die schon wieder das betreibt, worin diese Filme am besten sind, nämlich Worldbuilding.

Etwas zweifelnd lässt John Wick: Kapitel 3 die Zuschauer zurück. Vieles wiederholt sich, die Handlung ist hauchdünn und eigentlich nur Mittel zum Zweck. Dem gegenüber steht, daß der Film, wenn er denn kreativ und neu sein möchte, auch kreativ und neu ist. Und das sorgt eben für ein sehr schwieriges Gesamtgefühl, daß die positiven Seiten durchaus in ein Level über dem Durchschnitt rettet, den Rest aber nicht weiterführt und zurücklässt.

Trailer zu John Wick - Kapitel 3

John Wick - Kapitel 3 Bewertung
Bewertung des Films
610

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