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Long Shot - Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich

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Long Shot - Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich

Long Shot - Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich Kritik

Long Shot - Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich Kritik
0 Kommentare - 18.12.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Long Shot - Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich" ist.
Long Shot - Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich

Bewertung: 3.5 / 5

Der arbeitslose Journalist Fred Flarsky (Seth Rogen) trifft eines Tages seine erste große Liebe, seine Babysitterin Charlotte Field (Charlize Theron) wieder. Sie, inzwischen Außenministerin der Vereinigten Staaten, gehört zu den einflussreichsten Frauen der Welt und möchte bald auch als Präsidentin kandidieren. Kurzerhand wird Fred zu ihrem Redenschreiber und verliebt sich zu allem Überfluss auch noch in die schöne Frau.

Viel zu gerne haben gerade vermeintlich leichtfüßige und unpolitische Filme ja den Ruf, sich weit weg von den schweren Themen eines gewöhnlichen Dramas zu bewegen. Politik ist nur da, wo auch Politik gemacht wird. Doch unpolitische und unideologische Kunst kann es nicht geben, weil selbst die reine Darstellung eines Status-Quo schon ein Statement ist. Befreiend ist das dann, wenn ein Film explizit seine Politik auch zum Film macht und das macht dieses Werk, wenngleich nicht immer gekonnt. Denn tatsächlich wirkt ja das Schaffen von Seth Rogen immer sehr derb, zumindest auf den ersten Blick. Und man fühlt auch, daß da jemand provozieren möchte. Gerade wenn es aber um die Kritik an der amerikanischen Politik geht, also mehr noch den satirischen Charakter versagt Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. So ist er zwar zunächst ehrlich, wenn er die marginalen Unterschiede zwischen den Republikanern und Demokraten im amerikanischen Demokratieverständnis hervorhebt, auf der anderen Seite setzt er mit seiner weiblichen Hauptfigur ja durchaus noch diese naive Traumvorstellung einer unabhängigen und rein herzensguten Politikerin als Grundthese voraus. Und genau da beginnt der Film seine pure Ideologie zu verbreiten und schlicht und ergreifend auch zu lügen. Natürlich würde man als vernunftbegabter und empathischer Mensch sehr wahrscheinlich immer die Demokraten vor den Republikanern wählen, auf der anderen Seite sollte man nicht so tun, als wären die Demokraten keine Kriegsverbrecher, korrupten Menschen oder würden an Strukturen, die deutlich zu ihren Gunsten und zuungunsten ärmerer Menschen ausfällen, nicht festhalten.

Trailer zu Long Shot - Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich

Nun ist Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich durchaus eine interessante Liebeskomödie. Denn tatsächlich wird hier durchaus viel mit Stereotypen gespielt. Klar kennt man das in gewisser Weise, daß sich Figuren ineinander verlieben, die vielleicht rein optisch, nicht aus der gleichen Welt stammen. Auch das ist ja ohnehin etwas, was man auf zwei Wegen lesen kann. So in etwa, wenn man davon ausgeht, daß man zwei Menschen zusammenbringt, von denen einer dem gängigen Schönheitsideal entspricht und der andere nicht, dann hat man eigentlich schon einen Wegweiser für einen Diskurs zum Thema Oberflächlichkeit geschaffen. Denn man könnte ja argumentieren, daß es völlig egal ist, wie jemand aussieht, wenn eben die altbekannte Chemie stimmt. Auf der anderen Seite würde man das vielleicht aber auch als bloße Tagtraumphantasie abtun, nach welcher die Figuren ja nur miteinander harmonieren, weil der Film ein modernes Märchen erzählen möchte. Die Deutung fällt dann eben ganz anders aus und insofern offenbart sich da ein hochkomplexes Beziehungsmodell. Zumindest auf rein oberflächlichen Ebenen. Denn tatsächlich bietet der Film hier vor allem eine tolle Chemie zwischen Seth Rogen und Charlize Theron. Findige Kinozuschauer werden in der Figur von Theron und dem Konzept dieses Films auch deutliche Parallelen zu A Million Ways to Die in the West (2014) erkennen können. Und dort gehörte Theron auch schon zum Highlight. Als elegante, aber durchaus am Charakter des Menschen interessierte Schönheit wirkt Theron auch hier glaubwürdig, weil sie sich gekonnt auf die Albernheiten von Rogens Charakter einlassen kann und man dadurch eben auch den Charakter deutlich besser kennenlernt.

Der Film verweist auch am laufenden Band auf eine ganze Bandbreite an Filmen. Die Referenzen der Popkultur von Pretty Woman (1990) über das Marvel Cinematic Universe machen Spaß und werden hier glücklicherweise nicht zum reinen Selbstzweck rezitiert. Klar könnte man dem Film hier eine Unorginalität zuschreiben, doch welchem Film kann man das in gewissen Maßen nicht? Viel eher entwickelt der Film seine Charaktere so gekonnt durch diese Dialoge, während damit gleichsam weitere Themen aufgemacht werden. So etwa die Bedeutung von Klassen, der Gesellschaft. Der Film spricht hier ein Plädoyer für das Zusammenkommen unterschiedlicher sozialer Schichten und wirkt somit schon gegen die eigene, fast märchenhafte Geschichte. Denn während Charlotte eine hochgebildete Politikerin aus gutem Hause ist, ist Fred ein vertrottelter, wenngleich politisch nicht unkluger Mensch, der aber bedingt durch äußere Umstände eben nicht die gleichen Chancen und Möglichkeiten hat, wie es Charlotte hatte. Darüber hinaus sehen sich die Figuren auch immer wieder Angriffen durch die Außenwelt ausgesetzt. Gerade an Menschen, die die ständig in den Medien stattfinden, geht Kritik viel leichter über die Lippen, was natürlich auch ein Meta-Verweis auf das Hollywooddasein ist. Überall ist es wichtig, die richtige Wirkung zu erzielen und die richtigen Worte zur richtigen Zeit zu finden. Und gerade für eine Frau, bei der man in eher rechteren Kreisen und Nachrichtensendern sowieso gerne entwertet, ist das Dasein in der Öffentlichkeit brutal. Ironischerweise stellte der nächste Theron-Film Bombshell – Das Ende des Schweigens (2019) das ebenfalls klar.

Selten sieht man dabei, daß Medien so derart kritisiert werden, wie sie es im Falle von Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich werden. Denn tatsächlich ist das Speichern und Schreiben jedweder Form von Daten auf einem Endgerät wie einem Handy oder PC durchaus etwas, was zu Problemen führen kann. Gerade wenn man als problematisch konnotierte Fotos auf seinem Laptop hat, wird schnell mit dem moralischen Zeigefinger gearbeitet. Daß Filme und gerade Komödien dabei aber komplett den Umgang mit diesen als heikel herausstellen, ist dann durchaus spannend. Denn auch die Position, die diese Medien einnehmen, ist nicht gerade klein. Besonders zum Ausdruck gebracht wird das natürlich durch den Medienmogul Parker Wembley, der nicht nur einen gefährlichen Einfluss auf die Regierung, sondern mit seinen Möglichkeiten auch auf die Befindlichkeiten der Gesellschaft hat. Daß das hier quasi auch ein Seitenhieb auf Donald Trump darstellt, dürfte wohl feststehen. Und bei all diesen Hürden und all der Blödelei gelingt es dem Film dann doch sehr gut, mit den Rollenmustern für Geschlechter zu brechen und auch als feministisches Werk durchaus mehr zu sein, als nur eine polemische Kritik am Manne selbst.

Ferner arbeitet der Film neben den schnelllebigen und bissigen Medien, auch mit der prüden Haltung des konservativen Amerikas. Zwar ist es nicht unüblich, daß der Gebrauch von Cannabis oder anderen Drogen eine Rolle in einem Seth Rogen-Film spielt. Dennoch ist aber die Kleinlichkeit, nach derer in der Gesellschaft moralisiert wird und die ebenso von Medien ausgeschlachtet werden, durchaus bemerkenswert. Denn schließlich gelingt dadurch auch eine übergeordnete Kritik am amerikanischen Dasein, nach welchem Onanieren vor laufender Kamera natürlich ein Gebrauch eines Sargnagels bedeutet. Aber gerade diese vermeintlich grotesk anmutende Zurschaustellung von ist wohl das intelligenteste, was dieser Film zu bieten hat. So ist der eigentliche Tabubruch ja nicht, daß jemand sich für jemanden interessiert, sondern daß er das öffentlich zeigt. Klar, ist das überspitzt. Das liegt aber auch daran, daß man über Sexualität und auch untergeordnet deren Gefühle nicht reden möchte. Dieser Film verkauft das auch nicht als reine Witz-Orgie, sondern als Kernmoment in seiner eigenen Geschichte.

Offenkundige Politik ist nichts, was Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich zu einem großen Film macht. Zu simpel und zu einfach werden hier Dinge voneinander getrennt, die in ihrem Kern, abseits der drastischen Themen, nicht weit voneinander entfernt sind. Darüber hinaus muss man natürlich immer amerikanisch denken, wenn man sich mit Gebrauch von Substanzen, dem Umgang mit Sexualität und all den Themen, die das prüde Amerika schockieren, befasst. Dabei werden aber auch viele Dinge kritisiert, mit denen man sich häufiger bei jüngeren Menschen anbiedern wollen würde und gleichsam kann der Film neben der tollen Chemie zwischen Theron und Rogen auch mit einer intelligenten Gesellschaftsanalyse und dem Umgang mit Rollenmustern aufwarten.

Long Shot - Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich Bewertung
Bewertung des Films
710

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