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Napoleon

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Napoleon Kritik

Napoleon Kritik

Napoleon Kritik
0 Kommentare - 04.12.2023 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Napoleon" ist.
Napoleon

Bewertung: 3 / 5

Im Chaos der Französischen Revolution strebt der korsische Kommandant Napoleon Bonaparte (Joaquin Phoenix) nach Macht. Nach einigen militärischen Erfolgen steigt Bonaparte in der Gunst und wird später Anführer seiner eigenen Armee. Doch neben dem Schlachtfeld verliebt er sich in die Witwe Joséphine de Beauharnais (Vanessa Kirby) und muss von nun an zwei Schlachten auf einmal schlagen.

Wann immer sich Filme wie eine Geschichtsstunde im Kino anfühlen, haben sie versagt. Sie verlieren ihren Unterhaltungswert und all das, was einen Film so interessant macht, ist wie weggeblasen. Ridley Scott ist einer dieser Filmemacher, die im besten Sinne auf historische Authentizität pfeifen. Das mag gerade dann Sauer aufstoßen, wenn man diesen falschen Anspruch auf einen Film überträgt. Da stimmen Kleidungen nicht. Da stimmen Kampfstile nicht. Da stimmen vielleicht mal Namen und Daten nicht und so weiter und so fort. Na ja, wenn man also nichts Besseres zu tun hat, dann sucht man nach all den Fehlern, nach deren Entdeckung man sich durchaus für klug halten kann. Allen anderen wiederum ist das egal und sollte auch egal sein. Denn schließlich ist Kunst am Ende des Tages doch etwas gänzlich anderes. Nun ist Napoleon aber sicherlich kein Film, der frei von Fehlern ist, wenn man zumindest mal die historische Spate außer Acht lässt. Schließlich gibt es andere Manierismen, die für einen Film zählen und diesen so interessant machen können. So richtig will Napoleon als Film nämlich nicht ziehen. Mitunter mag das vor allem der Laufzeit geschuldet sein, in der es viel um politische Machtspiele geht, die einzig und allein zum Ausdruck haben zu zeigen, daß Napoleon Bonaparte steigt und irgendwann fällt. Metaphorisch ist der Film dabei keineswegs komplex oder in irgendeiner Weise anspruchsvoll.

Trailer zu Napoleon

Nur kann man sagen, daß der Film in einer kleinen Tradition des klassischen Monumentalkinos steht. Daß beansprucht Regisseur Ridley Scott ja seit Gladiator (2000) praktisch alleinig für sich. Es hätte dem Film aber durchaus noch einmal gutgetan, vielleicht etwas zu straffen. Klar, die Streaming-Dienste sind ja für ihre künstlerische Freiheit bekannt. Doch erwies sich auch der diesjährige Scorsese-Film Killers of the Flower Moon (2023) bereits als Werk der Unendlichkeit, in dem eigentlich lange klar war, was der Sinn hinter dem Werk ist. Es ist hier ähnlich, Napoleon legitimiert seine Laufzeit nicht unbedingt. Wenngleich er auf so einer kindlich naiven Ebene durchaus Spaß bereitet. Der abartige Gigantismus, mit dem Scott hier Schlachten inszeniert sucht seinesgleichen und dagegen wird die endlose CGI-Masse zum Finale von Avengers: Endgame (2019) wie ein schlechter Witz. Die Kernfrage um einen Diktator wirkt indessen durchaus aktuell. Wir leben ja wohl im Post-Heroismus und natürlich war Napoleon wohl schon länger geplant, als es den ein oder anderen modernen Krieg gibt, aber die Frage, die man sich immer wieder im Film, stellen muss ist, daß so viele Menschen ihr Leben lassen müssen, weil eine Person das so möchte. Macht, wie wichtig dagegen doch demokratische Prinzipien erscheinen. Und es ist natürlich eine klassische Analogie auf große Taten auch immer große Gewalt folgen zu lassen. Damit ist Ridley Scott wohl in der Figur von Napoleon Bonaparte phantastische Analyse gelungen. Und dennoch, manche Probleme und Konfliktsituationen sind doch sehr schlicht und sehr einfach zu verstehen.

Unterdessen wählt Scott einen für ihn typischen Zugang zur Figur und besser gesagt zur Herrscherfrage. Denn immer wieder wird hier die wichtige Rolle von Napoleons Frau Joséphine de Beauharnais gezeichnet. Das ist natürlich für „echte Männer“ ein riesiges Problem und vielleicht auch höchst inakkurat, wenn es um die historische Genauigkeit geht. Doch es wirkt gleichsam entmystifizierend, dieser Figur gegenüber. Denn einen Mann zu sehen, der von einer Frau hin und wieder dominiert wird und dessen Probleme, dessen Machtfrage eigentlich davon korrumpiert werden, daß ist schon entgegen jeder toxischen Männlichkeit. Und damit schafft Napoleon als Film tatsächlich einen weiteren Bezug zur Gegenwart. Denn er stellt die richtigen Fragen zur richtigen Zeit. Darüber hinaus spielt Joaquin Phoenix das atemberaubend. Fast noch besser ist dann nur Vanessa Kirby, deren Leinwandpräsenz zwar bedingt durch die Geschichte nur marginal zum Vorschein kommt. Doch wann immer sie auf den Bildern erscheint, spielt sie Phoenix an die Wand. Ist natürlich bedauerlich, die Figur ist aber auch einfach interessanter. Klar ist man es gewohnt, daß man dann ein Motiv aus dem Mafia-Film serviert bekommt, indem der Aufstieg und Fall für Napoleons Figur natürlich folgen müssen. Ein wenig zu klischiert für meinen Geschmack.

Doch wen das nicht abschreckt, der bekommt einen unglaublich temporeichen Film, der trotz dessen, daß scheinbar inhaltlich nicht viel passiert, auch nicht unbedingt langweilig ist. Es ist ein paradoxes, kaum erklärliches Phänomen, dem der Film zum Opfer wird. Denn Napoleon ist simpel gehalten, zeichnet absehbare Konflikte und eine vereinfachte politische Struktur, samt großer schlachten auf dem Schlachtfeld und im Schlafzimmer. Doch zwischen dem erwartbaren und dem, worauf das unweigerlich hinauslaufen muss, fühlt man sich dennoch unterhalten. Vermutlich nicht zwingend durch die grandiose Qualität des Films, aber viel eher dadurch, daß man wohl selten noch so großes Kino auf der Leinwand sehen kann. Und das macht eine helle Freude.

Ob Napoleon dem Mythos seiner Hauptfigur gerecht werden kann, darf bezweifelt werden. Dafür passiert da zu vieles, was man auch ohne historisches Wissen erwarten kann. Ohnehin wäre das ein falscher Anspruch. Und dennoch fühlt man sich weitestgehend unterhalten und hat vor allem an den Bildern und den beiden Hauptdarstellern eine große Freude.

Napoleon Bewertung
Bewertung des Films
610

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