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Prisoners

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Prisoners Kritik

Prisoners Kritik

Prisoners Kritik
0 Kommentare - 03.03.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Prisoners" ist.

Bewertung: 4 / 5

Keller Dover (Hugh Jackman) ist ein Kriegsveteran und liebender Vater. Als seine Tochter Anna (Erin Gerasimovich) eines Tages zusammen mit ihrer Freundin Joy (Kyla Drew Simmons) verschwindet, beginnt eine nervenaufreibende Suche. Der ambitionierte und abklärte Polizist Loki (Jake Gyllenhaal) führt die Ermittlungen. Sein Hauptziel jedoch ist es die triste Kleinstadt zu verlassen und in eine Großstadt versetzt zu werden. Anfänglich führen alle Spuren der Suche ins Nichts. Einzig ein Verdächtiger, der geistig zurückgebliebene Alex Jones (Paul Dano) kommt als Täter infrage. Doch aus Mangel an Beweisen muss Loki ihn ziehen lassen. Daraufhin fasst Dover einen folgenschweren Entschluss.

Post-Modern. Wir leben in einer Zeit, die keine Zeit ist. Ok, das ist natürlich auch immer eine Ansichtsfrage, die man mit dem richtigen Historiker klären muss. Und dennoch gilt in vielen Köpfen die Tatsache, daß eine richtig neue Epoche erst noch kommen muss. Nun kann man aber sagen, daß eines der Merkmale dieser Tage ist, daß der Mensch den Eindruck hat, er wäre über allem erhaben und hätte jede kleine Nuance des Lebens, des Miteinanders und der Welt als Fragestellung schon beantwortet. Post-Modern eben. Prisoners ist insofern ein Post modernes Werk, weil er sich einer ähnlichen Prämisse bedient, wie es viele Thriller bereits taten. Tonal ist man hier sehr stark am Nihilismus vergangener Tage dran, orientiert sich aber an tatsächlichen Beispielen wie Sieben (1995) oder Zodiac – Die Spur des Killers (2007). Und dann ist das ein ganz guter Vergleich, denn in seinem Thriller legt Regisseur Denis Villeneuve den Fokus weniger auf die Ermittlung und die Ergründung eines Falls, als viel mehr darauf, was die reine Tat an Spuren in diesen Menschen hinterlassen. Es ist eine wahrlich bedrückende Atmosphäre, die auch so gar nicht dem Zeitgeist der 2010er Jahre entsprechen will. Thriller sind ja ohnehin durch Liam Neeson in Werken wie Non-Stop (2014) zur massentauglichen Verdummung geworden. Beispiele wie diesen Film gab es zwar immer noch, aber rarer und eben auch in Form von Gone Girl – Das perfekte Opfer (2014) abermals durch David Fincher.

Trailer zu Prisoners

Nun geht es vielleicht zulasten der Spannung, daß man Prisoners nachdem man ihn geschaut hat, erst mal nicht mehr anrühren braucht. Einzelente Fragestellungen sind geklärt und der Fall wird ad acta gelegt, ähnlich wie der Film. Dennoch ändert das nichts daran, daß das Werk irgendwie doch eine ziemliche gesellschaftliche Relevanz aufweist. Und da wären wir wieder beim Anfang, dieser Kritik angelangt. Post-Modern. Denn nicht alle Fragen im Leben werden beantwortet werden können. Wäre ja auch ansonsten langweilig. Wie auch eine Gewaltspirale im Leben selten einem tieferen Sinn folgt, so ist auch Prisoners ein Werk, daß die Antwort auf das Irrationale im Rationalen sucht, daß hier vertreten wird durch – oh Wunder – irrationale Menschen. Denn im Kern ist Prisoners eine einzige Fragestellung. Die Vermutungen der Beteiligten führen sie nicht nur an ihre eigenen psychischen Grenzen, sondern sie suchen die Antwort in den Menschen, die Rational kaum greifbar scheinen. Das ist zugegeben ein Klischee des amerikanischen Thrillers, daß Mörder und Schurken immer auch irgendwas Pseudo-Irres an sich haben müssen. Doch wer so schnell zu diesem Schluss auch bei Prisoners gelangt, der tut dem Film unrecht. Im Prinzip beobachtet man hier mindestens zwei Personen, bei denen man wohl allgemein sagen könnte, daß sie irgendeine Form von psychischer Störung aufweisen. Klar ist dann, daß darin auch die Täter zu finden sein müssen. So denkt das Volk. Doch Prisoners führt den Zuschauer da an der Nase herum und hält ihm den Spiegel vor.

Denn trotz eines Das Schweigen der Lämmer (1991) gibt es ja immer noch das ewige Klischee, daß Serien- oder Massenmörder eben auch total auffällig sein müssen, indem sie sich lautstark äußern, panisch lachen und so weiter und so fort. Doch hier sind die Schuldigen relativ rational unterwegs, was sie nur noch bedrohlicher macht. Unterdessen sieht man hier aber Figuren beim Handeln. Selbstjustiz im Film ist eigentlich ein Thema der 1970er Jahre. Angestoßen durch Werke wie Dirty Harry (1971) oder Ein Mann sieht rot (1974) wird klar, daß das hier auf einer ähnlichen Ebene funktioniert. Ähnlich, aber nicht gleich. Villeneuve ist nämlich klug genug, seine Kamera und damit den Zuschauer nur beobachten zu lassen. Er selbst soll entscheiden, was nun richtig und was falsch ist. Und dann sieht man vor allem, daß der einfache Mann, geplagt um den unsicheren Zustand seiner Tochter dazu gebracht wird, abscheuliches zu tun. Man sieht hier, wie Familien sich sozusagen verschwören und das Gesetz in die eigene Hand nehmen. A-Moralisch zeichnet der Film so kleine strahlenden Helden. Passt ja auch ganz gut in das Œuvre von Hugh Jackman, der immerhin durch den Antihelden Wolverine in X-Men (2000) berühmt wurde. Und dann zeigt sich auch, daß eben nicht alles erklärt werden kann. Ähnlich wie die Tat und der Gewaltakt an sich unerklärbar bleiben, trotz rationaler Erklärung, ist auch das Handeln der Figuren nicht wirklich nachvollziehbar. Immerhin redet man ja auch von Affekten bei so manchen Sachen. Wobei man das hier übergeordnet betrachten muss, weil ein Affekt ist eine Entführung sicherlich nicht: Doch der Film zeigt damit auch auf, wie marode und unbefriedigend das Justizsystem immer noch ist. Nicht, daß Prisoners hier ein Plädoyer für die Todesstrafe wäre, aber Abhilfe kann eben gar nichts mehr schaffen. So auch nicht die Rache.

Dann wiederum liegt man wohl ganz in den Armen von Villeneuve. Ein Regisseur, der mit Bildern ohnehin schon immer Malen konnte. Und das zeigt sich dann auch in seinem düsteren Herbstblick, den er auf diese Kleinstadt wirft. Alles ist grausam, triste und wird durch die Tat noch verschlimmert. So viel Stille in der Gewalt. Und dann diese ausufernden Bilder, die sich vor allem im Kopf abspielen. Villeneuve weiß hier zu beeindruckend. Es ist was Wissenschaftliches dahinter, wenn Folter nur ob des Endes von Leid einfach zu Antworten führt. Guantánamo war da ja auch legendär für. Es grausam.

Bedrückend zeichnet Prisoners ein Szenario, daß die Figuren zum Äußersten treibt. Es sind diese grauenhaften Vorstellungen, mit denen man hier spielend leicht den Abgrund der Menschheit zeichnet. Villeneuve lässt hier nichts anbrennen und verwandelt die Moral in einen Wunschtraum, der hier aber nichts zu suchen hat.

Prisoners Bewertung
Bewertung des Films
810

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