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Red Sparrow

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Red Sparrow Kritik

Red Sparrow Kritik

Red Sparrow Kritik
0 Kommentare - 16.12.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Red Sparrow" ist.
Red Sparrow

Bewertung: 2.5 / 5

Die erfolgreiche Primaballerina Dominika Egorva (Jennifer Lawrence) kann nach einer Verletzung ihren Job nicht mehr ausüben. Um ihre Mutter versorgen zu können, nimmt sie das Angebot an, am sogenannten Red Sparrow-Programm der russischen Regierung teilzunehmen. Domnika wird zu einer gehorsamen Agentin ausgebildet, die den jungen amerikanischen CIA-Agenten Nathaniel Nash (Joel Edgerton) überwachen soll.

Um einen Film in Metaphern zu lesen, muss man ein grundlegendes Verständnis von Allegorien haben und einen systemischen Zugang zur Welt des Films finden. Symbole können vieles bedeuten, doch in Kontexten werden sie selbstverständlich klarer definiert. Wenngleich das nicht bedeutet, daß sie auch immer mit dem Werk hinter der Symbolik einhergehen müssen. Im Prinzip trifft das auch auf Red Sparrow zu, dessen Symbolik sich mal abseits der Spionagegeschichte vor allem in einem Bereich wiederfindet. Und dieser Bereich ist die Sexualität, besser gesagt die Folge von Sexualität. Nun werden die sogenannten Red Sparrows dazu ausgebildet, ihre Opfer zu verführen und Informationen aus ihnen zu erpressen. Gerade dieser Umstand, der ja im James Bond-Franchise über Jahrzehnte hinweg romantisiert wird, entwickelt in diesem Werk hier die künstlerischte Ebene, weil es da um Symbole geht. Und so wird der Hauptfigur Dominika Egorova von der knallharten Ausbilderin Matron beigebracht, daß sie als Produkt eines Staates ihren Körper bereitwillig hingeben muss, um dienen zu können. Die allegorischen Fässer, die damit aufgemacht werden, reichen natürlich von Rollenmustern über patriarchale Unterdrückung, bis hin zu der Erkenntnis um einen aussichtslosen Kampf. Doch das ist nicht das Thema. Viel eher geht es darum, Befriedigung zu verwehren. Das heißt also, daß die Personen, die sich dem Geschlechtsakt hingeben, mit dem Tod abgestraft werden. Sicherlich ist das komplexer, weil sowas natürlich in diesen Kreisen dann auch nicht immer ganz einvernehmlich ist, doch geht man von der reinen Deutungsebene aus, dann macht Sex zu keinem Zeitpunkt Spaß in diesem Werk, weil es immer um etwas anderes geht. Das ist ungeschönt, intrigant und manchmal sehr brutal und uneinvernehmlich. Und wenn man dem Film also etwas Böses wollte, dann könnte man darin einen sehr starken Konservatismus hineinlesen, weil es nur über den gesellschaftlichen Bund erlaubt sein dürfte.

Trailer zu Red Sparrow

Im Prinzip und ganz salopp gesagt, geht es um eine Frau, die sich in einer Männerwelt behaupten will und dazu ihre eigenen Regeln anwendet. Gleichsam spielt auch der soziale Stand abermals eine Rolle und man erkennt klar, daß der Film von Francis Lawrence inszeniert wurde, weil die soziale Schicht und die Herkunft eben dann wieder wichtig werden, wenn es darum geht sich in einen übergeordneten kulturellen Kontext anzupassen. Denn die Hauptfigur verliert durch einen Unfall, als ehemalige Primaballerina die Möglichkeit ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen und damit leben zu können. Nun könnte man natürlich auch hineindeuten, daß das System die Dame zu ihren Taten gezwungen hat. Doch eine wirklich kritische Auseinandersetzung mit diesem System gibt es nicht, zumal man ja eigentlich davon ausgehen würde, daß Russland sich nicht in einem pervertierten Kapitalismus befindet. So würde es Moskau zumindest verlauten lassen. Dazu muss man aber auch wissen, in welcher Zeit dieser Film angesiedelt ist. Und das ist tatsächlich ein Problem, weil es nie gezeigt wird. Man könnte rein vom stilistischen vielleicht davon ausgehen, daß die Zeit dem Erscheinungszeitraum entspricht, doch von moderner Technik fehlt hier jede Spur. Warum man das so macht, kann natürlich mehrere Gründe haben. So etwa, um sich nicht mit der aktuellen Regierung in Moskau anzulegen oder auch, um dem Plot etwas mehr Freiraum zu geben, weil technische Mittel in der Gegenwart natürlich schon sehr vieles können. Aber aufgeklärt wird das eben leider nicht.

Dennoch könnte man meinen, daß dieser Film entweder ein Produkt des kalten Krieges ist, oder sich eben aktueller denn je anfühlt. Dann die Wahrheit ist, daß Red Sparrow die Seiten in diesem Spiel klar definiert. Die guten und die bösen und Rocky kann seine Boxhandschuhe wieder auspacken und vom Kampf der Nationen berichten. Das ist alles tatsächlich auch ein wenig albern im Hinblick darauf, daß die „bösen“ „russischen“ Figuren auch mit einem sehr peinlich, gekünsteltem Akzent sprechen. Dabei möchte der Film so gerne als Systemkritik an autokratischen Regimen und der Unterdrückung von Frauen verstanden werden, daß er komplett vergisst, eine Geschichte zu erzählen. Denn tatsächlich ist das gesamte Werk so zäh, daß man auch insgesamt nicht mehr nachvollziehen kann, worum es eigentlich gerade geht. Eine kurze Episode um eine Stabschefin und einem Stattfinden auf drei verschiedenen Ebenen – nämlich als Agentin des russischen Geheimdienstes, als Doppelagentin für die CIA und als Rachegeschichte für ein verkorkstes Leben und damit einer ganz persönlichen Mission – sorgen dafür, daß dieser Film ab einem gewissen Punkt absolut nicht mehr nachvollziehbar ist. Derweil kommt es eben durch die wirre Schreibe dazu, daß einige Figuren ab einem gewissen Punkt keinerlei Rolle mehr spielen und der Film schnell von Ort zu Ort wechselt.

Schön ist aber, daß der Film nicht versucht, mit wahren Helden um sich zu werfen. Klar ist das im Hinblick auf die symbolische Kraft, die etwa eine ganz bestimmte Figur übernimmt, schon wieder etwas fragwürdig. Auf der anderen Seite kann man wohl sagen, daß außer dem von Joel Edgerton verkörperten Nate Nash keine Figur wirklich gut ist. Ob nun der Amerikaner in einem Film, der hauptsächlich mit russischen Figuren versehen ist, der einzig gute sein sollte, daß ist natürlich eine andere Frage. Und dennoch findet man sich hier in einer ganz anderen Welt wieder. Figuren verraten einander, lassen einen Fallen oder sorgen für das Ableben, der eigenen Person. Alles natürlich nur dafür, daß der Staat das bekommt, was er möchte. Das ist dann mitunter auch hochkarätig besetzt, indem neben Jennifer Lawrence und Joel Edgerton auch Matthias Schoenaerts, Charlotte Rampling, Mary-Louise Parker und Jeremy Irons sich die Klinke in die Hand geben. Besonders Rampling und Irons sind durch ihre verbitterte und total unterkühlte Ader nochmals hervorzuheben, weil sie dem ganzen Szenario eine niemals schwindende Bedrohung geben. Und auch Jennifer Lawrence überzeugt zu jedem Zeitpunkt, weil man auch die Manierismen der Hysterie, die sie etwa in Die Tribute von Panem – Catching Fire (2013) an den Tag legte, wieder deutlich spürt. Zudem kann sie im Verlauf des Films mit ihrer erworbenen Härte ebenfalls punkten und ist insofern extrem authentisch.

Zugutehalten muss man der Regie von Francis Lawrence, daß sie es schafft, ihr gesamtes Werk in eine kühle und analytische Stimmung zu versetzten. Nicht ein einziges Mal sind die Figuren zu Scherzen auferlegt und der gesamte Film ist immer trostlos. Das mag den ein oder anderen geneigten Taika Waititi-Fan abschrecken, ist aber auch bitter nötig, um die Glaubwürdigkeit im Film zu unterstreichen.

Nichtsdestoweniger überwiegt in Red Sparrow das schlechte. Ein Werk, daß zwar eine starke Sexualfrage stellt und auch die ein oder andere Leistung hervorbringt, die man ziemlich gut finden kann, ist das Werk zu unausgegoren, aus der Zeit gefallen und dadurch, daß ziemlich wenig passiert, auch mitunter recht anstrengend. Drehbuch und Darsteller beißen sich zu jedem Zeitpunkt und was bleibt, ist ein Werk, daß sich nicht so recht in die Zeit fügen will.

Red Sparrow Bewertung
Bewertung des Films
510

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