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Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt

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Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt Kritik

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt Kritik

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt Kritik
4 Kommentare - 22.05.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" ist.
Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt

Bewertung: 4 / 5

Der Durchschnittstyp Scott Pilgrim (Michael Cera) ist Bassist der Band Sex Bob-Omb und trifft gerade seine Traumfrau Romona Flowers (Mary Elizabeth Winsted). Dennoch stellt sich ihre Beziehung als heikel heraus, denn Flowers unheilvolle sieben Exfreunde sinnen darauf, aus dem Weg zu räumen.

Nachdem sich Edgar Wright zu Beginn seiner Karriere ein Denkmal der Inszenierung gesetzt hatte, und bereits mit seinem ersten Film (sein Low-Budget-Debüt mal außen vor genommen) Shaun of the Dead (2004) den Maßstab vieler Dinge überragte, brachte er 2010 ein ebenso intensives Zitierwerk der Unterhaltung heraus. Die Frage nach Werk oder Zitat, die ja inmitten der 2010er zum Alleinkriterium für Erfolg werden sollte, stellt sich auch zu Beginn von Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt. Denn das eigentlich ausschlaggebende im Film ist hier nicht die Geschichte. Man kann sie vermutlich in wenigen Sätzen erklären und wäre da nicht die gesamte Absurdität, die der Geschichte zugrunde liegt, so würde sich vermutlich auch niemand dafür interessieren, warum Scott nun die Exfreunde seiner Angebeteten wortwörtlich bekämpfen muss. Dabei könnte das schon für viele entscheidend sein, die eben ob eines reinen Meta-Werkes nicht zufrieden gestimmt sind. Liebe und Teenie-Gedöns. So könnte man diesen Film vielleicht herunterbrechen und man läge auch nicht falsch darin, daß die Adoleszenz natürlich aus filmischer Sicht nur selten einen grundlegenden Respekt erfährt.

Trailer zu Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt

Dabei ist Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt aber vielleicht auch wesentlich mehr, als bloßes zitieren. Das können ja viele Filme, wie die Star Wars-Disney-Produktionen belegen. Heute ist ein Verkaufsargument für einen Film scheinbar, daß er wie ein Film ist, den es bereits gibt und der in den meisten Fällen entweder wesentlich besser als sein Nachkömmling, oder wesentlich überbewerteter ist, als sein Ruf eigentlich zu verstehen gäbe. Doch dieser Film zitiert auch und dennoch könnte man behaupten, er machte das auf einem Level, daß angenehm und kreativ zugleich ist. Denn der Film ist allein schon genretechnisch kaum zu greifen, weil er zwischen Coming-Of-Age, Liebes- oder Actionfilm, wie auch Komödie hin und her wandert und immer wieder diese Momente der puren Überraschung bietet. Man könnte nun argumentieren, daß das ja eine Mogelpackung sei und auch der Witz sich nach mehrmaligen erzählen totlaufen würde. Doch Edgar Wright ist keineswegs bloßer Style over Substance. Denn in Mittelpunkt seiner Filme stehen immer schrullige und liebenswerte Charaktere, die gleichsam kaum Mühe aufwenden müssen, um den Zuschauer zu unterhalten. Dabei ist auch Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt ein Film, der wie die Cornetto-Trilogie humoristisch auf vielerlei Ebenen funktioniert. Sei es als Genre-Persiflage, sei es mit Dialogen, sei es durch Slapstick. Dem Film gelingt es eine Bandbreite und Fülle an Humor zu bieten, der sich in vielen Komödien nur mit der Lupe finden lässt.

Gleichzeitig verneigt sich der Film auch vor Medien im Allgemeinen, indem er die stellenweise grotesk anmutenden Einstellungen aus Comics, Anime oder Videospielen übernimmt und deren Visualisierung auch perfekt meistert. Gerade hier liefe der Film auch große Gefahr, an Glaubwürdigkeit einzubüßen. Doch der Film leidet keineswegs darunter und hat zudem auch noch etwas übrig für Themen, an denen Filme oftmals scheitern. So behandelt er nämlich seine Zuschauer mit Respekt und zieht seinen Humor nicht darauß etwaige Subkulturen bloßzustellen. Die ganze Zeit über vermittelt Wright durch sein cleveres Drehbuch, daß er ein Nerd ist und all diese Dinge zwar bei genauem Hinschauen nicht ganz unironisch großartig findet, dennoch aber auch eine Liebe für diese verschiedenen Medien hegt. Dazu scheint der Film eben durch seine Meta-Ebene auch vom klassischen Hollywood-Storytelling abzuweichen, indem gerade das Finale auch eher a-typisch für die Traumfabrik scheint. So gelingt es Wright auch in das Genre des Jugendfilms im Stile von John Hughes zurückzukehren, und dabei den Fokus auf das eher unaufgeregte, aber menschlichere im starken Kontrast zu der Bildgewalt zu stellen.

Gleichzeitig bricht der Film mit klassischen Stigmen, weil auch seine Hauptfigur a-typisch wirkt. So mag das vielleicht zunächst erstmal schockierend sein, dennoch spielen Filme ja ganz bewusst mit der Idee von Übermenschen, deren bloße Erscheinung dem Zuschauer die sogenannte Krone der Schöpfung suggerieren sollen. Das ist zunächst auch nicht weiter verwerflich, weil der Film eben schon immer mit Klischees spielte. Allerdings wählt Wright hier einen cleveren Weg, indem er Scott Pilgrim als eher durchschnittlich, wenn nicht sogar minder attraktiven Helden seines Filmes erklärt. So vereinte Michael Cera schon in Juno (2007) nicht unbedingt klassischen Sexappeal, aber durchaus eine gewisse Anziehungskraft, die Scott Pilgrim auch in diesen Film zu einem Frauenscharm und damit zum Anti-Klischee macht. Cera spielt das ebenso toll, weil er so unaufgeregt und fast schon statisch durch die eigenen Szenen wandert. Dabei ist seine Erscheinung mit keinerlei Macht ausgestattet und auch nicht wirklich besonders. Etwas brechen, mit dem Grundgedanken, tut der Film dann, wenn es um die Figur von Chris Evans geht, wodurch der Film so ein wenig seiner Glaubwürdigkeit in dieser Sache einbüßt. Ebenso großartig wie Cera, ist die von Mary Elizabeth Winstead verkörperte Ramona, die hier zwar eine klassischere Rolle ausfüllt, dabei aber durch vielsagende Blicke und eine gewisse Überlegenheit punkten kann. Man will dann mehr von ihr erfahren, weil sie sich auch in den ihr gegebenen Szenen, wie ein klassischer, nicht zu greifender Rebell verhält.

Spannend ist dabei vor allem, daß der Film durch das aufgreifen so spezieller Themen eben Gefahr liefe, recht schnell überholt zu wirken, dadurch das Wright seinen Film aber nicht technisch komplett spezifisch zuordnet, bleibt das gesamte Werk zum einen Anschaulich und gleichzeitig zeitlos. Die Musik und visuellen Effekte wirken dabei ebenso gut platziert, wie es die Dialoge sind. Das könnte man als manipulativ erachten, doch gerade darauß ziehen die Szenen ihre Kreativität und somit ihren Reiz.

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt ist ein wahr gewordener Fanfilm, der seinem Zuschauer grundlegenden Respekt entgegenbringt. Respekt für die Art von Medien, die er stellenweise persifliert, weshalb das gesamte Werk eine Meta-Maschine ist. Gleichzeitig mag die reine Geschichte nichts Bedeutendes zu sich haben und dennoch sind es die Skurrilitäten und Figuren, die den Film so angenehm lebendig gestalten und somit zu einem wirklich erstaunlichen Werk lassen werden.

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt Bewertung
Bewertung des Films
810

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4 Kommentare
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ProfessorX : : Moviejones-Fan
25.05.2022 08:06 Uhr
0
Dabei seit: 17.05.14 | Posts: 735 | Reviews: 318 | Hüte: 29

@Rotwang sehe ich gesnauso, weil Wright es auch schafft diese absurde Welt zu inszenieren, ohne, daß der Zuschauer aus dem Film gerissen würde.

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Rotwang : : Moviejones-Fan
24.05.2022 08:05 Uhr
0
Dabei seit: 11.06.20 | Posts: 343 | Reviews: 0 | Hüte: 10

Scott Pilgrim ist für mich ein gutes Beispiel wie Comic-Verfilmungen auch aussehen können, es ist einer der Filme die wirklich durch einen individuellen Look bestechen.

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ProfessorX : : Moviejones-Fan
24.05.2022 06:57 Uhr
0
Dabei seit: 17.05.14 | Posts: 735 | Reviews: 318 | Hüte: 29

@Cairbre

Dankeschön! smile

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Cairbre : : Moviejones-Fan
22.05.2022 20:39 Uhr
0
Dabei seit: 23.11.11 | Posts: 224 | Reviews: 0 | Hüte: 3

Schöne Kritik für einen tollen Film, der einfach gute Laune macht

smile

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