Slow West

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Demontur des Pioniergeists in berauschenden Bildern

Slow West Kritik

Slow West Kritik
4 Kommentare - 05.01.2016 von luhp92
In dieser Userkritik verrät euch luhp92, wie gut "Slow West" ist.
Slow West

Bewertung: 4 / 5

Es war einmal, 1870 um genau zu sein: Da reiste ein 16-jähriger Junge von der herben Kälte Schottlands in die Gluthitze Amerikas, um seine Liebe zu finden. Sein Name war Jay. Ihr Name war Rose.

So beginnt dieser 80-minütige, britisch-neuseeländische Neo-Western names "Slow West", der in mehrerer Hinsicht zu überraschen weiß. Allein der Filmtitel beinhaltet schon mehr als eine Bedeutung. Slow West, das ist ein langsamer Western. Ein Western, der sich Zeit nimmt und mit ruhigem Erzähltempo durch die Weiten und Engen des nicht zivilisierten Amerikas führt. 80 Minuten mögen kurz erscheinen, aber das täuscht. Als der Abspann lief, erschienen mir diese 80 Minuten als genau richtig. Der Film ist weder zu kurz noch zu lang geraten, weil er sich genau die Zeit für seine Charaktere und die erzählte Geschichte nimmt, die er braucht. Längen kommen dahingehend zu keiner einzigen Sekunde auf.
Slow West, das beschreibt jedoch ebenfalls das langsame Voranschreiten der Pioniere und der Zivilisation, die stetig ihren Weg Richtung Westen bestreiten. Indianervölker, die unnachgiebig und brutal aus ihren Territorien vertrieben werden. Kopfgeldjäger, die auf der Suche nach Arbeit immer weiter Richtung Westen vordringen und mit dem unbekannten Niemandsland konfrontiert werden. Mittellose Immigranten, die zu Verzweiflungstaten gezwungen werden. Ein Vater, der mit seinen Töchtern aufgrund eines Mordes nach Amerika flieht, um von diesem Verbrechen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten wieder eingeholt zu werden. Ein naiver, adliger Junge auf der Suche nach seiner Liebe, dessen Idealbild des Westens gnadenlos zerstört wird.

Trailer zu Slow West

Slow West ist das Erstlingswerk von John Maclean, welcher hier sein eigenes Drehbuch umgesetzt hat, zusammen mit dem Kameramann Robbie Ryan ist ihm ein außergewöhnliches Stück Film gelungen. Seine Charaktere beschreibt und inszeniert Maclean schlicht, aber doch tiefsinnig. Egal, wie groß oder klein ihre Leinwandzeit auch ausfallen mag, als Zuschauer bekommt man immer ein prägendes und individuelles Gefühl für die Charaktere. Das fängt mit ihrer Einführung an, geht über die Darstellung und Entwicklung im Verlauf der Handlung hinaus und wird zum Ende hin abgerundet. Bei so gut wie jedem der Charaktere kann man davon ausgehen, dass sie irgendwann einen für den Zuschauer unbekannten oder nicht erwarteten Weg einschlagen.
Neben seinem Drehbuch - an dieser Stelle Lob für die Dialoge und die Situationskomik - ist es die hervorragende Auswahl der Schauspieler, welche die Charaktere zum Leben erwecken. Dabei setzt Malean mit Ausnahme der Hauptdarsteller auf unbekanntere Schauspieler, von denen vor allem Caren Pistorius als Rose zu erwähnen ist. In weiteren Nebenrollen sieht man z.B. Rory McCann aus Game of Thrones oder mehrere Nebendarsteller aus Peter Jacksons Mittelerde-Filmen. Michael Fassbender spielt den abgebrühten und rauen Kopfgeldjäger Silas Selleck gewohnt klasse, aber auch Ben Mendelssohn als Kopfgeldjäger Payne braucht sich hinter ihm nicht zu verstecken. Die Rolle des naiven, adligen Jungen Jay könnte mit Kodi Smit-McPhee gar nicht perfekter gecastet worden sein. Er will so überhaupt nicht in das Westernsetting passen, aber genau deshalb kann er Jay auch so gut darstellen.

Falls jemand von der Geschichte und den Charakteren nicht überzeugt werden sollte, so wird er zumindest den präsentierten Landschaftsaufnahmen verfallen! Einen Western nicht nur in den USA sondern auch in Neuseeland zu drehen, ist definitiv ein genialer Einfall. Die Bilder und die Farbgebung sind absolut berauschend und muten fast schon märchenhaft an. Im Kontrast dazu steht die realistische Härte des Films, die sich jedoch nicht mit den Bildern und Farben beißt, sondern mit ihnen zu einer die Handlung verstärkenden Atmosphäre zusammenwächst. Das Märchenhafte steht für Jays Weltbild, wir als Zuschauer sehen den Westen durch ihn als idealisierte Welt.

Slow West hat grade mal eine Filmlänge von 80 Minuten, aber mit diesen 80 Minuten gelingt John Maclean eine vollkommene Demontur des romantisierten Wilden Westens und des Pioniergeists, welche durch frühere Westernfilme hervorgerufen wurden. Leichen pflastern den Weg einer glücklichen, aus Trümmern bestehenden Familie.

Slow West Bewertung
Bewertung des Films
810
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4 Kommentare
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
25.05.2020 14:47 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 13.009 | Reviews: 145 | Hüte: 463

@MB80

Schön! Ich bin froh über jeden, der auf "Slow West" aufmerksam wird und den Film dann auch noch gut findet. Über den Status eines Geheimtipps kam "Slow West" leider nie wirklich hinaus.

Ja, der Film holt echt schon viel aus dem Budget von 2 Millionen USD raus.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
25.05.2020 14:09 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.598 | Reviews: 30 | Hüte: 129

Ich hatte gestern spontan die Möglichkeit, mir den Film anzusehen, und war durchweg positiv angetan. Was du hier schreibst deckt sich so mit meinen ersten Gedanken, eine eher meditative Dekonstruktion von typischen Western "tropes".

Was mir noch auffiel war, dass der Film aus dem kleinen Budget eine Tugend macht und man ihn quasi ins Kino des Minimalismus packen kann. In den einzelnen Bildern ist selten mehr als das, was man gerade für die Szene braucht. Das passt natürlich wieder zu dieser nüchternen Bestandsaufnahme vom Leben und Sterben lassen im Westen.

Das einzige was mich irritiert hat: Die so offensichtlich mit schwacher CGI gemachten Einschüsse, und irgendwas an dem Kornfeld war auch nicht ok. Weiß nicht ob das ein schlechter Greenscreen war aber da stimmte was nicht. Kleiner Nitpick.

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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sittingbull : : Häuptling
29.01.2016 12:20 Uhr
0
Dabei seit: 22.06.13 | Posts: 2.491 | Reviews: 6 | Hüte: 51

Ich muss sagen: sehr nice! Die Kritik vermitteln mir ein gutes Gefühl und gibt Einblicke in die jeweiligen Filmkapitel...Lob dafür.

Der Film klingt sehr interessant. Ich habe noch gar nichts davon gehört und bin als großer Western-Fan natürlich angetan laughing Da muss ich wohl mal einen Blick wagen. Ein Western aus Neuseeland ist mal was ganz spannendes!

Kanalratte schmeckt vielleicht wie Kürbiskuchen, aber ich werds nie erfahren, denn ich fress die Viecher nicht
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
05.01.2016 02:53 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 13.009 | Reviews: 145 | Hüte: 463

Oh, eigentlich sollte es eine 9/10 werden. Na egal^^
Die Kritik ist sowieso wichtiger, der Film verdient eindeutig mehr Aufmerksamkeit!

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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