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Sometimes Happy, Sometimes Sad

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Überbordender Eskapismus

Sometimes Happy, Sometimes Sad Kritik

Sometimes Happy, Sometimes Sad Kritik
1 Kommentar - 25.05.2021 von MobyDick
In dieser Userkritik verrät euch MobyDick, wie gut "Sometimes Happy, Sometimes Sad" ist.

Bewertung: 5 / 5

Wenn man die ganzen Kritiken hier sieht, ist es nur zu auffällig, dass eine Kritik dieses Filmes hier an der komplett falschen Adresse ist. Dennoch nehme ich mich dieses Filmes hier an, denn erstens ist das hier einfach mal die Filmseite, die ich am häufigsten frequentiere und zum anderen verdient dieser Film eben doch eine kritische Würdigung, denn - um mal Silencio zu zitieren und sein Zitat trotzdem für meine Zwecke zu verändern: "Ich finde den Film nicht gut, weil ich ihn mag, nein, ich mag ihn, weil er gut ist." würde ich wie folgt ändern: "Ich mag den Film, und zudem ist er auch noch unglaublich gut gemacht."

Die Handlung passt im Prinzip auf einen Bierdeckel: Junge bricht mit reicher Familie, um seine arme Liebe zu heiraten, der jüngere Bruder bringt sie Jahre später alle wieder zusammen. Das alles garniert mit extrem viel Kitsch und allerlei Bollywoodsingsang gepaart mit Drama Drama Drama, die letzte halbe bis Dreiviertelstunde ist eine einzige Kleenex- und Tempo-Schlacht. Und dennoch funktioniert der Film.

Woran liegt das: Zum einen gibt der Film nie vor, was anderes zu sein, als das was er ist, und das macht er von der ersten Szene an schon klar, er ist auch nicht so zynisch, dass er überhaupt versuchen würde, irgendwelche Erwartungen zu unterlaufen. Du bekommst wofür du bezahlst. Oberflächlich gesehen, denn er geht durchaus noch den einen oder anderen Schritt weiter.

Als der Film erschien, war Shah Rukh Khan zusammen mit Kajol das Bollywoodtraumpaar schlechthin, sie hatten zwei der erfolgreichsten indischen Blockbuster aller Zeiten nur mit ihrer Liebe gestemmt, und mit dem vorliegenden Film sollte der absolute Höhepunkt dieser Leinwandliaison kommen. International war der Film dann natürlich auch der Erfolg schlechthin, aber national kam er an die beiden vorherigen Filme nicht mehr ganz ran. Was nicht heisst, dass der Film ein Flop war, er war halt nur kein Alltime Blockbuster wie die beiden davor. Und das obwohl die Starpower des Films nun mit Amithab Bachchan (Big B) und dessen echter Ehefrau, die seit Sholay eigentlich nicht mehr richtig vor der Kamera stand, auch noch zwei weitere Megastars aufbieten konnte, und mit den damals aufstrebenden Krithik Roshan und Kareena kapoor auch noch zwei weitere potentielle Superstars in Spe (was dann auch wirklich so kam) mit ins Boot genommen wurden. Aber wie man alleine darasu schon ersehen kann, war es nun nicht mehr nur noch ein Starvehikel des beliebten Leinwandpaares sondern tatsächlich als Familiendrama mit gleichberechtigten Stars geplant. Und tatsächlich, auch dies funktioniert tadellos, aber dadurch wird der Film gefühlt ein Zweiteiler mit unterschiedlichen Schwerpunkten, was zwar immer noch sehr gut wegschaubar ist (bei 4 Std Laufzeit versteht sich), aber eben nicht mehr die absolute Stringenz eines Liebesmelodrams mit nur zwei Protagonisten mehr hat und dadurch eben die Einfachheit für das gemeine Volk ein bißchen leiden kann, trotz aller professionellen Machart.

Und die Machart ist nun wirklich mehr als nur professionell, jeder der Protagonisten hat - ähnlich Leones Italowesternvehikeln - eine ultimative Einführung, die die Person definiert und seinen Platz in der Story. Hinzu ist jegliche Inszenierung der Figuren geradezu ikonisiert und übertrieben bis zum geht-nicht-mehr, wenn nur anhand der Augen oder Lippen in Großaufnahme eine Person eingeführt wird. Oder wenn Kajol nach gefühlt 50 Minuten erstmals ins Bild kommt, dann weiss man sofort, dass der Familienfriede sehr bald vorbei sein wird, aber gleichzeitig weiss man, dass sie kein Bösewicht ist.

Auch muss festgehalten werden, dass die musikalischen Tanzeinlagen etwas haben, was dne meisten Musicals - sei es westlich oder Bollywood . einfach mal fehlt: Sie haben tatsächlich einen Belang für die Handlung, hier werden in minutenlangen ineinander übergehenden teilhandlungssträngen in eine Musicalnummer sowohl Wünsche, Träume, Sehnsüchte, Ängste und tatsächliche Handlung vermengt und sie gleiten so dermassen ineinander über, dass man zum einen immer weiss, was real ist, was nicht, zum anderen aber auch immer genau versteht, was wer warum wie denkt, egal ob man den Film kennt oder nicht. Ganz ehrlich, das ist ganz große Kunst, und egal ob man Musicals mag oder nicht, ob man Bollywood mag oder nicht, das ist inszenatorisch und inhaltlich überragend in Szene gesetzt und auch konzipiert.

Wenn die Mutter am Ende eines tanzes nach draussen rennt, dann hat das eine emotionale Komponente wie eine Faust in die Magengrube, denn erstens wurde dies zu dem zeitpunkt schon quasi 3 Stunden vorbereitet und zum anderen ist die Szene auch einfach extrem verdient in Szene gesetzt.

Hinzu kommt, dass der Film trotz allem einfach auch mal extrem überragend in Szene gesetzt ist, im Grunde kann man nach 2,5 Stunden einsteigen und weiss innerhalb von drei Minuten worum es geht. Was wie Spott klingen konnte, ist im Grunde genommen ein höchstmöglicher Lob, denn der Film ist einfach mal sowas von zugänglich und immer offen, dass es fast eine Offenbarung ist.

A propos offen, der Film wurde immer wieder als typisch Bollywood naiv tituliert und besprochen als er frisch in Europa rauskam. Nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein. Er ist purer Eskapismus, das hat nichts mit Naivität zu tun, und alleine so eine Aussage zu tätigen, grenzt schon an Arroganz. Wenn beispielsweise die Mutter bei einem Schulfest in London (!) von ihrem Sohn die indische Nationalhymne auf der Bühne geträllert bekommt und alle (auch die Briten) plötzlich aufstehen und sich ans Herz greifen, dann sieht es auf den ersten Blick naiv und billig, ja sogar anmassend an, aber auf der anderen Seite werden hier die Sehnsüchte einer Mutter bedient und vor allem wird auch eine Völkerverständigung jenseits von Politik und Missgunst propagiert, wo es nur darum geht, dass jeder Anwesende weiss, dass hier eine Mutter angesprochen wird. Das hat, wie man sehen kann, mehrere Ebenen, die bedient werden, aber keiner davon ist die Naivität.

Zu diesem Eskapismus-Effekt gehört natürlich auch, dass die Handlung um stinkreiche Leute geht, die keinerlei Geldsorgen haben, sie haben alle andere Sorgen, aber wie es sich für einen katharsischen Film nun mal gehört müssen alle erstmal Stunden und wochenlang weinen und sich reinigen um endlich friedevoll wiedergeboren zu werden.

Da braucht es auch keines Bösewichtes, wenn das Schicksal derjenige ist, der besiet werden muss.

Dieser Film ist bei Leibe nicht mein Lieblingsbollywoodfilm dieser Machart, dafür bietet er einfach auch zu wenig Story, aber er ist ganz klar von seiner Machart her der beste, den ich kenne, der zudem unterschwellig eben auch noch die richtigen Messages ans Volk bringt (nicht vergessen richtige Message ans Zielvolk, nicht dich, der du das gerade lesen magst).

Überbordend, positiv, und ein extremer Anschauungsunterricht, wie man was inszeniert, das sind die Markenzeichen dieses Bollywoodkintopp in Perfektion. Ich bin der Meinung und der Überzeugung, dass jeder der sich anschickt Filmemacher werden zu wollen, diesen Film im Unterricht durchgenommen haben muss.

10 Punkte, und zwar eben weil er so gut ist, und nicht etwa nur weil ich ihn so übermässig toll finde

Sometimes Happy, Sometimes Sad Bewertung
Bewertung des Films
1010
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MobyDick : : Moviejones-Fan
25.05.2021 14:26 Uhr
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Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 6.341 | Reviews: 164 | Hüte: 494

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