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Steve Jobs

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Steve Jobs Kritik

Steve Jobs Kritik

Steve Jobs Kritik
0 Kommentare - 02.08.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Steve Jobs" ist.
Steve Jobs

Bewertung: 3.5 / 5

Hinter den Kulissen dreier großer Produktpräsentationen muss Steve Jobs (Michael Fassbender) mit allerlei Schwierigkeiten klarkommen. So möchte der ebenso Apple-Gründer Steve Wozniak (Seth Rogen), daß Jobs das Apple II-Team würdigt. Außerdem setzt ihn die Marketing-Chefin Joanna Hoffman (Kate Winslet) unter Druck, freundlicher zu sein. Auch mit Apple-CEO John Sculley (Jeff Daniels) liefert er sich einen Machtkampf um Apple, während auch sein Privatleben Einfluss auf das Treiben nimmt. Und so weigert sich Jobs, die gemeinsame Tochter Lisa (Makenzie Moss) mit seiner Ex-Freundin Chrisann Brenna (Katherine Waterson) anzuerkennen.

Für Steve Jobs bietet sich eine These an, die vielleicht vielen Menschen nicht schmecken dürfte und dennoch eine sehr wichtige Debatte für die Filmwelt bedeutet, weil gerade das Genre der Biographie eines ist, was gerne von Filmpreisen in jedweder Form berücksichtigt würde. Haben Filmbiographien überhaupt eine Daseinsberechtigung? Sicherlich, gibt es Ausnahmen, wenn man etwa an Ed Wood (1994) denkt, oder auch an The Wolf of Wall Street (2013). Denn gerade diese Werke spielen tatsächlich noch mit dem Medium-Film. Da gibt es visuelle Ideen oder auch eine thematische Festlegung. Häufig sind Biographien das Abfilmen eines Wikipediaartikels und auch wenn Steve Jobs als Person sicherlich interessant war, so bietet dieser Film eigentlich übergeordnet kaum eine Erkenntnis. Das mag hier sehr strebsam anmuten, weil es da durchaus Facetten einer Person gibt, die nicht so geläufig in den Alltag und in die Mundpropaganda der Masse übergangenen ist. Auf der anderen Seite wundert das niemanden, der so ein Gespür für Menschen in Machtpositionen hat. Ebenso hat Drehbuchautor Aaron Sorkin kaum ein Interesse daran, seine Figuren als Menschen zu zeichnen. Nun muss das ein Film nicht. Doch wann immer hier Gefühle aufeinanderprallen, wirkt das sehr unscheinbar und wie aus einem Werbefilm. Die allgemeine Ästhetik lässt vermuten, man befände sich in einer Dokumentation und so ganz abstreiten lässt sich dieser Gedanke nicht. Auch daß die Geschichte gegen Ende eine eher versöhnliche Note zum Charakter findet, lässt einen daran zweifeln, ob das vorangegangene von nun an noch zählt.

Trailer zu Steve Jobs

Der Personenkult um Steve Jobs und der Produktkult um Apple hat auch Jahre nach dessen Ableben keinen Abbruch genommen. Noch immer erinnert man sich an diesen wie ein Musterschüler auftretenden Exzentriker, der ähnlich wie ein Walt Disney gut daran getan hat, seine Produkte genauso zu vermarkten, wie er sich vermarktet hat. Allerdings bekommt dieses Bild logisch weise Risse, weil auch großer Erfolg, wie ihn ein Steve Jobs hatte, immer große Hürden mit sich bringt. Wann immer diese Person auftritt, hat man eigentlich das Gefühl, keinen echten Menschen zu sehen. Fassbinder spielt seine Figur so verkopft und mit dem Blick auf Vermarktung, daß man mitunter daran zweifelt, daß Jobs ein richtiger Mensch war. Seine Mitarbeiter behandelt er wie Dreck, Lob wird nicht als Lob ausgesprochen, seine Familie wird verstoßen und eigentlich vermittelt die Figur das Gefühl, schon lange von dem Erfolg vereinnahmt worden zu sein. Er sagt es selber im Film, daß er die Zukunft und die Menschheit beeinflusst. Doch da liegt nichts philanthropisches in seinen Worten und er will auch gar nicht, daß es allen Menschen gut geht. Allerdings ist Jobs auch nicht daran interessiert, Erfolg, um des Erfolges willen zu haben. Es bleibt offen, was die Figur eigentlich will und dennoch ist das kein Zufall oder ein Fehler des Konzeptes hinter dem Drehbuch von Sorkin. Viel eher soll die Figur gar nicht den Anschein erwecken, als wüsste sie, was sie tut. Sie wird vom Leben getrieben und macht halt das, was sie tut, um das zu tun. Einen Sinn muss das nicht haben und natürlich steht das auch Sinnbildlich für den Kapitalismus.

Und Jobs war sicherlich ein Kapitalist. Dabei schwingt der Film ganz leise Töne. Es ist eben nicht wie bei Scorsese, wo Menschen ganz offen von ihren Bedürfnissen verschluckt werden und es nur noch den freien Fall gibt. Danny Boyle ist hier sehr analytisch und beobachtend, während ein Michael Fassbender ganz ruhige und scheinbar besonnene Dialoge von sich gibt, die auch die Figur im positiven Sinne mystifizieren. Ohnehin ist Fassbenders Spiel atemberaubend, weil er eben durch diese Charakterisierung, aber auch seine gekonnte Zurückhaltung viel Raum für Interpretationen lässt. Und das, obwohl die Figur vom Drehbuch sehr eindeutig dargestellt wird. Dazu gesellen sich aber noch ganz andere Philosophien und ein Cast, der seinesgleichen sucht. Während Seth Rogen hier ein weiteres Mal beweist, daß ihn ihm nicht nur ein dümmlicher Kiffer steckt, sind es vor allem die Damen, die hier die emotional stärksten Parts bekommen. Wenngleich es natürlich ein wenig stereotyp anmutet, gewinnt Kate Winselt in ihrer Rolle voll und ganz. Und das liegt daran, dass sie sich sehr stark zurückhalten und dennoch immer wieder von dieser Figur abverlangt, sich zu wandeln. Den wohl stärksten Kontrast stellt dabei der Umgang von Steve Jobs mit Familie und Belegschaft und seinem Erfolg dar. Immer wieder offenbart der Film, dass Jobs seine eigene Tochter nicht anerkennt. Warum dem so ist, erfährt man nicht und ehrlich gesagt ist es auch nicht wichtig. Ähnlich verhält es sich auch mit den Mitarbeitern an einem Vorgängerprodukt, die auf Drängen von Steve Wozniak doch bitte bei einer Präsentation gewürdigt werden sollen. Natürlich wäre es leicht, Jobs hier als bloßes Ekelpaket stehenzulassen. Doch der Film lässt da auch andere Interpretationen zu, die wesentlich komplexer sind, als diese. So ist es durchaus möglich, daß dort auch eine Angst liegt, daß sich andere nur an seiner Arbeit und seinem Ruhm bereichern wollen. Ausgesprochenen wird auch das nie und dennoch lässt der Film dafür Raum.

Es ist ganz erfrischend, daß der Film als ganz klarer Dreiakter mit einem ganz simplen Aufbau konzipiert ist. Drei Fixpunkte in der Karriere von Jobs, drei große Messen und immer wieder passiert etwas zwischen Tür und Angel. Das hat natürlich den Vorteil, daß der Film somit nicht einfach nur Fakten abfilmt und gleichsam liegt da auch eine unglaubliche Dynamik im Film. So passieren Dinge immer sehr hektisch. Daß der Film dabei seinen Großteil hinter einem wortwörtlichen Vorhang stattfindet, zeigt, was für eine unglaubliche Metapher da zu sehen ist. Denn der Mensch hat keinerlei Interesse an dem Privatleben der Zielperson des Personenkultes. Es wird eben erst dann wichtig, wenn man eine Ungereimtheit entdecken will. Gleichsam ist das natürlich auch wieder eine klassische Allegorie auf Schauspieler im Allgemeinen und auf Firmenpolitik großer Studios. Es ist also immer wichtig, den Schein zu wahren. Ohnehin inszeniert sich Jobs selber als großer Star. Da sind Lichter wichtig und man bekommt auch hier den Eindruck, als könnten es genauso gut ein Jeff Bezos oder ein Elon Musk sein, die sich hier als große Macher präsentieren. Daß Jobs selber kaum an den eigentlichen Produkten beteiligt ist und mehr als Vermarkter fungierte, kann man an der Stelle wohl kaum verifizieren. Allerdings geht so die Parabel auf und es entsteht noch mehr das Bild eines Mannes, von dem man sich lieber ferngehalten hätte.

Vielleicht ist Steve Jobs in einigen Momenten zu unaufgeregt und analytisch für einen großen Film. Das ist klare Geschmacksfrage. Was allerdings keine Geschmacksfrage ist, ist, daß es keine neue Erkenntnis bietet, einen solchen Film zu machen. Das mag schauspielerisch grandios sind und der Cast ist eine Augenweide. Und auch das Festlegen auf ganz bestimmte Zeitpunkte im Leben dieser Person und das Unterfüttern durch das pure Chaos machen den Film zu einer kurzweiligen und relativ anderen Erfahrung.

Steve Jobs Bewertung
Bewertung des Films
710

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