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Stranger Things

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Staffel 3: Mangelnde Frischzellenkur

Stranger Things Review

Stranger Things Review
5 Kommentare - 17.07.2019 von luhp92
In dieser Userreview verrät euch luhp92, wie gut "Stranger Things" ist.
Stranger Things

Bewertung: 2 / 5

Nachdem sich Staffel 2 bereits als größer angelegtes Quasi-Remake von Staffel 1 entpuppte, hätte "Stranger Things" in Staffel 3 dringend eine inhaltliche Frischzellenkur nötig gehabt. Das ist leider nicht eingetreten.

Böse Wissenschaftler öffnen einen Dimensionsspalt, ein Monster tritt über, Will wird befallen und Hopper, Joyce, die Teenager und insbesondere Eleven müssen die Wissenschaftler und die Monster aufhalten. Zwar in abgewandelter Form, aber das hat man eben bereits zweimal gesehen. Zudem fehlt der Staffel im Bezug auf den Mystery- und Monster-Plot die Dringlichkeit und das gewisse Etwas, bis zur fünften Episode bleibt es auf dem Niveau einer Exposition, erst ab Episode 6 nehmen Plot und Spannung Fahrt auf. Mit der achten Episode erhält die Staffel schließlich ein gutes und emotionales Finale, welches auch perfekt als Serienfinale hätte dienen können. Beziehungsweise hätte besser dienen sollen, dann wäre Hoppers Tod oder Verschwinden vielleicht endgültiger ausgefallen und hätte eine noch emotionalere Wirkung gehabt.

Trailer zu Stranger Things

So fällt Hoppers Nicht-Tod an sich überdeutlich aus. Im Gegensatz zu den Russen wird nicht gezeigt, wie Hoppers Körper zerfetzt wird, die Kamera hält nochmal lange auf den sich langsam schließenden Dimensionsspalt und in der Post-Credit-Szene in Russland ist dann noch von einem gefangenen US-Amerikaner die Rede.

Die mangelnde Dringlingkeit führe ich unter Anderem darauf zurück, dass die Staffel teilweise zu viel Zeit verschwendet und die verschiedenen Handlungsstränge nicht gut aufeinander abgestimmt sind. Einerseits die Erwachsenen und die Russen, andererseits die Teenager und die Russen, einen der Handlungsstränge hätte man im Prinzip auch weglassen können, das Endergebnis wäre das Gleiche gewesen. Und dann speziell der Hopper-Joyce-Plot... Erst müssen sie sich mit dem Terminator-Russen auseinandersetzen, die Rekreierung der "Terminator"-Szenen sollen klar eine Hommage sein, erwecken aber viel mehr den Eindruck einer trashigen Parodie. Danach folgt dann der "humoristische" Part mit dem Russen Alexei, der kein Englisch kann, der Wanderung durch den Wald und mit dem paranoiden Weirdo Murray, der Angst vor Russen hat. Das alles führt nirgendwo hin, warum kann der Russe eigentlich kein Englisch? Wenn ich undercover im Feindesgebiet arbeite, sollte das doch Grundvoraussetzung sein. Episode 6 hatte seine speziellen fünf Minuten aufgrund dieses dämlichen Kirsch-Shakes... Inhaltlich ohne Mehrwert, manche mögen das durchaus witzig finden, meinen Humor trifft es aber nicht.

Als Murray in der siebsten Episode Joyce und Hopper über deren Gefühle füreinander aufklärte und sich danach mit Alexei den Arsch ablachte, weil Joyce und Hopper kindisch drumherum tanzen, obwohl es offentlich ist, das fand ich schon ziemlich witzig. Dramaturgisch toll auch, dass Murray nun seine Angst und Vorurteile gegenüber Russen wie Alexei abbauen konnte - und dafür prompt mit einem Schlag in die Magengrube bezahlt. Der Tod von Alexei.

Die ersten drei Episoden sind geprägt von merkwürdigen, unpassenden Charakterwandeln und übertriebenen Überzeichnungen, "Stranger Things" verkommt hier zu einer unfreiwilligen - aber immens komischen - Selbstparodie.

Jim Hopper fällt dabei am Denkwürdigsten aus. Ein grummelnder, weinerlicher, selbstgerechter und cholerischer Vater, der seine Tochter Eleven vor dem bösen Geknutsche mit ihrem Freund Mike beschützen möchte (den er schon dessen ganzes Leben lang kennt), dabei kein Klischee dieser Figurentrope auslässt und Mike gegen Ende der ersten Episode einen haarsträubenden Vortrag hält. In der zweiten Episode frisst er grinsend sein Müsli, weil Eleven wegen Mikes Verhalten verwirrt und verletzt ist und singt danach im Auto "Don´t mess around with Jim" :D Bemerkenswert ist ebenfalls die Tatsache, dass Hopper zu Beginn der ersten Episode im Sessel sitzend so inszeniert wird, als sei er der Antagonist in einem B-Movie-Slasher.

Steve Harrington hat sich vom Frauenschwarm zu einem sozial unbeholfenen Freak gewandelt, der nicht mit Frauen reden kann, woraus sich dann allerdings eine sympathische und ruhig aufgebaute Beziehung zwischen Steve und Robin entwickelt, diese Beziehung gefällt mir innerhalb der Staffel am Besten. Am Ende kommen Steve und Robin wider Erwarten leider nicht zusammen, weil sich Robin als lesbisch outet, aber hey, damit müssen auch Heteros lernen umzugehen. Homosexuellen geschieht das weitaus häufiger^^

Das hier jemand zufällig die Coming-of-Age-Serie "Everything Sucks!" gesehen? <3
Weezer - Pink Triangle

Nancy Wheelers sexistische Arbeitskollegen verhalten sich so offensichtlich und überzeichnet sexistisch, dass es einfach nur albern wirkt. Der Sexismus-Subplot ist auch tatsächlich nur auf Nancy zugeschnitten, von den anderen Frauen, die bei der Hawkins Post arbeiten, und wie mit diesen umgegangen wird, sieht man nämlich überhaupt nichts. Da hätten die Duffer-Brüder einen komplexeren und strukturelleren Konflikt schreiben können, wenn sie gewollt hätten.

In Episode 5 erhält der Sexismus-Subplot aber doch noch Substanz und Tiefe, dafür müssen nichtmal die Aktionen der sexistischen Männer gezeigt werden, das Wissen um deren Existenz reicht schon aus. Nancy wird gefeuert, weil sie sich über die Anweisungen ihres Chefs hinweggesetzt hat und sich ihre Story anscheinend als heiße Luft herausstellt, deswegen befindet sie sich nun in einem inneren Zwiespalt. Verfolgt sie die Story weiter, öffnet sie sich und macht sich angreifbar, lässt sie es bleiben, ist sie zwar auf der sicheren Seite, bestätigt gleichzeitig aber das Bild als dumme und inkompetente Frau, welches die Männer von ihr haben. Nach einem aufbauenden Gespräch mit ihrer Mutter Karen über das harte Leben, eine missgönnende Gesellschaft sowie den Lohn des Aufstehens und Kämpfens entschließt sich Nancy für Ersteres. Ein bedeutungsschweres Gespräch, da sich Karen Wheeler in den Episoden zuvor gegen eine Affäre mit Billy und für ihre Familie entschieden hat. Nun ist sie für ihre Tochter Nancy da. Solche Charaktermomente sind es, für die ich "Stranger Things" liebe und für die ich die Serie trotz diverser Schwächen in den Fortsetzungsstaffeln bis zum Ende weiterschauen werde.

Toll fand ich auch die Mall-Szene in Episode 2 mit Eleven und Max, einfach mal unbefangen und ungezwungen Spaß haben und Quatsch machen. Bemerkenswert und interessant, dass "Stranger Things" als 80er-Retroserie mit dem Episodentitel "The Mall Rats" auf Kevin Smiths 90er-Film "Mallrats" anspielen könnte.

Will Byers ist für mich der interessanteste und spannendste Charakter der Staffel. Zu Beginn möchte er einfach nur eine Partie Dungeons and Dragons spielen, während sich Mike, Lucas und Dustin nur um ihre Freudinnen scheren. Egal, ob er nun homosexuell, asexuell oder ein pubertärer Late Bloomer ist oder ob er aufgrund seiner Erlebnisse im Upside Down an psychisch-traumatischen Störungen leidet, die ihn in der Kindheit festhalten, Will kann einem hier nur leid tun. Sein innerer Konflikt bezogen auf die Angst, seine Freunde an deren Freundinnen zu verlieren sowie erwachsen zu werden, wird in Episode 3 weiter vorangetrieben und entlädt sich erstmals in einem heftigen Streit mit Mike und Lucas. Dies und sein emotionaler Zusammenbruch inklusive der Zerstörung von Byers Castle gingen mir schon sehr nahe. Als Teenager hatte ich ebenfalls Angst davor, dass ich von meinen Freunden abgehängt werden könnte und sie dann nur noch Zeit für ihre Partnerinnen hätten, ich kann mich da also sehr gut mit Will identifizieren.

Fazit: Wie ich schon geschrieben habe, für die Charaktermomente liebe ich "Stranger Things" und werde die Serie deshalb trotz diverser Schwächen in den Fortsetzungsstaffeln bis zum Ende weiterschauen. Auch für die Schauspieler, insbesondere wegen der großartigen Winona Ryder als sympathische, liebenswürdige und verspielte Joyce Byers. Große Hoffnungen auf eine qualitativ hochwertige Staffel 4 hege ich zwar nicht (mehr), aber die Post-Credit-Szene deutet zumindest schonmal auf ein neues Setting in Russland hin. Also heißt es mal wieder: Abwarten.

Stranger Things Bewertung
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5 Kommentare
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
19.07.2019 21:31 Uhr | Editiert am 19.07.2019 - 21:36 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 11.889 | Reviews: 176 | Hüte: 391

@MobyDick

Danke smile
"ST - Staffel 3" (4,5) und "TMITHC - Staffel 3" (6,5) trennen effektiv nur zwei Punkte tongue-out
Ansonsten kann ich mich da nur wiederholen. Letztere Staffel führt TMITHC für mich sinnvoll weiter, erstere Staffel erzählt für ST-Verhältnisse zum Großteil mehr vom Selben. Darüber konnte ich in Staffel 2 noch hinwegsehen, in Staffel 3 aber nicht mehr.


@eli4s

"Auch empfand ich diese "Monster" Mindflayer viel spannender als "metaphysische" Bedrohung, als Versinnbildlichung, als etwas nicht greifbares."

Das findet sich ja zum Glück noch in der Charakterisierung von Will wieder.

"Und nicht als dieser Haufen aus Blut und Gedärmen..."

Ich habe den Eindruck, dass die Duffer-Brüder hier eine Body-Horror-Reminiszenz ("The Blob", "The Fly", "The Thing") erschaffen wollten. Inhaltlich führte das meinem Empfinden nach aber nirgendwo hin.

"Was ich mich frage, warum holen sich die Leute eigentlich nie mal etwas früher Hilfe?"

Wie das in Coming-of-Age-Mysteryabenteuern halt so ist^^ Hopper und Joyce schalteten das US-Militär allerdings sofort ein, nachdem sie bemerkten, wie ernst die Lage ist.

"Die Selbstparodie hat mich da noch am wenigsten gestört, ganz im Gegenteil."

Hopper in den ersten beiden Episoden, der Sexismus-Subplot in den ersten drei Episoden und der Terminator-Russe verfügen schon über hervorragendes, humoristisches Potential. Ich musste schon viel lachen, aber das geschieht ja unfreiwillig und ist von der Staffel nicht beabsichtigt, dahingehend sehe ich das nicht als Qualitätsmerkmal an.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

Avatar
eli4s : : Moviejones-Fan
19.07.2019 17:17 Uhr
0
Dabei seit: 22.02.12 | Posts: 2.054 | Reviews: 33 | Hüte: 52

@luhp92

ich habe mir die 3. Staffel gerade in aller Kürze reingezogen und bin in großen Teilen ganz deiner Ansicht.

Es ist mehr vom selben und wiederholt sich leider. Alles rund um die bösen Kreaturen und die andere Dimension, sterbenslangweilig. Letztlich muss Eleven dann wieder (meistens) den Tag retten, wie üblich mit ihren Superkräften, die hier mehr denn je übermäßig eingesetzt werden auch als "Plotdevice".
Auch empfand ich diese "Monster" Mindflayer?!?! oder wie immer er auch heißen mag.. viel spannender als "metaphysische" Bedrohung, als Versinnbildlichung, als etwas nicht greifbares. Und nicht als dieser Haufen aus Blut und Gedärmen...

Was ich mich frage, warum holen sich die Leute eigentlich nie mal etwas früher Hilfe?

Auf der positiven Seite sehe ich auch die Figuren, die zwar allesamt Karikaturen sind, aber die persönlichen Verwicklungen machen schon Spaß. Das ganze ist ja ohnehin angelegt, um den ganzen 80er Kram augenzwinkernd wieder aufleben zu lassen und ist so unglaublich artifiziell. Die Selbstparodie, wie du es nennst, hat mich da noch am wenigsten gestört, ganz im Gegenteil. Das war vielmehr das, was mich bei der Stange gehalten hat, weil mich der Russen/Monster Plot weitestgehend gelangweilt hat.
Am besten fand ich auch El & Max, sowie Steve & Robin.

Würde ich sicher auch nicht nochmal anschauen...

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MobyDick : : Moviejones-Fan
19.07.2019 13:59 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 4.682 | Reviews: 71 | Hüte: 308

luhp:

Gutes Auseinanderpflücken quasi sämtlicher problematischer Zonen :-)

Aber unabhängig davon halte ich deine Bewertung für etwas zu hart. Vor allem wenn man bedenkt wie gnädig du mit der 3. Staffel von Man in the High umgegangen bist wink

Dünyayi Kurtaran Adam
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
18.07.2019 17:07 Uhr | Editiert am 18.07.2019 - 17:08 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 11.889 | Reviews: 176 | Hüte: 391

@Duck-Anch-Amun

Wäre die dritte Staffel die zweite Staffel gewesen, hätte ich wohl auch 1-2 Punkte mehr gegeben, genau genommen ist es auch eine 4,5/10. Du warst da wahrscheinlich einfach begeisterungsfähiger^^ Mir persönlich hätte ja schon Staffel 1 gereicht.

Zu Will: Er wird nicht befallen, er bleibt aber - neben Eleven - der Dreh- und Angelpunkt des Monsterplots. Ein spontaner Vergleich: Will und Eleven haben als Einheit viel von Bran, der Mind Flayer ist dann der Night King^^

Zur Wiederzusammenführung der Clique, Will als antreibender Charakter und zum Shining. Gut beobachtet, das ist mir so gar nicht aufgefallen.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

Avatar
Duck-Anch-Amun : : Moviejones-Fan
18.07.2019 15:40 Uhr | Editiert am 18.07.2019 - 15:40 Uhr
0
Dabei seit: 15.04.13 | Posts: 7.235 | Reviews: 38 | Hüte: 433

Auch wenn wir bereits alles ausdiskutiert hatte, wollte ich aber noch einen Kommentar hinterlassen. So gesehen sehen wir es ja gleich, wobei ich deutlich wohlwollender mit der Staffel bin. Aber wir sind uns einig: irgendwas muss nun in Staffel 4 anders werden.

btw: Will wird nicht befallen, er spürt nur die Präsenz und wirkt damit fast als besäße er das Shining. Zudem fand ich, dass er nach seinem Wutausbruch ne Wandlung durchmachte, weg vom weinerlichen Jungen, hin zum Typen, der den Fall klären will. Liegt auch Nahe, denn ausgerechnet das Ding was ihn und seine Freunde damals entzweite, sorgt nun dafür, dass die Clique wieder zusammenkommt. Mehr noch, durch sein "Shining" wird er sogar wichtiger als zuvor und fühlt sich nicht mehr als das fünfte Rad am Wagen.

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