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James Bond Reboot

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Was macht James Bond Persönlichkeit aus?

Die Suche nach dem neuen "Bond": Die wichtigste Frage wird gar nicht gestellt

Die Suche nach dem neuen "Bond": Die wichtigste Frage wird gar nicht gestellt
0 Kommentare - So, 28.06.2026 von MJ-GPJ
Die Nachricht, dass Amazon MGM und Regisseur Denis Villeneuve die nächste Castingrunde für den neuen James Bond vorbereiten, hat eine Debatte neu entfacht, die mittlerweile fast so alt ist wie das Franchise selbst. Wer soll der nächste 007 werden?
Die Suche nach dem neuen "Bond": Die wichtigste Frage wird gar nicht gestellt

Wer soll der nächste 007 werden? Welche Hautfarbe soll Bond haben? Welche Herkunft? Welches Alter? Es sind diese Fragen, die regelmäßig Schlagzeilen produzieren. Gleichzeitig verdecken sie eine viel interessantere Diskussion. Die entscheidende Frage lautet, wer James Bond eigentlich ist.

Das mag zunächst banal klingen. Tatsächlich berührt es jedoch einen der Gründe, warum die Figur seit mehr als sechs Jahrzehnten überlebt hat. Denn Bond war nie einfach nur ein Geheimagent. Er war eine Fantasiefigur, die Eigenschaften verkörperte, die Menschen gleichermaßen faszinieren und irritieren. Viele dieser Merkmale überschneiden sich mit dem, was in der Forschung als subklinische Psychopathie beschrieben wird

Der Begriff ist missverständlich und wird im Alltag meist mit Serienmördern oder Gewaltverbrechern verbunden. In der Persönlichkeitspsychologie beschreibt er zunächst lediglich bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, die auch bei sozial erfolgreichen und funktionalen Menschen auftreten können.

Zu diesen Merkmalen gehören unter anderem:

  • außergewöhnliche Furchtlosigkeit
  • geringe Angstreaktionen
  • großartiges Selbstwertgefühl
  • emotionale Distanz
  • hohe Risikobereitschaft
  • Dominanz
  • Charme und soziale Gewandtheit
  • Manipulationsfähigkeit
  • Bedürfnis nach Stimulation und Abenteuer
  • Promiskuitives Verhalten
  • mangelnde Anerkennung gesellschaftlicher Grenzen
  • geringe Neigung zu Schuld- und Reuegefühlen

Viele dieser Eigenschaften finden sich seit Jahrzehnten im Kern der Bond-Figur wieder. Die Forschung des kanadischen Psychologen Robert Hare, dessen Psychopathy Checklist bis heute das bekannteste Instrument zur Erfassung psychopathischer Merkmale darstellt, beschreibt erstaunlich viele Charakterzüge, die man auch bei James Bond beobachten kann. Oberflächlicher Charme, Manipulationsfähigkeit, geringe Angst, Risikofreude und emotionale Distanz gehören zu den Merkmalen, die Bond seit den Romanen von Ian Fleming begleiten. Hier ein Beispiel aus James Bond - Feuerball:

Genau hier liegt auch der Unterschied zwischen James Bond und den meisten anderen Actionhelden. Figuren wie Ethan Hunt aus der Mission: Impossible -Reihe, John Wick, Jason Bourne aus der Die Bourne Identität-Reihe oder sogar John McClane aus Stirb langsam gewinnen die Sympathie des Publikums häufig durch ihre Verletzlichkeit. Sie leiden, zweifeln, scheitern, werden traumatisiert oder kämpfen sichtbar mit ihren Entscheidungen.

Hinzu kommt ein weiteres Merkmal, das oft übersehen wird: Bonds Verhältnis zu Regeln. Obwohl er für den britischen Geheimdienst arbeitet, hält er sich erstaunlich selten an dessen Vorgaben. Befehle werden ignoriert, Protokolle umgangen und Risiken eigenmächtig eingegangen, sobald Bond überzeugt ist, dass sein Weg der richtige ist. Seine Loyalität gilt meist weniger den Regeln als dem Ergebnis. Bond verkörpert die Fantasie, dass außergewöhnliche Menschen außergewöhnliche Freiheiten besitzen. Er darf Grenzen überschreiten, weil er erfolgreich ist. Auch diese Mischung aus Kompetenz, Selbstvertrauen und Regelbruch gehört seit Jahrzehnten zum Kern der Figur.

Während andere Figuren durch Traumata verändert werden, zeigt Bond eine fast übermenschliche emotionale Widerstandsfähigkeit. Er wird gefoltert, angeschossen, verraten und mehrfach beinahe getötet und reagiert oft mit Sarkasmus oder einem lakonischen Witz. Die berühmte Folterszene in Casino Royale ist dafür ein perfektes Beispiel: Während Bond schwer misshandelt wird, verspottet er seinen Peiniger noch. Aus psychologischer Sicht signalisiert das eine außergewöhnliche Distanz zu Schmerz, Angst und Demütigung.

Natürlich bedeutet das nicht, dass James Bond ein Psychopath im klassischen Sinn wäre. Bond verfolgt ein moralisches Ziel. Er arbeitet für eine Organisation, die er als legitim betrachtet. Er bekämpft Menschen, die meist deutlich gefährlicher sind als er selbst. Genau darin liegt die Ambivalenz der Figur. Die Eigenschaften, die Bond erfolgreich machen, sind moralisch nicht automatisch gut. Furchtlosigkeit, emotionale Distanz, Manipulationsfähigkeit und geringe Schuldgefühle können einen Menschen zu einem außergewöhnlichen Agenten machen. Dieselben Eigenschaften können aber auch bei Kriminellen, Diktatoren oder Betrügern auftreten. Bond funktioniert als Held weil diese Persönlichkeit in den Dienst einer als legitim dargestellten Sache gestellt wird.

Dennoch lebt die Figur von einer Eigenschaftskombination, die im Alltag oft problematisch wäre. Der klassische Bond manipuliert Menschen, ohne lange darüber nachzudenken. Er nutzt Beziehungen strategisch. Er geht Risiken ein, die jeder Sicherheitsbeauftragte sofort untersagen würde. Vor allem aber zweifelt er kaum.

Wenn Bond tötet, tut er dies ohne lange Gewissenskonflikte. Wenn eine Mission Menschenleben kostet, setzt er sie fort. Wenn Beziehungen scheitern, blickt er selten zurück. Diese emotionale Kälte war kein Versehen der Autoren. Sie gehörte über Jahrzehnte zu den prägenden Eigenschaften der Figur und unterschied Bond von vielen anderen Helden des Kinos.

Gerade deshalb wirkt es verkürzt, die Figur ausschließlich als Produkt der gesellschaftlichen Verhältnisse der 1960er Jahre zu betrachten. Sicher spiegelten die frühen Filme viele damalige Vorstellungen über Geschlechterrollen und Männlichkeit wider. Doch wäre Bond lediglich ein Spiegel seiner Zeit gewesen, hätte die Figur die Zeit nicht überdauert.

Der Grund liegt vermutlich darin, dass Bond etwas verkörpert, das weit über historische Modeerscheinungen hinausgeht. Er steht für Eigenschaften, die Menschen in Krisen bewundern: Handlungsfähigkeit, Mut, Belastbarkeit und Kontrolle. Gleichzeitig ein makelloses Auftreten und die Fähigkeit, jeden Mann und jede Frau mit manipulativem Charme zu beindrucken.

Bindugsfähigkeit und emotionale Nähe zu den Bond Girls

Die berühmten Bond-Girls zeigen auch etwas Grundsätzliches über Bonds Persönlichkeit. Während viele Helden durch Beziehungen menschlicher werden, bleiben Beziehungen für Bond häufig austauschbar und vergänglich. Seine Loyalität fast immer der Mission, nicht den einzelnen Frauen. Gerade diese Bindungsdistanz gehört zu den Eigenschaften, die ihn faszinierend, aber auch psychologisch ambivalent machen.

Interessanterweise hat die Filmreihe diesen Kern im Laufe der Zeit verändert. Vor allem die Daniel-Craig-Ära markierte einen deutlichen Bruch mit der Tradition. Bereits in Casino Royale begann die Reihe, Bond stärker als verletzlichen Menschen zu zeigen. Craig spielte spätestens ab Skyfall einen Bond, der verletzlicher war als seine Vorgänger. Einen Bond, der trauerte, Bindungen einging, Verluste verarbeitete und Gefühle zeigte.

Das machte die Figur komplexer und menschlicher. Viele Zuschauer empfanden genau das als Fortschritt. Psychologisch betrachtet entfernte sich der späte Craig-Bond damit allerdings von seinem Charakter. Der klassische Bond faszinierte gerade deshalb, weil er Eigenschaften besaß, die normale Menschen nicht besitzen. Er war eine überzeichnete Fantasie von Furchtlosigkeit, Kontrolle und Entschlossenheit. Deshalb greift auch die häufige Gegenüberstellung von "woke“ und "nicht woke“ zu kurz. Die Frage, welche Eigenschaften für James Bond unverzichtbar sind, hat eigentlich gar nichts mit den heutigen Kulturkämpfen zu tun. Sie ist zunächst eine Frage der Figurenpsychologie.

Welcher Regisseur wäre der beste Bond-Regisseur?

Deshalb wäre Christopher Nolan eine hervorragende Wahl für einen Bond-Film gewesen, weil seine Figuren häufig Eigenschaften verkörpern, die auch den klassischen James Bond auszeichnen. Seine Helden sind selten nahbar oder besonders warmherzig. Sie sind kontrolliert, zielorientiert, belastbar, eher kalt und bereit, persönliche Beziehungen einer größeren Mission unterzuordnen. Ob Leonard Shelby in Memento , Robert Angier in Prestige - Die Meister der Magie, Cobb in Inception oder Bruce Wayne in der The Dark Knight-Trilogie, Nolan interessiert sich auffallend oft für Menschen, die durch Disziplin und emotionale Kontrolle außergewöhnliche Leistungen vollbringen. Die daran aber gleichzeitig auch Schaden nehmen, für sich und die ihnen nahestehenden Personen.

Doch auch Denis Villeneuve bringt viele Voraussetzungen für einen klassischen Bond mit. Seine Protagonisten sind selten lockere Sympathieträger. Stattdessen interessieren ihn Figuren, die durch Pflicht oder Obsession von anderen Menschen getrennt werden. Alejandro in Sicario, K in Blade Runner 2049, Louise Banks in Arrival oder Paul Atreides in Dune sind keine warmherzigen Helden, sondern kontrollierte, oft einsame Charaktere, die persönliche Bedürfnisse einer größeren Aufgabe unterordnen. Die Wahl von Denis Villeneuve könnte ein Hinweis darauf sein, dass Amazon die psychologische Dimension der Figur ernst nimmt. Ob er allerdings den klassischen Bond als emotional unerschütterlichen Agenten inszeniert oder dessen Verletzlichkeit stärker betont, bleibt abzuwarten.

Auch die Wahl von Steven Knight als Drehbuchautor könnte ein Hinweis darauf sein, dass Amazon die Figur nicht grundlegend entschärfen möchte. Knight ist vor allem als Schöpfer von Peaky Blinders - Gangs of Birmingham bekannt, einer Serie voller charismatischer, intelligenter und moralisch ambivalenter Figuren. Sein Protagonist Tommy Shelby besitzt viele Eigenschaften, die auch James Bond auszeichnen: Charme, Risikobereitschaft, strategisches Denken, emotionale Distanz und die Bereitschaft, Regeln zu brechen. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass Shelby seine Fähigkeiten für ein kriminelles Imperium einsetzt, während Bond sie im Dienst des Staates nutzt. Dass nun ein Autor mit einem Faible für solche unbequemen Charaktere das Drehbuch schreibt, spricht eher für einen psychologisch anspruchsvollen Bond als für einen gefälligen Actionhelden.

Was bedeutet das für den neuen James Bond?

James Bond ist weder ein moralisches Vorbild noch ein realistisches Menschenbild. Er ist eine Fantasie über maximale Handlungsfähigkeit. Über jemanden, der unter Druck ruhig bleibt, Entscheidungen trifft und keine Angst kennt.

Die Diskussion über Hautfarbe, Herkunft oder Alter mag politisch interessant sein. Für die Frage, ob ein neuer Darsteller als Bond funktioniert, dürfte sie jedoch zweitrangig sein. Entscheidend ist, ob er jene seltene Mischung aus Charme, Dominanz, Furchtlosigkeit und emotionaler Unerschütterlichkeit glaubhaft verkörpert, die die Figur seit Jahrzehnten einzigartig macht.

Genau hier steht Amazon vor einer Herausforderung. Viele der Eigenschaften, die Bond seit den Romanen Ian Flemings geprägt haben, wirken heute ambivalent oder sogar problematisch. Seine emotionale Kälte, sein instrumenteller Umgang mit Menschen, seine Rücksichtslosigkeit und seine geringe Neigung zu Schuldgefühlen lassen sich nicht ohne Weiteres in ein modernes Heldenbild übersetzen.

Die spannende Frage lautet, ob Amazon den Mut hat, einen James Bond zu präsentieren, der sich psychologisch tatsächlich noch wie James Bond anfühlt. Denn nimmt man der Figur ihre dunklen Seiten, gewinnt man vielleicht einen sympathischeren Helden. Aber möglicherweise verliert man James Bond.

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