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Die Verführten

Prädikat: besonders wertvoll

Die Verführten Kritik

0 Kommentar(e) - 26.06.2017 von FBW - Hierbei handelt es sich um eine Kritik der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW).
Filmkritik

Die Verführten Bewertung: 4/5

Richmond, Virginia, 1864: Martha Farnsworths Mädchenschule bietet während des tobenden Bürgerkriegs eine sichere Zuflucht vor den Schrecken der Außenwelt. Als in unmittelbarer Nähe ein verletzter Soldat entdeckt und zur Pflege in die Schule gebracht wird, gerät das geregelte Leben der Frauen durch seine Anwesenheit aus den Fugen. Schon nach kurzer Zeit erliegen die Frauen dem Charme des verwundeten Nordstaaten-Offizier John McBurney - Eifersucht und Intrigen vergiften zunehmend das Zusammenleben. Aus Gefühlen erwachsen Sehnsüchte, doch nicht alle Sehnsüchte werden erfüllt...

Schon die ersten Bilder von Sofia Coppolas Die Verführten, der auf dem Roman von Thomas Cullinan basiert, durchzieht eine schwül-sinnliche Stimmung, die im krassen Gegensatz zur strengen Ordnung im Mädchenpensionat steht. Dieser Gegensatz verleiht eine knisternde Spannung, die auch von der exzellent komponierten Bildgestaltung unterstützt wird. Die Kamera von Philippe Le Sourd fängt sowohl die von Mangroven und Nebelschwaden umhangene Südstaatenlandschaft als auch die kammerspielähnlichen Figurenkonstellationen in der Enge des Hauses gekonnt ein und fügt eine wichtige Komponente hinzu. Denn in einem Umfeld, in dem nichts ausgesprochen wird, sagen Blicke mehr als Worte. Auf einen Score verzichtet Coppola, nur der Gesang der Mädchen sorgt in entscheidenden Szenen für Spannung und Atmosphäre.

Die Darsteller sind fantastisch in ihren Rollen. Elle Fanning als verführerische Lolita-Figur, Kirsten Dunst als verhärmte Jungfer, die nun endlich ihre Chance auf einen Ausbruch aus der lästigen Pflicht gekommen sieht, und auch Colin Farrell als ambivalent charismatischer Kriegsdeserteur, dessen Absichten immer ein wenig im Unklaren bleiben, sind ideal besetzt. Über allem thront Nicole Kidman als streng reservierte Pensionatsleiterin. Gekonnt changiert sie zwischen Fürsorge, Kalkül, Strenge und Schwäche. Und verleiht damit ihrer Figur etwas faszinierend Dominantes und letzten Endes auch Dämonisches.

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Obwohl es die männliche Figur ist, die die Situation lange Zeit zu lenken scheint, so sind es doch die weiblichen Charaktere, welche Coppola als starke Individuen zeigt, die sich ihr Schicksal nicht aus der Hand nehmen wollen. Und wenn am Ende die Situation eskaliert und es zu einem überraschend perfiden Ende kommt, dann erscheint das letzte Bild wie eine Mahnung daran, die Stärke und Gemeinschaft der Frauen niemals zu unterschätzen.

Sofia Coppolas Die Verführten ist großartiges Darstellerkino, das stimmungsvoll unterhält und den Zuschauer mit wohligem Schauer entlässt und ein gelungenes Remake des Films Betrogen von Don Siegel aus dem Jahre 1971, in dem Clint Eastwood die Hauptrolle spielte.

Prädikat: besonders wertvoll

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung



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Die Verführten Bewertung
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810
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