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The Neon Demon

Hübsche Bilder, hässliche Menschen

The Neon Demon Kritik

3 Kommentar(e) - 14.06.2016 von Moviejones
Filmkritik

The Neon Demon Bewertung: 1/5

Mit Drive verzauberte der Däne Nicolas Winding Refn (NWR) 2011 Kritiker wie Zuschauer, mit Only God Forgives geriet ihm das zwei Jahre später nicht so leicht und nun kommt mit The Neon Demon ein weiterer Film mit sicherem Gespür für Design in Kino. Doch so wie der Film dieses Jahr in Cannes die Kritikerriege spaltete, hinterließ er auch bei uns große Enttäuschung.

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Jesse, 16 Jahre alt und den Südstaaten entflohen, sucht in LA ihr Glück. Das schüchtern wirkende Mädchen geht den Traumpfad aller jungen Dinger, denen einst ins Ohr geflüstert wurde, hübsch genug zu sein um zu modeln. Doch Jesse ist anders, sie ist die Eine unter 100, die das gewisse Etwas hat, das, was Agenturen und Designer suchen - und das weiß sie auch. Ihr Weg scheint alles andere als steinig und steil, denn wo sie auch hinkommt, verzaubert ihre Aura die Mächtigen der Branche und lässt jene von einem ungeschliffenen Diamanten träumen. Aber nicht alle Bekanntschaften sind freundschaftlicher Natur und das vor allem nicht in einer Welt, in der dein Einsatz Jugend und Schönheit sind, die austauschbar und im Bruchteil eines Wimpernschlags überholt sind...

The Neon Demon Kritik

Liebhaber von Nicolas Winding Refns Ästhetik und Erzählstil, geht ins Kino, ergötzt euch. "Schon seit einigen Jahren wollte ich einen Film über die Schönheit machen", erklärt NWR - und das ist ihm mit The Neon Demon merklich gelungen. Denn wer Schauwerte wie teils geschmackvoll, teils wild inszenierte bis abschreckende Bilder und hübsche Menschen nebst stylischem Sound sucht, der wird hier fündig. Aber bei allem Blick fürs Ästhetische und einer auf wild getrimmten Story wird der Zuschauer nicht erreicht, auf den nicht ein bisschen Wert gelegt wird. Sicherlich hat NWR einen ganz eigenen Stil, aber den haben Millionen andere Menschen auch und trotzdem ist es ok, wenn ihre Ideen nicht den Weg in die breite Öffentlichkeit finden.

Viele Kritiker sprechen in Superlativen im Guten wie im Schlechten von The Neon Demon und es fallen Wörter wie "dystopisch", "raubtierhafte Industrie", "Kannibalismus" und "lesbische Nekrophilie". Doch bei allem künstlerischen Anspruch und aller Skurrilität der gewollten Schockmomente: Wie steht es um das Ziel, das Publikum zu erreichen und bestenfalls mitzureißen, wenn die Szenen so phlegmatisch, hohl und borniert daherkommen? Wir alle wissen, dass die Fashionindustrie ihre Kinder frisst und das nicht erst seit Heidi Klum. Auch geht es wahrlich nicht darum, einen typischen Thriller zu erzählen, der banale Kinoerwartungen stringent von A nach B erfüllt. Da darf es schon etwas abseitiger sein. Doch mehr als ein feuchter Traum eines Egozentrikers ist The Neon Demon nicht. Selten fühlt man sich so in der Gedankenwelt eines Künstlers verloren und findet nur ein Wort für alles: Anstrengend. Seine Bildsprache ist beeindruckend, aber das ist auch alles. Substanz wird nicht erzeugt, indem eine dünne bzw. schlecht erzählte Story damit übertüncht wird, es bleibt ernüchternd, wenn Bild und Inhalt nicht harmonieren.

Der Fokus liegt lange Zeit auf Elle Fanning, die elfenhaft einherschreitet und sich vom schüchternen Landei in rapider Zeit zur Femme Fatale wandelt. Das mag übertrieben gestrafft und ein dramaturgisches Stilmittel sein, aber es gibt diese Geschichten, dieser "One in a Million", die einen Raum betritt und alle verzaubert. Dabei muss nicht mal die landläufige Meinung von Schönheit geteilt werden, wenn Sie oder Er das gewisse Etwas besitzt - im Fall von Fanning, die sicherlich gute Gene hat, kommt man dennoch nicht umhin zu fragen, ob alle nach ihr den Hals recken, weil sie tatsächlich Aura besitzt oder weil jemand sagt, dass sich alle nach ihr umdrehen und man neugierig mitreckt. Und eben wie beim Film mehr aus einer hohlen Blase gemacht werden soll als sie ist. Das schüchterne Ding weiß wohl um sein Äußeres, nur agiert Fanning durchweg vor der Kamera als ob ihr gleich der Puls wegklappt. Im Übrigen auch alle anderen.

The Neon Demon Bewertung

Fans von Nicolas Winding Refn und seiner Art, Filme zu erzählen, dürfen sich The Neon Demon nicht entgehen lassen. Alle anderen werden ein hübscher fotografiertes Machwerk als Walhalla Rising erleben, das aber nicht minder bestürzt zurücklässt. Werft uns vor, dass wir den Film nicht verstehen oder meinetwegen NWR-Hater sind, was wir als Drive-Anhänger direkt verneinen - das macht ihn noch lange nicht gut, weil wir auch zugeben, zur Unterhaltung ins Kino zu gehen. Eben ein schön durchgestyltes Musikvideo auf Länge gebracht, mehr ist The Neon Demon nicht.



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210
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3 Kommentare - Moviejones distanziert sich von Userbeiträgen.
luhp92
BOTman Begins
Geschlecht | 18.06.2016 | 15:15 Uhr18.06.2016 | Kontakt
Jonesi

Dieser Beitrag wurde am 18.06.2016 15:25 Uhr editiert.

"Only God Forgives" fand ich ebenfalls anstregend, war im Nachhinein aber fasziniert von der Herangehensweise des Inhalts in der Form. Was ich bisher so mitbekommen habe, ist Nicolas Winding Refn ein Regisseur, der mit seinen Filmen zur Arbeit auffordert. Als Zuschauer muss man mit dem Film arbeiten, mitdenken. Da kann man nicht einfach nur schauen oder sich unterhalten lassen. Ich glaube, viele Leute haben nach "Drive", seinem wohl massentauglichsten Film, ein falsches Bild von Refn und fühlen sich daher von "Only God Forgives" oder jetzt "The Neon Demon" vor den Kopf gestoßen.

Ob mich "The Neon Demon" ansprechen wird, kann ich nicht sagen, momentan würde ich mir den allerdings nur wegen Refn ansehen. Das kann aber warten, bis er irgendwann mal als VoD oder im Free-TV läuft.


"Nicolas Winding Refn ist einer der interessantesten Regisseure unserer Zeit, weil er - entgegen des herrschenden Trends - den Film in erster Linie von der Form her denkt. In der Form selbst verhandelt er Inhalte. Auch in seinem neuen Film, "The Neon Demon", setzt er diese Arbeit fort und beschenkt das Gegenwartskino mit einem beeindruckenden Werk über die Schönheit."

Bloodraven: "That face you make... look I so old to young eyes?"
Bran: "No. Of course not."
Bloodraven: "I do. Yes, I do. When 900 years old you reach, look as good you will not, hmm?"

eli4s
Moviejones-Fan
Geschlecht | 14.06.2016 | 15:31 Uhr14.06.2016 | Kontakt
Jonesi

Also ganz so schlecht klingt das hier und da gar nicht... abgesehen davon, dass der mitunter zusammenfassende letzte Satz eigentlich auch alle Fans von Snyder/Bay und Co. ansprechen könnte.

Ich habe "Only god forgives" zuletzt nicht gesehen, aber Refn hat in der Vergangenheit einige starke Filme gemacht, die auch nicht allzu sperrig waren. Mal sehen, ob ich hier einen Zugang finde; anschauen werde ich ihn mir jedenfalls.

ZSSnake
Expendable
Geschlecht | 14.06.2016 | 11:15 Uhr14.06.2016 | Kontakt
Jonesi

Das klingt ganz schön harsch. Aber der Film stand ohnehin nicht auf meiner Watchlist dieses Jahr wink Von den genannten fand ich Only God Forgives sehr interessant, aber auch wahnsinnig sperrig erzählt, anstrengend zu schauen und sehr metaphysisch. Trotzdem ein guter Film, wenn man sich reindenkt.

Bei Walhalla Rising war ich hingegen positiv überrascht. Ebenfalls eher sperrig, gefielen mir die vielen mythologischen Ideen, die depressive und düstere Art des Films, Mads Mikkelsens stoische Performance und vor allem, dass der Film sich fast wie eine härtere Version eines Conanfilms schaute. Ich mag es irgendwie, wie mich die Filme zur "Sinnsuche" zwingen.

"You will give the people of Earth an ideal to strive towards. They will race behind you, they will stumble, they will fall. But in time, they will join you in the sun, Kal. In time, you will help them accomplish wonders." (Jor El, Man of Steel)