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10.000 BC

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10.000 B.C. Kritik

10.000 BC Kritik

10.000 BC Kritik
0 Kommentare - 21.11.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "10.000 BC" ist.

Bewertung: 3 / 5

Der junge DLeh (Steven Strait) möchte die hübsche Evolet (Camilla Belle) beeindrucken. Daher versucht er in der Rangordnung seines Stammes aufzusteigen und sich vor allem im Jagen von Mammuts zu beweisen. Als Evolet eines Tages von einer prähistorischen Kultur entführt wird, kann sich DLeh ein weiteres Mal beweisen und zusammen mit seinem Ziehvater TicTic (Cliff Curtis), KaRen (Mo Zinal) und dem jungen Baku (Nathanael Baring) nimmt er die Verfolgung der Entführer auf.

Soll man jetzt den Kopf schütteln oder Jubelschreie frohlocken? Diese Frage stellt sich bei Roland Emmerich in seiner gesamten Vita wohl mehr als nur einmal. Schließlich ist das Trash-Multitalent ein Meister des Minimalismus, wie auch des Maximalismus. Neben Michael Bay gehört Emmerich wohl zu den wenigen Künstlern, die es schaffen soviel inhaltsleere, Nonsens und geschichtliche Neugründung in ihre Filme zu packen. 10.00 B.C. wirft also einen Blick in die prähistorische Zeit und liefert dabei eine so hauchdünne Geschichte, daß es schon wundert, daß das hier kein Pseudo-Dokumentarfilmchen geworden ist. Wo ist da etwas, was den Zuschauer auch nur im mindesten einen Einblick über diese Zeit geben könnte, viel mehr noch sucht man also nach einem Mehrwert. Und wenn man ehrlich ist, sucht man da vergeblich, weil der Film zwar ein spannendes Setting zu sich hat, aus diesem aber mal so gar nichts machen will. Mammuts, Säbelzahntiger und die Anfänge der Menschheit werden nur dann vereint, wenn es das Budget zulässt und dabei ist das dann auch schon das Höchste der Gefühle. Hinzu glauben die Drehbuchautoren Emmerich und Harald Kloser, daß man den Zuschauer auch zu gar keinem Zeitpunkt fordern braucht. Jede noch so kleine Nuance wird erklärt, wenngleich das Stilmittel des Erzählers hier natürlich auch dazu dient, dem ganzen ein gewisses Flair von Vergangenheit zu geben.

Trailer zu 10.000 BC

Und wer jetzt glaubt, man könne 10.000 B.C. mögen, wenn man keinerlei Geschmack oder Anspruch hat, der mag recht haben. Dennoch liegt eine ganz klare Stärke von diesem Film in seiner absoluten Einfachheit. Man kann sich darüber sicherlich gut aufregen, daß hier Kulturen und Geschichten vermischt werden, die wohl eher weniger in der Historie der Erde begründet sind. Der Wagemut, mit dem Emmerich und seine Ko-Autoren allerdings die Weisen der Welt verbinden, ist atemberaubender Quatsch. Es macht Spaß, weil es wirkt, als befände man sich in dem Spielzimmer des siebenjährigen Ichs, indem die Welt so einfach ist und man nur das große Abenteuer erfinden muss, um Spaß zu haben. Gleichsam steckt in der Infantilisierung des Mediums auch eine große Frage der Kunst. Was darf Kunst? Alles! Fertig. Und daß ein Film wie dieser mit dem Medium so spielt und dabei Hochglanztrash-Kino mit Pathos verbindet, daß ist einfach nur wunderbar. Ja, selten kann man sich Werken so ironisch annähern wie diesem, weil der ideologische Gedanke hinter dem Werk auch verhältnismäßig harmlos ist, oder gar die einfachen Grundsätze eines aufgeklärten Menschen widerspiegeln dürfte. Die Liebe, die hier etabliert wird, glaubt man nur, wenn man sie glauben will. Viel passiert da eigentlich nicht. Doch Glaube ist ja sowieso ein Grundsatz von allen Werken und insofern etwas, daß man gerne verschmerzen kann.

Aufregen könnte man sich über die platte Figurenzeichnung. Wir haben eine Frau, die wird eben geliebt. Wir haben einen Helden, der ist eben ein Held. Wir haben einen Mentor, der sagt halt ab und zu mal was Intelligentes und das war es auch. Jetzt darf man sich aber auch mal fragen, was denn nun schlimmer wäre: Entweder man würde das Werk in jeder Faser seines Seins erklärt, jeden banalen Zusammenhang überdeutlich skizziert und endlose Exposition serviert bekommen. Oder man behauptet einfach, daß das, was da gerade passiert, einfach mal so sein soll. Letzteres wird einen die Zeit dabei weniger mühsam erscheinen lassen. So zumindest die These. Natürlich ist die Entpolitisierung des Kinos etwas, was es nicht gibt. In keinem Kunstgewerbe kann es ohne ideologische Grundsätze gehen und man sucht händeringend nach irgendeiner Form von Substanz, die dahinter steckt. Nun sind konservative Filmemacher wie Emmerich in der Regel auch recht peinlich, weil sie an etwas festhalten, was sie selbst nicht als Teil der eigenen Welt ansieht. Und hier scheint aber ein großes Thema, vor allem die Sklaverei zu sein. So macht es der Beginn, indem einzelne Personen aus dem Stamm der Hauptfigur D’Leh verschleppt werden und irgendwie in das alte Ägypten gelangen. Klar ist, daß der Held sie befreien wird. So funktioniert eben die Kinderzimmer-Dramaturgie. Aber das ist ja nichts Schlimmes, weil man eben auch dahin so ein wenig möchte. Wo nun aber der Nutzen des Werkes liegt, das ist eine ganz andere Frage. Gleichsam spielt Emmerich doch gegen Ende mit den Erwartungen der Zuschauer und hätte sich hier vielleicht sogar etwas mehr getraut. So wirkt es.

Erstaunlich gelingt es ebenso, die vielen Effekte mit großen Landschaften zu verbinden. Sicherlich ist das gesamte Design eben einer romantischen Verklärung unterworfen und Tiere, wie auch Menschen blicken so in die Welt, wie man es erwartet. Doch Historiker sind wohl die wenigsten, die diesen Film schauen. Und tatsächlich ist 10.000 B.C. auch weit weg von einem Historienfilm. Viel eher ist das ein prähistorisches Märchen, daß seinen Reiz aus großen Bildern zieht. Hier ein Urzeitwesen, da eine große Schlacht und es hätte vielleicht nicht viel gebraucht, um Gott selbst Teil der Handlung werden zu lassen. Und in diesen Momenten macht der Film mit am meisten Spaß, weil er völlig überdrehte Bilder, voller Pathos zeichnet, die in großen Kämpfen zwischen Sklaven und Sklaventreibern münden. Und in einem solchen Blockbuster braucht man dann nun wirklich nicht viel von den Schauspielern erwarten. Im Prinzip spielen Steven Strait und Camilla Belle Max Mustermann und Frau. Das mag auch dem Drehbuch geschuldet sein, daß den Charakteren nun wirklich nichts gibt, was sie von ihrer Eindimensionalität trennt. Auch ein Cliff Curtis verschwendet hier sicherlich sein Talent. Von kaltem Urwald in die sonnige Wüste lautet diese Odyssee für die Charaktere. Gleichsam ist der Film natürlich aus sehr vielen weiteren Werken zusammengebastelt worden, doch wahrhafte Innovationen kann wohl kein Werk.

Unproblematisch ist der Film vor allem dann nicht, wenn es um die Zeichnung verschiedenster Kulturen geht. So passt auch dieses Werk in die Kategorie White Savoir-Film. Ein Genre, ein Subgenre, eine Kategorie, die auch einen Film wie Blind Side – Die große Chance (2009) zu einem der problematischsten Oscar bait-Filme der 2000er Jahre machten. Und auch 10.000 B.C. steht in dieser Tradition, wenn auch nicht so drastisch. Doch der Unterschied zwischen dem genannten Beispiel und diesem Film hier ist ganz einfach, daß dieses hier nochmal eine ganze Spur banaler ist. Selten kann man sich einem Film so hingeben, wie in diesem Fall. Und es liegt einfach daran, daß man hier ein total absurdes und dennoch andersartiges, genreübergreifendes Trash-Märchen serviert bekommt. Das fängt der Film mit sehr opulenten und für Pathos gemachten Bildern ein, die diese Reise schnell vorbeiziehen lassen. Etwas mehr Mut für Fantasy-Fabelwesen hätte dem Film dann endgültig den B-Movie-Stempel verpassen können. Das ist definitiv eine vertane Chance.

Ob die Zeit vor der Zeit nun wirklich so war, kann man wohl getrost verneinen und auch im Hintergrund schlummert eine gefährliche Ideologie, zumindest vielleicht. Die große Stärke aber, und das ist vor allem der Grund, warum man 10.000 B.C. im Gedächtnis behält, ist sein kompletter inhaltlicher Murks. Irgendwie wird die Zeit durchmischt, auf das banalste runtergedrückt und dabei ein Actionfilm der Sorte anders serviert. Doch ob nun wirklich jemand von diesem Film noch sprechen wird, ist immer noch eine wirklich gute Frage, weil er im Sturm der endenden 2000er Jahre auch ziemlich gut verschwand. Vielleicht ist es ja besser so. Unterhaltsam ist das vor allem, wenn man mit einer Steinzeit-Komödie leben kann.

10.000 BC Bewertung
Bewertung des Films
610

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