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Alles eine Frage der Zeit

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Alles eine Frage der Zeit Kritik

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Alles eine Frage der Zeit Kritik
0 Kommentare - 27.08.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Alles eine Frage der Zeit" ist.

Bewertung: 4 / 5

Zu seinem 21. Geburtstag bekommt Tim Lake (Domhnall Gleeson) von seinem Vater James (Bill Nighy) offenbart, daß ihre Familie ein gorßes Geheimnis wart. So können alle Männer in der Familie in der Zeit zurückreisen. Dafür müssen sie nur an einen speziellen Moment aus ihrer Vergangenheit denken. Nachdem Tim nach London zieht, lernt er die attraktive Mary (Rachel McAdams) kennen und verliebt sich sofort. Nun möchte er alles richtig machen und reist immer wieder in der Zeit zurück, um peinliche Momente während ihrer Dating-Phase zu kaschieren.

Große Familiengeheimnisse sind häufig eine Bürde. Viel zu oft scheinen solche Stigmata dann von Filmen gefördert zu werden, während sich der gesamte Antrieb über eine Tragödie im eigentlichen Sinne erst zu katalysieren wagt. Immer sind es die Väter. Immer ist es theatralisch. Immer ist es schwer und nichts kann dabei neu sein. Nun handelt Alles eine Frage der Zeit mehr noch als von Vätern, auch von dem Umgang mit der Zeit, die einem verbleibt. Das ist mitunter ein netter Gedanke und führt dann vor, wie nahe eigentlich unendliches Glück und unendliches Leid beieinander liegen. Auf Liebe folgt der Tod, auf ein Ende folgt ein Anfang und so weiter und so fort. Häufig schreibt man davon, wie manipulativ ein Werk sein kann und daß man im Zuge dessen natürlich auch über Drehbuchschwächen und dergleichen hinwegsehen wird. So ist es bei kleinen Filmen und so ist es bei großen Blockbustern. Nun ist Richard Curtis als Künstler nicht für das Subtile zuständig. Auch Tatsächlich... Liebe (2003) ist eine Hochglanzschmonzette der anstrengendsten und dennoch besten Art und Weise. In diesem Fall kann man das auch erneut sagen, weil dieser Film hier mindestens genauso manipulativ ist. Der Zuschauer bekommt zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, als würde er eine wirklich ausgeklügelte Geschichte, noch irgendwelche großartigen Sympathen verfolgen. Doch das ist gar nicht schlimm, weil der Film die Dinge zeigt und den Zuschauer dabei nicht mit Erklärungen langweilt.

Trailer zu Alles eine Frage der Zeit

Überhaupt ist die Hauptfigur durchaus spannend. Denn wie bereits erwähnt, ist sie keine wirklich sympathische Figur. Das liegt zum einen an der Schreibe. Der Charakter bleibt den Hauptteil des Films über relativ ausdruckslos. Keine besondere Eigenschaft sticht da hervor und insgesamt entscheidet er sein gesamtes Treiben auch eher nach Allmachtsverlangen in Sachen Liebe. Doch irgendwie ist das auch erfrischend. Denn tatsächlich tut der Film gut daran, den Charakter nicht weiter zu durchleuchten, sondern genau das zu zeigen, was eigentlich interessiert. Das wäre dann der Umgang mit einer solchen Macht. Darüber hinaus gelingt es Curtis hier und da auch den ein oder anderen subtilen und gut platzierten Witz einzubauen. Man sollte das nicht so salopp runterbrechen und auch nicht so verstehen. Denn tatsächlich passiert da etwas sehr Spannendes im Film, indem diese Rom-Com dem Zuschauer gerade mit der Hauptfigur keinen perfekten Adonis präsentiert. Nun liegt es nicht an mir, das Aussehen der Akteure im Film zu werten, doch geht man nach gängigen Schönheitsidealen, dann wäre vermutlich ein schlaksiger Rotschopf wie Domhnall Gleeson nicht unbedingt das Sexsymbol seiner Generation. Doch gerade weil man Gleeson in der Hauptrolle hat, spielt der Film nicht nur auf einer rein oberflächlichen Ebene ab. Da geht es um den eigenen Selbstwert. Da geht es um Mut und da geht es darum, daß die inneren Werte und die Ausstrahlung wesentlich wichtiger sind in einer Beziehung als alles andere. Es geht um Wirkung.

Und daß dieser Tim dann im Verlauf der Geschichte auf Personen wie Charlotte oder Mary trifft, ist ebenso beeindruckend. Schließlich – so würde ich an der Stelle zumindest mal behaupten – entsprechen sowohl Rachel McAdams als auch Margot Robbie sehr wohl den Schönheitsidealen unserer Gesellschaft. Der größte Irrsinn indessen resultiert dabei wieder in der Geschichte. Und das ist gut gemacht. Denn normalerweise würde man mit dem Maßstab der Logik nach in sich schlüßigen Details der Handlung suchen und diese bis auf den kleinsten Abschnitt hinterfragen und damit einen Bezug zur Realität schaffen. Wann trifft man schon mal so eine Frau? Wann trifft man zwei davon? Wann haben diese Interesse? Doch dadurch, daß Curtis die Realität sowieso in ein modernes Märchen verwandelt, ist man viel eher geneigt, die Geschichte einfach für sich stehenzulassen, weil alles an dem Film nicht der subjektiven Realität entspricht, sondern ein erdachtes Werk ist. Die Geschichte wird zugunsten des Scheins ad acta gelegt und muss nicht auf irgendwelchen in sich schlüßigen Momenten fußen. Gekonnt unterfüttert Curtis diese Stellen mit wirklich tollem Humor, der vor allem durch Bill Nighy mal wieder zum Tragen kommt. Man erinnert sich da an seine wirklich verschrobene und irgendwie herzliche Darstellung aus Tatsächlich... Liebe, die dieser hier in nichts nachsteht. Er ist irgendwie sehr stoisch, sehr verkopft und dennoch ziemlich direkt. Eben das, was man sich unter britischem Humor so vorstellt.

Natürlich gewinnt das Werk keinen Innovationspreis, dafür, daß man den Schmetterlingseffekt und ein quasi Remake von Und täglich grüßt das Murmeltier (1993) dreht. Doch das Thema Zeit ist dennoch ein faszinierendes. Das hat eine universelle Tragweite, weil sich so ziemlich jeder an einem gewissen Punkt im Leben doch etwas mehr Zeit für etwas wünscht. Das paart der Film dann gekonnt mit dem Thema Verlust und wirft auch die Frage auf, wie man denn die Zeit nun verwenden würde, wenn man so noch hätte. Klar treibt das auch die Charaktere um und so beschließt Tim auch alles daranzusetzen, bestimmte Punkte in der Zeit zu ändern. Die Erkenntnis darauß ist aber ebenso erwachsen, wie poetisch. Es gibt Dinge, die kann man nicht ändern und man sollte sie vielleicht auch nicht ändern. Denn Momente sind kostbar, weil sie endlich sind. Nur wenige Dinge verbleiben in der Zeit und dann sind es vor allem Erinnerungen, die etwas mit dem Menschen tun. Natürlich tritt da eine Verklärung auf, sodass es nie wieder einen solchen Moment geben kann. Doch dieser Film zeigt zudem auch auf, daß nicht immer wieder großartige Momente folgen können.

Unterdessen ist natürlich auch der Cast wieder sympathisch. Die Stars, trösten hier auch über inhaltliche Schwächen gekonnt hinweg. Das gewinnt natürlich niemals einen aussagekräftigen Schauspielpreis und dennoch sind Tom Hollander, Nighy, McAdams, aber auch Gleeson so charismatisch, daß der Film sich dadurch seine Schwächen gut kompensiert. Insgesamt gibt es dann vor allem auch auf unsere moderne Zeit gut übertragen. Denn in vielen seiner Zeitsprünge versucht die Hauptfigur, dann vor allem ein gutes Bild bei Frauen abzugeben. Bei ständigen Wiederholungen und Versuchen. Das erinnert natürlich an den menschlichen Perfektionsdrang, der gesellschaftlich immer mehr gefordert wird. Gleichzeitig lässt sich das aber auch gut auf die sozialen Medien und moderne Beziehungsmodelle übertragen. Denn so ist die Figur so besessen davon, ein gutes Bild abzugeben, daß nun wirklich alles in seinem Sein einem Schein unterliegt, nach welchem bestimmte Bedürfnisse zugunsten des von ihm selbst angestrebten Perfektionismus nicht mehr an das Gegenüber geraten dürfen. Das heißt auch Schwächen werden hier ausgeklammert, nur um dem zu entsprechen, wie der Partner sich das vorstellt. Doch so können Beziehungen nie funktionieren.

Abermals manipuliert Curtis mit seinem Werk, stellt seine herkömmliche Romanze dennoch, aber dann auch in ein ganz anderes Licht. Moderne und Märchen treffen hier gekonnt aufeinander und stellen die Frage in den Raum, wie viel Persönlichkeit zugunsten von Außenwirkung geopfert werden kann. Gleichsam ist die Romanze auch eine Abrechnung mit klassischen Liebesfilmen und werkelt stark am Schönheitsideal. Alles eine Frage der Zeit serviert großartige Momente und einen besonderen Cast, der auch dem Genre der Zeitreise vieles hinzufügt.

Alles eine Frage der Zeit Bewertung
Bewertung des Films
810

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