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Angel Heart

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Theres death everywhere these days, Johnny.

Angel Heart Kritik

Angel Heart Kritik
5 Kommentare - 05.04.2018 von Silencio
In dieser Userkritik verrät euch Silencio, wie gut "Angel Heart" ist.

Bewertung: 4.5 / 5

New York, 1955: Als der etwas heruntergekommene Privatdetektiv Harry Angel von dem geheimnisvollen Mr Cyphre engagiert wird, um den vor zwölf Jahren verschwundenen Musiker Johnny Favourite zu finden, weil Favourite und Cyphre noch eine Rechnung zu begleichen haben, ist Angel erst mal verwundert. Denn eigentlich nimmt Angel keine Fälle dieser Größenordnung an, er gibt sich lieber mit unauffälligen Versicherungssachen zufrieden. Aber die Bezahlung ist gut und erste Anhaltspunkte sind schnell gefunden. Als Angel sich den Arzt vorknöpft, der Favourite vor zwölf Jahren aus der Nervenheilanstalt entlassen hat, führt in dieser auf die Spur einer reichen Familie aus Louisiana, deren Tochter dem Okkultismus zugetan ist und mit Favourite in einer Beziehung war. Irgendwer scheint aber ein Interesse daran zu haben, dass Harry seinen Auftrag nicht erfüllen kann und so sterben bald die ersten Zeugen. Auch hat Louis Cyphre anscheinend etwas kompliziertere Motive als eine simple unbezahlte Rechnung...

Der Teufel und die Musik sind, spätestens seitdem Blueslegende Robert Johnson der Legende nach dem Belzebub an einer Wegkreuzung seine Seele für den musikalischen Erfolg verkauft hat, untrennbar miteinander verbunden. „Angel Heart“ bastelt aus diesem Zusammenhang eine Geschichte in schmutzigen New Yorker Hinterhöfen und den ländlichen Voodoogemeinden Louisianas, in der die Grenzen zwischen Realität und Wahn langsam verschmelzen. Hochkarätig mit Robert De Niro und Mickey Rourke besetzt, inszenierte Regisseur Alan Parker einen schmutzigen, brutalen Film, der vor Sex und Gewalt nur zu platzen droht.

Zugegeben, der Twist am Ende des Filmes ist nicht besonders schwer zu erraten, gerade weil die Charakternamen (Louis Cyphre? Gut, „Mephistopheles“ wäre in Brooklyn auch ein bisschen viel...) einem die Themen schon vom ersten Akt an entgegen schreien. Das macht jedoch nicht besonders viel aus, denn darum geht es eigentlich gar nicht. Parkers Film lebt weniger von seinen Wendungen und vielmehr von seiner Film noirigen Atmosphäre, die Parkers Stammkameramann Michael Seresin mit seinen sorgsam eingefangenen Bildern von der ersten Einstellung an erzeugt. Auffällig oft richtet sich die Bildkomposition auf einen Fluchtpunkt auf der rechten Seite der Einstellung, was nicht nur ästhetisch äußerst ansprechend ist, sondern dem Film tatsächlich noch eine nette subtextuelle Ebene verschafft. Denn der geflüchtete Johnny Favorite war Okkultist, also auf dem „Pfad zu linken Hand“ unterwegs. Der Fluchtpunkt unterstreicht sein Verlangen, mit diesem Teil seines Lebens abzuschließen, seinem Handel mit dem Teufel zu entkommen. Aber auf der rechten Seite des Bildes sitzt am Ende auch Louis Cyphre, der Harry Angel vor sich hergetrieben hat und ihn mit einer letzten Enthüllung konfrontiert, die Angels Seele ihrer rechtmäßigen Verdammnis zuführt. Die Moral der Geschichte wird hier visuell klargemacht: vor dem Teufel gibt es kein Entkommen, wer sich mit jenseitigen Mächten einlässt, muss bezahlen. Hier hört die visuelle Erzählweise Parkers jedoch nicht auf, vielmehr finden sich immer wieder kleine Hinweise auf Harrys Schicksal. Andauernd finden sich Gittermotive, während einer Auseinandersetzung fällt eine Engelsfigur und zerbricht in zwei Teile. Dies alles kulminiert in Angels finaler Abfahrt im Aufzug, die den Abspann des Filmes durchzieht und die bedeutungsschwangerer nicht sein könnte.

Harry Angel ist dabei der typische Film Noir-Protagonist, ein von seiner Vergangenheit verfolgter Privatdetektiv, der Frauen und Alkohol nicht abgeneigt ist und der es mit der Moral nicht ganz so genau nimmt. Rourke spielt Angel mit einer lakonischen Lässigkeit, die im letzten Akt von einer panischen Verzweiflung abgelöst wird. Dass bei Angel nicht alles mit rechten Dingen zugeht, zeigt der Film recht subtil schon relativ früh in einer wunderbar gespielten Szene, in der Rourke eine Krankenschwester bezirzt, um von ihr Einblick in Favorites Krankenakte zu kriegen. Der Clou an der Sache: Angel tut dies unter falschen Namen, den er aus einer Mappe mit unterschiedlichen gefälschten Ausweisen auswählt. Sofort wird offensichtlich, dass Angel kein Problem damit hat, seine Identität zu wechseln, um auf diese Weise zu seinem Ziel zu gelangen. Angel wird im Kleinen bereits als Identitätsdieb geoutet, bevor Cyphre ihm am Ende aufdeckt, dass er die letzten zwölf Jahre eine Lüge gelebt hat.

De Niro wiederum spielt den Cyphre mit einer Art gelangweilten Belustigung, er weiß von Anfang an, wie die Geschichte laufen wird und macht auch keinen Hehl daraus. Wie üblich dominiert De Niro dabei jede Szene, in der er sich befindet. Seine Zurückhaltung wird durch sein sonderbares Auftreten auf großartige Weise kontrastiert, er ist stets in einen schwarzen Anzug gekleidet, hat langes, hochgestecktes Haar und lange, zu Krallen gefeilte Fingernägel. Gerade die Szene, in der Cyphre genüsslich ein Ei verspeist („In manchen Religionen ein Symbol für die Seele, Mr Angel.“) wird durch sein Auftreten zur puren Freude, der Film verrät an dieser Stelle seinen verschmitzten Sinn für Humor.

Wäre der Twist von „Angel Heart“ nicht extremst vorhersehbar, wären nicht alle Charakternamen in diesem Ausmaß „thematisch wichtig“ (ein Charakter heißt gar „Epiphany“ - Erleuchtung, Offenbarung), wäre der Film ein absoluter Klassiker. So ist er „nur“ ein sehr guter Film, der mit seiner verschwitzt-düsteren Atmosphäre und seiner cleveren Inszenierung punkten kann.

Angel Heart Bewertung
Bewertung des Films
910
DVD & Blu-ray

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5 Kommentare
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Silencio : : Moviejones-Fan
14.06.2021 12:42 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.910 | Reviews: 48 | Hüte: 205

Moby:

Jein. Das ist schon durchaus Noir-typisch, aber eben auch nicht Chandler-mäßig mit offenen Fäden (DAS wäre ja mMn eher unvorhersehbar), sonder schön geschlossen. Von der Perspektive aus muss sich am Ende alles zusammenpuzzlen lassen und hier passt ja auch jedes Element in die Auflösung.

Wie geschrieben, kann mich natürlich bei der Review auch hindsight so ein bisschen verleitet haben, möchte ich gar nicht ausschließen. Und dass ich den das erste Mal zur Hochzeit der Mindfuck Movies gesehen habe, der daher absolut in meine damaligen Sehgewohnheiten gepasst hat - wobei ich da zwar meine, das Ende geahnt zu haben, aber nicht mehr genau weiß, wie sehr ich da den Twist schon antizipiert hatte. Von daher verstehe ich auch, wenn das Leute von den Socken gehauen hat, da hatte der Film bei mir zum Zeitpunkt der Erstsichtung und später dann der Review einfach schlechtere Karten.

Und sofern wir die Diskussion was ausbreiten wollen: "Das war alles vorhersehbar" ist häufig auch nur "ah, richtig, das ergibt alles Sinn" nach dem Schauen, ohne dass man aktiv mitgeraten hat, dementsprechend ist das auch nicht immer die fairste Kritik. Und bei "Angel Heart" (ein ungleich subtilerer Titel im Vergleich zum Roman - "Falling Angel") gibt das ja auch nur Abzüge in der B-Note. ;) :p

"I know writers who use subtext... and they are all cowards."

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MobyDick : : Moviejones-Fan
14.06.2021 10:23 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 6.298 | Reviews: 159 | Hüte: 488

Silencio

Gute Kritik zu einem sehr guten Film, punktetechnsich gehe ich absolut konform, aber auch ich bin da vor allem mit Harrys Ermittlungsmethoden eher bei sid, dass das eher die üblichen Noir Ermittlungswege sind. Auch wenn es natürlich im Nachgang hochgradig Sinn macht, und vor allem habe ich auch nicht die Lektüre dazu gelesen. Wird schon stimmen, aber grundsätzlich ist der Film wirklich wenig subtil, und solche doch sehr subtilen Signs wären da meiner Meinung nach durchaus auch zufälligerweise passende Elemente ?

Dünyayi Kurtaran Adam
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Silencio : : Moviejones-Fan
13.06.2021 12:03 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.910 | Reviews: 48 | Hüte: 205

Freut mich natürlich, wenn hier eine alte Kritik wieder ausgegraben wird und auf Zuspruch trifft. ;)

MB80:

Die Eierszene ist wirklich recht plakativ, aber das ganze ist so ein tonaler Wechsel, dass ich das schon als bewusst surreal verstehe. Andersrum ausgedrückt: der Film spielt so sehr mit Wahrnehmung und Realität, dass das da komplett reinpasst, obwohl es fremd sein müsste.

Stilistisch nimmt der ja schon ein bisschen die noirigen Thriller der 90er Vorweg, wie du angemerkt hast, und inhaltlich funktioniert er ja auch wie die Mindfuck Movies, die ja gerade um Jahrtausendwende rum sehr populär waren. Nolan nennt den ja sogar als Vorbild für "Memento" - was im Nachhinein recht offensichtlich ist, wenn man die Verbindung einmal gemacht hat, finde ich.

sid:

Zuerst: ich versuche immer so vage zu bleiben, dass man das als uneingeweihte Person nicht versteht und je älter der Film ist, umso weniger achte ich auch auf Spoiler (das ist mein Zynismus: wer sich für ältere Filme interessiert hat die entweder gesehen oder pfeift auf Spoiler...).

Ja, stimmt schon, "offensichtlich" ist immer so ein Ding, aber ich find es hier (zumindest zum Teil) gerechtfertigt. Ich mein, der offensichtliche Bösewicht heißt hier "Louis Cyphre" - der Nachname ist dazu noch ein offensichtliches Wortspiel zu "Chiffre", das muss ein Platzhalter sein UND Harry ermittelt in okkulten Angelegenheiten. Ob man jetzt den Twist um Harry errät, das sei mal dahingestellt. Zudem habe ich den Streifen auch erst reviewt, nachdem ich den über die Jahre verteilt ein paar Mal gesehen (und das Buch zwischenzeitlich gelesen) habe, das mag meine Einschätzung natürlich ein bisschen gefärbt haben.

Zur Frage, ob das ein Flop war: leider haben wir keine internationalen Zahlen (zumindest finde ich gerade keine), aber der hat seine Kosten zumindest in den USA gerade so eingespielt. Wenn du jetzt überlegst, dass am Einspielergebnis die Kinobetreiber noch mitverdienen und Marketingkosten nicht mit ins Budget gerechnet werden, dann hat der Geld verloren. Der wird wenn überhaupt erst über die Zweitauswertung (gerade, weil der sich auch als kleiner Kultfilm entpuppt hat) einen Gewinn gemacht haben.

"I know writers who use subtext... and they are all cowards."

MJ-Pat
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sid : : Gojira
13.06.2021 02:07 Uhr | Editiert am 13.06.2021 - 02:27 Uhr
0
Dabei seit: 01.10.12 | Posts: 1.537 | Reviews: 17 | Hüte: 49

Ja, der Film verdient mehr Aufmerksamkeit und Deiner Bewertung stimme ich voll zu.
Die Kritik ist auch sehr interessant und gut geschrieben. Einziger Kritikpunkt: Sie verrät für Leute, die den Film noch gar nicht kennen, ein bisschen zu viel, finde ich. Wobei ich immer zu so wenig Vorkenntnissen wie möglich rate. Einfach deshalb, weil man die Filme dann für sich entdeckt.
Anscheinend war ich damals ein sehr naiver Zuschauer, was - wie bei vielen Filmen - die Spannung deutlich erhöht hat. Wenn man den Namen von De Niro auf dem Zettel liest, ahnt man zwar einiges. Aber ich hatte das Glück, den Anfang des Films bei der Erstsichtung vor ca. 10 Jahren zu verpassen. Und ich muss sagen, ich hab den Schluss nicht erraten. MJ-Analysten sind sowieso nicht der Normalfall wink. Du erwähnst zum Beispiel, dass er im Sanatorium die Identität wechselt; aber, dem Durchschnittszuschauer verrät das gar nichts, denn Magnum oder Rockford wechseln ihre Identität dauernd und bleiben insgesamt trotzdem die Guten.
Für mich war es ein spannender Film mit einem etwas abgerissenen, sympathischen Helden, der sich irgendwie durchkämpft, mit sehr guten Darstellern, atmosphärisch, seltsam. Und der Film ist auch immer wieder ansehbar, was nicht bei vielen Detektivgeschichten oder Geschichten, wo die Auflösung alles verändert, klappt. Aber M. Rourke spielt den Privatdetektiv so unwissend bzw. unschuldig (und auch die kurzen Erinnerungsfetzen lassen das Ende nicht ahnen), dass ich immer wieder zurückgesetzt werde.
PS: Eigentlich war der Film kein richtiger Flop wenn man bedenkt, dass die 17 Mio. allein aus den USA nicht Inflationsbereinigt sind. Aber er war mit 17 Mio. Produktionskosten eben auch überhaupt nicht billig. Aber über die Zeit wird er sich schon gelohnt haben. Und für nach dieser Kritik Interessierte: Meistens, wie auch jetzt, ist er bei Amazon Prime frei.

MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
12.06.2021 10:19 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.988 | Reviews: 35 | Hüte: 177

Silencio:

Hatte jetzt endlich mal die Möglichkeit, diesen Film nachzuholen, der bei mir über die meisten Jahre unter dem Radar lief... würde mich der Kritik eigentlich komplett anschließen, den Film kann man klar empfehlen und er verdient mit Sicherheit mehr Aufmerksamkeit also diverse andere populäre Filme aus den Achzigern.

Danke für den Hinweis mit der Inszenierung, die ist mit teilweise sehr aufgefallen (Fahrstuhl am Ende, Gitter u.a.), und teilweise eben nicht weil ich gerade in der Mitte damit beschäftigt war, mit den Namen zu jonglieren die da zugespielt wurden. Einziger Wermutstropfen ist da tatsächlich das etwas offensichtliche Ende, besonders die zugegeben tolle Szene mit DeNiro und dem Ei war da doch etwas plakativ inszeniert. Aber eben genau dadurch auch witzig, ergo... funktioniert das ganze am Ende sehr gut.

Ich habe gelesen, der Film war trotz Kino Flops wohl recht einflussreich. Bin mir allerdings nicht so sicher wo konkret, musste allerdings ein paar mal an Sieben denken bei den starken Kontrasten und der immer ein wenig im Schatten angedeuteten Gewalt.

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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