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Bad Times at the El Royale

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Bad Times at the El Royale Kritik

Bad Times at the El Royale Kritik

Bad Times at the El Royale Kritik
0 Kommentare - 14.01.2023 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Bad Times at the El Royale" ist.
Bad Times at the El Royale

Bewertung: 2.5 / 5

An einem Abend in den 1960ern besuchen eine Menge seltsamer Menschen das Hotel El Royal. Sie werden von dem Concierge Mike Miller (Lewis Pullman) in Empfang genommen. Darunter sind der Priester Daniel Flynn (Jeff Bridges), die Sängerin Darlene Sweet (Cynthia Erivo), der Unternehmer Laramie Seymour Sullivan (Jon Hamm) und eine mysteriöse Unbekannte (Dakota Johnson). Irgendetwas stimmt nicht vor Ort und je mehr sich die Bewohner mit dem Hotel befassen, desto schockierender werden die Offenbarungen.

Auf dem Papier klingt das Konzept hinter Bad Times at the El Royale wie der perfekte Kinofilm für Mainstream und Cineasten. Ein großer Cast, eine eher ungewohnte Umgebung, eine freche Bildsprache und irgendwie ein Sammelsurium für komische Menschen. Und zu Beginn will das auch funktionieren. Da zeigt sich das Werk von seiner besten Seite, indem vereinzelt Figuren etabliert werden und auch das Spiel mit dem Zuschauer hier von exzentrischem Auftreten und einer aufkeimenden High Noon-Stimmung untermauert wird. Insgesamt baut der Film da auch ein gutes Mysterium auf, indem der ebenso mysteriöse Seymour Sullivan Abhörgeräte in seinem Zimmer zu entfernen. Woher diese kommen, bleibt erstmal ungewiss und dann wiederum wird klar, daß da irgendwas vorgefallen sein muss. Auch ein Zimmer, in welchem sich ein gefesseltes Mädchen befindet, wirft das Drehbuch erstmal in den Ring, um dem Zuschauer hier einen Knochen hinzuwerfen. Und das funktioniert gut, weil man die Erwartung hat, daß alles sinnig und zielführend zu einer wirklich großen Geschichte geführt wird. Dabei ist das gesamte Ambiente stilistisch stark an einen Tarantino-Film angelehnt. Gerade The Hateful Eight (2015) dürfte hier wohl ein großes Vorbild für den Film gewesen sein, während der Film sonst eher im Noir unterwegs ist.

Trailer zu Bad Times at the El Royale

Und dann ist der Film vor allem ein Ensemble, über verschiedenste Figuren und ihre Lebensgeschichten. Ein Pfarrer der ein bisschen Ruhe braucht, ein Staubsaugervertreter, eine Sängerin, sowie ein Hippiemädchen trudeln nach und nach in das Hotel an der Grenze zwischen Kalifornien und Nevada ein. In diesen Momenten funktioniert der Film am besten, weil er die unterschiedlichsten Charaktere und Bedürfnisse etabliert, ohne dem Zuschauer zu viel auf einmal an die Hand zu geben. Ein Kabel im eigenen Zimmer, durchsichtige Zimmer und Geheimgänge zeigen auf, daß irgendwas an diesem Ort nicht stimmt. Zudem lässt der Film den Zuschauer sogar relativ lange darüber im Dunkeln, wer nun die wirkliche Hauptfigur im Film ist. Die subtilen Verweise auf die Nixon-Ära, mitsamt einem Cameo in einem Fernsehgerät sind dabei relativ kluge Verweise auf die Probleme zwischen Staatsapparat und Individuum. Gerade hier entpuppt sich Bad Times at the El Royale als relativ zeitgenössisches Werk, daß an Aktualität nichts verloren hat und so schnell auch nichts verlieren wird. Da geht es um Sünden, um den unperfekten Menschen. Auch im Hinblick auf einen Priester und seine Geheimnisse, liegen hier ehrliche Menschen vor, die natürlich auch sehr gut in Szene gesetzt werden. Auch ein immer wieder aufkeimender Rassismus im Hinblick auf die Hautfarbe einer Beteiligten im Film wird immer wieder subtil thematisiert.

Dann wiederum spielt der Film natürlich auch mit dem Thema der Sektenzugehörigkeit. Ein Thema, daß gerade in diesen Zeiten doch relativ groß war. Vergleiche zu einem weiteren Tarantino Werk, mit Once Upon a Time in Hollywood (2019) lassen sich hier ohne weiteres hineinlesen. Zumal auch Chris Hemsworth hier zwischen Charisma und purer Gewalt immer wechseln kann. Dabei kommen die cleveren Gedanken des Films auch wirklich zum Vorschein, weil es eben darum geht, sich Reminiszenzen nicht ganz einfach hinzugeben. Man neigt ja gerade aus heutiger Sicht immer wieder dazu, daß alte Kino und vor allem die Zeit, in denen das alte Kino stattfand zu romantisieren. Wenn man an New Hollywood denkt, denkt man an Planet der Affen (1968), Der Pate (1972), oder auch Das Omen (1976), oder im besonderen auch an die aufkeimenden Blockbuster. Nun bezieht sich dieser Film hier natürlich nicht explizit auf ein Thema, doch mit der A-Moral der Figuren und dem entromantisierten Blick auf die Gesellschaft, möchte der Film sowohl mit den gesellschaftlichen Idealen und den daraus resultierenden Heldenverehrungen abrechnen, als auch eine Hommage an kritisch denkendes Kino sein.

Leider versagt der Film jedoch dabei, all diesen Themen den nötigen Platz einzuräumen, ohne daß das Werk an einer Überfrachtung leiden würde. So werden in episodischen Seitensprüngen immer wieder andere Blickwinkel einzelner Figuren und deren Motivation erläutert. Das schafft zwar eben Ambivalenzen, ist dabei aber auch nicht besonders spannend. Der eigentliche Plot kommt dabei sogar nach etwa vierzig Minuten komplett zum Erliegen und auch das Bedürfnis von einem großen Staraufgebot in gemeinsamen Szenen bleibt mehr ein Versprechen, als eine wirkliche Erfüllung. Der Film schafft zwar insgesamt eine durchaus dichte und spannende Atmosphäre, kommt aber mit seiner eigenen Geschichte nicht hinterher.

In Bad Times at the El Royale soll eine gesamte Epoche eingefangen werden. Von Moral, über Idealismus, bis hin zum großen Wahn bereitet der Film eine Fülle an Themen auf, die durchaus an sich interessant sind, doch dem kann das Werk einfach nicht gerecht werden. Dazu sind viele Ideen einfach zu schemenhaft und auch das Folgen der Geschichte fällt ab einem gewissen Punkt einfach nur noch schwer. Die Schauspieler versuchen dem natürlich noch eine ganze Menge abzugewinnen, können aber auch über den Stillstand der Geschichte nicht hinwegtrösten.

Bad Times at the El Royale Bewertung
Bewertung des Films
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