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Boogie Nights

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Ein Blick auf eine ausgegrenzte Gemeinschaft

Boogie Nights Kritik

Boogie Nights Kritik
0 Kommentare - 05.03.2012 von eli4s
In dieser Userkritik verrät euch eli4s, wie gut "Boogie Nights" ist.

Bewertung: 5 / 5

Mit seinem zweiten Film "Boogie Nights" schaffte Paul Thomas Anderson eine brillante, tiefschürfende Milieustudie über das Leben in der Pornoindustrie der 70er und 80er Jahre. Dabei sei als allererstes erwähnt, dass es sich dabei selbst nicht um Pornografie handelt, sondern um ein detailgetreues Sittengemälde, das sehr sachlich und weitgehend ohne Obszönität daher kommt. Im Zentrum des Films steht ein junger Mark Wahlberg als Eddie Adams, der eine Karriere als Pornostar anstrebt. "Jeder hat etwas, das er gut kann", sagt Eddie. Von Natur aus gut ausgestattet, scheinen in dieser Branche seine Chancen bestens zu stehen. Anders läuft es dagegen daheim. Nachdem er die High School abgebrochen hat, gibt es mit seiner Mutter nur noch Streit. Nachdem Eddie bei seiner Arbeit in einem Nachtclub mit dem Pornofilmproduzenten Jack Horner in Kontakt kommt, bietet dieser ihm an, ihn groß rauszubringen. Ermutigt und mit der Aussicht auf Ruhm und Erfolg willigt Eddie ein. Über Jack Horner, bestechend gespielt von Burt Reynolds, lernt der junge Mann ein komplett neues Leben kennen. Es öffnet sich eine scheinbar idyllische Welt für ihn, in der er herzlich aufgenommen wird und viele neue Freunde kennenlernt. Die Darstellerriege, die bis in die kleinste Nebenrolle perfekt ausgewählt ist, besteht dabei aus vielen bekannten Gesichtern, die bereits in Andersons erstem Film "Hard Eight" mitwirkten und seither regelmäßig in seinen Filmen wiedererschienen sind. An Horners Seite steht Julianne Moore als Amber Waves. Sie ist die erfahrene, mitfühlende Frau, die sich um alle anderen kümmert, insbesondere wie in Eddies Fall um die neuen Mitglieder in der Familie. Von Jack Horner wird sie liebevoll als "Mutter" bezeichnet. Zu Eddie fühlt sie sich sofort stark hingezogen, was nicht zuletzt mit ihrer eigenen Lebensgeschichte zu tun hat. Weitere Pornodarsteller werden gespielt von John C. Reilly, dessen Charakter zu Eddies ständigem Partner und bestem Freund wird und neben der Schauspielerei als Magier arbeitet. Don Cheadle träumt abseits der Pornografie von einem eigenen Elektrogeschäft. Außerdem mit von der Partie ist Luiz Guzman. Für Kamera - und Soundtechnik sind in Horners Team William H. Macy und Philip Seymour Hoffman zuständig. Letzterer spielt einen schüchternen jungen Mann, der meist abseits steht und übersehen wird, der aber große Probleme hat seine Emotionen zurückzuhalten. Von Eddie ist er direkt begeistert. Für eine Weile läuft alles hervorragend. Es werden fleißig Filme produziert bei deren Realisierung der Zuschauer mit hinter die Kulissen schauen darf. Doch mit dem Ende des Jahrzehnts beginnt die scheinbar heile Welt auseinander zu brechen und die Charaktere finden sich allein vor ihrem traurigen Schicksal wieder und müssen der Realität ins Auge sehen. Dem rasanten Aufstieg folgt der Fall, als Eddie der Ruhm zu Kopf steigt und ihn die Angst vor Versagen ins Verderben treibt. Der Ausnahmeregisseur und Drehbuchautor Paul Thomas Anderson schafft hier ein frühes Meisterwerk, das klaren Einfluss von New-Hollywood Pionieren wie Martin Scorsese oder Robert Altman erkennen lässt. Nicht nur inszeniert er ein starkes Drama um die Vergänglichkeit von Erfolg, er bettet es darüber hinaus ein in den Kontext einer mißachteten und ausgegrenzten Gemeinschaft. Man bekommt einen genauen Einblick in das Leben im Pornobusiness, das isoliert und ignoriert von der übrigen Gesellschaft ein eigenens, kleines Teilsystem bildet. Die Schwierigkeiten, mit denen die Menschen dieser Branche außerhalb und innerhalb dieser Kreise zu kämpfen haben, werden eindringlich an einer Vielzahl von Charakteren illustriert. Viele von ihnen gehen nebenbei auch noch anderen Jobs nach. Viele haben aufgrund diverser Ursachen keine Wahl anders Geld zu verdienen. Für sie ist es ein ganz normales Geschäft. Aber sozial akzeptiert ist es in der übrigen Gesellschaft keineswegs. Mitunter ein Grund, weswegen viele nicht nur in die abgeschottete Nische der Pornoindustrie flüchten, sondern auch darauf angewiesen sind. Hier haben sie Freunde, die sie respektieren. Desweiteren wird die Pornoindustrie am Rande des Films in das zeitliche Geschehen eingordnet und es wird auf gesellschaftliche und technische Veränderungen und deren Auswirkungen hingewiesen. So geht die Einführung des Videoformats unweigerlich einher mit dem Aussterben der Pornokinos. Die weitaus günstigeren Produktionsbedingungen können sicher auch zusätzlich als Faktor genannt werden, dass Pornofilme ab den 80er Jahren noch viel stärker zur Massenabfertigung wurden. Auch Jack Horner steht diesem Konflikt im Film gegenüber. Seine Ambition ist es einen wirklich guten, außergewöhnlichen Pornofilm zu drehen, der die Zuschauer auch über ihre sexuellen Bedürfnisse hinaus fesselt. Inwiefern das eine umsetzbare Idee ist, sei dahin gestellt. Paul Thomas Anderson ist mit "Boogie Nights" aber so ein außergewöhnlicher Film gelungen. Der Film glänzt auf unzähligen Ebenen. Er ist authentisch und ehrlich, fesselnd und traurig und auch sehr unterhaltsam und gespickt mit einer guten Prise Humor. Die mitreißende Charakterstudie erzählt die Geschichte verzweifelter Seelen und gescheiterter Existenzen. Aber nicht zuletzt ist es auch ein Film über das Filmemachen selbst, wenn auch aus ungewohnter Perspektive. http://eliasandthemovies.blogspot.com/

Boogie Nights Bewertung
Bewertung des Films
1010
DVD & Blu-ray

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