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Bram Stokers Dracula

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Bram Stoker’s Dracula Kritik

Bram Stokers Dracula Kritik

Bram Stokers Dracula Kritik
0 Kommentare - 12.05.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Bram Stokers Dracula" ist.

Bewertung: 3.5 / 5

Im 15. Jahrhundert wird der Anwalt Jonathan Harker (Keanu Reeves) auf das Schloss des Grafen Dracula (Gary Oldman) geschickt, um einen Vertrag über das Land abzuschließen. Der mysteriöse Graf, der eigentlich der unsterbliche Prinz Vlad Dracul ist, erkennt in Harkers Verlobter Mina Murray (Winona Ryder) die Reinkarnation seiner geliebten und verstorbenen Frau Elisabeta. Also macht sich Dracula unabhängig von Harker in Gestalt eines attraktiven Mannes auf den Weg nach London. Er möchte die schöne Frau in seinen Bann zieht, während er jedoch zunächst deren hübscher Freundin Lucy Westenra (Sadie Frost) das Blut aussaugt. Dies ruft den Vampirjäger Professor Abraham von Helsing (Anthony Hopkins) auf den Plan.

Hier liegt ein groß ambitioniertes Projekt vor. Das müssen die Verantwortlichen hinter Bram Stoker’s Dracula irgendwann Ende der 1980er oder frühen 1990er Jahre gedacht haben. Auf dem Papier klingt das Beispiellos, Gary Oldman in der titel gebenden Rolle und Francis Ford Coppola auf dem Regiestuhl. Die Verfilmung eines Briefromans und einer Figur, die popkulturell, aber auch gesellschaftlich so tief verwurzelt ist, daß das einfach nicht scheitern darf. Und dann kommt dieses Werk im Jahr 1992 in die Kinos und man ist ein wenig irritiert. Nicht, ob der Tatsache, daß man hier einen vielleicht zu soliden oder gar schlechten Film bekäme, sondern ob dessen, wie Bram Stoker’s Dracula ganzheitlich wirkt. Und er wirkt auch nach all den Jahren, ja, das tut er. Aber er wirkt genauso auch nach all den Jahren immer noch seltsam. Da wird mit einer eigenartigen Ästhetik gespielt, wenn diese Figur in Lichter gehüllt wird, oder sich nur bewegt. Wenn ein Schatten schon anders wirkt, als die vermeintlich lebende Gestalt. Wenn seltsame, sexbesessene und ebenso sexbombige Damen irgendwie über einen Mann herfallen, dann hat das parodistische Züge. Eine offenkundig mangelnde Qualität soll unterdessen auch Keanu Reeves nach Meinung vieler sein. Nun, klar, er scheitert am Akzent, aber das ist nicht das Problem des Films. Viel eher ist es eine sehr eigensinnige, sehr seltsam wirkende Inszenierung, die zwischen komödiantischen und ersten Szenen hin- und herwechselt.

Nun darf man vielleicht grundsätzlich nicht erwarten, daß Coppola nach Der Pate (1972) oder Apocalypse Now (1979) noch einmal einen Film dieser Art hinbekommt. Wir reden hier über Filme, die in so ziemlich jeder Besprechung oder Veröffentlichung über Filme zu den besten zählen, was je die Leinwand bestrahlen durfte. Es ist ein irrsinniger Anspruch, daß zu erreichen. Daher ist es vielleicht auch gemein, viel zu hohe Erwartungen an Bram Stoker’s Dracula zu haben. Dennoch ist das hier bei weitem kein schlechter Film. Es ist ja auch eine recht eigenwillige Handschrift zu erkennen, die mit Stilisierung beginnt und in seltsamen Bildern mündet. Das große Thema vom Film ist indessen gar nicht so ersichtlich, wie es den Anschein hat. Man merkt auch hier an, daß es sich bei Stokers Vorlage tatsächlich um einen Briefroman handeln muss. Dabei hat man als Laie aber schnell den Eindruck, daß das Werk die Zeit, die es bebildern soll, gut einfängt und dort schon eine gewisse Authentizität liegt. Unterdessen setzt Coppola auch bewusst auf britische Größen, die dem Film neben seiner eigenwilligen Ader auch eine theatralische Note verpassen. Wenn Oldman durch die Bilder streift, dann kann das pubertären Menschen sicherlich keine Glaubwürdigkeit abgewinnen. Dennoch, wenn man älter wird, dann wirkt seine schauspielerische Leistung schon etwas besser. Der ebenso großartige und sowieso brillante Anthony Hopkins liefert hier eine ebenso fesselnde Performance ab.

Und dann wird der Film primär ein Werk, daß über das Rationale hinausgeht. Klar, es ist irgendwo albern, seltsame und unerklärliche Dämonen mit Kruzifixen und Weihwasser zu bekämpfen. Der naive Tenor ist, fügt sich aber grundsätzlich gut zur Romantik des Werkes. Ohnehin handelt Bram Stoker’s Dracula auch eher von einer naiven Liebe, die es zu erretten gilt. Da bleiben im Subtext auch nicht allzu viele Themen, mit denen man irgendeine größere Debatte anstoßen könnte. Allerdings muss das auch nicht immer der Fall sein. Seinerzeit machte Coppola mit dem Werk tatsächlich auch einige Gemüter heiß. Obwohl, wenn man so darüber nachdenkt, tatsächlich verwundert ist man dahingehend dann eigentlich nicht. Ob AIDS nun wirklich eine zentrale Thematik vom Film ist, oder ob das einfach auch ein wenig überinterpretiert ist, lässt sich an der Stelle eigentlich nicht wirklich sagen. Die Angst vor einer Blutkrankheit war aber in den 1990er Jahren natürlich entsprechend hoch und so ist es vermutlich logisch darauf zu kommen. Unterdessen ist auch das Thema Okkultismus oder Satanismus nichts, was man direkt mit dem Film in Zusammenhang bringen sollte. Natürlich bietet auch das sich an, liegt aber auch ein wenig an der Vorlage und ist im Hinblick darauf, daß Dracula eigentlich kulturell schon seine ganz eigene Figur ist, weniger explizit mit solchen Themen zu verbinden. Was verbleibt, ist wohl eher gut gemachte Unterhaltung.

Dahingehend kann Bram Stoker’s Dracula auch überzeugen. Denn es ist ein Film, der recht stringent und einfach daherkommt, aber dann vor allem durch interessante Ideen und ebenso interessantes Schauspiel getragen wird. Obendrein liefert Coppola noch das, was Historiker ohnehin vermuten und was letztlich auch ein wenig der Auslöser für Dracula Untold (2014) gewesen sein dürfte.

Eigenwillig, etwas schräg und sichtlich nicht ganz ohne Trash kommt Bram Stoker’s Dracula aus. Es ist ein Werk, daß irritieren kann und dadurch auch nicht frei von Lachern ist. Dennoch gewinnt der Film durch seinen Mut, diese Idee bis zum Ende durchzuziehen und ferner, ist das auch gut in Szene gesetzt, während vor allem das Schauspiel in den allermeisten Fällen überzeugen kann.

Bram Stokers Dracula Bewertung
Bewertung des Films
710

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