Chasing Amy

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Eine Liebesdramödie der besonderen Art

Chasing Amy Kritik

Chasing Amy Kritik
0 Kommentare - 24.01.2018 von luhp92
In dieser Userkritik verrät euch luhp92, wie gut "Chasing Amy" ist.

Bewertung: 4 / 5

Ein unbefriedigender und unangenehmer Film, der mich zwar nicht wie ein Zug überrollte, mich aber dennoch sehr empfindlich traf. Darauf war ich nach der Feel-Good-Komödie "Mallrats" nicht vorbereitet und es wäre leicht, "Chasing Amy" deswegen schlecht zu bewerten, aber dieses Anstößige ist für mich gerade das Tolle. Eine Liebesdramödie der besonderen Art!

"Chasing Amy" erzählt von der unwahrscheinlichen Liebe zwischen dem heterosexuellen Holden (Ben Affleck) und der homosexuellen Alyssa (Joey Lauren Adams), welche die langjährige Freundschaft zwischen Holden und seinem besten Freund Banky (Jason Lee) zu zerstören droht. Alle drei sind Comicbuchautoren bzw. -zeichner, Holden und Banky bringen gemeinsam eine Comicserie heraus und wohnen obendrein auch zusammen in einer WG.

Spoiler Anfang

Wer "Chasing Amy" Homophobie vorwirft, weil "die Lesbe nur einen richtigen Mann benötigt", der hat dem Film meiner Meinung nach nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt. Die Liebe zwischen Holden und Alyssa überkommt die beiden nicht von jetzt auf gleich, sondern entwickelt sich natürlich aus einer Seelenverwandtschaft und einer engen Freundschaft heraus. Alyssa ist eine sexuell erfahrene Frau, die in ihrem Leben lange nach dem oder der Richtigen gesucht und diese(n) in Holden nun schließlich gefunden hat.
Damit ist "Chasing Amy" letztendlich ein Film, der sich FÜR die freie Liebe ausspricht, weil er Liebe als vom Geschlecht unabhängig definiert. Es hätten auch umgekehrt eine Frau und ein Mann, zwei Männer oder zwei Frauen sein können, das ist hier vollkommen egal. Zu Konflikten kommt es deswegen, weil Holden dem Geschlecht weiterhin eine zu große Bedeutung beimisst, als sexuell Unerfahrener Angst vor Alyssas experimentierfreudiger Vergangenheit und obendrein eine pubertäre Vorstellung von Sex als Allheilmittel hat. Das ist es, was letztendlich zum Scheitern der Beziehung führt, die Lesbe muss eben nicht einfach nur gut von einem Mann gefickt werden!

Ich finde es bemerkenswert und mutig, dass Kevin Smith dies konsequent bis zum Ende durchgezogen hat, mir fällt gerade auch kein (Autoren-)Filmer ein, der sich so radikal und kritisch mit dem eigenen Comicnerd-Dasein auseinandersetzt wie er (ebenfalls bezogen auf "Mallrats"). Fast noch mehr als in der gescheiterten Beziehung zwischen Holden und Alyssa sieht man das in dem Charakter Brandy, der sich mehr und mehr an den Rand gedrängt fühlt und sich selbst als drittes Rad am Wagen empfindet. Ein sexistischer und homophober Volldödel ("penetrierende Schwule sind in Ordnung, Lesben sind Männerhasser"), bei dessen Charakterisierung es Smith offen lässt, ob sein Verhalten aus einer unterdrückten Homosexualität heraus erklärt werden kann oder nicht.

Spoiler Ende

Bei all diesem Lob, warum dann nur 8 von 10 Punkten?
Zum Einen betrifft dies das Schauspiel von Ben Affleck. Ich mag ihn sehr und bin zudem der Meinung, dass er tatsächlich schauspielern kann (s. die Filme der letzten sechs Jahre), aber was er hier als Hauptdarsteller vollbringt, das war gar nichts! Immer wenn es dramatisch und emotional wird, sieht Affleck so aus, als erlitte er gerade einen Schlaganfall. Joey Lauren Adams spielt ihn hier mühelos an die Wand, leider gelang ihr danach nicht der Durchbruch in Hollywood.
Zum Anderen liegt es daran, dass trotz des insgesamt reifen Umgangs mit dem Thema "Liebe und Sexualität" in manchen Szenen pubertäre Witze überhandnehmen. Smith kann es wohl einfach nicht anders. Beispielsweise werden Jay und Silent Bob zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt in die Handlung eingeführt und Smith bekommt hier nur die Kurve, weil er Silent Bob eine Geschichte aus seiner Vergangenheit erzählen lässt, welche die Handlung sinnvoll und dem eigentlich ernsthaften Thema angemessen vorantreibt. An dieser Stelle frage ich mich nun, warum Silent Bob überhaupt mit so einem Penner wie Jay abhängt.

P.S.: Sind (nachträglich) noch jemandem die Parallelen zu Finchers "Gone Girl" aufgefallen? Ben Affleck in der Hauptrolle, beide seiner Charakere sind sich ähnlich, in dem einen Film geht es um Chasing Amy und in dem anderen um Amazing Amy, beide Liebespaare üben den gleichen Beruf aus. Das finde ich ziemlich interessant, als Double Feature würden sich die Filme bestimmt lohnen!

Chasing Amy Bewertung
Bewertung des Films
810
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