Bewertung: 3 / 5
Nach der Beerdigung ihres Vaters treffen die Brüder Francis (Owen Wilson), Peter (Adrien Brody) und Jack (Jason Schwartzman) das erste Mal in im Zug „The Darjeeling Limited“ aufeinander. Gemeinsam fahren sie nach Indien, während Francis versucht das Trio wieder zusammenbringen.
Wes Anderson ist ein Meister seines Fachs. Nicht unbedingt, weil er am laufenden Band ein Meisterwerk nach dem anderen produzieren würde, wohl aber, weil er etwas hat, von dem sich viele Regisseure in Hollywood etwas abschneiden könnten: Eine Handschrift. Eine Handschrift wird Regisseuren nachgesagt, wenn sie einen gewissen Stil in ihre Inszenierung legen, der unverkennbar nur zu ihnen gehören kann. Bei Michael Bay ist es die Obsession für Explosionen, bei Spielberg der Vaterkomplex, bei Tarantino die exzessive und cartooneske Gewalt und seine Dialoge und bei Wes Anderson sind es bunte Farben, Symmetrie, der Übergang von Kindheit zur Jugend und ganz viele Bilder. Es liegt immer eine gewisse Tragikomik in dem Schaffen von Wes Anderson. Der Tod ist allgegenwärtig, daß suchen nach dem eigenen Platz in der Welt und das gepaart mit den absurdesten aller Momenten. Anderson muss ein Melancholiker sein, anders kann man sich das wohl nicht erklären. Und so ist es eben auch der Tod der hier drei ungleiche Brüder auseinandergebracht hat: Nun hat einer im Gespann das minutiös geplant, sodass die drei in einem Kloster in Indien wieder zueinander finden sollen. Dieses Familienstück soll dann immer wieder mit dem ein oder anderem seltsamen Moment angereichert werden, sodass man sich in einer gefühlstechnischen Bredouille befindet. Doch so richtig funktionieren will das nicht.
Filme von Wes Anderson entziehen sich häufig den klassischen Mustern des Mediums. Die Fallhöhe, die Tragikomik und der eigentliche Plot sind letzten Endes nur Aufhänger um exzentrische Figuren und Bilder aufeinandertreffen zu lassen und so kann man wohl sagen, daß Anderson niemals Filme inszeniert, sondern malt. In diesem Falle scheint er sich aber ein wenig mit den Farben eingesaut zu haben, denn so richtig stimmig wirkt Darjeeling Limited zu keinem Zeitpunkt. Sicherlich waren vor allem seine Werke in den 2010er Jahren mehr von politischem Zündstoff gefüllt und so sind Grand Budapest Hotel (2014) und auch Isle of Dogs – Ataris Reise (2018) wohl die Filme, die bei Kritikern im Endeffekt am besten ankommen. Gleichsam sind seine Werke dennoch auch immer auffallend, weil zumindest das Erscheinen aller Figuren und die Interaktion untereinander alles andere als gewöhnlich wirken. Im Falle von Darjeeling Limted scheint aber auch genau das einzutreten. Die eigentliche Komik weicht hier zu teilen komplett der Tragik und das wäre kein Problem, wäre die Geschichte dahinter nicht alles andere als klischiert. Drei Brüder, die auseinandergehen und wieder zusammenfinden müssen. Dabei reisen sie nach Indien und man hat den Eindruck, daß sich da wohl eine Art Culture-Clash anbahnen soll, der aber auch nie so richtig eintritt. Insgesamt vermittelt das Werk eher den Eindruck, als ginge es um Nichts.
Dabei greift der Film ebenso Tabuthemen auf, die die Menschheit wohl so schnell nicht mehr ablegen wird. Und das der Film dabei die Schwere der Realität einholen würde, ist wohl an Wahnsinn nicht mehr zu überbieten. Owen Wilson spielt hier einen Mann, der einen Selbstmordversuch unternahm. Das allein ist schon relativ harter Tobak für einen vermeintlichen Unterhaltungsfilm. Doch auch an einem solchen Thema verbrennt sich der Film nicht die Finger, weil er gewisse Dinge dann einfach im Raum stehen lässt. Insgesamt schwebt aber auch über den anderen Figuren eine gewisse Lethargie. Von zerbrochenen Ehen, über bedeutungslose One-Night-Stands legt Anderson den Blickwinkel auf die Schwierigkeit der Existenz und die noch schwierigere Tatsache von zwischenmenschlichen Interaktionen. Das war ebenso schon immer ein Markenzeichen Andersons, der hier das Absurde im banalen sucht und damit vielleicht wahre Kunst schafft. Wenn man ihn fragt, dann soll Darjeeling Limited auch so ein wenig eine Hommage oder Huldigung von Indien als Land und als Kultur verstanden werden. Ob die Exotik dessen, dies auch rechtfertigt, steht dabei natürlich unter einem ganz anderen Stern. Aber aufregen tut es dann auf der anderen Seite auch nicht.
Vielleicht verliert man sich in der indischen Kultur, wenn man diesen Film sieht. Es hat etwas, originelle Schauplätze und auch das ungezwungene hinter einer Repräsentation zu sehen. Sowas soll es ja auch mal geben und im Vergleich zu modernen Therapiesitzungen in Filmformat versucht dieser Film sich gar nicht erst bei allen anzubiedern. Vielleicht ist das hin und wieder sogar mal gewagt, wenn es zu den seltsamen zwischenmenschlichen Begegnungen kommt. Da ist Anderson auf der Höhe seines Schaffens.
Eine sehr konservative und teils auch wehleidige Angelegenheit ist Darjeeling Limited. Ein Film, über den man kaum reden kann, weil es vielleicht mehr eine Huldigung, denn ein Film ist. Das ist Anderson. Wer ihn nicht kannte, wird ihn hier verstehen. Doch insgesamt wirkt das alles auch ein wenig belanglos. Wenngleich es auch unterhalten kann.


