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Deadpool 2

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Isnt that a little derivative?

Deadpool 2 Kritik

Deadpool 2 Kritik
4 Kommentare - 19.05.2018 von Silencio
In dieser Userkritik verrät euch Silencio, wie gut "Deadpool 2" ist.
Deadpool 2

Bewertung: 3.5 / 5

Nach einer persönlichen Tragödie befindet sich der „Merc with a mouth“ in einer tiefen Sinnkrise: wie soll er nur seinen Platz im Leben finden? Da kommt die Einladung von Colossus, doch endlich den X-Men beizutreten, gerade recht. Doch schon bei seinem ersten Einsatz exekutiert Deadpool einen Mann, der den jungen Mutanten Russell misshandelt hat. Prompt wird er zusammen mit Russell in ein Hochsicherheitsgefängnis gesteckt, in dem zu allem Übel auch noch seine Selbstheilungskräfte ausgeschaltet werden. Aber da taucht auch schon der Mutant Cable auf. Aus der Zukunft angereist, um Russell umzubringen, damit dieser nicht zum Massenmörder werden kann, geht Cable über Leichen – notfalls auch über die von Wade Wilson! Wade bleibt nichts anderes übrig, als ein Team zu bilden, mit dem er Cable gegenübertreten kann. Ein verzweifelter Kampf um Russells Seele entbrennt zwischen den beiden ungleichen Helden...

Trailer zu Deadpool 2

„Deadpool“ war 2016 ein ziemlicher Überraschungserfolg: nachdem Ryan Reynolds den nervig-liebenswürdigen Söldner im 2009er „X-Men Origins: Wolverine“ spielen durfte, wurde es um den erwünschten Solo-Film erst mal ruhig. Aber Reynolds ließ sich nicht davon abhalten, hinter den Kulissen Lobbyarbeit zu betreiben und sich sein eigenes Star-Vehikel mit purer Willenskraft (und geleaktem Testmaterial) zu erarbeiten. Belohnt wurde das ganze mit einem selten zuvor gesehenen Anklang beim Publikum, dass sich umgehend in „Deadpool“, den anarchischen Humor und die zuckersüße Romanze verliebte und den Film zum zweiterfolgreichsten R-Rated Film in den USA (erfolgreichster weltweit, wie Wade uns in diesem Film stolz wissen lässt) machte. Natürlich musste eine Fortsetzung her und das im Schnellverfahren, immerhin befand sich „X-Men“-Zugpferd Hugh Jackman schon auf dem Weg in die Rente, Fox braucht dringend einen neuen Stern am Mutantenhimmel. Im Vorfeld hörte man nicht ganz so nette Gerüchte über „Deadpool 2“, da war von katastrophalen Testscreenings die Rede und hastigen Reshoots. Klingt wie eine Katastrophe...

Nun, mal nicht ganz so schnell: die Fortsetzung ist ein sehr unebener Film, der gerade im ersten Akt mit einigen Problemen behaftet ist, der aber, im Gegensatz zum ersten Teil, durchaus einen Kommentar auf die aktuelle Superhelden/Megafranchise-Welle abzugeben scheint. Mit „Deadpool 2“ ist es also wie mit allem im Leben: man muss das Gute mit dem Schlechten nehmen. Deshalb kommen wir zuerst zum Schlechten, denn „Deadpool 2“ hat für seine recht kurze Laufzeit von knappen zwei Stunden (kurzer Einschub: seit wann sind zwei Stunden kurz? Erinnert sich noch jemand an die Zeiten, als das Blockbusterkino keine Angelegenheit war, die die Aufmerksamkeitsspanne und die Blasen der Zuschauer auf eine harte Geduldsprobe gestellt hat? Hach, das war noch angenehm...) sehr viel Plot und ziemlich viele Charaktere, die es zu jonglieren gilt. Da müssen natürlich die liebgewonnenen Figuren aus dem Erstling ihr Gesicht in die Kamera halten, es müssen aber auch neue Helden und Schurken eingeführt werden. Das klappt alles nicht besonders gut, man hangelt sich ein bisschen im Schweinsgalopp durch die Handlung, Ideen können deswegen gerade im ersten Akt eher angerissen als wirklich artikuliert werden. Man muss sich da schon vom Charisma der Darsteller über die erste halbe Stunde helfen lassen – übrigens sind die Castneuzugänge Zazie Beetz und Josh Brolin eine wunderbare Ergänzung, das nur am Rande. Jedoch krankt der Film vor allem ein bisschen an seiner manchmal ungeschickten Inszenierung.

Nachdem Tim Miller den ersten Teil in Szene setzte, holte man sich für die Fortsetzung David Leitch, eine Hälfte des „John Wick“-Regieduos, um „Deadpool 2“ Leben einzuhauchen. Konnte „John Wick“ den geneigten Zuschauer noch mit stylischen Actionszenen überzeugen und brauchte auch nicht mehr zu bieten, sind es bei „Deadpool“ gerade die Gags, die den Appeal ausmachen. Doch ausgerechnet da zeigt Leitch, dass er sich besser auf Action konzentrieren sollte, denn einige Gags landen, trotz guter dahinterstehender Idee, einfach nicht mit ihrer vollen Wucht, da die Szenen und Sequenzen immer ein bisschen zu lange dauern (gerade die X-Force-Sequenz fällt auf), sie einfach nicht auf dem richtigen Beat enden, der Humor wirklich so lange ausbuchstabiert wird, bis ihn auch der letzte verstanden hat. Da hätte ein ordentlicher Cutter mal auf die Bremse treten, konsequent das Filet vom Fett trennen müssen.

Und trotzdem kann man in „Deadpool 2“ einiges finden, das den Film zu einer angenehmen Erfahrung macht. Gerade mit seiner ersten Szene, die freimütig Martin Scorseses „Casino“ zitiert, kann der Film durchaus den Zuschauer ordentlich in die falsche Richtung leiten, wenn er eine ähnliche Struktur wie beim Vorbild erwartet – die innerhalb kürzester Zeit aber ad absurdum geführt wird. Das macht Spaß und beweist, dass die Filmemacher durchaus wissen, was sie tun und sagen wollen. Spätestens, wenn Wade ein Team zusammenstellen will, das jung sein soll, damit es „mindestens zehn bis zwölf Jahre ein Franchise tragen kann“ muss man dem Film sogar zugestehen, dass er seine eigene geldgierige Absicht offen zur Schau trägt. Wenn er das dann zwei Szenen später wieder zurücknimmt (Spoileralarm: aus dem Franchise wird wohl nichts), kann man ihm tatsächlich sogar abnehmen, dass Reynolds, der hier einen Autoren-Credit hat, Reese und Wernick die Konventionen des Superheldengenres benutzen, um dieses zu persiflieren, was der erste Teil nur vorgetäuscht hat, und es sogar zu kritisieren. Somit wird „Deadpool 2“ nicht nur zum Aufruf zu mehr R-Ratings, sondern zu einer Rückbesinnung auf „richtige“ Filme, die mehr sind, als die Werbung für den nächsten Teil. Zurück zum organischen Geschichtenerzählen der Vergangenheit, so kann man Cables Anklage („Ich kenne die Zukunft, ihr Idioten habt den Planeten gefickt“ - paraphrasiert) durchaus nicht nur als Kommentar auf die Welt im Allgemeinen, sondern auch auf das (Superhelden-)Kino im Speziellen verstehen. Denn gerade bei Cable macht sich bemerkbar, dass „Deadpool 2“ nach gestern schaut, schließlich spielt die Hälfte seiner Szenen auf Camerons „Terminator“ an – wiederum ein Franchise, das eigentlich keins war, aber auf Biegen und Brechen zu einem gemacht werden soll. War in „Deadpool“ die Durchbrechung der vierten Wand noch eine Spielerei, die eine postmoderne Selbstbewusstheit ausdrückte, wird sie in der Fortsetzung zu einem Werkzeug, mit dem eine Sicht auf sich selbst und auf das Kino ausgedrückt wird. Das erfreut und lässt einen den Schwächen gegenüber um einiges wohlwollender sein.

So ist „Deadpool 2“ ein dezent überladener und unfokussierter Film, der aber auch offensichtliche Qualitäten zur Schau stellen kann. Er ist nicht perfekt, aber er hat das Herz am rechten Fleck – genau wie sein Held.

Deadpool 2 Bewertung
Bewertung des Films
710
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4 Kommentare
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Silencio : : Moviejones-Fan
31.05.2018 00:49 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 611 | Reviews: 39 | Hüte: 52

Gerade auf Englisch gesehen, da gefallen mir die Dialoge duchaus ein ganzes Stück besser, die Probleme im ersten Akt bleiben aber bestehen.

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luhp92 : : BOTman Begins
24.05.2018 00:22 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 9.890 | Reviews: 127 | Hüte: 310

@Silencio

Eine aufschlussreiche Erläuterung zur Franchisekritik, danke!

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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Silencio : : Moviejones-Fan
22.05.2018 07:55 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 611 | Reviews: 39 | Hüte: 52

@luhp:

Naja, nicht nur, dass der Teamname am Ende nicht gesagt wird (man also gerne auch DP3 mit Nebencharakteren als "Familie" füllen könnte), handelt es sich da aber auch um Charaktere, die nahezu organisch (Domino müssen wir da mal ein bisschen rausnehmen) aus der Handlung erwachsen sind. Es sterben ja die zynischen "Cashgrabs" und das Casting kann man durchaus mit ähnlich quarkigen Szenen in "Batman v Superman", "The Amazing Spider-Man 2" und auch "Thor" vergleichen. Dahingehend passt dann auch wieder die Post Credits Scene, in der Peter (der die X-Force eben nicht als Karriereoption sieht, sondern nur da ist, weil das nach Spaß klang) und Vanessa gerettet werden, während die X-Force tot bleibt - und dazu noch die anderen Cashgrabs in Reynolds Karriere dran glauben müssen. Die Franchiseträger sind am Ende eben Charaktere, die da "hingehören".

Ich seh das also weniger als Kritik am Spin-Off, als am aggressiven Franchise-Aufbau, wenn das so Sinn ergibt.

Was den Humor angehet, ist mir das schon fast zu subjektiv, als das man darüber wirklich fruchtbar diskutieren könnte: entweder man lacht, oder man lacht nicht. Man kann "Deadpool 2" allerdings zu Gute halten, dass er nicht den gleichen Fehler begeht, den viele Comedysequels machen, nämlich Witze einfach zu wiederholen. Wenn er schon wiederholt, dann setzt er tatsächlich wirkungsvoll einen drauf - wie die Babybeine. Aber insgesamt ist das Ganze eben oft zu lose geschnitten, um für mich zu landen. Was natürlich nicht heißen soll, dass ich nicht gelacht habe, einige der Sprüche und visuellen Gags waren durchaus gut. Aber ich denke eben, ein gutter Cutter hätte da noch etwas rauskitzeln können.

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luhp92 : : BOTman Begins
22.05.2018 01:25 Uhr | Editiert am 22.05.2018 - 01:27 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 9.890 | Reviews: 127 | Hüte: 310

Eine schöne Analyse, die mir noch eine neue Sichtweise gab.
"Ihr habt den Planeten gefickt."

Den Umgang mit der ersten X-Force könnte man zwar als Kritik am Franchising auslegen, aber darauf wird doch dann die zweite X-Force gegründet, die ein solches Franchise für längere Zeit tragen kann. Julian Dennisson (2002), Zazie Beetz (1991), Brianna Hildebrand (1996) und Shiori Kutsuna (1992) sind jung genug dafür.

Einem muss ich aber klar widersprechen:
Der Humor funktionierte hier für mich bei Weitem besser als im Vorgänger.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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